„Gibt’s da auch was ohne Telefon?“ — Zur Berufswahl und Studienwahl für Hörbehinderte

Kürzlich erreichte mich die Frage, was man denn als Schulabgängerin machen sollte, wenn man trotz Hörgerät nicht telefonieren kann und nicht weiß, was man dann lernen oder studieren soll. Denn leider kommt man ja in vielen Jobs um das Telefon nicht herum.
Ich glaube, es gibt auf diese Frage leider keine leichte Antwort. Und eine Liste von Ausbildungen/Studiengängen wäre keine gute. Ich will dazu kurz ein paar Gedanken niederschreiben — und vielleicht fällt Euch auch noch was Hilfreiches ein?

Es sieht erst einmal so aus als habe man es mit Hörproblemen doppelt schwer: Als ob es noch nicht schwer genug wäre zu wissen, welches die richtige Ausbildung oder das richtige Studienfach ist — nun dazu noch das elendige Problem mit dem Telefon. Ich glaube aber, das sieht nur so aus. Es sind ganz genau die gleichen drei Probleme, die alle Schulabgänger haben. Denn wenn es um den Beruf geht, sollte man zunächst über Fähigkeiten nachdenken, nicht über Schwächen. Wie ich das meine, habe ich neulich drüben bei der Caritas erläutert.

Die Fragen sind also: Was liegt mir bzw. kann ich? Was macht mir dauerhaft Spaß? Und was gibt es eigentlich für Jobs (bzw. Arbeitgeber, die für das bezahlen was ich kann und mir am besten noch Spaß macht)?

Alle drei Fragen sind gar nicht so leicht zu beantworten. Man braucht ein bißchen Erfahrung mit sich und der Welt. Bei den ersten beiden hilft nur: Sich Ausprobieren. In der Schule, in Jobs oder Praktika. Ehrenamtlich. Im Verein, wo auch immer. Bei der dritten hilft nur Recherchieren, dort Tätige kontaktieren und sich mit ihnen unterhalten. Was gibt es für Berufe, was geht so vor auf der Welt? Was gibt es für Unternehmen? Was machen die Leute da? Was braucht man, um dort anzufangen?

Als Mensch mit Hörproblemen muss man dabei dann ziemlich genau nach der Art der erforderlichen Kommunikation fragen. Was man kann oder nicht kann gehört einfach zum persönlichen Profil dazu. Und wie bei jeder anderen Frage (z.B. Reichen meine Rechen- oder Englischkenntnisse?) muss ich mich fragen: Klappt das mit meinem Hören? Wie könnte das gehen? Wie könnte ich da zurechtkommen? (Meine Gedanken dazu habe ich in 12 Tipps zusammengefaßt: Taub im Job, trotzdem erfolgreich.)

Das ist alles nicht einfach, denn diese Informationen liegen nicht auf der Straße.  Manchmal dauert es sehr lange, sie zu finden. Und Unsicherheit bleibt.

Ich glaube aber: Das Wichtigste ist, dass man für sich herausfindet, was man kann und was einem Spaß macht. Das sollte an erster Stelle stehen, nicht eine Liste der für Hörbehinderte geeigneten Berufe. Sonst führt das zu den immer gleichen Jobs.

Und Ihr? Was denkt Ihr darüber? Wie gesagt, es geht darum, was man machen soll, wenn man nicht telefonieren kann.

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29 Antworten zu “„Gibt’s da auch was ohne Telefon?“ — Zur Berufswahl und Studienwahl für Hörbehinderte

  1. hey! ich kenne sogar eine resthörige (!) telefonistin, die in 3 fremden sprachen auskunft gibt!! eine unglaubliche erscheinung. sollte eigentlich ein implantat tragen, trägt aber immer noch superpower-hörgeräte (viel spass bei den reparaturen, das lösst jeweils panik aus…). wie das geht, übersteigt meine logischen denkfähigkeiten 🙂 aber es geht anscheinend!

  2. Das ist schon sehr ungewöhnlich, ich freue mich für sie! Klingt mir aber sehr so als sei sie bereits in dem Beruf gewesen und dann schwerhörig geworden, also vielleicht nicht unbedingt ein Modell für schwerhörige Schulabgänger. Oder?
    Warum löst denn die Reparatur Panik aus?

  3. Mein Vorgehen ist/war, mir selbst meine Arbeitsumgebung zu schaffen. Sagt sich so leicht und salopp. Aber wenn der Leidensdruck hoch genug ist, dann kommt so etwas dabei raus. Ich war es irgendwann Leid, mir immer sagen lassen zu müssen, dass ich zwar eine hohe Kompetenz besäße, aber man mich aufgrund meiner eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten halt nicht auf das Klientel „los lassen“ könne. Die würden ja schließlich viel Geld (für einen Unternehmensberater) zahlen und da könne nicht irgendein Behinderter kommen.

  4. @Esther: Warum sollte sie eigentlich ein Implantat tragen? Wie ist das zu verstehen?

  5. die ausnahme bestätigt wohl die regel… bezüglich ihrer krankengeschichte habt ihr mich jetzt aber überfragt. aber klar ist, dass sie bezüglich ihrer resthörigkeit in die indikationsstufe für ci-implantate kommt => dafür gibts audiometrische bedingungen. eine reparatur macht sie ganz klar berufsunfähig! daher die panik. wir mussten immer ein ersatzgerät vom gleichen typ mit der gleichen programmierung bereit stellen, und auch dann war nicht sicher gestellt, dass sich bei ihr danach das gleiche empfinden einstellt! das ist technisch nicht nachvollziehbar, für die patientin aber überlebenswichtig… alles in allem eine bewundernswerte frau!

  6. Hallo Esther,

    sei mir jetzt nicht böse, was ich jetzt schreibe. Aber bist Du Dir Deiner Wortwahl bewusst? „krankengeschichte“, „indikationsstufe für ci-implantate“, „audiometrische bedingungen“ – sehr mechanisch. So schreibt jemand, der rein nur die Technik oder das Defizitäre dahinter sieht. Wenn man hörgeschädigt / -behindert ist, ist man nicht krank. Und das Andere, worüber Du schreibst, das mögen messtechnische Indikatoren sein, über den Menschen sagen sie gar nichts.

    Mir ist so etwas ein Gräuel, wenn man Menschen nur aus dieser mechanischen Sichtweise betrachtet und „erfasst“. Denn es ist nur eine Dimension, und ja wohl auch die einfachste. Aber das Modell Mensch erklärt es bei Weitem nicht. Ich hoffe nicht, dass Du eine Hörgeräte-Akkustikerin bist. Ich würde einen großen Bogen um Dich machen. Denn mich und mein Hören würdest Du nicht verstehen. Ich verstehe es ja zum Teil selbst nicht. Und ich würde durch deine Raster fallen – ganz weit durch.

    Herzliche Grüße

    Ralph

  7. Ralph, Arbeitsumgebung selber schaffen ist ein gutes Stichwort. Das heißt bei Dir vermutlich v.a. Selbständigkeit, aber auch für Angestellte ist ja meist mehr drin als man so denken würde. Auch wenn es mühsam ist. Um den Bogen zurück zur Ursprungsphase zu kriegen: Wenn man sich für bestimmte Berufe, Studiengänge oder Ausbildungen interessiert, kann man ja mal anfangen sich zu überlegen was man alles per Email, SMS, Chat und sonstiger elektronischer (Schrift)Kommunikation erledigen kann anstatt per Telefon.

    Zum Thema Vokabular — schwierig! Ich finde es auch nicht so prickelnd, wenn ich gelegentlich als „Patient“ beschrieben werde und würde mich auch selbst nicht so nennen. Ist unangemessen. Meine „Krankengeschichte“ ist meine Hörbiographie. Und ich kann mich noch gut erinnern, wie schockiert, entsetzt und beleidigt ich war, als man mir vor sechs Jahren sagte, ein CI „wäre angezeigt“ bei mir. Ein bißchen mehr Sprachgefühl wäre bei vielen Medizinern, Audiologen und Akustikern in der Tat nicht schlecht.
    Aber man muss auch sehen: Wenn man darüber redet ob ein CI sinnvoll ist, nutzt man halt unter anderem audiometrische Kriterien. Und eigentlich braucht man sich doch den Schuh nicht anzuziehen, sich von Fachsprachen in Fachsituationen herabgewürdigt zu fühlen. Die meinen halt ganz bestimmte Dinge, nicht den ganzen Menschen. Oder wie seht Ihr das?

  8. Die Diskussion weicht vom Anfangsthema ab, ist aber auch spannend.
    Danke für den Hinweis, Alexander, natürlich meine ich mit Krankengeschichte die umfassende Hörbiographie. Das Hörorgan der betreffenden Person ist in diesem Fall tatsächlich krank.
    Lieber Ralph,
    Ich bin tatsächlich Hörakustikmeisterin, und als Fachperson spreche ich in einer Fachsprache. Dies hilft, messbare Kriterien abzuklären. Das ist meine Aufgabe. Was nicht messbar ist, wird anders behandelt, ganz klar. was nicht heisst, dass es zu kurz kommt (dafür kennst Du mich zu wenig) 🙂
    Ein Problem, was ich sehe, ist, dass viele AudiologInnen und AkustikerInnen das genaue Messen vernachlässigen, weil sie meinen, bei Schwerhörigen immer die Samthandschuhe anziehenzu müssen. Dabei sind wir keine ausgebildeten PsychologInnen (was manchmal praktisch wäre). – Die Ausgangslage unserer Arbeit ist eine genaue Kenntnis der Ohren unserer Klientel und auch ihrer emotionalen Einstellung dazu.

    Eine Diskussion, die unter KollegInnen immer wieder stattfindet – und es würde mich mal Eure Meinung interessieren – ist: soll man Euch jetzt besser PatientInnen oder KundInnen nennen? Oder habt Ihr einen dritten Vorschlag?

    Ich denke es ist eine allgemeine Herausforderung, dass man sich vor Diagnosen fürchtet. Ich bin auch nervös, wenn ich meinem Arzt etwas erzähle und nicht weiss, ob er es verstehen wird. Es ist mir auch schon passiert, dass einer gesagt hat „aber sie sehen doch gesund aus“… Da habe ich das in meinen Augen einzig Richtige gemacht: den Arzt gewechselt 🙂

  9. Pingback: Menschenbilder: Was macht die Technik aus den Schwerhörigen? | Not quite like Beethoven

  10. Esther, ich wollte Dir das Wort Hörbiographie gar nicht aufdrücken, das ist einfach mein Wort dafür. Die Frage Kunden oder Patienten finde ich auch spannend, dazu habe ich mal einen extra Post erstellt. (siehe den pingback über diesem Kommentar)

  11. Ich finde das Wort „Hörbiographie“ ziemlich passend und gewöhne mich gerne an psychologisch adäquatere Begriffe 🙂

  12. Hallo Esther,

    danke für Dein Verständnis! Und auch für Deine ausführliche Stellungnahme, was Dein Beruf angeht. Ich kenne zwar die Ausbildung nicht wirklich gut, weiß allerdings, dass sie schon sehr anspruchsvoll ist. Wie auch der Beruf selbst. Und dennoch scheint die Ausbildung nicht vollständig zu sein, so wie ich das aus Deiner Schilderung entnehme und sich auch mit meinen Beobachtungen und Erfahrungen deckt.

    Irgendwie bin ich überzeugt, dass wenn ihr Akustiker uns Hörgeschädigte nicht als Patienten, sondern als Kunden (vielleicht zuweilen auch als euer Klientel) begreift, dann wäre der Umgang einfacher und qualitativ besser. Und für Ärzte könnte das zuweilen auch gelten.

  13. Nun zurück zum eigentlichen Thema: Arbeitsumgebung anpassen mag als Selbständiger wirklich einfacher aussehen, aber das ist ja nur von Seiten der Motivation interessant. Viel wichtiger ist es, auch Geld mit der angepassten Umgebung verdienen zu können. Und darin liegt ein wenig die Kunst des gesamten Schaffens.

    Arbeitsumgebung gestalten als A-Nehmer sehe ich als sehr schwierig an. Denn vieles wird mehr als Luxus angesehen als als wirkliche Notwendigkeit. Ich habe zu meiner Zeit als A-Nehmer nicht wirklich viel bewirken können. Es ist natürlich anders, wenn man bereits (wie Hr. Beckstein) in einer bestimmten Position bereits seine Sporen verdient hat. Da muss man ert einmal hinkommen.

  14. >Viel wichtiger ist es, auch Geld mit der angepassten
    >Umgebung verdienen zu können. Und darin liegt ein
    >wenig die Kunst des gesamten Schaffens.

    Genau das meine ich, wenn ich sage, man sollte herausfinden was man kann (und möchte) und dann, wer dafür bezahlen würde. Nicht oder nur mit Mühe telefonieren könne fließt dann halt indirekt in die Was-kann-ich-Frage mit ein wie andere Beschränkungen auch.

    Ich vermute aber mal, da reden wir als einigermaßen Erfahrene klug daher und für jemanden, der oder die gerade die Schule abschließt, klingt das alles reichlich abstrakt. Hoffe, es ist dennoch ein bißchen hilfreich.

  15. Lasse es mich mal so sagen: Es ist wichtig, sich mit seinen Stärken und Schwächen auseinander zu setzen und diese auch entsprechend benennen zu können. Rumeiern ist blödsinnig. Nobody is perfect. Wenn mir ein Mitarbeiter sagt, er kann dies nicht, dafür jenes, ist mir mehr geholfen, als wenn wir Katz-und-Maus spielen und irgendwann kommt es doch raus.

    Außerdem: Will ich bei einem Unternehmen, mit andere Kollegen zusammen arbeiten, die mit meinen Schwächen und Stärken nicht können? Um mir das aussuchen zu können, muss ich mir natürlich entsprechend auf meiner „Habenseite“ Qualifikationen und Wissen aneignen.

    Umgekehrt sollte man auch eine Absage nicht persönlich nehmen, sondern erkennen, dass es nicht gepasst hat und weiter am eigen Profil arbeiten.

    Das trifft übrigens jeden Menschen, ob behindert oder was weiß ich was.

  16. Ich wundere mich, warum zum Eingangsthema „ich kann nicht telefonieren“ das Thema der Arbeitsassistenz und diverse Kommunikationstechniken bislang noch nicht aufgetaucht ist.

    Die Assistenz ist dazu da, z.B. fehlende Fähigkeiten wie Telefonieren als eine Art Kommunikationsdolmetscher zu übernehmen. Ausserdem gibt es ja noch TESS und ich glaub noch andere sehr ähnliche Möglichkeiten, wo man mittels Gebärdensprachdolmetscher mit Hörenden „ganz normal“ und fast direkt telefonieren kann. Natürlich benötigen diese Kommunikationstechniken Internet und auch verursachen sie Kosten, aber das wird über die (hör)behindertenspezifische Arbeitsplatz-Anpassung abgedeckt bzw. sollte darüber abgedeckt sein.

    Daher würde sich bei mir heutzutage im normalen Geschäftsgebrauch (also nicht grad gleich Call-Center 😉 ) die Frage nicht mehr stellen, was ich noch tun kann, bloß weil ich nicht mehr telefonieren kann.

  17. Dass das Thema noch nicht aufgetaucht ist, mag damit zusammenhängen, dass mir die Frage so gestellt wurde: Habe jetzt die Taub-im-Job-Serie gelesen (in der über sowas gesprochen wurde), aber mir fehlt noch was: Was macht man eigentlich wenn…
    Das soll aber nicht heißen, dass das Thema hier irrelevant wäre, danke fürs Aufbringen.
    Ich selber habe nicht allzu viel Erfahrung mit diesen Diensten, nur etwas mit Telefon-Captioning. Von da aus habe ich nicht den Eindruck, dass sie (und auch Assistenten) ein dauerhafter, vollwertiger Ersatz in dem Sinne sein könnten, dass man sich nun keine Gedanken mehr zu machen braucht. Eher, dass man damit vielfach den Rest auffangen könnte, der nicht durch SMS/Email/Chat ersetzbar ist.
    Aber ich lasse mich gern eines besseren belehren.

  18. Bei der Berufswahl gibt es doch eine riesige Bandbreite an Tätigkeiten, die nichts mit Telefonieren oder externer Kommunikation zu tun haben. Es gibt doch (Team)arbeitsstellen in Agenturen, Verwaltung, Laboren, Betrieben und Produktion, wo telefonieren während der Arbeitszeit gar nicht angesagt ist oder das sowieso nur von speziell dafür angestellten Kontaktern oder dem Sekretariat gemacht wird.

    Irgendwer muss doch noch das viele andere Zeug machen, das nichts mit Quatschen zu tun hat. Also mit dem KOPF denken, mit den HÄNDEN wurschteln, mit den FÜSSEN laufen … da ist doch zwischen Profisportler oder Chefkoch, Entwicklung von Innovativer Energieerzeugung, Boots- und Yachtenbau, Lebensmittelprüfung (Dioxineier!!) und Modelleur von schicker Schuhmode oder Statistiker oder Gartenbauarchitekt noch sowas von viiiieeeel möglich. Alles Dinge zum Gucken und Machen.
    MACHEN.

    Wer es unbedingt akademisch haben möchte, muss zum Beispiel bei grausigen Tierversuchen im Labor nicht unbedingt telefonieren oder kann als Mathematiker alles an die Tafel schreiben. Da ruft keiner zwischendrin an. Auch als Biologe im Amazonasdschungel kann man per SMS kommunizieren (na gut, grenzwertig, aber wäre zu lösen). Verhaltensforscher ohne Gehör, das geht weniger.

    Was echt nicht geht, ist Börsenmakler. Die telefonieren den ganzen Tag, wichtig wichtig. Aber in vielen anderen Berufen ist es gar nicht gern gesehen, wenn in der Arbeitszeit telefoniert wird. Gut für Leute mit Hörminderung.

  19. Ja, bei sehr vielen Berufen steht das Telefonieren nicht im Zentrum. Das ist auch ein Grund dafür, warum ich nicht mit der Frage anfangen würde, wenn ich eine Ausbildung- oder Studienrichtung suche.

    Was man sich aber genau ansehen bzw. was man versuchen sollte herauszufinden ist, mit wem man denn so kommunizieren muss, im Berufsalltag (ist ja nicht nur externe Kommunikation sd. auch mit Kollegen, Mitarbeitern und Chefs). Und wie das gemacht wird. Hier ist dann aber nicht nur Telefon problematisch, sd. z.B. auch laute Umgebungen. In der Forschung zB. läuft viel sehr wichtiges Netzwerken in Pausen von Kongressen und dann abends in Kneipen ab.

  20. Man kann auch mal umgekehrt fragen, wer in seiner Berufstätigkeit an ganz konkreten Hürden gescheitert ist, aus denen sich ergibt: Geht einfach nicht. Denn hypothetisch weiß man ja nicht im Voraus, ob eine vermeintliche Schwierigkeit im Beruf auch tatsächlich eine ist. Wenn es also z.B. Besprechungen im Arbeitsalltag gibt, müssen die nicht unbedingt eine Hürde sein, obwohl das erstmal so aussieht. In einem festen Team, wo nicht jeden Tag andere Leute sitzen, kann man Strukturen schaffen. Also wäre eine sinnvolle Arbeitsbedingung für Hörbehinderte nicht „kein Telefon, keine Meetings“, sondern „stabiles Team“. Wen man schon mehrfach hat sprechen hören, den versteht man gleich besser. Man muss nicht immer wieder neuen Leuten die Schwerhörigkeit erklären und kann sich durch Zettelnotiz oder Quatschen in der Teeküche auch seine Infolücken füllen. Es gibt ja echt nette Kollegen, die das auch gern lösen helfen. Wenn man sich etwas kennt, wird vieles leichter.

    Ich wurde auch mal gefragt, was ich für schwerhörige Jugendliche als Berufswahl raten würde. Die Eltern suchten ein bequemes Nest, in dem das Kind gar nicht erst Hürden nehmen muss: „Computer oder Malen – das ist doch was ohne Hören.“ Das ist was zum Verstecken. Furchtbar. Aber ich wüsste auch echt keine Empfehlung, die auf jeden Fall passt.

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  22. Ich finde: Man weiß sowieso kaum etwas, bevor man nicht selbst da war und es selbst versucht hat. Man kann ja scheitern, wo andere nur keine Problemchen haben und vice versa.
    Darum helfen auch irgendwelche Empfehlungen kaum, wenn man die Leute (ihre Fähigkeiten und Wünsche) nicht gut kennt. „Auf jeden Fall“ paßt doch nie eine!

  23. ich finde,ihr habt alle recht.
    dennoch…ohne telefonieren können geht einfach nix, es kann sich hier bei uns im kleinen kärnten (ja, es hat sich eine ösi zu euch verirrt gg) keiner leisten, jemanden einzustellen, der keine telefonate annehmen und den jeweiligen inhalt übermitteln kann…
    ich bin schon mittelalt gg habe als freie texterin gearbeitet,was mangels aufträgen nicht mehr möglich ist. (anstellen wollte mich keine firma wegen unwirtschaftlichkeit…telefonieren) also arbeite ich schon lange als reinigungskraft…na und…würde aber so gern als texterin arbeiten, da liegen meine fähigkeiten und was anderes kann ich nicht! was nun? also ich finde,dann muss man sich eben auch nach den gegebenheiten richten…nach der decke strecken, wie es so schön heißt.
    ich will hiermit die frage anschneiden, was tut ein schwerhöriger, der sich quasi nicht mehr fragen kann, was er beruflich will, weil er es schon weiß, aber das nicht umsetzen kann?@ beethoven
    umschulen bringt auch nix….das arbeitsmarktservice lässt mich auch nicht, „es bringt nichts“. ich durfte ja nicht mal als regalbetreuerin schnuppern, wegen „der kunden, die fragen, wo gewisse waren sind“, obwohl ich kommunikationstechnisch gut drauf bin….
    demgemäß denke ich mir, wir sollten uns unsere jobs schaffen…da bleibt nur die frage, wie wir das bewerkstelligen können…wunschdenken, ich weiß.
    es grüßt euch eure fröhliche putzfrau ggggg
    gemeinsam sind wir stärker und alleine ,,,,,?

  24. beethoven,du bist eine stunde voraus…..wir haben winterzeit, und in deiner seite ist sommerzeit gggg

  25. Als Texterin telefonieren können? Nein! Ganz im Gegenteil. Das geht alles per E-Mail, noch nicht mal per Fax. Wer als Auftraggeber so dumm ist und wegen Text (Schriftliches für Drucke?!) telefonieren oder faxen will, zahlt für das Mitschreiben, das E-Mail-Protokoll zur Rückbestätigung (stöhn) oder das Vom-Fax-Abtippen (hirnrissig) doch viel mehr Geld als bei schneller E-Mail, wo man Textseiten anhängen und flugs bearbeiten kann. Das ist doch längst nicht mehr Mittelalter im Geschäftsleben. Und wäre auch preislich nicht zu vertreten.

    Mein Tipp: Du kannst dich als Freiberuflerin wieder in das Berufsfeld wagen und deine Dienste an Firmen bringen, Kontakte per Mail machen usw. Das geht erstmal mühsam, aber Texter sind immer schon auch Freiberufler gewesen, das hat nichts mit Hörfähigkeit zu tun. Guck mal im Internet nach freien Textern: Tonnen von Websites.

    Du hast dich ins Putzen geflüchtet. Als Hausfrau und Mutter ist es verständlich, aber wenn du wirklich wieder in den Beruf reinwillst, dann bring dich auf den Markt, per Mail und Texteditor ist das heute kein Problem mehr. Genau so wird es heute im Geschäftsleben erwartet.
    Eigentliches Hindernis ist nicht die Hörfähigkeit, sondern die echt starke Konkurrenz in der Branche. Probier es aus!

  26. Ach, ich hatte übersehen:

    “ … habe als freie texterin gearbeitet,was mangels aufträgen nicht mehr möglich ist.“ Dann kennst du die Lage ja schon! Die hat nichts mit Hörfähigkeit zu tun. Du suchst eine feste Stelle, die dir die Konkurrenzsituation in der Textbranche abnimmt. Naja, so gut möchten es alle freien Texter haben. Wär ja toll, regelmässiges Gehalt und immer was zu tun. Davon träumen alle. Auch die Guthörenden.

  27. hi pia,
    ja du hast recht. das mit dem telefonieren meinte ich anders…werbeagenturen stellen keine texterinnen mehr ein, klar, das machen meistens welche in der mutteragentur (wien etc). sollten sie jedoch jemanden einstellen,muss der das telefon im büro abheben und meldungen ausrichten können…so meinte ich das. zum arbeiten braucht man das telefon natürlich nicht.
    ach ja,ich hatte vergessen zu erwähnen,dass ich ne zeitlang einen job im sekretariat oder als kundenberaterin im internet (kelag) suchte, und das geht nicht wegen dem telefon….
    stimmt,ja, will natürlich ne feste stelle aus deinen erwähnten gründen heraus…
    ich werde wieder mal kontakte aufnehmen und texten nebenberuflich machen…putzfrau bleib ich hauptberuflich, nicht nur wegen dem geld, ich muss auch paar stunden aus dem trauten heim raus gg

  28. heidi: „ich will hiermit die frage anschneiden, was tut ein schwerhöriger, der sich quasi nicht mehr fragen kann, was er beruflich will, weil er es schon weiß, aber das nicht umsetzen kann?“

    Schwierig. Das ist natürlich sehr von der konkreten Lage und den Fähigkeiten abhängig. Außerdem muss man erstmal irgendwie beurteilen, ob es wirklich nicht geht oder ob man sich das vielleicht nur denkt bzw. es sich doch lohnen würde, es zu versuchen. Ggf. leicht abgewandelt, zB. frei, gleiche Funktion in anderer Branche oder in anderer Region (Du erwähnst die besonderen Probleme mit Kärnten).
    So ganz allgemein würde ich sagen. Wenn man wirklich sicher ist, dass es nicht geht, auch frei nicht geht, dann: Akzeptieren und sich umorientieren, also sich fragen und recherchieren ob man mit den vorhandenen Fähigkeiten oder geringfügigen Zusatzqualifikationen nicht etwas anderes machen kann. Oder irgendwelche anderen Wünsche oder Ideen, die man mal hatte, umsetzen (zu Geschäftsideen machen) kann.
    Das das leicht ist, will ich damit nicht gesagt haben. 🙂

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