Gefangen in einer unsichtbaren Welt

Nein, das ist nicht mein Werk. Aber es ist meine Welt. Um ehrlich zu sein, ich habe vor vielen Jahren mal einerecht ähnliche Zeichnung von mir selber gemacht. Darum war ich auch so überrascht, als ich dieses Bild sah. Ich freue mich, dass ich es hier posten darf.

Die Künstlerin hat ihren Weg gefunden, mitzuteilen wie es sich anfühlt, schwerhörig oder gar ertaubt zu sein. Dieses war das zentrale Bild einer Ausstellung. Und nach allem was mir erzählt wurde, ließ sie keinen der flotthörenden Besucher kalt.

Ich hoffe, dass ihnen das Bild bei der nächsten Begegnung mit einem Schwerhörigen wieder eingefallen ist.

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14 Antworten zu “Gefangen in einer unsichtbaren Welt

  1. Vor einigen Jahren hab ich irgendwo Rezension über ein Buch
    gelesen:“Hinter Glas“.
    Hab Name der Autorin nicht mehr im Kopf.
    ich vermute, der Maler des Bild wurde von dem Buch inspiriert?

  2. Du meinst dieses hier?

    Ich glaube eher, dass das Bild mit dem Glas bei der Erfahrung naheliegend ist, so dass mehrere darauf kommen: Optisch ist ja trotz Taubheit alles klar, dennoch ist da eine Mauer.

  3. Besser würde das Bild das Ganze noch treffen, wenn das Glas voll Wasser wäre, da man oft auch nur verschwommen wahrnimmt, was um einen herum geschieht. Und zwar optisch (wenn die Lichtverhältnisse nicht stimmen) wie auch akustisch, weil bislang kein technisches Gerät wirklich an die Leistung eines menschlichen Ohres kommt.

    Denn das Glas alleine ist Trennung nicht genug. Oft erfahre ich, dass andere Mitmenschen den Versuch anstrengen, ein Vergleich zwischen Hörgeräte und Brillen zu stellen: Aufsetzen und die Sache ist gegessen. Der Vergleich hinkt leider sehr. Auch eine Brille löst nicht wirklich jedes Problem, aber besser als Hörgeräte. Und das wissen die Wenigsten.

    Und wenn man jetzt von Geburt an gehörlos ist, dann kommt auch noch das Problem mit dem Verstehen der Schriftsprache dazu. Das ist unheimlich schwierig zu vermitteln. Und bislang hatte ich dazu noch keine richtige Idee, das bildhaft umzusetzen, damit man es leichter versteht.

  4. Mal doch auch mal eins, Ralph. Notfalls einfach drauflos 🙂

    Zu der Sache Brille vs. Hörgerät: Ich weiß gar nicht wie gut die ganz modernen Hörgeräte eigentlich bei leichten bis mittelgradigen und relativ gleichmäßigen Schwerhörigkeiten funktionieren (also da wo im Verlgeich Brillen oder Kontaktlinsen gut funktionieren)? Kann man da heutzutage sagen: Aufsetzen und die Sache ist gegessen? Zumindest in den allermeisten Situationen?

  5. Danke, Herr Raule….
    dann hab ich das also doch richtig in Erinnerung, daß es auch Gehörlose
    gibt, die sagen, daß Gehörlose die Schriftsprache nicht gut verstehen.
    Als ich das mal gesagt habe (weil ich meinte mich zu erinnern, daß ich das
    von Betroffenen mal gelesen hatte), bin ich dafür wer weiß wie runtergemacht worden.

  6. @nqlb: Malen? Gerne! Aber so gut kriege ich das nicht mehr hin. Da fehlt mir nun die Übung. Und hinzu kommt mein Anspruch. Kleckern ist nicht mein Ding. Also hebe ich mir das auf, wenn ich mal in Rente gehe. Ob ich das erlebe? 😉

  7. Als selbständiger Unternehmer? Oh, oh, schwierig. 🙂

  8. @Regenbogen: Das große „Problem“ an dem Thema Schriftsprache und Gehörlose ist, dass man damit ein zweites großes Problem anspricht. Denn zuzugeben, dass man nichts hört, ist das Eine. Das Nächste dann, zu nennen, dass schriftliche Informationen auch ein Problem darstellen, das Andere …. Und so schweigt lieber eine große Mehrheit dazu – vor allem auch die, welche in politischen Ämtern als Funktionäre fungieren. Die haben m.E. nämlich die große Angst, dass man ihnen dann die Kompetenzen aberkennt, wenn allgemein bekannt ist, dass Gehörlose Schwierigkeiten mit der Schriftsprache haben.

    Fakt ist: Nahezu 90% der Schüler aus Gehörlosen-Schulen verlassen diese mit einem Niveau von Dritt- oder Viertklässler (warum das so ist, ist wieder eine andere Baustelle: der Streit um die richtige Lehr-Methode, vor allem im deutschsprachigen Raum. Hierzu gibt einige, wenn auch wenige wissenschaftliche Studien). Und diese 90% werden von den restlichen 10% nach außen „vertreten“, welche aber nur minimales Interesse an einer Lösung zur Schriftsprache haben, weil sie damit ihre bessere Stellung in der Gemeinschaft „absichern“. Das Ganze wird dadurch erleichtert, dass die wenigsten Gehörlosen sich auch wirklich darüber bewusst sind, dass sie funktionale Analphabeten sind. Sie spüren, dass sie überall auf Hindernisse stoßen, aber können nicht die wirkliche Ursache erkennen. In Wikipedia wird das so beschrieben: „Als funktionaler Analphabetismus oder Illettrismus wird die Unfähigkeit bezeichnet, die Schrift im Alltag so zu gebrauchen, wie es im sozialen Kontext als selbstverständlich angesehen wird. Funktionelle Analphabeten sind Menschen, die zwar Buchstaben erkennen und durchaus in der Lage sind, ihren Namen und ein paar Wörter zu schreiben, die jedoch den Sinn eines etwas längeren Textes entweder gar nicht verstehen oder nicht schnell und mühelos genug verstehen, um praktischen Nutzen davon zu haben. Eine feste Grenze zwischen „verstehen“ und „nicht verstehen“ existiert jedoch nicht. “ (http://de.wikipedia.org/wiki/Analphabetismus).

    Durch den schwachen Vertretungsanspruch nach außen wird natürlich auch keiner in der großen Politik wirklich „wach“, zumal die Anerkenntnis dieser Problematik dazu führen würde, dass weitere hohe Kosten entstehen könnten, wenn Gehörlose ihr Recht auf Gebärdensprache vollends einfordern würden. Nach der UN-Konvention hätten die Gehörlosen das Recht darauf, es ist geltendes Recht. Man muss es nur einfordern. Allerdings: Wie kann man etwas einfordern, wenn man es nicht versteht? Hier beißt sich die Katze in den Schwanz.

    Wir vom Gebärdenwerk haben uns dieses Thema zu Eigen gemacht, weil wir in Kombination mit den heutigen Technoligien und auch unserem Know-How wissen, wie hierzu Lösungen aussehen können. Als Unternehmen können und wollen wir allerdings keine Politik machen, sondern Lösungen anbieten. das ist so ein wenig das Dilemma von Gebärdenwerk.

    Hm, das ist jetzt nun länger geworden als zuerst gedacht. Und ein wenig vom Thema ab. Ich hoffe aber dennoch interessant und berechtigt.

  9. @Ralph Raule:
    Danke für die Ausführungen.
    Ich hatte das schon auch mal bemerkt, daß man bei manchen Postings von Gehörlosen auch nach zigmal Lesen ums Verrecken nicht verstehen konnte, was der Künstler einem jetzt eigentlich sagen wollte. (Rechtschreibfehler und sowas klammere ich da völlig aus. Da muß man sich nur mal die Orthographie von einigen Hörenden anschauen, die ist auch grottoid. Hauptsache ist für mich vor allem, daß eine Verständigung möglich ist.)
    Ich hatte mich früher darüber gewundert und da ich mal die Forderung nach mehr Gebärdenvideos gelesen hatte, hatte ich damals gedacht, vielleicht läge es daran. Ich meine, fehlende Praxis ist nunmal da nicht sehr förderlich – ich schätze mal, mein Französisch wäre auch nicht so untergegangen, wenn ich da mehr geübt hätte, und sei es auch nur durch mehr Filme OmU. Daß da auch in den Schulen wohl einiges im argen liegt, war mir damals nicht bewußt gewesen.

    Wie ist denn das – Du sagst, Ihr hättet da Lösungen. Sind das jetzt nur die von Euch hergestellten Gebärdenvideos oder kann auch sonst etwas getan werden, um zu einem besseren Sprachverständnis zu kommen? Denn ich denke doch, je sicherer eine gehörlose (wie auch jede andere) Person in der Schriftsprache ist, desto weniger Probleme hat sie doch im Alltag und desto mehr Zugang zu Informationen hat sie.
    (Ist doch auch mit der Dritten Welt so: Man versucht den Menschen doch dort auch weiterzuhelfen, indem man sie bildet.)

  10. Ralph Raule,
    stimme Deinem Posting ganz allgemein zu.
    Aber einigem muss ich widersprechen:
    „Und diese 90% werden von den restlichen 10% nach außen “vertreten”, welche aber nur minimales Interesse an einer Lösung zur Schriftsprache haben, weil sie damit ihre bessere Stellung in der Gemeinschaft “absichern”.
    Du sitzt da sozusagen im Glashaus und wirfst Steine!
    Ein Teil der “ restlichen 10%“ macht ehrenamtliche Arbeit in den
    Vereinen und Verbänden, opfern ihre Freizeit, keiner von diesen
    Ehrenamtlichen (Zyniker sagen sehr zutreffend „Esel-Amtliche“)
    hat einen materiellen Vorteil davon, nur Stress und Ärger von allen
    Seiten. Ich war Jahrzehnte lang einer dieser „Esel“.
    Nichts gegen Menschen, die mit professioneller Arbeit für Gehörlose
    ihr Geld verdienen.
    (Ich habe schon oft gesagt: Nur mit ehrenamtlicher Arbeit geht es nicht,
    gute professionelle Arbeit muss auch gut bezahlt werden)
    Das 90% der Gl funktionelle Analphabeten sind, ist IMHO etwas übertrieben. Nach meiner Erfahrung können ca 70% der Gl allgemeine Texte genau so gut verstehen wie Hörende mit Hauptschulabschluss.
    Man darf nicht aus der schlechten Schreibe von Gl auf Leseverständnis
    schliessen. Es ist so ähnlich wie bei mir mit englisch:
    Ich verstehe jeden allgemeinen englischen Text und auch spezielle Texte
    aus meinen persönlichen Fachgebieten.
    Aber ich habe Schwierigkeiten einen Text in englisch zu schreiben.
    (Englischlehrerinnen würden beim lesen vermutlich die Augen verdrehen).
    Texte im Internet in Gebärdensprachvideos übersetzen ist zweifellos
    eine gute Sache für viele Gl. Ist auch gut, um die Gebärdensprache bei
    den hörenden Internetsurfern bekannt zu machen.
    Aber es kann auf Dauer keine wirklich gute Lösung sein.
    Die einzige gute Lösung ist nach meiner Meinung:
    Taube Kinder müssen so früh wie möglich intensiv im lesen und schreiben
    unterrichtet werden und erwachsene Gl sollen sich in der Schriftsprache
    weiterbilden. Viele Gl wurden das Internet und UT im Fernsehen
    motiviert, ihre Lesekompetenz zu verbessern.
    Es darf nicht dazu kommen, das Gl jetzt demotiviert werden und denken, sie müssen nicht gut lesen lernen, sie haben Anspruch auf persönliche
    Dolmi und DGS-Video bei allen Internettexten usw.

  11. @nqlb:
    Zu deiner Frage, wie gut moderne Hörgeräte bei leichten/mittelgradigen Schwerhörigkeiten funktionieren:
    Ich bin mittelgradig schwerhörig und habe vor ca. eineinhalb Jahren mein erstes Hörgerät bekommen (davor habe ich mich 16 Lebensjahre lang irgendwie anders durchgeschlagen 😉 ) Das Teil ist ziemlich neu, mit digitaler Technik und allem Pipapo, und es verbessert das Verständnis in manchen Situationen durchaus, z.B. im Zug, in Restaurants… Trotzdem gibt es noch einen Haufen Situationen, wo ich auch mit Hörgerät nichts verstehe. Flüsternd kann ich mich immer noch nicht unterhalten, Unterhaltungen über mehrere Meter hinweg klappen auch fast nie. Selbst wenn Menschen mit normaler Lautstärke in meiner Nähe sprechen, kann es Probleme geben, wenn sie zu undeutlich reden.
    Kurz: Ich kann nicht sagen, dass alle Probleme sich in Nichts auflösen, sobald ich mein Hörgerät aufsetze. Ich bin aber eben schon mittelgradig und vor allem im oberen Frequenzbereich stark schwerhörig, vielleicht können Hörgeräte bei leichterer Schwerhörigkeit tatsächlich alles ausgleichen.

  12. Weil gerade das Thema deutsche Schriftsprache aufgekommen ist und ich auch schon bemerkt habe, daß sich Gehörlose damit echt schwer tun, eine Frage an Ralph Raule: Woher hast du als Gehörloser eine so gute Schriftkompetenz? Wie war die Unterrichtsmethode? Oder bist du spät ertaubt?

  13. Ralph Raule und Charly Brown, also Lese- und Schreibschwäche (der schönere Ausdruck für funktionale Analphabeten) ist ja auch unter Normalhörenden ein heißes Eisen. Jedenfalls sobald es über den unmittelbaren Alltag und eine gewisse Kürze hinausgeht. Ich finde Lese- und Schreibkompetenz eine der wichtigsten Sachen, die man beibringen sollte. (Gut, Rechnen ist auch ganz nett.) Und Hörbehinderten ganz besonders.

    Theresa, danke für die Info! Also scheint ja trotz technischem Fortschritt alles beim Alten zu bleiben.

  14. Pingback: Öko-soziale Themen vernetzen [Update] » Blogpatenschaften

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