Der gehörlose Vorsitzende (alternate Version)

Plötzlich redeten alle vier durcheinander, gestern bei Twitter — darüber, ob es einen gehörlosen Parteivorsitzenden geben könnte oder überhaupt nur sollte. Nicht überraschend war, dass diejenigen zustimmten, die eh für Inklusion sind: Natürlich könnte es das, warum auch nicht, es komme doch auf das Individuum an und die Gesellschaft könne sich (und das ruhig mal) anpassen.

Überraschend war der Widerspruch von @ennomane. Man solle, bildlich gesprochen, aufhören Rollifahrern das Schwimmen beibringen zu wollen. Er würde keinen gehörlosen Vorsitzenden wollen. Enno hat seine Gedanken gestern nacht in einem Blogeintrag ausgeführt. Ich stimme ihm teilweise zu. Hier ein paar Überlegungen meinerseits unter demselben Titel:

Ich finde es ziemlich sinnlos, jetzt einem solchen Beispiel vehement zu widersprechen oder dagegen zu sein, weil es völlig abstrakt ist. Man diskutiert dann eigentlich darüber was wäre, wenn sich jetzt plötzlich ein Gehörloser auf dem Stuhl des jetzigen Parteivorsitzenden materialisieren würde. Und mit den Bedingungen, wie sie gerade sind, klarkommen oder draufgehen müsste.

In Wirklichkeit wäre es doch so, dass jemand schon länger in der Partei auf sich aufmerksam gemacht, was geleistet haben müsste. Man wüßte um ihre oder seine Fähigkeiten (und Schwächen), zumindest ein Teil der Parteistrukturen und Parteikollegen — wenn nicht sogar der Medien — hätte sich schon darauf eingestellt. Ich glaube nicht, dass überhaupt ein Gehörloser auf die Idee kommen würde, sich um ein Amt wie den Parteivorsitz zu bewerben, wenn er nicht einigermaßen sicher wäre (und auf Nachfrage auch erklären könnte), wie er sich die tägliche Arbeit vorstellt. Ich glaube z.B. auch nicht, dass eine Gehörlose —  erstmal in die Nähe einer solchen Position gelangt — nur noch vom guten Willen ihrer Umgebung abhängig wäre. Denn dann hätte sie bereits Unterstützer, einen Kreis Vertrauter, ein Netzwerk. Wenn nicht, dann würde sie einfach nicht gewählt. Und das müsste man dann akzeptieren. Ob es einem gefällt oder nicht.

Sehr interessant finde ich Ennos Überlegung, vielleicht aus strategischen Gründen gegen eine Gehörlose an der Spitze zu sein.  Um dem politischen Gegner nicht zuviel Angriffsfläche zu bieten. Die Frage, ob man sich mit einem gehörlosen Vorsitzenden nicht parteitaktisch ins Bein schießen würde, stellt sich in der Tat. Aber eben auch nur, wenn man annimmt, dass man jetzt sofort plötzlich und in der gegenwärtigen Situation darüber entscheiden müsste. Nicht, wenn da in (hoffentlich naher) Zukunft jemand wäre, der oder die auch irgendwie dahin gekommen ist, sich zu bewerben.

Infofern: Im Augenblick finde ich Barrierefreiheit in den unteren Rängen, den Parteitagen und in den Arbeitskreisen viel wichtiger. Damit überhaupt mal (z.B.) Gehörlose in die Nähe einer solchen Position kommen und sich die Frage konkret stellt! Solange das nicht passiert, halte ich die Abwehr fiktiver Beispiele für müßig. Da geht’s dann fast nur um Glaubensbekenntnisse.
Ich kenne auch keinen Gehörlosen, den ich in so ein Amt wählen würde. Aber das will nichts heißen.

–Die naiven Vorstellungen von Politik (und Autofahren) im Fall Helene Jarmer, der ersten österreichischen gehörlosen Abgeordneten, habe ich hier kritisiert. Meinen Standpunkt zu Beruf und Behinderung generell habe ich vor kurzem hier zusammengefaßt.–

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32 Antworten zu “Der gehörlose Vorsitzende (alternate Version)

  1. Meine Meinung als unbeteiligte: Warum denn nicht? Wolfgang Schäuble sitzt doch auch im Rollstuhl und übt sein Amt aus.

    Was mir auch noch spontan durch den Kopf geht, obwohl ich weiß dass die Vergleichbarkeit hinkt: Ähnliches Diskussionen hat man früher bezüglich Frauen in der Politik geführt, ähnliche Diskussionen hat man früher in den USA bezüglich people of colour in der Politik geführt.

  2. Ich hatte beim Schreiben schon mehrfach die Finger auf den Tasten Obamavergleiche zu machen. 🙂 Aber das Beispiel hinkt in der Tat: Sinnesbehinderungen sind was anderes als Hautfarben/Geschlechter, denn sie beeinträchtigen Tätigkeiten/Funktionen. Enno sagte es ja, GL ist eine Kommunikationsbehinderung.
    Achja und Fälle wie Schäuble (oder Beckstein) sind auch Spezialfälle, die waren nämlich schon erfolgreiche Politiker als sie plötzlich behindert wurden.

  3. Im Augenblick finde ich Barrierefreiheit in den unteren Rängen, den Parteitagen und in den Arbeitskreisen viel wichtiger. Damit überhaupt mal (z.B.) Gehörlose in die Nähe einer solchen Position kommen und sich die Frage konkret stellt!

    Ganz genau darum geht es mir! Die Diskussion weckt Ressentiments gegebenüber der eigentlichen Arbeit der AG Barrierefreiheit und ist ein Schuss ins Knie. Unter anderem auch deswegen, weil da die unsägliche Political Correctness reinspielt und manche meinen, aus solchen Gründen einen gehörlosen Vorsitzenden gut finden zu müssen, während Leute, die so etwas kritisch sehen, angegriffen werden. Deshalb habe ich das aus meiner Warte aufgeschrieben und hoffe auf ein baldiges Ende der Diskussion.

  4. Pingback: die ennomane » Blog Archive » Der gehörlose Vorsitzende

  5. Aber das Beispiel hinkt in der Tat: Sinnesbehinderungen sind was anderes als Hautfarben/Geschlechter, denn sie beeinträchtigen Tätigkeiten/Funktionen. Enno sagte es ja, GL ist eine Kommunikationsbehinderung.

    Der Vergleich hinkt nicht. Den Frauen und Menschen mit anderer Hautfarbe als weiße wurden damals auch Fähigkeiten und Funktionen abgesprochen. Hier Zitat aus dem Buch „Morgenröte unserer Freiheit: Die Lebensgeschichte des Nelson Mandela“:

    „Sorglos besteigt er (Nelson Mandela) das Flugzeug der Ethiopian Airways, als er einen Anflug von Panik verspürt, denn im Cockpit sitzt ein schwarzer Pilot. Ein Schwarzer fliegt ein Flugzeug? Nur kurz währt die Angst, dann wird ihm klar, wie sehr selbst er vom Denken der Apartheid beeinflusst ist.“

    Kompetenz und Fähigkeiten von tauben Menschen werden heute noch sofort infrage gestellt. Sie werden nicht nach Verstand, Charakter, Kompetenz, Fähigkeiten oder politischen Inhalten beurteilt, sondern nur noch nach Hörstatus und Lautsprechfähigkeit. Solche Infragestellungen haben vielen tauben Menschen dahin gehindert, überhaupt mit der Karriere anzufangen. Viele taube Schülerinnen und Schüler üben heute einfache Berufe aus, nur weil sie auch so gefördert und geformt wurden.

  6. Pia Butzky

    Welche Partei denn? Um was geht es: Bloss ein bischen Diskutieren oder wirklich eine echte konkrete Situation? Gehörlose als Parteivorsitzende sind realistisch, wenn es eine kleine Partei ist, die sich bestimmte Ziele genau dazu auf die Fahne geschrieben hat – wie die ganzen anderen Kraut-und Rübenparteien auch, die ein spezielles Randgruppenziel haben. Ist ja nicht nur ihr Recht sondern der eigentliche Sinn und Ursprung von Parteienbildung.

    Bei den etablierten Parteien mit gigantischen Kommunikationsflüssen und Gremien: Nein, ausgeschlossen, auch nicht aus Mitleid oder Gutmenschendenken. Wer in die Politik will, kommt da problemlos mit Rollstuhl und Sauerstoffgerät rein, aber nicht ohne Gehör. Wer keine Beine hat, ist in seiner politischen Tätigkeit wenig eingeschränkt, aber wer nicht hören kann, hinkt hoffnungslos hinter den unendlich vielen schnellen, wichtigen und eiligen Infos hinterher, die man BRAUCHT, um politisch diskutieren, entscheiden, verhandeln und reagieren zu können. Hören und Sprechen – eine schnelle Auffassungsgabe und Schlagfertigkeit – sind die Bedingungen für politisches Tagesgeschäft, genauso wie ein Busfahrer sehen können muss (auch Busfahren geht ohne Beine aber nicht ohne Augen).

    Wer gehörlos ist und in die Politik will, muss sich dazu selbst was einfallen lassen, Mumm haben, es selbst machen. Wie das nämlich tatsächlich gehen soll, kann ja niemand beantworten, der/die aus reinem Gutmenschendenken dafür ist (meistens Nichtbehinderte). By the way: Frauen, Schwarze, Rollstuhlfahrer und „die üblichen anderen Diskriminierten“ haben mit dem Thema Gehörlosigkeit nichts zu tun. Nüschte. Gar nix.

  7. Es ging um die Piratenpartei.

    Bengie, mir ging’s um die Kommunikation, nicht die Menschen. Ich denke, soweit es den Umgang mit (auch nur vorwiegend) lautsprachlich kommunizierenden Menschen angeht, kann man sagen, dass die Kommunikation behindert ist. Hier hab ich das etwas erläutert. Darum denke ich, das Bild ist schief.

  8. Bisher bin ich seit längerer Zeit stille Mitleserin. Nun äußere ich mich doch mal kurz und hoffe, dass ich dabei nicht überreagiere. Ich bin hörend. Daher hast du, Pia, recht, dass ich mit Gehörlosigkeit „nüschte“ zu tun habe. Allerdings nervt mich die hier mitunter praktizierte Vergleicherei mit RollstuhlfahrerInnen, die es vermeintlich einfacher hätten. Ich bin „geborene“ Rollstuhlfahrerin und erlebe das anders! Sicher habe ich nicht dieselben Probleme wie gehörlose Menschen – und würde mir auch nie anmaßen, dies zu behaupten. Allerdings gestehe ich gehenden Menschen umgekehrt auch nicht zu, beurteilen zu können, welche Schwierigkeiten sich mir aufgrund meiner Behinderung stellen oder nicht stellen – auch dann nicht, wenn diese anderen Menschen ihrerseits eine (andere) Behinderung haben und daher meinen zu wissen, wovon sie reden/schreiben.

    Sorry, falls ich mit diesem unbequemen Kommentar irgend jemanden verletzt haben sollte!

  9. Ich kann ja nur für mich sprechen, aber: Ich freue mich immer sehr wenn sich stille Mitleser äußern und ich kann auch nichts Verletzendes in Deinem Kommentar erkennen. Dein Hinweis ist doch wichtig. Vielen Dank!
    Wie schwer es ist, wenn man mit Rollstuhl versucht, irgendwo nach oben zu kommen, darüber weiß ich auch nur sehr wenig. Christiane war hier neulich mal so freundlich, mir kleinen Einblick zu geben (nur was überhaupt erstmal Bildung angeht).

  10. Pia Butzky

    @ Anna:
    Vermutlich bist du ganz einfach auf das Wort „Rollstuhlfahrer“ angesprungen und hast nicht erfasst, was ich meine. Lies es einfach noch mal. Und lies auch über die anderen üblichen Gruppen, die hier in den Kommentaren herhalten müssen für Vergleiche.

    Ich beteilige mich nicht an einer Hitparade von Behinderungsarten. Rechte von Behinderten haben auch nichts mit „den Frauen“ oder „den Schwarzen“ zu tun, und „die Behinderten“ sind nicht irgendwie alle gleich. Stimmt genau, Anna: Wer nicht hören kann, hat keine Ahnung vom Blindsein, und wer blind ist, hat keine Ahnung vom gelähmt sein usw.

    Von daher ist der eigentliche Aufregersatz der erste von Uschi ganz oben zum Punkt „Gehörlose als Vorsitzende“: „Meine Meinung als unbeteiligte: Warum denn nicht? Wolfgang Schäuble sitzt doch auch im Rollstuhl und übt sein Amt aus.“

    Wieso „auch“ ??!!

  11. Pia Butzky

    Es ist aber auch Kokolores, das sich die Piratenpartei hypothetisch Gedanken macht, wie es wäre, wenn jemand als gehörloser Mensch den Vorsitz hätte. Haben die Langeweile oder keine anderen Themen? Soll das etwa jetzt echt so richtig voll das Gutmenschending werden? Und *lach* wenn sie das jetzt alle ganz toll fänden, wo kriegen sie dann den Gehörlosen her? Und müsste es wegen der Quote nicht sowieso eine Frau sein? Eine schwarze Frau? Eine schwarze gehörlose Frau, die im Rollstuhl sitzt und auf einem Auge blind ist? Wär doch perfekt.

    ***Das war jetzt Ironie, das war jetzt Ironie, das war jetzt Ironie***

  12. Zum Aufregersatz, Pia, Du hattest zu Zwecken der Kontrastierung geschrieben „Wer in die Politik will, kommt da problemlos mit Rollstuhl und Sauerstoffgerät rein“. Ganz so einfach ist es, dann ja auch wieder nicht.

    Ich habe die Geschichte im Detail auch nicht völlig verstanden, aber ich glaube es gab, obwohl das Beispiel fiktiv ist, schon einen konkreten Grund, warum man darüber gesprochen hat. Dennoch, ein künstliches und nicht zielführendes Nebenscharmützel.

  13. Frauen, Schwarze, Rollstuhlfahrer und „die üblichen anderen Diskriminierten“ haben mit dem Thema Gehörlosigkeit nichts zu tun.

    Das bleibt nur eine Behauptung von dir, liebe Pia. Ich sehe ganz viele Parallelen zwischen den tauben Menschen und anderen Diskriminierten. Wenn du das anders siehst, ist auch in Ordnung. Ich möchte mich auch nicht rechtfertigen. Und ich möchte deine Liste der Ahnungslosigkeit noch erweitern: Wer hörend oder ertaubt ist, hat keine Ahnung vom angeborenen und kulturellen Taubsein.

    nqlb, mir ging es um Menschenbild. Du und andere sehen in tauben und ertaubten Menschen als Menschen mit geringeren Möglichkeiten. Solche Gedanken lehne ich ab. Dass ein tauber Mensch eine führende Rolle in der Politik übernimmt, ist keine Utopie, sondern bereits eine Realität. Helga Stevens ist seit 4 Jahren die taube Stadträtin von der flämischen Partei „Nieuw-Vlaamse Alliantie“ in der Stadt Gent. Sie ist auch Mitgliederin des Flämischen Parlaments sowie dritte Vize-Präsidentin des Belgischen Senats, der die föderale legislative Gewalt ausübt und auch als Verfassungsgeber im politischen System Belgiens auftritt. Wenn sie den Stadtrat von Stadt Gent leiten kann, soll es aber etwa bei der Landespartei anders sein?

    Der Parteichef Bart de Wever erzählte einmal in einer Sendung von „Sehen statt Hören“: „Wir entschieden uns, nichts an der Art und Weise zu ändern, wie wir normalerweise arbeiten. Sie hätte das auch nicht gewollt. Aber Tatsache ist, dass sich die Dinge trotzdem etwas verändert haben. Wenn wir zum Beispiel in einer Sitzung eine Auseinandersetzung haben, dann fangen alle gleichzeitig an zu reden. Helgas Gebärdensprachdolmetscher sagt dann: „Stopp, so kann ich das nicht für Helga dolmetschen. Ihr müsst der Reihe nach reden.“ Das verringert die Anspannung in den Sitzungen, was sehr hilfreich ist.

  14. CharlyBrown

    Mal angenommen, ein Gehörloser hat alle notwendigen Fähigkeiten
    (hohe Intelligenz, viel Energie, etc).
    Er wäre dann „blöd“, den Parteivorsitzenden zu machen.
    Er hätte bessere Chancen in anderen Berufen.
    Da fällt mir grade ein:
    Das gilt eigentlich auch für Hörende!
    Vieleicht ist das der Grund, warum so wenig echt fähige und
    hochintelligente Menschen in der Politik sind?

  15. bengie, Dein Kommentar hing in der Moderationsschleife, darum habe ich ihn erst jetzt gesehen.
    >Du und andere sehen in tauben und ertaubten
    >Menschen als Menschen mit geringeren
    >Möglichkeiten.
    Ich meine, dass sie nicht oder nur sehr schlecht hören können, da hast Du recht. Ansonsten hast Du mich sehr falsch verstanden, lies doch bitte nochmal nach. Denn da hört es halt schon wieder auf mit der Möglichkeit pauschalen Redens über „diese Menschen“.
    Danke übrigens für das interessante Beispiel.

    CharlyBrown, ich glaube es braucht schon ganz bestimmte Motivation, in die Politik zu gehen und leider oft die falsche. Aber ich bin da auch altmodisch-idealistisch und denke, dass zumindest manche Menschen es auf sich nehmen in die Politik zu gehen.

  16. nqlb, kannst du mich vielleicht erklären, was ich dich falsch verstanden habe. Ich bin auf deinen Satz „Sinnesbehinderungen beeinträchtigen Tätigkeiten/Funktionen“ eingegangen. Hier das nächste Beispiel.

  17. Nun, ganz einfach: Nichthörenkonnen (als Beispiel für eine Sinnesbehinderung) beinträchtigt direkt die lautsprachliche Kommunikation (=Tätigkeit/Funktion) (zwischen jenen, die Hören können und jenen, die es nicht können). Ist ja im Grunde trivial, Nichthören beinträchtigt das Hören/Hörverstehen. Der Punkt ist, dass es beide Beteilitgten betrifft.
    Was Menschen für Möglichkeiten haben, ist nochmal eine ganz andere, viel breitere Frage, in die ganz andere Dinge mit rein spielen als nur der Umstand ob sie hören oder nicht.

  18. Die Diskussion ist soooooo deutsch. Es wird als allererstes das Defizit gesehen (was angeblich die Behinderung ist) und nicht die Person, die es paradoxerweise auch noch gar nicht gibt. Wie soll ich denn beurteilen, ob jemand für den Job geeignet ist, ohne zu wissen, um wen es konkret geht? Die Information „ist gehörlos“ finde ich völlig nichtssagend. Eine Partei, die Menschen mit einer (Hör-)Behinderung von vorneherein als Vorsitzenden ausschließt, ist keine demokratische Partei. Wenn die Piratenpartei demokratisch sein möchte, dürfte es die Diskussion gar nicht geben. Das hat auch nichts mit political correctness zu tun, sondern mit dem Verständnis von Demokratie. Auch behinderte Menschen haben ein aktives und passives Wahlrecht. Wie kann man so etwas in Frage stellen? Mit solch kruden Diskussionen kommen die Piraten nie über 5% – zurecht.

  19. Wandelnde Schablonen sind es, die da besprochen werden.

  20. Pia Butzky

    Tscha, so isses. Ich wäre nämlich doll politisch am Mitmischen, wenn ich hören könnte, worum es überhaupt geht. Aber schon bei einem Meeting von 5 Leuten komme ich kaum mit und bei Tür-und-Angelgesprächen sowieso schon mal nicht. Booaah, was nützt mir denn das Benachteiligungsausgleichsrecht und die ganze Lei(s)tungsfähigkeit, wenn da nix ist mit Hören, verstehste?
    Verstehste nicht? Na, siehste.

    Wir Behinderten wollen für gutmenschelnde Oberapostel ja eigentlich nicht den Supermann machen müssen, nur damit die sich so toll fair fühlen. Mal anders gefragt: Was bietet denn die Piratenpartei (oder eine andere) einem/einer behinderten Vorsitzenden, was bieten die denn ihrerseits als Ausgleichsanstrengungen an? Wie kommen die Normalos der behinderten Person denn entgegen, mit welchen Lösungen oder Entgegenkommen an die erschwerte Kommunikation?
    Na, irgendwelche Vorschläge?

  21. Regenbogen

    Fair fühlen ist gut gesagt.
    Bei manchen Politnasen hab ich das Gefühl, die wollen vor allen Dingen neue Wählerklientel erschließen.

  22. Pia Butzky

    Uuuih, Regenbogen. Hi.
    Auch wieder da? 🙂

    Naja, ich meine gar nicht die „Politnasen“, sondern die anderen, die Wähler oder Mitglieder einer Partei, die sich deshalb einen Behinderten im Vorsitz vorstellen könnten, weil sie damit zeigen, dass sie „super offen und tolerant“ sind. Das ist so, als wenn man sagt: „Wir haben nichts gegen (Hör)behinderte, aber wie die mit unserm Nuscheln, Schnellplappern und Durcheinanderreden zurecht kommen, ist dann ihr Problem.“

    Interressant ist die Frage, was die Normalos ins Spiel bringen, um einen hörbehinderten Vorsitzenden überhaupt möglich zu machen. (Jau, schon klar, ist hypothetischer Killefitz, betrifft aber als Grundfrage einfach alles – auch Familie, Freunde, Beruf. Wenn ich jemandem sage, ich höre/verstehe nicht, kommt als Antwort „Kein Problem“, aber auch keine Hilfe, denn die Leute meinen, es reiche aus, einfach nur „nichts gegen Behinderte“ zu haben, schon sei man moralisch-ethisch im Bessermacherbereich.)

    Gibt es eigentlich irgendwo irgendeine Partei, die in ihren Statuten den Passus „Wir grenzen Behinderte im Vorsitz aus“ stehen haben? Mmmh. Von daher ist die Diskussion in der Piratenpartei noch nicht mal irgendwie heroisch oder revolutionär.
    Niedlich, die Kleinen, sie lernen halt noch …

  23. Regenbogen

    Hi Pia,
    ja, nach einigen Monaten Abwesenheit anläßlich der vieldiskutierten Folge von In aller Freundschaft mal wieder auf den Hörgeschädigtenblogs und so gelandet. 😉

    Ja, Deine Argumentation kann ich nachvollziehen. Glaube ich Dir, daß viele (jetzt auch ganz allgemein, gar nicht mal nur für Parteivorsitze oder sowas) davon ausgehen, daß „hab nix dagegen“ ausreicht.
    Mag natürlich auch zum Teil daran liegen, daß den Leuten nicht so wirklich was einfällt, was genau sie denn machen sollen/können – außer vielleicht besonders laut schreien, weil sie meinen, dann kriegt der andere das schon mit. 😉 (Oder ist das nicht mehr so, daß viele das denken? Je lauter, desto verständlicher?)

  24. Hi da, Regenbogen!

    Pia, „Wenn ich jemandem sage, ich höre/verstehe nicht, kommt als Antwort „Kein Problem“, aber auch keine Hilfe, denn die Leute meinen, es reiche aus, einfach nur „nichts gegen Behinderte“ zu haben, schon sei man moralisch-ethisch im Bessermacherbereich.“

    Das kann ich exakt unterschreiben! Es sind übrigens 95% der Leute, die so denken. Wobei auch stimmt, dass bei vielen davon gilt: Woher sollten sie auch was anderes wissen. (Na aus diesem Blog z.B!)

  25. Die Lösung können und sollte von den schwerhörigen / gehörlosen Menschen selber kommen und dann auch konsequent eingefordert werden. Ich weiß doch immer noch am besten, was ich brauche. Ich erlebe in UK oft, dass sich auch gehörlose Menschen an Diskussionen beteiligen etc., sei es über Gebärdensprachdolmetscher, Schriftdolmetscher, schriftlich, „Lipspeaker“ (Oraldolmetscher) etc.
    Jeder gl/et/sh Mensch muss sich doch selber eine Kommunikationsstrategie aussuchen und diese dann einfordern. Sich hinsetzen und warten bis sich irgendwer was ausdenkt, wird nicht funktionieren. Allerdings gebe ich Euch recht, dass es dann auf die Hd ankommt, es umzusetzen, zu finanzieren, zu unterstützen. „Dafür sein“ reicht nicht.

  26. Danke dass Du das nochmal aufgedöselt hast, Christiane. Natürlich muss der Impuls von der jeweiligen Person kommen. Und das durchaus auch mehrmals. Sollte kein Plädoyer für Nixtun und Fordern sein.
    Ich hatte hier eher so gutgemeinte wie folgenlose Demonstrationen von „Dafürsein“ im Kopf, wie eben, in der jetzigen Situation die Diskussion um einen gl Vorsitzenden aufzubringen.

  27. Pia Butzky

    Zu oben ( Christiane und NQLB):
    Ach Nö, ich fordere auch von Leuten, die Behinderte als Galeonsfiguren zum Sich-gut-fühlen haben möchten, mal ein paar faire Angebote in Richtung „wir kommen dir entgegen“. Als ob die Normalos so von oben herab zwar ihre gönnerhafte Erlaubnis geben aber nichts dafür zu tun brauchen.

    Wenn schon hypothetisch-betulich über die Zulässigkeit eines/einer behinderten Vorsitzenden diskutiert wird, dann aber auch umgekehrt: Bei welchem Club würde man als hochengagierter, geistig anspruchsvoller, hörbehinderter Mensch überhaupt mitmachen wollen und welche (politische) Combo mit tranigen Puschenlatschern wäre unter dem besonderen Behinderten-Aspekt ziemlich unattraktiv? Ist ja hypothetisch, also sowieso völlig egal … bloss zum Zeitvertreib.

    (Gehört jetzt nicht zum Thema, aber WAS HAT HARRY DENN NUN HEUTE MITTAG ZU WILLIAM GESAGT?? Tausende englischsprachige Lippenleser wurden schon drauf angesetzt, aber was war es, was hat er gesagt? ** kreisch** Lippenleser dieser Welt, macht mal hin und sagt doch mal: WAS …?)

  28. CharlyBrown

    Pia, Harry has spoken to William:
    „You has the wrong Sister, i with Pipa better Sex as you“
    Aber das ist natürlich der übliche Konkurrenz-Zoff unter Brüdern.

  29. Pia, genau. Gerade gestern hab ich von einem schwerhörigen Freund gehört, wie konsterniert alle in seinem Unternehmen waren als er kündigte. Die hatten gedacht, den haben sie sicher, egal wie sie mit ihm umgehen…
    (In Sachen Lippenleser guck mal hier: http://meinaugenschmaus.blogspot.com/2011/04/lippenleser-sind-jetzt-gefragt-nicht.html)

    CharlyBrown, hahaha 🙂

  30. @Pia Ich glaube, Du denkst zu sehr in „Die“ und „Wir“-Kategorien. Letztendlich leben wir alle in ein und derselben Welt. Das Durchsetzen von Rechten von Minderheiten ist immer ein Kampf, der nur geht, wenn die Leute ihre Rechte einfordern. Die Behindertenbewegung unterscheidet sich da nicht sehr von der Frauen- oder Schwarzenbewegung. Die Medien feiern auch gerne einzelne erfolgreiche Frauen, tut aber wenig dafür, um auch anderen Frauen den Erfolg zu ermöglichen.
    Demokratie lebt vom Mitmachen, notfalls auch gegen Widerstände. Ob man das auf sich nehmen will, muss jeder selbst entscheiden, aber es wird sicher keiner kommen und GL / SH / Menschen mit Behinderungen allgemein den roten Teppich ausrollen. Und wenn die Hürden und Widerstände in einer Partei zu groß sind, muss man sich vielleicht auch fragen, ob man in der richtigen Partei ist.

  31. Pia Butzky

    Charly Brown: *lach*
    Jaaa, die ist ja eine wahnsinig hübsche, die Pippa. Echt sexy.

    Aber die Ableseergebnisse sind eher belanglos. Nur „oh, look there“ und „thank you“ und „what?“ und sowas. Die eigentlich interessanten Dialoge finden sowieso nicht vor Kameras statt oder werden auch von Lippenlesern nicht verstanden. Ganz im Gegensatz zu diesem entzückenden Beispiel von Körpersprache:

  32. Regenbogen

    @CharlyBrown:
    Soso, na dann war ich mit meinen Mädels ja gar nicht so weit entfernt. „gg“
    Wir hatten getippt, daß er sagt: „Da kommen zwei in weiß den Gang rauf. Keine Ahnung, wer deine ist – ich nehm dann die, die übrigbleibt. “ 😀

    Aber beim Kleid waren wir uneins. Die anderen fanden Pippas Kleid schöner (wär ja glatt auch als Brautkleid durchgegangen, war ja auch weiß – eigentlich unzulässig), ich bin mehr für Spitze und so´n Gedöns, wenn die Braut es tragen kann.
    Aber Hauptsache nicht so Scheiße gekleidet sein wie Prinzessin Beatrice mit ihrem…..nun, Hut kann man´s vermutlich nicht nennen….verunglückten Kunstwerk oder so.

    @Pia:
    Ja, und sieht der Kate tooootal ähnlich, nur der Bruder fällt aus der Rolle, der sah ein bißchen aus wie ein schlechter Obama-Verschnitt, fanden wir.

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