Im Namen des Kindeswohls? Wie mich das Jugendamt Rastatt sprachlos macht

Gerade habe ich es im Taubenschlag gelesen: Das Jugendamt Rastatt schrieb einem Elternpaar einen Brief, sie mögen bitte vorbeikommen, Man wolle sich mit Ihnen unterhalten, sie gefährdeten eventuell das Wohl ihres Kindes.Weil es anscheinend gehörlos ist und sie ihm kein elektrisches Ohr, kein Cochlea Implantat (CI) implantieren lassen wollen.

Gut, zu prüfen ob das Kindeswohl gewahrt ist, ist (u.a.) der Job des Jugendamtes. Einmal eingeschaltet kann es das auch nicht ablehnen. Und ich könnte mir sogar eine akzeptable Variante des Briefes vorstellen. Nämlich den Satz „Unser lnteresse als Jugendamt ist es, zu einer gut begründeten Haltung zu kommen“ ernst zu nehmen und anzunehmen, dass man sich aus erster Hand einfach mal informieren wolle, wie das Leben von gehörlosen gebärdenden Familien denn so sei. Obwohl ich glaube, dass Behörden sowas nicht fallunabhängig machen. Die haben schon genug zu tun.

Dieser Brief aber schlägt dem Fass den Boden aus: Denn die Vorladung und Einzelfallprüfung ist nicht nur menschlich daneben. Sie ist auch sachlich vollkommen ungerechtfertigt. Selbst wenn man mal für einen Moment annimmt, dass das Kindeswohl schon durch die bloße Verweigerung des Implantats gefährdet sein könnte — dann wäre dies der Fall sobald verweigert wird. Man müsste keinen Einzelfall prüfen, kein Elternpaar mit so einen Brief terrorisieren und sie nicht vorladen. Muss man aber den Einzelfall prüfen, dann liegt es nicht an der Frage „CI oder nicht?“ — sondern an der sonstigen Förderung (oder Vernachlässigung) des Kindes. Dann wäre die Wortwahl des Briefes (und der so unschuldig anmutende Betreff  „Vereinbarung eines Gesprächstermins“) im mildesten Fall sachlich grob fahrlässig und menschlich verletzend. Und außerdem: Wenn schon, dann könnte man sich wenigstens die Mühe machen, weniger Grammatikfehler zu machen. Nachlässigkeit obendrein.

So oder so. Bäh, Jugendamt Rastatt, bäh! Ich persönlich kann mir auch nach wie vor nicht vorstellen, dass ein Gericht bestätigen würde, dass nur mit CI das Wohl gehörloser Kinder gesichert ist. Das haben wir ja im Zusammenhang mit dem umstrittenen Artikel von Müller und Zaracko schon diskutiert.

 

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87 Antworten zu “Im Namen des Kindeswohls? Wie mich das Jugendamt Rastatt sprachlos macht

  1. Mich macht der Brief nicht sprachlos. Es ist typischer Behördensprech Marke „Textbausteine“. Das muß einem nicht gefallen, aber es ist Realität. Insofern werden hier Hörgeschädigte genauso behandelt wie solche, die es nicht sind.

    Anscheinend macht sich jemand Sorgen, einem Kind würde eine Förderungsmöglichkeit vorenthalten und wendet sich an das Jugendamt, das nun die Aufgabe hat, den Sachverhalt zu klären und einen entsprechenden Brief schreibt. Für eine Gebärdensprachdolmetscherin wird gesorgt, sogar die Möglichkeit eine andere hinzuzuziehen wird angeboten.

    Wie soll das Amt sonst zu einer Einschätzung kommen wenn nicht durch ein Gespräch mit der betroffenen Familie? Ich denke, daß das Denkmodell, das – unbewußt – hinter dem Einschalten des Jugendamts und auch dem Vorgehen des Jugendamts steckt vergleichbar mit der Haltung der Bluttransfusion der Zeugen Jehovas ist. Auch wenn der Vergleich schief ist, so ist er doch „wirkmächtig“.

    Wenn das Jugendamt einfach so mit den Eltern Kontakt aufnimmt – was nicht einfach mal so möglich ist – würde man den Vorwurf mangelnder Transparenz erheben sobald sich herausstellt, dass es eigentlich um ein CI geht.

    Würde das Jugendamt von einer Vernachlässigung ausgehen, dann wäre ein Hausbesuch – und zwar ein unangemeldeter – naheliegender.

    Die Polemik dieses Postings kann ich nicht nachvollziehen und finde sie auch nicht hilfreich.

  2. Du hast sicher Recht, dass vieles daran typisch Behördenbrief ist und gar nichts besonderes. Da kann man auch weniger auf die Tube drücken als ich das getan habe. Und das Denkmodell ist sicher ähnlich wie bei den Zeugen Jehovas.

    Aber wenn man mal die Sachfrage betrachtet: Du schreibst, „Wie soll das Amt sonst zu einer Einschätzung kommen wenn nicht durch ein Gespräch mit der betroffenen Familie? “ Die Frage ist ja, zu einer Einschätzung von was? Nimmt man den Brief beim Wort, dann steht dort, dass es nicht um den Einzelfall geht. Ich denke: Wenn das CI solche Kräfte hätte, dass dessen Implantation automatisch ganz tolle Sprachfähigkeit und dessen Verweigerung automatisch Deppentum bedingen würde, dann müsste man nicht den Einzelfall prüfen. Denn dann könnte die Familie machen was sie wollte, die Technik oder deren Fehlen würde bestimmen was dabei herauskommt.

    Geht es aber um die Frage wie das, also dieses spezielle Kind gefördert oder geschädigt wird — und zwar durch die Handlungen oder Unterlassungen der Eltern — dann ist die zu prüfende Sachlage eine ganz andere. Und das kann und sollte man auch so schreiben.

    Darum ging es mir. Gerade in so komplexen Problemen ist es nicht hilfreich, durch einen solchen Brief auch noch die Gemüter unter Druck zu setzen.

  3. Hallo Not quite,
    ich hab gerade auch schon im Taubenschlag ein Topic dazu eröffnet.
    Zur Zeit, muß ich sagen, gebührt NICHT dem Jugendamt das „bäh“. Denn das Jugendamt ist, wenn Du Dir das Anschreiben an die Eheleute mal durchliest, tatsächlich eingeschaltet worden – und zwar von der Eingliederungshilfe. (Weiß nicht, wie Rastatt das organisiert hat – bei uns gehört die Eingliederungshilfe zum Sozialamt.)
    Gerade heutzutage achten die Leute sehr darauf, ob die Jugendämter untätig bleiben – aufgrund der vielen Fälle von Kindesmißhandlung, von verhungerten und verwahrlosten Kindern.
    NATÜRLICH kann davon hier – nur wegen Verweigerung des CIs – keine Rede sein.
    Ich schätze aber, daß der zuständige Kollege vom Jugendamt Rastatt das so nicht weiß und nicht wissen kann. Dazu muß man ja doch ein bißchen Insiderwissen über das Thema Gehörlosigkeit mitbringen und das haben halt nach wie vor die wenigsten Hörenden.
    Zunächst gehe ich daher davon aus, daß da tatsächlich die Pflicht besteht, einer Anzeige nachzugehen und zu checken, ob da was dran ist.

    Ich erinnere mich an einen ähnlichen Fall aus dem gl-cafe; damals hatte das Gesundheitsamt den Eltern angedroht, das Jugendamt einzuschalten. Man korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber ich meine, das sei im Sand verlaufen, nachdem die Eltern von sich aus den Kontakt zum Jugendamt gesucht hatten.

    Ich hoffe, daß auch hier das Jugendamt zu einer anderen Einschätzung kommt als die Eingliederungshilfe. Da soll der Taubenschlag das mal schön nachhalten und darüber infomieren.

  4. Das ist alles richtig, insbesondere die Einschätzung dass eher keine böse Absicht (wie Kostensparen durch Implantat), sondern Unwissen dahinter steckt. Und klar muss das Amt was tun wenn es einmal eingeschaltet ist. Das habe ich ja oben geschrieben und ich finde die Prüfung an sich auch nicht schlimm. Sie haben ja recht, das Amt muss zu einer begründeten Einschätzung kommen. Man hätte also schreiben können: Wir würden uns freuen wenn Sie uns ein bißchen berichten würden.

    Und: Ich bleibe bei der Einschätzung, dass einem als Behördenmitarbeiter klar sein sollte WAS denn nun der einzuschätzende Sachverhalt ist (und dazu braucht man auch keine Insiderinfos) und WAS man dazu wissen bzw. wen man dazu anhören sollte oder muss. Und dass man, wenn man es nicht weiß, sich das vor dem Briefschreiben überlegen sollte. Das ist von den Besonderheiten der CI-Versorgung völlig unabhängig. Man lädt ja auch keine türkische Familie aus Berlin vor um zu klären ob die Türkei sich an die Menschenrechte hält.

  5. Wenn man gleich im ersten Satz mit „bezüglich einer möglichen Kindesgefährdung“ loslegt, ist schon mal was ganz gewaltig schief gegangen.
    Nicht nur rhetorisch grausig (Ämter, nehmt Kurse, lernt schreiben!), sondern auch inhaltlich absurd.

    Da zieht in Ämter und Öffentlichkeit wohl doch die dumm-simple Denkweise ein: „CI einbauen und fertig“. Alle Fachleute, die mit und an dem CI arbeiten, schütteln wahrscheinlich sowieso entsetzt den Kopf, weil zuerst mal eine organische Voraussetzung für eine Implantation gegeben sein muss und weil man bei jeder Patient/Patientin eine möglichst positive Haltung, eine Akzeptanz, fördern möchte.

    Unschön ist aber bei dieser Sache, dass alle Namen in der PDF nicht anonymisiert wurden! Datenschutz-Schlamperei vom Taubenschlag. Sowas macht man nicht im Internet. Es hätte völlig ausgereicht, das Amt zu nennen.

  6. @Pia:
    Das heißt, was konkret hättest Du im Betreff lieber gelesen?
    Statt „bezüglich einer möglichen Gefährdung des Kindeswohls“?
    (Genau das wird ja der „Vorwurf“ sein, den die Eingliederungshilfe Rastatt dem Jugendamt übermittelt hat.)

    @Not quite:
    Das heißt konkret?
    Was hätte sich ein Sachbearbeiter, der mit den exakten Lebensumständen der Gehörlosen und dieses Kindes im speziellen nicht vertraut ist, vorher überlegen sollen?

    Ich gebe Dir recht, die Formulierung sorgt bestimmt bei den Eltern für Angst und Schrecken…das Blöde ist aber, es liegt eine Anzeige vor und da kannste eigentlich nicht schreiben „wär nett, wenn Sie mir mal was berichten würden“. Der SB hat ja extra dazu geschrieben, daß er zu einer begründeten Ansicht kommen möchte. Aber das Ganze einfach als Kaffeeklatsch darstellen? Geht, denke ich, auch rechtlich nicht.

  7. Regenbogen, was das konkret heißt habe ich oben doch schon dreimal geschrieben: Geht es um eine Einzelfallprüfung und was genau soll geprüft bzw. durch die Anhörung herausgefunden werden? Das hat mit den Komplexitäten von CIs und den Lebensumständen erstmal gar nichts zu tun. Aber dadurch findet man erstmal heraus ob und in welcher Hinsicht man überhaupt die Lebensumstände prüfen muss.
    Wenn es z.B. nur um die Frage geht ob die Abwesenheit des CI das Kindeswohl gefährdet, wie es die Formulierung suggeriert, dann braucht man die sonstigen Handlungen oder Unterlassungen der Eltern gar nicht erst zu prüfen. Dann kann man sich stattdessen genauso gut einen Experten holen. Und wenn man wirklich NICHTS über das CI wissen sollte, dann soll man auch nicht blind einem allgemein formulierten Hinweis der Eingliederungshilfe folgen, bevor man alle in Aufruhr versetzt.
    Das Amt ist natürlich rechtlich gebunden, den Hinweis der Eingliederungshilfe zu prüfen. Es kann das aber so und so machen. Und auch zu dem begründeten Ergebnis kommen, dass die Familie nicht gehört werden muss.

  8. Grundsätzliche Prüfung? Begründete Einschätzung?
    Nicht die Eltern vorladen, sondern Gesetzeslage nachlesen:
    Es gibt doch keinerlei gesetzliche Grundlage für eine „Verpflichtung zur Implantation zum Wohl eines Kindes“. (Es gibt zum Glück das Recht, ein CI zu bekommen, wenn man es haben möchte. Das ist was ganz ganz ganz anderes.)

    Weil die Frage der Implantation immer noch individuelle Sache zwischen Privatmensch, Medizin, Audiologie und Krankenkasse ist, hat das Jugendamt weder Anlass noch Berechtigung zu irgendeiner Prüfung. Das Interesse des Jugendamtes, eine „Haltung“ zu finden, ist daher völlig irrelevant.

  9. Jein. 🙂

    Deinem ersten Absatz stimme ich zu, genau das meine ich oben.
    Zum zweiten: Ich denke, eine Haltung finden wollen kann es schon. Schon um eine Grundlage zu haben, weitere ähnliche Anfragen schnell zu beantworten bzw. abzulehnen.

    Außerdem (das scheint aber hier zumindest dem Brief nach nicht der Fall zu sein!) könnte es ja auch komplizierter sein, es Anzeichen auf irgendsonstwelche Verletzung des Kindeswohls geben. Zb, dass es gar keine (Gebärden-)Sprachförderung erhält. Bei solchen Hinweisen fände ich es durchaus okay, wenn das Amt sich mal erkundigen würde. Und nur in einem solchen Fall wären auch Gespräche mit der Familie überhaupt zweckdienlich.

  10. Was ist, wenn das Jugendamt (bzw. der eine Mitarbeiter, der mit der Familie spricht), zu der „Haltung“ kommt, ein CI wäre gut für das Kind? Was ist mit „Haltung“ gemeint, wenn die Gesetzgebung bisher ganz klar keine amtsseitig angeordnete CI-Versorgung gegen den Willen der Patienten und der Eltern erlaubt?

    Ob der Artikel von Müller und Zaracko mit ihren unsäglichen „Empfehlungen“ schon seine Kreise zieht? Aus dem Schreiben des Jugendamtes: „Hintergrund war die Frage, ob es eine Kindeswohlgefährdung darstellt, wenn Eltern ihrem sehr schwerhörigen Kind die Möglichkeit vorenthalten, zur gesprochenen Sprache zu kommen.“ Klingt abgeschrieben.

    Angstschüren und Druckmachen hat dem CI bisher nur geschadet. Das CI ist eine gute Sache, gerade deshalb möchte ich es nie erleben, dass jemand dazu genötigt werden könnte. *Scherz: Rastatt, liegt das nicht ganz in der Nähe von Stuttgart? Was machen die falsch da unten im Süden* 😉

  11. In Reaktion auf eine Email:
    Natürlich könnte man auch sagen: Der Sachbearbeiter hat einen Hinweis bekommen, den er nicht ignorieren kann und jetzt will er sich halt ein Bild machen. Was läge da näher als sich einfach mal über die Lebensumstände des Kindes zu informieren.
    Das stimmt. Aber: So neutral ist der Brief aber nicht geschrieben. Und dies geschieht bereits im Zuge eines Verfahrens und eben nicht fallunabhängig.
    Bildlich gesprochen: Die Eltern werden nicht als Experten/Zeugen geladen, sondern als potentielle Angeklagte. Sie geben nicht Informationen, sondern sie müssen sich rechtfertigen.

    Zudem: Es gibt doch sicher bei solchem Amtshandeln auch eine Vorschrift, dass der Anfangsverdacht auch begründet sein muss. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Amt jedem x-beliebigen Hinweis gleich mit Vorladungen nachgeht, egal worauf er sich gründet.

  12. Pia, wenn der Mitarbeiter zu dem Schluss kommt, „ein CI sei gut für das Kind“ ist das — meiner Meinung nach — genauso völlig daneben wie wenn er zu dem käme, es sei nicht gut für das Kind. Das hat er nicht zu etnscheiden.

    Wenn’s nach mir ginge, müsste sowas rauskommen wie oben skizziert: Das CI alleine sichert kein Kindeswohl, ja es hat mit dem Kindeswohl erstmal recht wenig zu tun. Deswegen begründet sein Fehlen auch keinen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. Ob in sonstwelcher Hinsicht das Kindeswohl gefährdet sein könnte, können wir als Jugendamt ggf. gern prüfen. Dafür brauchen wir aber andere Anhaltspunkte. Und ob Vernachlässigung der Sprachförderung (egal ob nun mit CI oder ohne) schon eine solche Gefährdung darstellt wäre mal gerichtlich zu entscheiden.

  13. @Not quite:
    Daß es um eine Einzelfallprüfung geht, scheint doch offensichtlich zu sein, sonst hätte das Jugendamt doch gleich alle gehörlosen Kinder bzw. deren Eltern per Serienbrief vorgeladen.

    Der Schluß, den Du da als Ergebnis gern sehen möchtest, ist auch die Einstellung, die ich dazu habe und als angemessen ansehe, insofern stimmen wir überein.

    Aufgrund des Schreibens schätze ich die Angaben der Eingliederungshilfe so ein, daß man gesagt hat: Das Kind könnte hören und sprechen lernen und sich somit in die hörende Welt integrieren. Die Eltern verweigern das und dadurch erschweren sie dem Kind später mal das Leben. Das widerspricht dem Kindeswohl.
    Dem wird versucht nachzugehen. Muß sein, wenn es sich nicht um ganz und völlig offensichtlich unrichtige Angaben handelt. (Dabei spielt vielleicht auch eine Rolle, daß der Anstoß dafür nicht von einem Nachbarn kommt, mit dem die Leute immer schon Zoff hatten, sondern von amtlicher Seite.)
    Also fragt man nach, wie das Kind sozialisiert wird, schaut sich den Entwicklungsstand des Kindes an etc.

    Tschuldigung, per se kann ich (noch) nichts Verkehrtes an der grundsätzlichen Handhabe des Jugendamtes finden.
    Schlimm finde ich, daß diese Anzeige überhaupt erstmal gestellt wurde.

    @Pia:
    Gesetzeslage nachlesen und sehen, es gibt keine Implantationspflicht, richtig.
    Aber das Kind muß dennoch eine gute Entwicklung und Sozialisation erfahren (können) und so großgezogen werden, daß es hinterher im Leben bestehen kann.
    Das Dämliche ist, daß bei der Anzeige halt wohl die (irrige) Annahme zugrunde lag, daß das ohne Lautsprache nicht funktionieren kann.
    Die Prüfung – ist vermutlich rechtlich nicht zu beanstanden. Außer das Jugendamt schließt sich dieser unsäglichen Auffassung an. Das hat es aber noch nicht.

  14. PS
    Kann aber natürlich auch sein, daß ich schon per se eine andere Sicht auf die Dinge habe – weil ich ja auch in einer Behörde arbeite und von daher einige Einblicke in rechtliche Anforderungen an Behördenschreiben und Ermittlungen habe, die Außenstehende so nicht haben.

  15. PSII:
    Eins allerdings kann ich wohl von der Kritik hier nachvollziehen:
    Es hätte sich – sofern das bislang nicht stattgefunden hat – angeboten, bei den Kollegen der Eingliederungshilfe nachzufragen:
    Gibt es denn noch andere Punkte, die für einen solchen schweren Vorwurf sprechen? Wenn ja, welche? Und wenn nein, wenn das Kind ansonsten einen guten Eindruck macht (die Eingliederungshilfe kriegt das Kind ja auch ab und an zu Gesicht – hier jedenfalls): Kein Grund, weiter nachzuhaken.
    Insoweit – okay.

  16. Wenn eine Stellungnahme zu einem Sachverhalt abgegeben werden muß, dann ist eine vorherige Anhörung verpflichtend. Von daher kann der Sachbearbeiter gar nicht entscheiden, dass eine Anhörung nicht erforderlich ist.

  17. Kann ja auch sein, DASS da tatsächlich schon ein Austausch stattgefunden hat.
    Denn wenn man das Schreiben liest: Die Anzeige wurde „vor einigen Monaten“ gestellt, aber erst jetzt kommt die Vorladung.
    Um das ganze endgültig beurteilen zu können, müßte man die Akte gelesen und mit dem beteiligten Sachbearbeiter gesprochen haben….

  18. Regenbogen, klar, man weiß alles mögliche nicht um den Fall abschließend zu beurteilen. Aber solange nimmt man halt das was bekannt geworden ist und schaut es sich genau an. Da kommuniziert eine Behörde mit einem Elternpaar. Und dann stellt man fest: Was da zur Begründung steht ist schlampig geschrieben, inhaltlich ziemlich dürftig, nicht einmal die Sache ist genau gekennzeichnet. Und es wird ja auch keine Einordnung in etwaigen, bereits erfolgten Schriftverkehr vorgenommen.

    Noga, danke für die Rückmeldung. Ist das so in diesem Fall? Dass sobald der Hinweis auf einen möglichen Sachverhalt kommt egal wie er sich begründet die Anhörung nicht vermieden werden kann? Das wäre dann tatsächlich anders als ich vermutet hätte! Dann wäre es tatsächlich eine Frage der Diplomatie und Präzision im Briefeschreiben.
    Könntest Du bitte noch klarstellen, ob Dein Kommentar eine Vermutung ist oder die Rechtslage/Verwaltungsvorschriften wiedergibt?

    Ich hätte gedacht, dass es in der Kommunikation zwischen diesen Behörden kein Kadavergehorsam gibt (die Eingliederungshilfe sagt „Spring“ und das Jugendamt springt). Oder ist die Eingliederungshilfe dem Jugendamt gegenüber weisungsbefugt?

  19. He write silent.

    Was mit dem höchst umstrittenen Artikel von Müller und Zarack betrifft stehen in diesem Artikel einige Dinge, die einfach nicht wahr sind. Gehörlose haben nicht pauschal gesehen neurologische Defizite und können sich nicht selbst organisieren. Denn in Wirklichkeit sind sie bis ins höchste Alter hierzu in der Lage. Ich schäme mich dafür, wenn solche Leute wie Müller und Zaracko Texte ausdenken bzw. manipualtiv texterischer Erfindung.

  20. Der Zusammenhang „CI und Jugendamt“ ist schon von vornherein problematisch und das Wort „vorenthalten“ ist absolut indiskutabel! Es gibt bisher einfach keinerlei gesetzlich untermauerten Zusammenhang zwischen CI-Versorgung und Förderung/-schädigung eines Kindes. Himmel! Das ist nur Meinung, nicht Gesetz. Auch ein Amt macht keine Gesetze.

    Ein Kind ohne CI ist nicht geschädigt oder gefährdet durch den Umstand, dass es nicht mit Lautsprache aufwächst*. Und deshalb hat das Amt der Frage eben nicht nachzugehen. Wenn das Jugendamt in einem konkreten Fall (von dem hier niemand die Details kennt) die familiäre Situation und allgemein die Sprachförderung des Kindes prüfen möchte, muss es andere Briefe schreiben. Es gibt Rhetorikkurse. Himmel!

    *Stand 2010. Man muss sich ja vor der Zukunft fürchten, wo die Gesellschaft beschließen könnte, das CI nicht als Hilfe anzubieten, sondern als „Soll“ zu verordnen. Gruselig.

  21. @Not quite:
    Weisungsbefugt?
    Mit einiger Sicherheit nicht. Das Sozialamt kann dem Jugendamt keine Anweisungen erteilen.

    Ich schätze mal, daß zu so einer Dramatisierung auch die ganzen Fälle von tatsächlicher Kindesmißhandlung etc. beigetragen haben, wo es dann auf einmal hieß: Guck mal, ich hab dem Jugendamt Bescheid gesagt – und die haben nix getan, und nun sieht man, was dabei rauskommt.
    Ich denke, daß die u.a. auch deshalb sehr viel genauer hinsehen, weil in der Vergangenheit da so viel falsch gemacht wurde.

    @Pia:
    Tut mir leid; so ganz verkehrt (bis auf die Rechtschreibfehler) kann ich die Schreibweise nicht finden. Außer es gibt noch andere Gründe zu diskutieren und die sind nicht genannt worden.
    Ich persönlich hätte vielleicht sowas geschrieben wie, gebe Ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme oder sowas….ich wüßte nicht sehr viel (obwohl ich durchaus ne gute Aufsatzschreiberin war), wie man, ohne zu verharmlosen, worum es geht, den Leuten das Anliegen vorsichtig genug beibringen kann. Irgendwo wird halt stehen müssen, was ambach ist. Und dann werden die nen Schrecken kriegen – egal wie Du´s formulierst. Denke ich jedenfalls.

  22. Ich habe überhaupt keine Meinung für oder gegen CI. Dass es das gibt, weiß ich erst seit zwei Wochen und hatte noch keine Zeit und Ruhe mich darüber zu informieren. Ich beziehe mich also nur auf Abläufe, soweit sie geschildert werden. Mir fällt auf, dass das CI emotional hoch besetzt ist, und ich kann nicht einschätzen, welcher Mißbrauch damit betrieben worden sein mag.
    Zur Anhörung: Eine Anhörung ist nicht negativ gemeint, sondern gibt jemandem die Möglichkeit gehört zu werden. Die Eltern haben also die Gelegenheit, darzustellen, wie sie zu ihrer Entscheidung gekommen sind, was sie dazu bewogen hat etc. Wenn das in sich schlüssig ist, dann wird ein guter Sozialarbeiter das akzeptieren, egal ob er persönlich für oder gegen CI ist.

    Wie soll denn der Sozialarbeiter seine Einschätzung begründen, wenn er kein Gespräch mit den Beteiligten führt?

    Wenn ein Kind potentiell durch ein CI mehr an der Welt der Hörenden teilhaben könnte, wären seine Zukunftschancen und Möglichkeiten an gesellschaftlicher Teilhabe größer. Von daher finde ich es schon begreiflich, wenn nachgefragt wird, was dagegen steht – immer im Sinne der Interessen des Kindes.

    Niemand von uns kennt die in diesem Fall betroffenen Eltern, aber es gibt Fälle, in denen ein Kind vor seinen Eltern geschützt werden muß. Es gibt Eltern, die bewußt oder unbewußt gegen die Interessen ihres Kindes handeln.

  23. Natürlich werden die betroffenen Eltern das anders empfinden – die werden das schon so sehen, wie Not quite das schildert; nämlich daß sie angeklagt werden, ihr Kind zu vernachlässigen etc.
    Da ich selbst aber auch in einer Behörde tätig bin, kann ich halt auch den Jugendamtsmitarbeiter verstehen (die Kollegen der Eingliederungshilfe dagegen nicht; wegen eines fehlenden CIs das Jugendamt einzuschalten, ist schon ein Hammer!), in dem Sinne, wie auch Noga das gepostet hat.
    Bin gespannt, wie die Sache weitergeht.

  24. Ich sehe schon, dass das Jugendamt ständig Kritik ausgesetzt ist und eine so schwierige Aufgabe hat, dass es öfter mal Fehler macht. Aber wenn deswegen wie in Panik schon auf hanebüchene Hinweise hin die Maschinerie in Gang gesetzt werden sollte — wäre ja wohl völlig daneben. Also nehme ich jetzt wohlwollend einfach mal an, dass die Eingliederungshilfe tatsächlich irgendwas Beunruhigendes an dem Kind gesehen hat. Daran hängt es für mich.

    Fest steht, dass es nach Hinweisen nicht automatisch zur Einbestellung oder zum Besuch der Familien kommt:

    Mehrere Fachkräfte prüfen und bewerten die Informationen. Zunächst ist zu entscheiden, ob für das Kind ein hohes Risiko besteht, in seiner körperlichen, seelischen oder geistigen Entwicklung geschädigt zu werden. Die weitere Vorgehensweise hängt davon ab, wie massiv und eilbedürftig die Gefährdung eingeschätzt wird.

    Und erst dann folgen Gespräche mit und Beobachtungen der Familie. Also doch: Erst wenn sich der Anfangsverdacht erhärtet, geht es weiter.

  25. Hmm, das könnte dann damit zusammenpassen, daß das Jugendamt erst nach „einigen Monaten“ reagiert hat.
    Warten wir also mal ab, was bei rumkommt – und dann weiß man mehr. Wenn irgendwelche Aktionen seitens des Jugendamtes erfolgen sollten, müssen die ja explizit und in aller Ausführlichkeit begründet werden.

  26. Mag sein. Sie sollten dann auch gegenüber den Adressaten in Briefen erläutert und begründet werden. Denn wenn es so abgelaufen sein sollte ist das umso mehr Grund anzunehmen, dass was in dem Brief steht sei das Ergebnis von Prüfung und Überlegung. Es ist umso mehr Grund ihn beim Wort zu nehmen.
    Und in dem Brief oben verhält sich das Jugendamt jedenfalls wie die Axt im Walde. Und zwar vermeidbarerweise, ohne dass man deswegen Experte in Sachen Gehörlosigkeit/CI sein müsste.

  27. Es bleibt absurd, wenn ein Jugendamt über die sehr komplexe Frage für oder wider ein CI „eine Haltung finden“ möchte, indem es die Eltern zur Verdachtsprüfung (!) vorlädt. Die meisten Mediziner und Audiologen bemühen sich mittlerweile aufklärend und geduldig darum, bei Gehörlosen eine Akzeptanz des CI zu erreichen, und dann kommen schlecht bis gar nicht informierte Amtstölpel und machen es wieder kaputt. Vor ein paar Jahren hatte ein Arzttölpel einer Mutter gedroht, ihr würde das Sorgerecht entzogen, wenn sie ein CI für ihr Kind ablehne. Das schlug in den Gehörlosenkreisen so hohe Wellen, dass es dem CI erheblich geschadet hat.

    Sollte es wirklich sinnvoll für ein Kind sein, ein CI zu bekommen, (was ja überhaupt erstmal geklärt werden müsste), dann müssen sich gehörlose Eltern für etwas entscheiden, was sie nicht kennen können (Lautsprache) und das Risiko eingehen, eine beeinträchtigte Kommunikation mit dem eigenen Kind zu haben. Und wenn sie selbst ihre Gehörlosigkeit nicht als negativ empfinden, müssen sie trotzdem dem Argument anderer folgen, dass dies so sei und dass das Kind in die Lautsprache muss – etwas, das den Eltern unbekannt bleiben wird. Für mich eine der schwierigsten Entscheidungsprozesse, die ich mir vorstellen kann. Und sicher nicht mit Drohung oder Druck zu erreichen.

    Der komplexe Prozess bis hin zu einer solchen Entscheidung kann nur durch Vertrauen zwischen Beratungsstelle und Familie erreicht werden. Beratungsstelle: Pädagogen und Mediziner, die mit dem Kind zu tun haben. Ein Jugendamt hat keine Kompetenz in der Sache. (Ich hoffe doch sehr, dass nicht etwa Ärzte oder Pädagogen hinten herum über „Anzeigen“ eine wichtige und mühselige Überzeugungsarbeit abkürzen wollen, indem sie das Amt als Keule rausholen.)

    Denn beim CI geht es nicht um eine Einzelfallprüfung, denn es steht grundsätzlich ALLEN Menschen in diesem Land frei, ein CI zu wählen oder abzulehnen. Man muss sich nicht rechtfertigen bei einer Ablehnung, weil es (bisher zum Glück) keine gesetzliche Richtlinie gibt, nach der die CI-Versorgung hörbehinderter Kinder grundsätzlich vorgeschrieben ist. Auch Audiotherapeuten und Pädagogen, die ein verständliches Interesse an der positiven Kindesentwicklung haben und aus wirklich ehrlicher Überzeugung ein CI empfehlen, kommen nicht darum herum, Eltern durch Vertrauen und positive Beispiele zu überzeugen.

  28. >Es bleibt absurd, wenn ein Jugendamt über die
    >sehr komplexe Frage für oder wider ein CI „eine
    >Haltung finden“ möchte, indem es die Eltern zur
    >Verdachtsprüfung (!) vorlädt.

    Genau, das ist das Problem an dem Schreiben (und so ein Schreiben ist ja ein Handeln des Amtes):
    –> Da wird eine Verdachtsprüfung im Einzelfall angeleiert und begründet wird das damit, ein hochallgemeines, auf der Ebene und von diesen Akteuren sowie im Wege der Einzelfallprüfung gar nicht zu entscheidendes (und m.E. nach falsch gestelltes) Problem lösen zu wollen.

  29. „… steht grundsätzlich ALLEN Menschen in diesem Land frei, … “ meint natürlich alle Menschen unter den Hörbehinderten, die für eine Implantation organisch überhaupt in Frage kommen, ist ja klar.

  30. @not quite:
    Klar, die Erläuterung hat gegenüber dem Adressaten stattzufinden – wem sonst gegenüber?
    Wenn eine Behörde in irgendeiner Weise (egal welche und wie) in Deine Rechte eingreift, hat sie das DIR gegenüber explizit zu begründen. Ansonsten wird sie vor Gericht definitiv schon wegen Formfehlern auf die Schnute fallen.

    Naja, wenn sich hier im Laufe der Vorermittlungen andere Problemstellungen als nur die Sache mit dem CI ergeben hätten, hätte sowas natürlich auch schon in die Vorladung gehört, damit sich die Eltern in ihrer Argumentation entsprechend vorbereiten können. So z.B., wenn die Eingliederungshilfe mitgeteilt hätte „ist ja nett, daß die kein CI wollen, aber gebärdensprachlich fördern sie´s auch nicht“ – explizit erwähnt wird ja nur das „Vorenthalten der Lautsprache“.

    Ich hoffe, daß die Eltern sich mal hinterher melden und Bericht erstatten, was da nun wirklich abgegangen ist.

  31. Übrigens, Not quite, mit dem „Insiderwissen“, von dem Du meinst, es ist nicht nötig, meinte ich folgendes:
    Denk mal an diesen unsäglichen Müller-Zaracko-Aufsatz und den ganzen Schmonses über die Nachteile, die Gehörlose haben. Blödsinn. Weißt Du, weiß ich und jeder, der mal damit zu tun hatte….aber „da draußen“ wissen es eben viele nicht.
    Wenn jetzt gemeldet wird: Das Kind bekommt keine Lautsprache vermittelt. Wie soll das denn bitte hinterher auf dem Arbeitsmarkt und kann nicht mit seinen Altersgenossen sprechen….oder was weiß ich, was da die Begründung für die Hinzuziehung des Jugendamtes war, und der Typ im Amt kennt sich da auch nicht aus – da erscheint das sicherlich vielen Leuten logisch. (Guck mal in Jules Blog – da ist auch so ein Kommentar drin.) Die versuchen halt, sich in die Lage reinzuversetzen, kommen aber aus Unkenntnis zu falschen Schlüssen – und damit das nicht passiert, müßte man halt schon ein bißchen mehr wissen darüber, wie das bei den Gl funktioniert. Hätte jetzt ich an dessen Stelle gesessen und auf Nachfrage wäre mir gesagt worden, nee, sonst liegt da nichts vor, gebärden tut das Kind schon und auch sonst deutet nichts auf Verwahrlosung hin – ICH hätte da jetzt, wage ich mal zu behaupten, genug Ahnung gehabt, um zu sagen: Das ist absolut kein Grund für mich, tätig zu werden. Ich glaube aber nicht, daß ich da der Regelfall bin.

  32. Insofern es um die Frage des CI in der Sache geht (und nicht um irgendwelche anderen Beobachtungen, die gemacht oder nicht gemacht worden sein können): Wenn einem jemand irgendein unbekanntes Fremdwort zuwirft, kann man schon auf die Idee kommen, dass man möglicherweise etwas nicht weiß.

    Ansonsten: An Behördenhandeln (bzw. an das Handeln als Beschäftigter dort) sind schon etwas höhere Ansprüche an Überlegtheit zu richten als an Kommentatoren in Blogs. Auch Rechts- und Verwaltungsvorschriften sind übrigens selten eindeutig, sondern wollen interpretiert werden, wozu es Überlegung braucht.

  33. Also – ihr stochert im Dunkeln!

    Das Kind bekommt Frühförderung. Das Kind entwickelt sich gut!

    Es wurde beim Sozialamt Antrag für eine Integrationskraft im Kindergarten bestellt – das kostet Geld – das ist der Grund für die Anzeige! Sozialamt denkt: wenn ein CI da ist, dann hört das Kind normal und kann sprechen und eine Integrationskraft ist nicht nötig!

    Auch die Frühförderin wird schikaniert!
    Hier ist der Vorder- und Hintergrund NUR das Geld!
    Gruß Karin

  34. Es gibt auch noch einen zweiten Fall, den ich betreue, der ist mittlerweile bei Gericht – wird nach dem Urteil (einstweilige Anordnung) veröffentlicht. Auch dort geht es nur um Geld.

    Inklusion ist das Wort welches den Sozialämtern Angst macht. Das kostet Geld – da gehen die jetzt mal radikal vor und es werden weitere Fälle folgen, wenn nicht etwas Grundsätzliches passiert!

    Gruß Karin

  35. Danke für die Information, Karin. Aber — mit Verlaub! Wenn man Antrag auf eine Integrationsfachkraft stellt (also etwas für sein Kind tun will) und sich prompt wg. Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohls rechtfertigen muss — wie behindert ist das denn?! Wäre es nur eine Frage des Geldes hätte man einfach den Antrag ablehnen können.

    Außerdem ergibt das, was im Brief steht (und ich sage nochmal: auch das ist Behördenhandeln), dann überhaupt keinen Sinn mehr.

    Nachtrag: Und was für eine komische Strategie ist es dann eigentlich, ein offensichtlich irreführendes Dokument zu veröffentlichen?!

  36. Nachtrag: Und was für eine komische Strategie ist es dann eigentlich, ein offensichtlich irreführendes Dokument zu veröffentlichen?!

    Ich verstehe die Frage nicht?
    Gruß Karin

  37. Nachtrag 🙂 Die können einen solchen Antrag nicht ewinfach ablehnen, denn es gibt keine Begründung für eine Ablehnung.

  38. Hm, daß Eltern sich (auch in Fällen, wo es nicht um Gehörlosigkeit ging) ans Sozial- oder Jugendamt um Hilfe gewandt hatten und daß das dann mit einer Kindesentziehung endete, habe ich auch schon mal in diversen Medien gelesen.

    Wenn Karin die Leute persönlich kennt und hier jetzt mal geschildert hat, was so der Hintergrund ist….nun, dann erübrigt sich meine soeben im TS gestellte Frage wohl, ob es da einen unmittelbaren Zusammenhang mit Müller-Zaracko gibt, demnach gibt´s den nicht und die hätten sich auch ohne diesen Artikel so verhalten?

  39. Nein, der Artikel ist denen höchst willkommen, weil sie so keine Ablehnung schreiben müssen und einen Ausweg gefunden haben!

  40. “ Es wurde beim Sozialamt Antrag für eine Integrationskraft im Kindergarten bestellt – das kostet Geld – das ist der Grund für die Anzeige! Sozialamt denkt: wenn ein CI da ist, dann hört das Kind normal und kann sprechen und eine Integrationskraft ist nicht nötig! “

    Absurdistan.
    Das wäre ja grotesk, dass zwangsweise wegen Kostenabwägung ein Kind auf dem OP-Tisch den Kopf herhalten muss, im wahrsten Sinne des Wortes. Stellt euch das mal vor. Psychisch und ethisch ein Desaster. (Und finanziell ist eine Implantation mit langfristiger Prozessoranpassung und kontinuierlichem Hör- und Sprachtraining ganz sicher nicht billig.)

    Aber: Ämter können das nicht entscheiden. Nur ein Gerichtsurteil könnte aufgrund einer Gesetzesvorgabe, die erst noch zu schaffen wäre, festlegen, dass ein Kind für eine Implantation auf Anordnung vorzuführen sei. Horror! Hoffentlich kommt es nie dazu. Das sage ich, weil ein CI eine echt gute Sache ist und nicht zu einem Angstmacher verkommen darf. Wo leben wir eigentlich?

  41. Im anderen Fall ist es schon vor Gericht, es wird bald zu einer einstweiligen Anordnung kommen, und ich hoffe auf einen Richter, der sich der Tragweite der Entscheidung bewusst ist.

    Hintergrund ist, dass das Sozialamt den Dolmtescher in der Regelschule nicht bezahlen will! Sie wollen, dass das Kind ein CI bekommt, in die GL-Schule geht, dort sprechen lernt und wenn es sprechen kann ja keinen Dolmi mehr braucht.

    Ich sage vorraus, dass es bald noch mehr solcher Fälle geben wird.
    Karin

  42. Karin, das ist ja umso erschütternder. Danke für den Hinweis.

  43. Finde ich jetzt wirklich interessant, daß es dann wohl darum geht, die Kosten für eine Regelbeschulung etc. zu sparen.
    Ich meine, wenn das Sozialamt damit nicht einverstanden ist, kann es doch den Antrag ablehnen – klar, dann müssen die Eltern Rechtsmittel einlegen, und dann bekommt man eine gerichtliche Klärung über den EIGENTLICH strittigen Sachverhalt.
    Stattdessen dann das Jugendamt mit dem Hinweis aufs angeblich gefährdete Kindeswohl einzuschalten….das ist dann schon ziemlich daneben. Verursacht doch bei den Leuten wesentlich mehr Streß, Angst und Aufregung als ein abgelehnter Antrag, den sie durchklagen wollen – das ist zwar auch nervig für die Antragsteller, aber doch tägliche Verwaltungspraxis, daß nicht alles bewilligt wird, was man möchte. Im Gegensatz zu den Befürchtungen „die schneiden zwangsweise an meinem Kind rum und ich kann nix machen“ oder „die nehmen mir das Kind weg“.

    Naja, ich schätze doch mal, wenn´s wirklich zu sowas kommt, wird man wohl auch in solchen Fällen einstweilige Anordnungen treffen. Ich denke, da eine entsprechende Klage nicht von vornherein und ersichtlich ohne Aussicht auf Erfolg ist, sollte eine solche Anordnung dann auch ausgesprochen werden.

  44. Mal ganz abgesehen von dem Präzidenzfall, der überhaupt erst mal eintreten müsste („Rastatt 21“), würde ich den Ball unten halten:
    Ein Sorgerechtsentzug könnte sowieso nur punktuell angeordnet werden, keine Bange, die nehmen den Eltern das Kind nicht weg. Ein Gericht kann aber in einer ganz konkreten Sachlage (z.B. Operation wegen akuter Gesundheitsgefährdung) den Eltern die Entscheidungsbefugnis für diese eine konkrete Angelegenheit absprechen. Alle anderen Rechte der Eltern und auch der Familienverbund werden nicht angetastet.

    Aber das wird im Fall des CI nicht passieren, denn ein Gericht darf auch nur im Gesetzesrahmen agieren. Und ein Gesetz, das den CI-Einbau vorschreibt ohne individuelle Entscheidungsfreiheit, das wird nix. Das wäre ein Dammbruch. Da würde ich meine Demoklamotten aus den 1980ern wieder rausholen und auf meine alten Tage noch mal das Transparent schwingen …
    The Butzky Revolution, yeah.

  45. Pingback: Landratsamt Rastatt und die Kindeswohlgefährdung | Silent Writer´s World

  46. Und was ist wenn das JA nicht über das CI beraten will (was es ja auch nicht kann), es auch nicht aufzwingen will (was es nicht darf), aber die Eltern nur einfach auf auf die Möglichkeit CI hinweisen möchte? Sollte sich das JA aber anmaßen dem Kind das CI aufzuzwingen, dann wäre es eine Sauerei. Aber eben erst dann!!!! Wer kein CI möchte, darf darauf verzichten, aber es sollte jede Person die für ein CI infrage kommt von dieser Chance wissen.
    Das Ci ist eine wunderbare Hilfe, aber bitte nur auf freiwilliger Basis.

  47. @RUL: „… nur einfach auf die Möglichkeit CI hinweisen“.
    Nein, nicht das Jugendamt, ganz falsche Adresse. Das ist nicht seine Kompetenz. Das Jugendamt wurde (anscheinend) von anderen eingeschaltet, die ebenfalls kein Wissen und keine Beratungskompetenz zum CI haben – und noch nicht mal Geschicklichkeit darin, eine Gesprächsbasis mit den Eltern herzustellen.

    Beratung zum CI und zu alternativen Perspektiven für gehörlose Kinder können nur folgende Stellen geben:

    1. Ausgebildete Audio- und Sprachtherapeuten, die mit hörbehinderten Kindern arbeiten und das gesamte moderne Therapieangebot kennen und abwägen können.

    2. Kliniken, Mediziner (HNO), die organische Voraussetzungen prüfen können und Erfahrung mit Implantation und Nachsorge haben.

    3. Reha-Einrichtungen (CI-Centrum) für Menschen mit Hörprothesen

    4. Elternverbände, Selbsthilfegruppen, Mitglieder, die hörbehinderte Kinder mit oder ohne CI haben

    Sozial/Jugend/Ämter haben null Kompetenz, null Fachwissen, null Beratungsfähigkeit zu dem Thema. Das geht die noch nicht mal etwas an. Null.

  48. Es geht doch nicht um Fachwissen zum CI. Das kann natürlich das JA nicht haben. Das JA fragt einfach nach ob die Eltern schon mal was vom CI gehört haben. Mehr nicht!!! Evtl. kann das JA, wenn gewünscht, an eine kompetente Stelle weiter leiten.

  49. [auf Bitte des Autors hin entfernt, NqlB]

  50. „Das JA fragt einfach nach ob die Eltern schon mal was vom CI gehört haben. Mehr nicht!“ Scherz, oder? Es ist doch das Jugendamt, dass noch nichts vom CI gehört hat. Und ob das sinnvoll ist, die gehörlosen Eltern zu fragen, ob sie mal was gehört haben … naja, abgesehen von der falschen Formulierung reicht dann auch ein Brief mit dem Satz: „Kennen Sie das CI? Gruß, Jugendamt.“

    Nein, das Amt hat NULL mit dem Thema zu tun. Gar nichts. Nüschte.

    Hartmut: Ja, schreib einen Brief. Gute Idee.

  51. Der Bundeselternverband gehörloser Kinder unterstützt die Eltern und an das JA wurde ein Brief geschrieben!
    Gruß Karin

  52. Im geloeschten Kommentar (geloescht wegen der vielen Grammatikfehler, habe zu schnell auf Send-Button ohne vorhergehendem Proof-Reading geklickt) sagte ich, man solle einen Brief an das Jugendamt schicken.

    Ich wuerde auch empfehlen, einen aehnlichen Protestbrief an die zustaendige Stelle der Eingliederungshilfe zu schicken.

    Ich wuerde das auch machen, aber einen Brief aus den USA wuerde nichts bewirken.

    Ich glaube, solche „Lobby-„Briefe wuerden eine Wirkung nicht nur bei dem Sacharbeiter, sondern auch das ganze Amt in Rastatt, ausueben. Sie werden hoffentlich erkennen, dass sowas eine reine Dummheit und PR-schaedlich ist.

  53. Hier die Entscheidung des Sozialgerichts in dem anderen Fall:

    http://www.kestner.de/n/verschiedenes/presse/2010/Beschluss_Sozialgericht_Ffm.htm

    Gruß Karin

  54. Damit ist wohl auch der Fall Rastatt praktisch erledigt.
    Hoffen wir, das Sozialamt wird die Sache nicht bis zum Bundesgerichtshof
    treiben.
    Der unselige Müller-Zaracko-Artikel kann zum Müll.
    Das Frankfurter Urteil wird gravierende Folgen haben:
    Es ist praktisch das Aus für Gehörlosenschulen!
    Alle Eltern die kein CI wollen, werden in Zukunft ihr Kind mit Dolmetscher
    in Regelschulen schicken.
    Aber gibt es überhaupt genug qualifizierte Dolmetscher wenn jedes
    Gl-Kind einen eigenen Dolmi bekommt?

  55. Hi Charly, nein noch nicht. Aber wir arbeiten dran!
    In NRW werden nächstes Jahr auch 11 Kinder in die Regelschule gehen, sie bemühen sich, es nur mit zwei Schulen zu machen und die Kinder zusammen zu fassen in einmal 5 und einmal 6. Wir werden viele Dolmis nooch brauchen und auch ein Spezialisierung für Kinderdolmetschen.
    Wir haben wie immer noch viel zu tun!
    LG
    Karin

  56. Jaaa. Super. Danke, Karin!
    Noch ist also mit der richterlichen Vernunft und der aktuellen Gesetzeslage alles in Ordnung. Wie schön. Wichtigster Satz in der Begründung des Urteils auf Seite 15, ganz unten:

    „Damit verkennt er (der Antragsgegner/Kreisausschuss) jedoch, dass ihm eine Bewertung des Entschlusses der Erziehungsberechtigten (..) gegen den medizinischen Eingriff nicht zusteht.“

    Japp. Nicht zusteht! Nüschte. Amt und Behörde haben sich rauszuhalten aus jeder Art von Entscheidung zum CI. Und das ist auch gut so.

    „… ist eine Verpflichtung, dem Eingriff zuzustimmen, schon mit den Grundrechten unvereinbar.“

    Genau. Wär ja auch noch schöner, wenn man in Deutschland einfach bestimmen könnte, ein fremdes Kind möge operiert werden, damit es weniger Kosten erzeuge. Bloss nicht. Aber zum Glück ist ja noch alles im Lot. ;o)

  57. Hi Charly, ich hatte noch vergessen, das SA kann nur eine Beschwerde einlegen, mehr nicht! Ist nichts – mit Bundesgerichtshof! 🙂
    Karin

  58. Na bitte, das ist doch dann mal eine schöne Nachricht.

    Übrigens, hier noch eine Verlinkung (hoffe, sie klappt) auf eine andere
    Diskussion, auf die mich jemand hingewiesen hat (für gewöhnlich lese
    ich dort nicht mehr mit):

    http://www.hcig.de/index.php?option=com_kunena&Itemid=90&func=view&catid=27&id=21095

    Ich hatte früher das Gefühl, daß so viele Gl die CI-Gesellschaften und deren Foren als feindselig erlebt haben, aber sowohl eine frühere Diskussion in meiner Zeit dort als auch diese jetzt zeigt doch, daß auch die dortigen Forumianer sich gegen jeden Zwang aussprechen und somit Not quite nicht lediglich eine Ausnahme darstellt.
    Schön!

  59. Daran gab es ja nie zu zweifeln, dass sowohl DCIG als auch HCIG gegen jeden Zwang beim CI sind.
    Das Urteil ist gut und richtig und ich habe nie daran gezweifelt, dass Gerichte so entscheiden.

  60. @RUL:
    Das sagst Du, und da ich ja dort eine Weile mitgeschrieben habe und auch früher so eine Debatte in einem ähnlich gelagerten Fall mitverfolgt habe (damals hatte eine Ärztin eines Gesundheitsamtes die Einschaltung des Jugendamtes angedroht), weiß ich das auch.
    Aber was man so den Postings von Gehörlosen damals entnehmen konnte („ich habe nichts gegen CI-Träger, nur auf EUCH habe ich eine Sauwut“ etc.), hatten die das nicht mitbekommen….oder die Postings damals gar nicht gelesen.

  61. Etwas möchte ich noch zum Thema sagen:
    Es gibt Gehörlose Eltern, die sich für CI entschieden haben.
    Auch diese Eltern haben Anspruch darauf, das ihre Entscheidung respektiert wird.
    Leider werden diese Eltern in manchen Städten von CI-Gegnern beschimpft, beleidigt und
    aus der Gl-Gemeinschaft ausgestoßen!
    (CI-Gegner sagen, die wurden von hörenden Angehörigen, Medizinern, Pädagogen unter Druck gesetzt. In einigen Fällen mag das stimmen.
    Das entschuldigt aber nicht die üblen Angriffe von „Deaf-Fanatikern“ gegen diese Eltern!)
    Manche CI-Gegner haben über die hohen Kosten des CI gelästert!
    Ich hatte sie gewarnt, das dilettantische Kostenrechnung ein gefährliches Glatteis ist und als Bumerang zurück kommen könnte.
    Und noch was:
    Im vorigen Beitrag schrieb ich, das Frankfurter Urteil ist das Aus für Gl-Schulen.
    Das bedeutet aber nicht, das ich es gut finde, wenn die Gl-Schulen abgeschafft werden.
    Trotz aller Unzulänglichkeiten haben die Gl-Schulen soweit funktioniert,
    das die Mehrheit der Schüler später einen Beruf gelernt hat und manche sind sogar selbständige Handwerksmeister geworden..
    Ob Regelschule mit Dolmi besser funktioniert ist nicht unbedingt sicher.

  62. Über die Qualität der Gehörlosenschulen kann ich jetzt natürlich nichts sagen; vielleicht gibt es da ja auch regionale Unterschiede?

    480 Euro pro Tag für ein einziges Kind, das ist natürlich eine Menge Holz und die Sozialämter stehen unter starkem Sparzwang.
    Allerdings kann ich verstehen, daß die Eltern das dennoch wünschen. Gerade erst kam der Vorschlag auf, Kinder, bei denen sich eine kriminelle Karriere abzeichnet, schon früher intensivst zu betreuen – für jedes Kind ein Betreuer.
    Und wenn die Banken, mit Milliarden gestützt, als erstes mal den Boni-Bankern Millionen auszahlen – dann kann ich nachvollziehen, daß Eltern sagen: Wenn dafür Geld da ist, dann ja wohl auch für mein Kind.

    Und natürlich ging es absolut nicht an, dem Sparzwang dadurch Rechnung tragen zu wollen, daß man die Kindeswohl-Keule rausholt.

  63. Die Konsequenzen aus dem Urteil sind echt interessant. (Aber man kann eben nicht das Eine gegen das Andere aufrechnen, das war ja Kernaussage des Urteils.) Trotzdem muss man die Schulsituation von gehörlosen Kindern möglichst intelligent lösen, wenn sie mit Gebärdensprache kommunizieren.

    So eine Lösung ist noch nicht gefunden, finde ich.
    Ist es nur ein Einzelfall, dass ein gehörloses Kind an einer normalen Schule unterrichtet wird? Oder muss man grundsätzlich für alle gebärdenden gehörlosen Kinder jetzt ein anderes Schulangebot ausrichten? Momentan wird ja die Gebärdensprache offiziell gestärkt und etabliert (by the way: auch im Artikel von Zaracko+Müller und auch von dem Prozessgegner in dem o.g. Fall, der Gebärdensprachförderung beim Kleinkind ja schon finanziell unterstützt hatte) .

    Wie wird das umgesetzt in der Pädagogik?
    Außenstehende fragen sich, warum an Gehörlosenschulen nicht umfassend in Gebärden unterrichtet wird. Insider wissen, dass die Hörfähigkeiten der Kinder sehr unterschiedlich sind und einige sich auf Resthören stützen, andere nicht. Es ist für einige Hörbehinderte durchaus berechtigt, Lautsprache anzubieten. Für andere ist Gebärdensprache das Richtige. Man kann halt im Gegensatz zu vielen anderen Gruppierungen die Hörbehinderten nie „in eine Tüte packen“. Das wissen viele (Ämter) nicht.

    Allerdings verstehe ich bei aller Sympathie die Gebärdensprachler nicht, die ihre Sprache als einen anerkannten Teil einer Kultur sehen, aber sich mehrheitlich in der „anderssprachigen Welt“ bewegen, denn eine Kultur lebt natürlich erst in ihrem „miteinander“. Sprachen entstehen dort, wo die Menschen des Kulturkreises räumlich zusammen leben. Das wird bei dem Kulturvergleich immer vergessen: Die Finnen sprechen finnisch zusammen in Finnland. Die Sorben reden sorbisch zusammen in der Lausitz. Die Friesen sprechen plattdütsch zusammen in Friesland. Die Gehörlosen sprechen Gebärdensprache zusammen in … ähm, mit Hörenden. Klappt nicht.

    Das Besondere bei der kulturell verbindenden Sprache der Gehörlosen ist der Umstand, dass sie nicht räumlich in einem Sprachverbund leben. Es bleibt also ein kniffeliges Problem, wie man eine Sprache aktiv ausüben kann, die in dem räumlichen Lebensumfeld keine Verständigung möglich macht und daher einen Dolmetscher erfordert. Ein Paradoxon.

    Die Kostenfrage macht das Problem sichtbar, aber auch wenn es Dolmetscher ganz billig gäbe: Ist die Frage der Verständigung damit gelöst, dass immer ein Dolmetscher daneben steht? Ojeh. (Tolle Sache für Software-Entwickler, die an „Universalübersetzern“ arbeiten. Science Fiction, klar, aber der Hammer auf dem Markt, wenn sowas gelingen würde. Ein Mini-Computer, der Lautsprache in Gebärden übersetzt und umgekehrt.)

  64. Zur besseren Klarstellung:
    Der Kulturkreis „Gehörlose und Hörende“ ist ein räumlich bedingter Kreis, der noch keine Sprachlösung gefunden hat, im Gegensatz zu anderen Kulturkreisen, die sich durch eine gemeinsame Sprache definieren und verbinden. Ich betone ausdrücklich „Kulturkreis“, um von dem Behindertending wegzukommen und weil dies ja die Sichtweise in punkto Gebärdensprache ist. (Finde ich gut.)

    Denkaufgabe:
    Welche Lösungen gibt es für die Kommunikation, ohne dass eine Seite die Sprache der anderen übernehmen muss und ohne dass eine räumliche Separation (z.B. Gehörlosenschulen) erfolgt?
    OK, Dolmetscher. Was noch?

  65. @CharlyBrown: Du schriebst: „Manche CI-Gegner haben über die hohen Kosten des CI gelästert! Ich hatte sie gewarnt, das dilettantische Kostenrechnung ein gefährliches Glatteis ist und als Bumerang zurück kommen könnte.“

    Ich weiß, was du meinst. Da kommt ein Bumerang leider vorbei oder kommt nicht zurück. Gut is´!

  66. Was mir jetzt gerade so eingefallen ist, als ich mir Pias Posting durchgelesen habe…
    eine Frage zur realen Umsetzung der Regelbeschulung:
    Okay, die Dolmis übersetzen, was die Lehrerin sagt.
    Ist dann auch etwa bei Matheaufgaben kein Problem.
    Aber etwa Rechtschreibung wird doch per Übungsdiktat eingeübt – nicht nur durch Erklären an der Tafel.
    Wie bekommt denn jetzt das gehörlose Kind, dem der Text vorgebärdet wird, die exakte Übersetzung hin? (Auch einen englischen Text kann man ja mit mehr oder weniger großen Nuancen übersetzen.)
    Wird dann bewertet, ob es den Sinn getroffen hat – und inwieweit es diese Worte dann richtig geschrieben hat?
    Oder wird es von Diktaten ausgenommen?

    Karin, hast Du da vielleicht schon Erfahrungen und kannst mal berichten?
    (Beispielsweise, wie das mit der Xenja funktioniert – ich erinnere mich, daß mal Beiträge darüber bei SsH gelaufen sind?)

  67. @he write silent:
    Nun – zumindest aber sollten jetzt diejenigen, die die CIs aufgrund der hohen Kosten für die Krankenkassen verurteilen, sich da ein bißchen zurücknehmen.
    Teurer dürfte jedenfalls der „lebenslängliche Dolmi“ sein, würde ich mal sagen. 😉

    Schön und gut, wenn die Gl das CI nicht möchten….
    aber bitte keinen Kostenfaktor mehr als Grund anführen. Ist nicht mehr überzeugend.

  68. Zur Beschulung:
    Diktate sind kein Problem, das Kind muss in LBG vorgebärdet bekommen, um die Wörter dann richtig aneinander zu reihen, denn im Diktat geht es um Rechtschreibung.
    Es gibt aber durchaus noch in einigen Dingen Probleme, das bestreitet niemand. Z. B. ist noch nicht klar, wie ein gl Kind am Besten englisch lernt.
    Es lernt englisch in jedem Fall schriftlich – Grammatik kontrastiv, zu entweder dem bis dahin gelernten Schriftdeutsch oder kontrastiv zur DGS.
    Aber alles ist natürlich besser, als nichts zu verstehen.
    Viele Grüße
    Karin
    Pia – Gehörlose kommunizieren in ihrem Kulturkreis – deutschlandweit.
    Per Skype sind sie überall zu Hause 🙂 bis ins Ausland – wo siehst du ein Problem. Einen Finnen verstehe ich ohne Dolmi auch nicht… 😉

  69. Na ja, solange alle untereinander die gleiche Sprache sprechen, besteht natürlich kein Problem, deshalb doch mein anschaulicher Vergleich mit Finnen usw. Aber die besondere Situation ist ja: Einzelner gehörloser Mensch in hörender Umgebung. Ich hatte dazu eine Frage gestellt. Diese Frage stellt sich natürlich erst gar nicht, wenn ein gehörloses Kind an einer Regelschule eher ein Einzelfall ist, während die Mehrheit der Kinder in Schulen mit Unterricht in Gebärdensprache geht. Ist ja klar.

  70. Welche Schulen meinst du? Ich kenne nur eine, die ordentlich in DGS unterrichtet… die anderen bemühen sich teilweise… die anderen wissen nicht mal was DGS überhaupt ist!

    LG
    Karin

  71. Ach so! Richterlich ist jetzt untermauert, dass Gebärdensprachförderung berechtigt und freie Wahl ist, aber die schulischen Strukturen und das Angebot sind dafür noch gar nicht ausreichend vorhanden? Aha. Na, dann ist doch logisch, dass die Gehörlosenschulen deutlich mehr DGS anbieten müssen.

    Der Vorteil wäre, dass die Kinder untereinander ihre Sprache sprechen und ihre sozialen Kontakte frei bestimmen können, im Vergleich zum einzelnen Kind mit Dolmetscher in der Regelschule. Spätestens auf dem Schulhof beim Spielen nervt doch der Dolmi, der immer dabei sein muss. Ich frage mich, ob ein einzelnes Kind mit Dolmetscher auf diese Weise echt „integriert“ ist. Oder die hörenden Kinder lernen dadurch auch Gebärden, wäre natürlich super.

    Jetzt verstehe ich übrigens den vielbezeterten Zeitungsartikel von Zaracko und Müller ganz anders: Dort wurde die Gebärdensprache als Empfehlung gleichgestellt (!) mit Lautsprache/CI. Bei aller Empörung über die Empfehlung zum CI konnte man glatt übersehen, dass ebenfalls die ausdrückliche Empfehlung zu Gebärdensprachunterricht gegeben wurde. Das ist aber, neben der chauvinistischen Argumentationsweise, auch das eigentlich Schwache an dem Artikel: Sie empfehlen dem Kind beides, CI und DGS, weil sie sich nicht entscheiden können und es einfach auf später und dem erwachsenen Kind zuschieben wollen. Na, toll.

    Sie haben sich auch keine Gedanken dazu gemacht, wie eine Unterrichtsstunde aussehen soll, in der Kinder mit Hörrest/Hörgerät/CI sowohl in Lautsprache als auch in Gebärden unterrichtet werden. Wie soll das gehen, eine Stunde so und eine Stunde so? Montags bis Mittwochs Gebärden, danach Lautsprache? Bisher kam aus pädagogischer Richtung der „Entweder-Oder-Konflikt“: Man könne nicht beide Sprachen, Lautsprache und DGS, nebeneinander fördern, weil diese sich gegenseitig bremsen würden. Das ist aber veraltet und nicht haltbar, ich habe verschiedentlich gelesen. Mal ganz davon abgesehen, dass letztlich das individuelle Hörvermögen des Kindes bestimmt, welche Sprachform sinnvoll ist.

    Na, ich bin gespannt, wie sich das jetzt weiter entwickelt.

  72. HI Pia, die hörenden Kinder lernen auch gebärden und in den Pausen hat die Dolmi auch Pause, das Kind weiß sich schon gut zu helfen.

    Dann kam übrigends heute der nächste Hammer, auch das Jugendamt des Main-Kinzig-Kreises hat sich gemeldet und soll im Auftrag – von wem wissen wir noch nicht schriftlich – auch untersuchen, ob es eine Kindeswohlgefährdung darstellt, weil das Kind kein CI bekommt.

    Nehmt es mir nicht übel, aber mir kommt das große K…

    Es wird Gehörlosen das Existenzrecht abgesprochen – entweder hörend oder zu teuer…..! Wo leben wir?
    Gut, wir haben die richterliche Anordnung, die wird dem Jugendamt, dem offensichtlich nicht gesagt wurde, dass die Anordnung existiert, die Augen öffnen, aber so langsam nervt mich das alles und ich überlege wie man von höchster Stelle den Sozialämtern in den Allerwertesten treten kann.
    Die Fälle, ja, es gibt noch mehr!!! – werden jetzt gesammelt!
    Gruß
    Karin

  73. Wenn sich die Anordnung nicht rumspricht, scheint die Kommunikation unter den Jugendämtern vielleicht doch nicht so gut zu laufen. 😉

  74. @Not quite:
    Ich glaube, das hat gerade nichts mit Kommunikation zwischen „den Jugendämtern“ zu tun…
    Karin, das Jugendamt des Main-Kinzig-Kreises, schreibst Du? War die gerade erlassene einstweilige Anordnung nicht gegen das Sozialamt desselben Kreises gerichtet – und gehe ich davon aus, daß es sich evtl. um ein und denselben Fall handelt?
    Möglicherweise hat das dortige Sozialamt gedacht, ihm ist ja die Zuständigkeit zur Entscheidung über das Kindeswohl vom Gericht (mit Recht) abgesprochen worden, also versucht es das jetzt über die Schiene mit dem Jugendamt, weil da eine grundsätzliche Zuständigkeit gegeben ist?
    – Ist aber natürlich nur Spekulation von mir, keine Ahnung, was da wirklich passiert ist.

    Wie man das von allerhöchster Stelle machen kann – Du meinst also vermutlich, mit einem Schlag für alle Sozialämter gültig – da sehe ich eigentlich nur die Möglichkeit einer Regelung auf Bundesebene. Also per Gesetz – was ich aber für unwahrscheinlich halte; kaum ein Politiker wird wohl für jede Eventualität, die beim Thema Kindeswohl aufkreuzen kann, extra ein Gesetz erlassen wollen.
    Oder halt ein Urteil in höchster Instanz – was aber bedeutet, man müßte sich durch die Instanzen klagen (geht ja dann, wenn die Sozialämter sich den erstinstanzlichen Urteilen nicht fügen, wobei, dann müßten DIE dagegen in Revision gehen).
    Bei erstinstanzlichen Entscheidungen (wobei ja hier auch noch das Hauptverfahren offen stehen müßte, weil es „nur“ eine einstweilige Anordnung ist – ich denke allerdings, die Begründung der AO deutet darauf hin, daß das Hauptverfahren zugunsten der Eltern entschieden wird) ist es halt so, daß die Sozialämter nicht alle daran gebunden sind. Nur an die von den für sie örtlich zuständigen Gerichten.
    Und da Richter Menschen sind wie alle anderen auch, legen die die Sach- und Rechtslagen auch schon mal anders aus. Grundsätzlich durchaus möglich, daß ein und derselbe Fall, meinetwegen in den Sozialämtern Flensburg, Stuttgart und Saarbrücken, bei den zuständigen Gerichten drei verschiedene Urteile nach sich zieht.
    (Beim konkreten Thema CI und Kindeswohl kann ich mir das allerdings nicht vorstellen – mag aber sein, daß darauf seitens des einen oder anderen Sozialamtes mal spekuliert wird.)

    Ach, apropos….wie ist denn die Sache mit Rastatt weitergegangen?

  75. Ja, ich weiß auch nicht, was dort abging, aber ja, es ist der gleiche Fall.
    Also in der Einstweiligen gibt es nur die Beschwerde, was die sicher tun werden, denn die Klage, die ja eingereicht wurde, hat das SA erreicht und die haben beantragt abzuweisen. Müssen die machen, damit es weitergeht.
    Ich hoffe dann auf eine richtige Klatsche gegen das SA.
    Bin auf die Begründungen gespannt.

    Ja, ein für alle geltendes „etwas“ muss man an die Bundesbehörden – mit Politikern stehe ich schon in Verbindung. Mal schauen, was man erreichen kann….
    Es ist für mich wirklich, mal abgesehen von dem Fall, unerträglich, was sich hier in Deutschland Ämter erlauben dürfen, ohne bestraft zu werden.
    Wenn man in Kobinet-Nachrichten liest, wird es einem speiübel.
    Viele Grüße
    Karin

  76. Zu Rastatt: die Eltern sind beim Anwalt gewesen.
    Mehr möchte ich dazu erst mal noch nicht schreiben, aber beim Termin waren sie nicht und auch die Familie, mit dem Beschluss wird sicher dort nicht hingehen! 😉

  77. Ja, klar, wenn die die Sache durchziehen wollen (ansonsten müßte das Sozialamt die Entscheidung zurücknehmen), müssen die die Klageabweisung beantragen.

    Ich hab jetzt mal schnell bei Kobinet überflogen (kannte ich bislang noch gar nicht) – welche Artikel dort meinst Du speziell mit „was Behörden sich erlauben dürfen, ohne bestraft zu werden“, Karin? (Dreht sich ja – zumindest bei den auf der ersten Seite ersichtlichen Artikeln – nicht alles um Behördenprobleme.)

  78. Das glaube ich nicht, dass die Klagerei beliebig so weiter geht, also dass die Ämter sich nie an vorhandenen Urteilen orientieren werden. Jedenfalls nicht in dem Punkt „CI-Entscheidung“, weil diese Nötigung zum CI gegen elementare Grundrechte verstößt. Aber in konkreten Fällen wird es ein Gerangel darum geben, welche Schule akzeptiert wird (ob es eine Regelschule sein darf) und welche Form der Unterstützung im Einzelfall finanziert wird.

    Es ist aber schon mal gut, wenn eine amtlich-missbilligende „Kindeswohlprüfung“ wegen der CI-Frage grundsätzlich nicht mehr zulässig ist. Überall, bundesweit. Dann wäre schon mal etwas weniger Idiotie in der Welt.

  79. Oh je, meine Befürchtung, die Sozialbehörden treiben die Sache bis zum Bundesgericht, wird leider wahr.
    Das Sozialamt Main/Kinzig macht jetzt genau dasselbe wie Sozialamt
    Rastatt: Das Jugendamt „missbrauchen“ um Eltern unter Druck zu setzen
    UND dem Jugendamt erstmal „schwarzen Peter“ zuschieben!
    Die empörten UserInnen in Foren, Medien etc „schiessen“ jetzt auf
    Jugendämter und merken nicht, das die überforderten kleinen Beamten
    in den Jugendämtern von den Politikern als „Bauernopfer“
    zum Ablenken und Zeitschinden benutzt werden.
    Es geht garnicht um „Zwang zum CI“.
    Auch das CI wird von den Politikern dazu missbraucht, hohe Kosten für
    Gebärdensprachdolmis abzulehnen.
    Es ist naiv, zu glauben, das die Beamten in Sozialämtern von sich aus
    die Methode „Jugendamt einschalten“ erfunden haben.
    Das wurde mit Sicherheit von „ganz oben“ angeordnet.
    Darum ist es naiv, diese Politiker „ganz oben“ über diese Fälle informieren
    und auf deren Hilfe hoffen.
    Anderseits ist es garnicht klar, ob Regelschule mit Dolmi für ein
    taubes Kind wirklich besser ist als Schwerhörigen-oder Gl-Schule.

  80. Also bis auf weiteres glaube ich noch nicht an eine Verschwörung oder konzertierte Aktion unter Sozialämtern oder Politikern. Dazu ist mir die Datenlage zu dürftig. Was ich bisher mitbekomme, läßt sich durch Ahnungslosigkeit kombiniert mit Gedankenlosigkeit und Routine besser erklären, finde ich.

  81. Denke ich auch, Not quite.
    Ich sag ja, das ist nicht so, daß „die sich alle kennen“; Infos gehen oft über Verteiler (wie die neuesten Gerichtsurteile).

    @Pia:
    Nein, „nie“ orientieren hab ich auch nicht gemeint.
    Es KANN aber mal vorkommen. Je nachdem, ob die Rechtsstellen der Kommunen und Kreise die Sachlage anders sehen – und ob sie erwarten, daß das eigene Gericht sich dem Urteil anschließt. Es kommt sowohl vor, daß sich auf ein Urteil eines unzuständigen Gerichts berufen wird, als auch, daß gesagt wird: Interessiert nicht, die sind nicht zuständig für uns. Sozialhilfe ist immer eine Einzelfallentscheidung.

  82. Vorhin habe ich noch im gl-cafe mitbekommen, daß jemand von einer jüngst gemachten Erfahrung erzählte….daß der Arzt bei seinem gehörlosen Kind ein CI empfohlen habe und bei der Weigerung mit der moralischen Masche („unverantwortlich“) gekommen ist.

    Nun, das ist jetzt zwar vielleicht noch nicht so hoch zu hängen wie das mit dem Jugendamt, aber da das anscheinend gerade en vogue ist – auch so ein Arzt kann ja auf einmal das Jugendamt einschalten.

    Irgendwie scheint mir, daß da einfach in der breiten Masse der Bevölkerung zu wenig Kenntnis über das Leben von Gehörlosen besteht. Wenn die Leute da mehr Bescheid wüßten und das selbstverständlicher wäre, daß es das halt gibt und daß man damit auch gut zurechtkommen kann….vielleicht kämen dann auch solche Vorfälle nicht so oft vor wie jetzt.

    Ich hab ja schon auf die Diskussion im HCIG hingewiesen.
    An einer Stelle hat sogar jemand geschrieben, er könne bei sowas den Haß der Gl auf das CI gut verstehen, und an anderer Stelle schrieb jemand, daß bei sowas auch die HCIG den Leuten helfend zur Seite stehen würde.
    Und hab ich das richtig in Erinnerung, daß auch der Müller-Zaracko-Artikel sogar von einem Arzt aus einer CI-Klinik sehr negativ beurteilt wurde?

    Vielleicht kann man doch tatsächlich mal etwas Öffentlichkeitsarbeit betreiben – und dafür sogar die CI-Gesellschaften, zumindest die Forumianer, ins Boot holen? Die sind den Gl doch gar nicht so feindlich gesonnen, wie man oft in den Gl-Foren den Eindruck bekam….

    Und die DGS-Kurse sind doch momentan durchaus „in“ im hörenden Bereich. Da müßte doch eigentlich eine gewisse Offenheit bestehen, sofern man sich da nicht als reine Radikalinskis präsentiert (denke da an Frau von Pappenheims Auftritt bei „Planet Wissen“….war ungeschickt, zu sagen: Auf das CI-Angebot hab ich mit einem Vogel reagiert. Das bringt dem bislang völlig ahnungslosen hörenden Zuschauer nur das Bild rüber: Wer hören will, ist doof. Sowas wird auf wenig Verständnis stoßen.)

    Aber vielleicht ist das jetzt auch nur eine blöde Idee einer außenstehenden Hörenden….

  83. Ein Königreich für eine Edit-Funktion. 😉

    Was man auch unterlassen sollte, sind Anschuldigungen wie „Eltern, die ihr Kind implantieren lassen, sind Leute, denen ihr Kind völlig egal ist“ – denn das sind genau die jetzigen Vorwürfe, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Da verletzt man nur andere Menschen, und das völlig zu Unrecht.

    Übrigens werden gerade im HCIG erste Überlegungen bzgl. Brief an entsprechende Stellen angestellt….jedenfalls ist das Wort jetzt gerade gefallen.

  84. In einem der Postings im HCIG ist jetzt zu lesen, daß schon mal das Jugendamt Rastatt einen Rückzieher gemacht hat und den Anträgen der Eltern stattgegeben wurde.
    Na fein, geht doch. Ein staatlich verordnetes Zwangsimplantat wär ja auch echt das Letzte gewesen.

  85. Obwohl zwei Jahre spaet moechte ich noch bemerken:
    Es macht mich traurig, dass irrige Meinungen in den obigen Postings von niemandem berichtigt wurden.

    @Regenbogen,
    Die Soziologie lernt noch, wie es zwischen der hoerenden Mehrheit und der tauben Minderheit vorgeht. Hier geht es um Wertstellung des Hoerens, Sprechens und was Taubheit der Menschheit bringen koenne und wie die gewonnenen Erkenntnisse dann in medizinischen und paedagogischen Entscheidungen fliessen und die machtinnehabenden bzw. einflussreichen Teilen der Gesellschaft beeinflussen. Das Streben nach Monolingualismus und Monokulturalismus in der Gesellschaft spielt auch eine Rolle.

    Die Stimmen im HCIG-Forum bewerte ich individuell und historiisch. Ich waege, wieviel Einfluss die HCIG-Poster im privaten und professionellen Umgang mit Betroffenen haben. Es wird oft anders zu Eltern tauber Kinder gesagt, als oeffentlich im Forum praesentiert. Die Gegnerschaft gegen das amtliche, zwangsweise CI muss ich als Alibi bewerten, weil sie noch die monolinguale, lautsprachliche Loesung als die erste Option in ihren Beratungen mit Betroffenen empfehlen (manchmal mit Druck) oder in ihrem persoenlichen Verhalten diesen Wert zur Schau stellen. Das CI wird mit dem Maer „Entweder Lautsprache durch CI oder Gebaerdensprache (und neurologische Vertaubstummung) wenn kein CI“ verkauft, zusammen mit Schlagwoertern Integration, Abhaengigkeit an Dolmetscher, Lebensqualitaet, Berufschancen.

    Pia Butzky hat diese falsche Dichotomy so aufgefasst, wie ihre Postings zeigen, dargestellt im Formel

    mit CI => Lautsprache exklusiv, Integration, und Dolmetscher unabhaengig
    versus
    ohne CI => Gebaerdensprache exklusiv, verminderte Integration und Dolmetscher abhaengig

    Dagegen muss staerkstens betont werden, wir sind NNNNNIIIIIIIIEEEEEEE pro monolingual Gebaerdensprache, sondern IIIIIIMMMMMEEERRRR seit ueber 200 Jahren pro bilingual Gebaerdensprache und Deutsch. Auch CI-Traeger brauchen Dolmetscher. Die Oralisten und heutigen CI-Leuten haben diese Luege von Einsprachigkeit von entweder Lautsprache oder Gebaerdensprache verbereitet.

    @Pia,
    es wird tatsaechlich in fast allen Schulen fuer taube Kinder monolingual in Deutsch verfahren. Es gibt ueberhaupt keine Schule, wo exklusiv in Gebaedensprache unterrichtet wird. Entweder der Lehrer spricht mit verzerrten Mundbildern allein oder in Begleitung mit wenigen Gebaerden. Wenn der Lehrer in den oberen Klassen gebaerdet (gelernt von den Kinder, die inzwischen Gebaerdensprache in Schulhoefen und auf gemeinsamen Heimgaengen gelernt haben), dann oft in mangelhaftem gebaerdetem Deutsch. Die GS-Kompetenz ist bei allen Lehrern noch nicht Pflicht, um die Schule in die bilinguale Richtung zu reformieren. Der Informationsfluss bei solchem Unterricht wird dadurch stark reduziert. Daher weigern manche taube Eltern ihre tauben Kinder in ihre ehemaligen Schulen zu schicken. Sie wissen genau Bescheid! Sie schauen zuerst, ob ihre Schulen sich kommunikativ und curricular geaendert haben. Wenn sie dort keine Verbesserung sehen, dann lieber anderswo!

    Die relevantere Entscheidung als Eltern eines tauben Kindes ist nicht CI oder ohne CI, sondern vielmehr ob es bilingual auf wachsen soll oder nicht. Alles andere ist Red Herring!

  86. „Die relevantere Entscheidung als Eltern eines tauben Kindes ist nicht CI oder ohne CI, sondern vielmehr ob es bilingual auf wachsen soll oder nicht.“

    Das finde ich gut formuliert.

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