Angefaßt werden

Ich war noch ganz wund und verunsichert von der Entscheidung, die ich getroffen hatte. Ich hatte ihnen erlaubt, meine Grenze zu durchbrechen und dort zu tun, was sie für richtig hielten. Ich hatte einen Fremdkörper im Kopf. Dauerhaft — eine Maschine noch dazu, die aufgrund irgendwelcher Programme Strom abgibt.

Aus dieser Zeit wollte ich gerne eine Kleinigkeit erzählen. Denn gerade ist ja hier deutlich worden, dass manche es eklig finden, dort am Kopf berührt zu werden, wo direkt unter der Haut das Cochlea Implantat gebettet liegt.

Die Haut darüber, die heilte von alleine. Doch die Seele, die auch nicht so recht klar kam mit dem Fremdkörper, die heilte unter der Berührung anderer. Ein Streicheln, ein Kraulen, ein spürbares Zeichen, dass ich noch immer derselbe war. Dass alles okay, dass ich aufgehoben war — auch mit dem neuen Bestandteil. Zumindest die ersten Male ein fast magisches Erlebnis.

Gar nicht zu vergleichen mit meinen eigenen Selbsterkundungen. Kennt Ihr das?

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5 Antworten zu “Angefaßt werden

  1. Grenzüberschreitung, ja, finde ich auch, das war psychisch ein enormer Schritt: Sich was einsetzen lassen, was andere dann steuern. Fremdkörper. Aber gleich darauf war es wie „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Und weil die Teile im Kopf auch so winzig klein sind (unfassbar, dass das überhaupt funktioniert), habe ich das ganz gut verknusen können.

    Aber jetzt, Jahre später, fühlt man unter der Haut die Details. Huh. Und irgendwie ist die Stelle immer noch kribbelig. Also ich mache einen kleinen Bogen darum (Haarewaschen, Kämmen) und finde es auch unangenehm, dort angefasst zu werden.

    Die „Bussy“-Situation kennt ihr Hörgeräteträger ja auch noch mit Sound dazu: Bei modischen „So-tun-als-ob-man-sich-umarmt“ drücken Leute ihren Kopf an meinen Prozessor. Fühlt sich doof an. Früher quiekten meine Hörgeräte dabei hysterisch, das war lustiger, fand ich.
    Mein Butzky-Alarm 😉

  2. Hm, seltsam eigentlich….
    über das Fremdkörpergefühl, das sich bei CI-Trägern einstellt (oder vielleicht bei einigen auch nicht oder weniger) hab ich mir bislang wenig Gedanken gemacht….während ich, wenn´s um die Silicon Valleys von mehr oder weniger prominenten Frauen ging, immer dachte, igitt, so´n Ding würdest Du im Leben nicht in den Titten haben wollen, egal ob die danach besser aussehen.

    Finde ich total interessant, solche Einblicke in das Gefühlsleben bei solchen OPs zu bekommen.
    Ich hoffe, daß Ihr alle den Schritt nicht bereuen braucht und gut damit klarkommt….und ggfls. die helfenden Hände im Umfeld habt, die Ihr braucht.

  3. CharlyBrown

    Da hab ich Glück gehabt oder Prof.Dr Lehnhardt war damals
    ein besserer Chirurg als manche der heutigen CI-Mediziner.
    Im Jahre 1987 bekam ich in Hannover mein CI und habe bis
    heute keines der Probleme, von denen manche CI-TrägerInnen
    in Foren berichten.
    Anderseits habe ich nicht so gute Hörerfolge wie andere CI-TrägerInnen.

  4. Man schneidet eben bei OPs nie nur in den Körper, sondern auch in die Seele.

    Und dass Schneiden und Schnippeln ein Kunsthandwerk ist, sollte man nie vergessen bei der Wahl von Kliniken für sowas. Ich hab den Eindruck, das wird gern verschwiegen weil es so schwer ist, darüber zu sprechen.

  5. Hey klasse, es läuft wieder. :-)))
    Also, auf OPs im allgemeinen würde ich das so nicht beziehen. Gut, ich bin total die Schißbuxe, was Narkose und Aufschneiden angeht, aber wenn´s gut überstanden ist….irgendwelche seelischen Probleme hatte ich jedenfalls nach der Trommelfelltransplantation damals nicht. Bei Implantaten mag das halt anders ausschauen, wenn man da so ein körperfremdes Teil „innen drin“ hat (was dann ja auch ein Unterschied etwa zur Brille ist; die kann man noch abnehmen, die ist kein Bestandteil des Körpers).

    Finde es übrigens bemerkenswert, daß Du – und dann auch noch als Mann – so frei über solche Gefühle, Schwäche, Angst usw. öffentlich schreiben kannst. Könnte ich ja nichtmal als Frau. Respekt!

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