Das Geheimnis der eigenen Stimme

Sich selbst vom Band reden zu hören, also eine Aufnahme der eigenen Stimme zu hören, finden ja viele unangenehm. Ich aber hätte jetzt gerne mal harte Fakten: Ich würde mich gerne mal hören — und zwar vor anderthalb Jahren.  Denn gerade habe ich jemand getroffen, die ich so lange nicht mehr gesehen hatte. Und sie sagte: „Deine Aussprache ist besser geworden.“

Das schockt erstmal. Denn es heißt ja, dass sie, als wir uns kennenlernten, nicht gut war — was immer das genau heißt. Und es ist doch ein herber Schlag fürs Selbstbewußtsein, zu erfahren, dass das eigene Bild soweit weg war von dem, was man dachte. Die Stimme bringt schließlich nicht wenig an Seele und Persönlichkeit rüber. Oder zumindest wird sie oft so wahrgenommen.

Was war seit unserer letzten Begegnung? Fast ein Jahr mit dem elektrischen Ohr. Und zugegeben, ich habe ja in den letzten Monaten vor dem Eingriff selber gemerkt, dass ich öfters, wenn ich nachlässig wurde, schlurrig redete. Aber die Entschiedenheit, mit der mir das eben gesagt wurde, schockt mich doch etwas. So auffällig soll es gewesen sein?! Gerade weil wir uns so lange nicht gesehen haben, kann sie’s wohl beurteilen.

Der Klang der eigenen Stimme, ein Geheimnis. Schade, dass ich nicht Rush Limbaugh bin, dann hätte ich die Aufnahmen und könnte einfach gucken wie ich damals geklungen habe.

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10 Antworten zu “Das Geheimnis der eigenen Stimme

  1. hallo! das ist ein wichtiges thema. ich merke als hörakustikerin auch sofort, wenn eine hörgeräteanpassung super ist und der/die trägerIn wieder gut artikuliert! da gibt es manchmal erstaundliche verwandlungen. manchmal aber leider auch nicht, und da wäre ein training dann hilfreich… Du kannst Dir z.b. selber helfen: lad Dir eine audiobearbeitungssoftware herunter, nimm Deine stimme auf, einmal mit CI, einmal ohne, z.b. am frühen morgen beim aufstehen, wenn Du das hören mit CI noch nicht gewohnt bist… evtl. kannst Du dann unterschiede hören? liebe grüsse einer tonmeisterin und hörakustikerin, und ich würde mich freuen, wenn Du auch mal auf meinem blog vorbeischaust!

  2. Danke für den Tipp, allerdings weiß ich noch nicht, ob meine Neugierde dafür ausreicht. 😉 Interessieren würde mich ja eher die verpaßte Gelegenheit. Aber wer denkt schon daran, eine Stimmprobe zu nehmen bevor er sich ein CI machen läßt. Na, vielleicht jemand, der das hier liest…
    Nettes Blog hast Du übrigens. Würdest Du mal so eine „Verwandlung“ etwas näher beschreiben? Wäre bestimmt interessant.

  3. Wenn ich mein CI im Stadtverkehr auf „Störschallprogramm“ geschaltet habe und in ruhigen Räumen vergesse, es umzustellen, spreche ich deutlich kehliger und höher. Sobald ich umschalte, höre ich alles näher dran und runder, spreche also auch sofort weicher und tiefer. Eine Freundin sagte mal zu mir „stell dich mal um“, als wir in ruhiger Umgebung saßen. Sie hatte (schneller als ich) an meiner Stimme gemerkt, dass ich noch den „Störschallfilter“ drin hatte.

    Aus Erschöpfungsphasen kenne ich es auch, dass die Sprache luschiger wird, weil ich sie ja nie sauber höre. Das saubere Sprechen kommt eher aus dem „Sprache mitdenken“ als aus dem tatsächlichen Hören ( „f“ und „ch“ und „sch“ sind gleich, „a“ und „o“ und „u“ sind gleich). Bei Müdigkeit fehlt das konzentrierte Denken und alles rutscht zu Genuschel zusammen.

    Aber die Normalos haben das auch. Die bringen bei Erschöpfung auch keine Details mehr raus und lassen den Unterkiefer pendeln …

  4. >Wenn ich mein CI umschalte, spreche ich
    >auch sofort anders

    So prompte Reaktion, das hätte ich jetzt nicht gedacht. V.a. überrascht mich, dass auch die Tonlage wechselt. Denn die stimmt sich bei mir definitiv nicht übers Hören ein, sondern über den Körper (also stehen oder sitzen, angespannt/aufgeregt oder nicht). Aber vielleicht bin ich da ein Sonderfall.

    > „f“ und „ch“ und „sch“ sind gleich,
    > „a“ und „o“ und „u“ sind gleich

    Mit CI? 😮 Im Ernst?!! Und da kann man nicht mehr rausholen?

  5. Wie? Bin ich denn womöglich schlecht eingestellt? Nö, ne?
    Also ich verstehe die Vokale im Gespräch ganz gut, aber muss auch den Mund dabei sehen. Einen Vokal allein, so ganz ohne Wort drumrum, würde ich nicht erkennen können. Mach du doch mal den Test, Tester-Beethoven, und lass dir ohne hingucken von Freunden mal ein „a“ oder ein „u“ vormachen. Und die ganzen Feinheiten mit „ch“ und „f“ … schafft das allein das CI?
    Mmh.

  6. Also ich habe zuweilen, je nach Sprecher, Probleme mit „l oder n oder m“. Aber „ch oder f“ (oder gar „sch“) ist bei mir definitiv keine Feinheit und „a oder o/u“ auch nicht. Mmh?

  7. Mmh. Tscha. Tss tss.

  8. hallo ihrs! ich höre auch manchmal sofort, wenn ein hörgerät (achtung: kein CI! damit habe ich fast keine erfahrung; verhält sich aber sicher sehr ähnlich) schlecht eingestellt ist. wenn der oder die tragende anfangt laut zu reden, oder wenn die stimme „in die kehle rutscht“, weiss ich, dass ich entweder zuviel oder zu wenig bass verstärkt habe. wenn die person lispelt oder sonst undeutliche zischlaute macht, ist der hochtonbereich nicht „giftig“ genug und sie kann sich nicht selber korrigieren. die wechselwirkungen zwischen ohr und stimme sind aber bei jedem menschen unterschiedlich, bei den einen machst du eine mini-veränderung, und es verändert sich alles, vom unwohlsein zur perfekten anpassung oder auch umgekehrt… ein noch viel zu unerforschtes feld!!

  9. Früher wurde ich einmal bei meinem Hinweis, dass ich ertaubt bin und gar nix höre, erstaunt gefragt: „Du kannst deine eigene Stimme nicht hören? Aber das geht doch gar nicht.“ (Den Frager habe ich übrigens erst nach mehrmaligen Anläufen mit Mundabsehen verstanden. Das war noch vor dem CI.) Lustig, oder? Was manche Menschen so für Vorstellungen haben. Ich konnte allerdings auch ertaubt noch fast normal sprechen aus dem Gedächtnis und der Gewohnheit heraus, aber es ließ stark nach, je länger ich taub war. Mit CI kam da wieder Fasson rein …

  10. Interessant, Esther! So mittel- bis langfristige Veränderungen, wie Pia sie auch beschreibt, kenn ich ja. Damit hat ja dieser Eintrag angefangen. Die kurzfristigen und insbesondere die mit der Tonlage (im Unterschied zu schlurrig) überraschen mich immer noch.
    Wenn ich auf meine Stimme und Artikulation achte, selbst jetzt mit CI, ist das eigentlich nie per Hören, sondern immer übers Fühlen und aus dem Bauch atmen. Vielleicht bin ich da aus der Art geschlagen.
    Ich hätte die oben erwähnte Freundin mal fragen sollen, was genau an meiner Aussprache besser sein soll. Verflixt.

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