Klassik? Das ist das Härteste!

„Wie hältst Du’s eigentlich mit Konzerten?“, hatte mich Freund O. gefragt. Und mir wurde klar, dass ich eigentlich keine Ahnung hatte. Wie ist es inzwischen mit der Musik, mit etwas über einem Jahr elektrischem Ohr? Eine Frage für die Praxis, dachte ich, und beschloss, es auszuprobieren.

Der O. wählte zielsicher den höchsten Schwierigkeitsgrad aus und führte mich in den Piano Salon, einer alten Fabrikhalle am Pankeufer, in der regelmäßig Konzertestattfinden. An jenem Tag spielte ein japanischer Pianist europäische Klassik. Klassische Klaviermusik!! Einer der härtesten Tests, die man sich für taube und elektrische Ohren denken kann: Kein wummernder, rhythmischer Beat oder Bass, den man spüren und mit dem man grooven kann. Stattdessen Vielstimmigkeit, Melodien, Triolen, Triller und ein enormer Frequenz- und Dynamikbereich, bei dem die Technik nicht annähernd mitkommt. Dazu noch mir unbekannte Stücke, auch das Playback aus dem Kopf konnte ich also vergessen.

Und wie zum Beweis, dass ich zum Hören, nicht zum Sehen hergekommen war, fand sich nur noch ein Platz, von dem aus ich die Rücken anderer Besucher, eine dicke Säule und den Kran an der Decke sehen konnte. Ich konnte mich also auch nicht mit dem Tanz der Finger oder dem Hin- und Herwerfen der Frisur vergnügen. Ich war ganz auf die technikuntertützten Ohren angewiesen.

Ich ergab mich in mein Schicksal — und wurde angenehm überrascht: Es geht! Und es macht Spaß! Das wollte ich nur mal kurz durchgeben. Als nächstes nehme ich dann Sinfoniekonzerte?

(Gehört bimodal, also mit CI und Hörgerät. Nur mit CI dagegen — nicht so prickelnd.)

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21 Antworten zu “Klassik? Das ist das Härteste!

  1. das freut mich sehr!!
    lg, Esther.

  2. Das ist ja großartig! Ich freu mich!

  3. Pingback: Neunnachneun « Ansichten aus dem Millionendorf

  4. That’s great news… but does this mean that Guns ’n Roses have been toppled? 🙂

  5. No, don’t worry. My taste in music has always been rather diverse. 🙂 And having played it myself for quite a few years, I have a soft spot for classical piano.
    The thing is: As soon as there is rhythm, groove and bass, it’s so much easier to enjoy the music. So this is sort of the hardest possible case. I should also check out a violin piece.

  6. Piano is good, violins are good, but don’t, whatever you do, go anywhere near a set of bagpipes!

  7. Well, THAT’s not too much of a danger around here 🙂

    A while ago I was the lucky witness of some bagpipe event in Edinburgh. I quite liked it at the time, though I wouldn’t enjoy it on a daily basis.

  8. bagpipe is sometimes even hard to listen to for „normal“ ears! ;-D

  9. Well that’s the problem with music, it’s hard to tell if you don’t like it — or if you simply can’t hear it (well enough).
    It’s just that usually we don’t presuppose that a hearing (dis)ability is the problem. We grant that it’s a matter of taste 😉

  10. you are right. the joy music is a product of the brain. it depends on your habits and experience wether you can enjoy music or not. so if there is a hearing loss you miss
    a) some information, because the (bad ;-/) technique cannot transmit all of the details and
    b) your brain is not used to listen to harmonics. it maybe hasn´t heard such a typeof music for a long time. so it´s very difficult to adapt.
    the same happens to a listener with „normal“ hearing: he or she has to be trainend to listen to harmonic music (I call it „harmonic“ to make a difference to rhythmic music). after that, it depends on the listening experiences, wether you are able to enjoy a specific type of music or not.
    I think it is more a question of learning than of taste. that´s the difference of taste when you talk about musik or about food 😉
    it depends also of the treatment of the audio signal in your hearing aid or implant. it is normally unfortunately not made for processing music. it´s best performance is for speech. so you have two more criterias to consider: the ability of the hearing aid processor and the one of your brain. your brain can learn, the technique cannot. so if you enjoy, ENJOY B-) I think it´s great and you can do a lot of experiences 🙂

  11. Well, let’s call it acquired taste, then. 🙂

  12. I used to hate piano music – I called it plinkety plonk music- but since my implant I’ve begun to enjoy it. I’ve found that I can only appreciate music if it’s live or if played back on a quality sound system.

  13. Hi mog, good to see you 🙂 I, too, have a newfound disdain for crappy sound systems.

  14. I was very glad to read this post. That’s fantastic news. Best wishes for the future concerts. May I put in a plug for tango music? There’s supposed to be a great scene in Berlin.

    PS: I just found out about another movie with hearing loss as a theme: Başka Dilde Aşk, by İlksen Başarır (turkish, 2009). It’s about a deaf librarian’s love affair with a call center employee.

  15. Tango in Berlin’s not bad at all, that’s right. 🙂

    That Turkish movie sounds very interesting. Hopefully, I’ll be able to get hold of it.

  16. Super, freut mich für dich. Aufm nem Konzert war ich noch nicht, aber ichs habs geschafft im Traumtänzer bimodal den Refrain von Am Galgen hochgezogen zu verstehen… Bei mir wirds langsam auch. Da es mit CI so schräg klingt, hab ich eine Vorliebe für seltsame Musik entwickelt und mein lieber Freund hat mir Montag ein paar Mixe mitgebracht. Faun klingt bimodal so toll dass ich Gänsehaut krieg, genauso wie die Merseburger Zaubersprüche von In Extremo. Mein Liebling ist Nr. 2… und ja ich weiß ich bin seltsam und ja es ist seeehr makaber vor allem die fröhliche Melodie *g* Am Galgen hochgezogen von In Extremo. Bimodal tu ich auch ein bisschen Text verstehen. Nur mit CI naja, da fehlt bei Faun noch bisschen wenn ich nicht lauter drehe, Erdenstern ist auch relativ leise muss ich aufdrehen und fehlt die Hälfte, In Extremo muss ich auch lauter drehen klingt seltsamer, bei Schandmaul fehlt irgendwie auchwas, Schelmish das Gleiche nur Subway to Sally sowie Haggard muss ich nicht lauter machen. Das war grade bei Faun schon mal echt schlimmer…. Könnte ja mal mein CI mit Blind Guardian, Amon Amarth usw. traktieren (meine armen Nachbarn, jetzt hatten sie ne Weile Ruhe vor Blind Guardian, dafür wurde sie mit In Extremo und Schelmish usw. beschallt. *g*) Da beim letzten CI Trainung festgestellt wurde dass ich oft nicht richtig hinhöre sondern kombiniere, versuche ich die automatische Texterkennung im Kopf ein bisschen zu dämpfen mit u.a. In Extremo Merseburger Zaubersprüche das singen die Jungs nämlich auf altnorwegisch, Mittelhochdeutsch dürfte seine Zweck ebenso erfüllen denk ich…
    Saltatio Mortis hab ich noch nicht ausprobiert, ich denk mir aber das die feinen Klänge der Sackpfeife, Schalmei (weiß jetzt nicht so genau mit was die spielen) verschwinden könnten…

  17. Finde ich klasse, dass Du so experimentierst. Genau auf diesem Weg – und bimodal – wird das was, glaube ich. Dass es Kollateralschäden gibt (Nachbarn) ist echt zu verschmerzen. 🙂

  18. Bimodal zieh ich mir zur Zeit Herr Mannelig von Garmana, einer original schwedischen Folkband, rein. Dafür dass ich ohrgeschädigt bin und mein Schwedisch rudimentär ist, versteh ich mit und ohne UT gut… Ich gebs zu…. ..ich hab schon mit In Ex geübt und den Text gelernt…
    Wenn ich nen youtube viodeo mit UT finde oder den Text im next zieh ich mir auch noch n paar Isländer-Folkbands in accoustic rein… Eglis Saga in accoustic wär was…

  19. Nordisch ist Dein Ding, nicht wahr? 🙂

  20. Jup, Urlaub im hohen Norden ist nicht ganz unschuldig und diverse Freunde, Bekannte ich hab schon mit dem Gedanken gespielt nen nordischen Thorwaler-Magier in DSA zu spielen…nur kann der nicht alle Zauber und die Elfenmagie ist regeltechnisch etwas ähm kompliziert…

  21. Eine Herausforderung wäre das! 😉

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