Von Teppichhändlern, Anlageberatern — und Akustikern

Schonmal Gold und Silber im Souk von Aleppo gekauft? Lederjacken in Chinatown oder bestickte Kissenbezüge in Thailand?  Ungefähr so herausfordernd und betrugsgefährdet muss man sich allem Anschein nach den Versuch vorstellen, in Deutschland ein Hörgerät zu kaufen. Im ARD-Magazin Kontraste gab es gestern ein sehr interessantes Stück über

Abzocke bei Patienten – Die Tricks vieler Hörgeräte-Akustiker.

Bemerkenswert finde ich: Die Redaktion sagt, sie habe schon vor der Ausstrahlung ominöse Drohungen erhalten! Und die Krankenkassen sind mit im Boot.

Tipps für die Akustikersuche und den Hörgerätekauf haben wir übrigens hier schon mal gesammelt. Aber langsam bekomme ich das Gefühl, gesetzliche Regelungen über Beratungsprotokolle wie für Anlageberater wären vielleicht angesagt…

(Nachtrag 1: Ich bitte übrigens alle Bodenbelagsfachhändler vorsorglich um Entschuldigung für die stereotype Verwendung ihrer Profession und verstehe, wenn sie mit Akustikern nicht in Verbindung gebracht werden wollen.)

(Nachtrag 2: Der deutsche Schwerhörigenbund fand den Bericht skandalisierend und nicht hilfreich. Siehe auch die Kommentare von Benny, weiter unten.)

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25 Antworten zu “Von Teppichhändlern, Anlageberatern — und Akustikern

  1. Regenbogen

    Hab die Sendung gestern nicht gesehen und bin echt sprachlos, wo ich das jetzt nachgelesen habe.

    Es ist ja ohnehin so, daß in der heutigen Zeit alles nur noch ums Geld geht und der eine den anderen auf Teufel komm raus abzocken will, und da machen solche Akustiker dann keine Ausnahme.
    Traurig, traurig….

  2. Alle verdienen,der Kunde ist der Dumme.
    Ist bestimmt kein Einzelfall und auch nicht übertrieben.
    Traurig,Traurig…….

  3. Bei solchen Berichten sollte man immer sehr vorsichtig sein, es kann gut sein, dass ein Dutzend Läden getestet wurden und nur die zwei „durchgefallenen“ gesendet werden.
    Bea’s Hörgeräte waren damals zuzahlungsfrei mit freundlichen Service in der lokalen Filiale der Kette mit den vier Buchstaben…

  4. Am Anfang sieht man kurz die Audiometrie-Kurve: Der Abfall im Hochton-Bereich ist schon drastisch. Ich kann mir gut vorstellen, dass es gerade für den Beispiel-Patienten kein geeignetes Kassengerät gibt. Dass man mit Kassengeräten gut hinkäme, ist leider jenseits von leichten Hörschäden ein Mythos und es hat schon seinen Grund, warum diese Geräte billiger sind. Damit will ich keine Akustiker in Schutz nehmen: Die versuchen natürlich *immer*, einem was teures zu verkaufen. Die Gewinnspanne ist bei Hörgeräten sehr hoch. Als ich kürzlich eine Anpassung abbrach und auf CI umschwenkte, gab sich der Akustiker größte Mühe, mir das madig zu machen – u.a. anderem gebe es da allerlei Studien und Hörgeräte wären auch bei Restgehör in den meisten Fällen überlegen. Am CI verdient der Akustiker ja auch nicht mit…

  5. Siehe auch zum Beispiel Brillen damals: Zuzahlung minimieren oder weglassen, dann kommt der Markt, siehe Optikerketten. Vor der Existenz von Fielmann und Co waren Brillen ein Luxusgut. Die Akustiker leben, wenn ich deren Läden ansehe, sicher nicht schlecht. Im Endeffekt wollen sie nur möglichst viel Geld von Patienten/Kunden und Kassen.

  6. Ich denke, man muss schon sehen, dass Journalisten gerne zuspitzen und Ich selber habe auch sehr gute Erfahrungen mit Akustikern gemacht. Teilweise, lustigerweise, sogar bei einem, bei dem sich jemand anders extrem unwohl fühlte, sogar den Eindruck hatte, dort würde systematisch so wie oben beschrieben gehandelt.
    Aber solche Berichte, auch über Absprachen mit Ärzten, kommen ja immer wieder mal, ich glaube es ist einfach gut, darauf hinzuweisen.
    Natürlich kann man auch im Souk gutes Gold kaufen, auch günstig. Doch dafür muss man halt wissen worauf man achten muss. Und ein bißchen Gespür dafür mitbringen, wie man behandelt wird.

    Enno, gute Beobachtung. Meine eigene Erfahrung mit recht drastischem Hochtonabfall und teuren wie Kassengeräten war eigentlich, dass die teureren nicht unbedingt für besseres Verstehen sorgten. Eher für besseren Komfort (z.B. im Sinne von besserer automatischer Volumenregelung, Mikroempfindlichkeit etc). Und die Transpositions-Geräte, klar. Aber die sind ja auch nicht jedermanns Sache.
    Generell gilt ja: Drastische Abfälle sind eh sehr schwer zu versorgen, mitunter gar nicht zufriedenstellend. Darum wurde ja das Hybrid-CI oder EAS-Versorgung entwickelt.

    hewritesilent, das wär auch ne Idee. Und irgendwann danach würde sich sicher was gutes herausgebildet haben. Nur in der Übergangszeit (keine Zuzahlung, aber noch keine günstigen Angebote) möchte ich nicht leben.

  7. Hallo,

    der Artikel kommt mir gerade zur richtigen Zeit. Ich bekomme gerade meine ersten Hörgeräte und bin in der Testphase. Beim ersten Termin habe ich den Hörgeräteakustiker gefragt, ob ich mit dem Beitrag der Kassa auskommen werde. Da meinte er, dass sich das ausgehen wird. Dann bekam ich die ersten Hörgeräte zum Testen. Beim vierten Termin sagte ich ihm, was mir alles Schwierigkeiten bereitet ( z.B. das Telefonieren ohne Zusatzgerät/ iCom) und auch, dass es ja Hörgeräte gibt, bei denen mit beiden Ohren gehört werden kann. Im Zuge dieses Gesprächs, fragte ich noch einmal nach den Kosten für dieses Gerät. Dabei bekam ich auch zu hören, dass ich beim jetzigen (Audeo smart V) bereits € 1000 zuzahlen muss. Beim Besseren 3000,-. Diese Vorgangsweise finde ich nicht in Ordnung und ich überlege, mir einen anderen Hörgeräteakustiker zu suchen, obwohl er mir ansonsten recht sympathisch gewesen wäre und ich ihn als kompetent erlebe ( soweit ich das beurteilen kann). Er meinte er geht immer so vor, indem er erst die mittlere Qualität und dann die „schlechtere“ Qualität an Hörgeräten testen lässt. Ich frage mich nur, ob ich mit der schlechteren überhaupt zufrieden sein kann, wenn ich bei der mittleren schon Probleme habe ( telefonieren, Gespräch in lauter Umgebung – hier schaltet das Gerät zurück und es klingt als ob ich Watte im Ohr hätte.) Von der besseren Qualität ( es gibt 3 Stufen, Kosten € 3000,-) rät er mir ab und meint, dass er diese erst einmal verkauft hat. Über Tipps und Anregungen freue ich mich sehr.

    Liebe Grüße und Danke für diesen Blog 🙂

  8. Also wenn er Dir ansonsten symphatisch und kompetent vorkommt, dann würde ich mir eher nicht die Mühe machen und wechseln — aber a) halt drauf bestehen auch mal die ganz einfache Sorte zu testen und b) bei mittleren und teureren wenn es nicht gut klingt nachfragen ob’s nicht doch noch eine andere Einstellung gibt, die noch nicht probiert wurde. Es gibt nämlich meist sehr viele (Kompression, Signalverarbeitungsstrategie etc).
    Ansonsten kann ich Dir nur viel Glück wünschen!

  9. Danke für die nette Antwort. Ich habe ihn gestern auf diese – mein Vertrauen beeinträchtigende Vorgangsweise – angesprochen und er hat in einer Art und Weise reagiert, die für mich okay war. Testen werde ich gewiss alle drei Qualitätsstufen. Was mir auffällt ist, dass mir erst langsam nach und nach bewusst wird, was ich alles überhaupt fragen kann – bezogen auf Einstellungsmöglichkeiten. Jetzt sitze ich gerade im Zug und habe entdeckt, dass ich meine Hörgeräte leiser stellen kann bzw. den praktischen Nutzen 😉

  10. Freut mich. Übrigens, gerade weil einem erst mit der Zeit auffällt, was man alles fragen kann, ist ja die gute Beziehung zum Akustiker so wichtig.

  11. Warum solltest du nicht die teureren Geräte testen?
    Entweder findest du raus, dass damit alles besser klappt – dann stellt sich nur noch die Frage, ob du das Geld ausgeben kannst bzw. willst. Andernfalls merkst du vielleicht, dass diese Geräte für dich keinen entscheidenden Mehrwert bringen – dann weißt du, dass du bei den günstigeren gut aufgehoben bist.

    Ich bin selbst Akustiker und rate meinen Kunden bei Unsicherheiten immer zum Test verschiedener Preisklassen. Da sind schon die dollsten Sachen herausgekommen, das kann man selbst mit viel Erfahrung nicht vorhersehen 😉

    Letztendlich hast du im Regelfall erst wieder in sechs Jahren Anspruch auf einen Zuschuss der Krankenkasse und bis dahin werden dich deine Hörgeräte im Alltag begleiten. Da sollte ein paar Tage mehr oder weniger beim ausprobieren keine Rolle spielen… Die meisten Akustiker werden diese Geduld sicher aufbringen, sind aber in der Hinsicht auch schon ausgenutzt worden (habe ich selbst oft genug erlebt), so dass da sicherlich erstmal keine Begeisterung beim Akustiker aufkommen wird. Dürfte aber verständlich sein…

    Frag doch mal deinen Akustiker, ob er dich bei der nächsten Anpassung mit in die Software schauen lässt. Ich mache das regelmäßig, wenn Kunden sich für technische Details interessieren. Oft erlebe ich, dass meine Kunden erst dadurch ein Verständnis dafür entwickeln, was die Geräte können, wie sie funktionieren, was man alles noch einstellen kann (worauf sie wahrscheinlich selbst nie gekommen wären; das geht ja teilweise bis zur Lautstärke der Signaltöne…) – und vor allem auch ein Gespür dafür bekommen, wo die Grenzen moderner Hörgeräte liegen. Allerdings braucht man dafür viel Zeit und möglicherweise kann die dein Akustiker nicht ’spontan‘ aufbringen, also solltest du ihn vorwarnen 🙂

  12. Nachtrag zu meinem obigen Kommentar (diesmal zum eigentlichen Blogeintrag): Ich bin regelmäßig entsetzt und verärgert über die einseitige Berichterstattung über meine Branche. Wie auch der Beitrag bei Frontal 21 vor einigen Monaten waren diese 8 Minuten Sendezeit reißerisch aufgemacht, arbeiteten mit Suggestion, Verdächtigungen und
    Pauschalisierung statt Fakten und Hintergründen und hatte (mal wieder) massive Auswirkungen auf meine Arbeit in den letzten Wochen. Einige meiner Kunden waren (trotz korrekter Bedienung) extrem skeptisch und nur schwer davon zu überzeugen, die Versorgung überhaupt weiterzuführen (selbst mit zuzahlungsfreien Geräten), wenn in unserer Branche mit ’solchen Methoden gearbeitet‘ würde…Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ich der einzige Akustiker bin, der die Kunden offen über die entsprechenden Sachverhalten, rechtlichen Grundlagen und technischen Möglichkeiten aufklärt. Vielmehr schließe ich mich der Stellungnahme des DSB an, deren Vorbemerkung (2. Absatz) schon sehr viel aussagt: http://www.schwerhoerigen-netz.de/MAIN/stellung.asp?inhalt=2011/2011-04 Zitat: „In allen Berufen gibt es „schwarze Schafe“, die sich nicht an Gesetze, Vorschriften oder technische Bedingungen halten. Das ist sicherlich auch bei Hörgeräteakustikern der Fall. Nach den Erfahrungen des DSB handelt jedoch die überwiegende Mehrheit der Hörgeräteakustiker korrekt. Eine pauschale Verurteilung „der“ Hörgeräteakustiker – wie es in dieser Sendung angedeutet wird – ist aus Sicht des DSB nicht
    sachgerecht.“

    Schade, dass diese Stellungnahme des DSB im Gegensatz zum Kontraste-Beitrag so geringe Medienresonanz hervorgerufen hat…

  13. Benny, danke für Deine Erläuterungen! Ich bin übrigens so einer, der schon immer mit auf den Monitor gucken wollte, bzw. sich auch mal die Bedienungsanleitung der Software angeschaut hat, und dadurch wirklich besser verstanden hat, wie ich mit dem Akustiker reden konnte. Darum finde ich es toll, dass Du das von Dir aus machst!

    Und ich finde es auch klasse, dass sich hier ein Akustiker zu dem Bericht äußert! Die Stellungnahme des DSB kannte ich nicht, die füge ich gleich mal als Nachtrag oben in den Beitrag ein.

  14. Eben noch einen Beitrag bei handwerk.com gefunden:
    „Mal so richtig aufs Handwerk einschlagen, Folge 3.
    TV-Erkenntnis: Kostenlose Angebote sind genauso gut […] Ein Kunde schimpft im ARD-Magazin Kontraste über seine miesen Erfahrungen mit Handwerkern – und eine Branche wird in Sippenhaft genommen. […] Wir haben einen Hörgeräteakustiker-Meister aus Sachsen-Anhalt gebeten, uns seine Branche zu erklären. Hier die Einblicke in den Alltag des Gesundheitshandwerkers“
    http://handwerk.com/tv-erkenntnis-kostenlose-angebote-sind-genauso-gut/150/4/31315/

  15. Danke, Benny, für den interessanten Link! Ich hoffe, den gucken sich die Leute auch nochmal an.

  16. Danke, Benny auch für deine Antworten und die beiden Links, die ich mit Interesse gelesen habe. Ich werde auf jeden Fall auch die besseren Hörgeräte testen (müssen). Ich höre einfach immer noch nicht so gut wie ich gerne möchte/würde, obwohl ich davon überzeugt bin, dass mein Hörgeräteakustiker hier ausgezeichnete Arbeit leistet. Mein Problem ist einfach auch, dass meine Hörkurve sich so oft verändert. Ich habe starke Schwankungen – man kann es auch als 3 Gehörstürze pro Monat bezeichnen. Gerade heute komme ich wieder von einer Sitzung, bei der ich so vieles nicht verstanden habe.

    Ich glaube Hörgeräteakustiker haben es auch deshalb schwer, da die KundInnen auch erst einmal damit fertig werden müssen, dass sie irreversibel behindert sind und damit in Verbindung stehend auch Schwierigkeiten haben, die Hörgeräte als hilfreich anzunehmen. So ist es bei mir auf jeden Fall und ich habe die psychische Komponente auch schon von einem Arzt, der seit vielen Jahren mit hörbeeinträchtigten Menschen arbeitet, bestätigt bekommen. Wenn mein Hörgeräteakustiker nicht so kompetent und sympathisch wäre, dann wäre jeder Termin für mich vermutlich bedeutend belastender. Übrigens zeigt er mir auch immer die vielen Einstellungsmöglichkeiten :).

    Benny, weißt du wie ich zu einer Beschreibung der Software kommen kann? Ich würde mich da gerne etwas einlesen, damit ich vielleicht auch noch ein wenig mehr auf bestimmte Einstellungen achten kann. Vielleicht finde ich hier noch Ansätze für manche Hörherausforderungen. Wie gesagt, ich komme ja auch erst immer mehr darauf, was ich alles fragen bzw. eingestellt werden kann.

  17. Eine Beschreibung der Software wird dich nicht weiterbringen. Die ist für Fachleute gemacht und dürfte dir kaum weiterhelfen.
    Wichtiger wäre, genau zu wissen, welche Features deine Hörsysteme haben, z.B. Störgeräuschunterdrückung, Richtmikrofon (fest eingestellt oder adaptiv), Impulsschallunterdrückung bzw. was sich hinter den klangvollen Herstellerbegriffen verbirgt und welches Feature dich an welcher Stelle weiterbringt. Das kann dir dein Akustiker sicher am besten erklären.
    Man kann bei den meisten Hörsystemen verschiedene Hörprogramme hinterlegen, die von den Features her für bestimme Situationen zugeschnitten sind (Beispiel: Störgeräuschunterdrückung beim Auto-Programm an, beim Musikprogramm aus). Diese Programme kann man dann per Taster am Gerät oder per Fernbedienung anwählen.
    Wichtig ist, dass du diese Situationen bzw. die Programme dafür mit deinem Akustiker gemeinsam erarbeitest, d.h. Einstellung für Einstellung durchgehst. Dazu ist aber wichtig, dass du dir ein biw zwei Situationen herauspickst, die dir am wichtigsten sind und diese so genau wie möglich beschreibst: wie laut sind welche Geräusche, aus welcher Richtung kommen diese, woher spricht die Person, die du verstehen möchtest und so weiter.
    Was ich dir empfehlen kann: es gibt von Siemens eine Broschüre mit deren Features, bei denen diese genau erklärt werden. Sicher: nicht jedes Detail ist genau so auf andere Hersteller übertragbar, aber bei den meisten Features bestehen zumindest Ähnlichkeiten.

    Viel Erfolg dabei!

  18. Herzlichen Dank Benny für die ausführliche Antwort. Ich werde mir auf jeden Fall die Siemens-Broschüre ansehen und beim nächsten Hörgeräteakustikerbesuch noch einmal genau nach den vielen Einstellmöglichkeiten proaktiv nachfragen.
    Liebe Grüße und ein feines Wochenende
    Susanne

  19. nitquakemake

    Ich habe den Bericht auch gesehen, aber es ärgert mich mal wieder, warum so etwas ohne UT gesendet wurde.

    Leider kann ich durch meine Erfahrung auch nur bestätigen, dass es viele schwarze Schafe (nicht alle!!) in dem Akustikerbereich gibt. Ich hatte eine Verordnung für neue Hörgeräte im Jahr 2009 bekommen. Eine taubheitsangrenzende Schwerhörigkeit liegt vor. Ich hatte bei meiner bis dazumal Stammakustikerin angefragt ob Sie mir nach der Testphase evt. für die möglichst passenden HG’s einen Kostenvorschlag macht. Sie hat es sofort abgelehnt. Sie wäre nicht bereit einen Kostenvorschlag auszustellen. Dieses Verhalten fand ich nicht korrekt.

    Dann habe ich bei einem Akustiker vor Ort, wo ich auch meine Brille (ist auch Optiker) herhatte, Er sagte zu, dass er nach der Testphase, dann einen Kostenvorschlag machen würde. Leider stimmte die Chemie zwischen dem Akustiker mit mir überhaupt nicht. Man merkte, dass er überwiegend nur alte Leute als Kunden/Patienten hatte. So entsprechend behandelte er mich auch. Ich bin ja bereits hörbehindert geboren und war damals 29/30 Jahre alt. Ich hatte mich im Vorfeld im Internet informiert. Die Einstellungen waren nicht optimal und hatte meine Probleme mit. Der Anpassungbereich war sowieso katastrophal und nicht in einem seperaten Raum. Sondern in der Nähe vom Eingangsbereich. Jedesmal wenn ein Kunde den Laden betrat, klingelte und Strassenlärm kam herüber rauschte es in den grad angepassten Hörgeräten, Nebenbei surrten auch noch wohl Geräte und ich könnte nicht sagen, ob es vom HG kommt oder von der Heizung/ Klimaanlage die im Raum befand. Als ich darauf aufmerksam machte, machte er so ne Geste nach dem Motto ich soll mich nicht so anstellen. Auf mehrere E-Mails für Terminverein. reagierte er kaum und meine Mutter mußte hinterhertelefonieren.

    Nach ein paar Wochen wollte ich mal andere HG’s ausprobieren und auch natürlich Krankenkassenmodelle. Diese versuchte er mir auszureden, und bot lieber noch andere teuere Geräte an. Stolz erzählte er mir dann auch noch dass er einen älteren Herrn die ca. gleichen HG’s verkauft habe und er dafür ca 6000 EUR blättern müßte, Das sollte mir dann auch wert sein. Da war für mich das Maß voll. Ich gab die HG’s zurück und wollte wenigsten die Ohrpassstücke bezahlen und er weigerte sich und setzte mich ohne Gehör vor die Türe.

    So machte ich mich auf die Suche nach dem 3ten Akustiker und würde bei einer Kette fündig. Ich habe von Anfang an klargestellt, dass ich ich zumindest KK-Modelle versuchen möchte. Dort konnte ich in Ruhe, verschiedende Modelle testen und hatte auch nach mehrmaligen Testen wohl die Richtigen gefunden (Naida V UP). Die Mühe hatte sich gelohnt.

    Aber das Vertrauen in Akustiker ist stark erschüttert. Aber abzocken lasse ich mich nicht, sollte das wieder der Fall sein werde ich kein Problem haben, wieder zu wechseln.

  20. Es überrascht mich sehr, dass dir kein Kostenvorschlag ausgestellt werden konnte. Du musst doch wissen, was an Kosten auf dich zukommt und nachvollziehen können, wie sich diese Kosten zusammensetzen, was die Kasse daran bezahlt und so weiter.
    Eigentlich ist es üblich, gleich beim Aushändigen der Probegeräte eine Kostenübersicht mitzugeben.

    „Kassengeräte“ widerum sind ein wirkliches Dilemma. Wir sind ja verpflichtet, unseren Kunden welche anzubieten und diese auch zum Testen zur Verfügung zu stellen. Das steht im Vertrag und das muss auch beim Abschluss der Versorgung dokumentiert sein – per Unterschrift des Kunden.
    Andererseits wissen wir auch, was diese Geräte können – und vor allem was sie nicht können. Und das bringt einen wirklich in eine Zwickmühle: einerseits muss man diese anbieten, andererseits weiß man schon, warum man normalerweise höherwertige Geräte anbietet: weil diese Features mitbringen, die im akustischen Alltag eines Berufstätigen für ein besseres Sprachverstehen sorgen oder zumindest (was Störgeräusche angeht) eine echte Erleichterung darstellen.
    Natürlich muss ein Kunde darüber informiert werden, auf welche Features er verzichtet, wenn er gegenüber einem Gerät aus der Oberklasse (z.B. deine Naída V) ein zuzahlungsfreies Gerät testet. Ich kann aber auch verstehen, dass das so empfunden wird, als wolle man dem Kunden das Gerät ausreden.
    Hier hat sich für mich wieder bewährt, die Geräte per Software vorzustellen (s.o.), da kann man als Kunde selbst nachvollziehen, was ein Kassengerät so alles (nicht) mitbringt…

    Zum Akustikerwechsel: niemand braucht sich abzocken zu lassen. Wenn man sich nicht korrekt behandelt fühlt, darf man jederzeit woanders hingehen. Das gilt natürlich nicht nur für unsere Branche, sondern generell. Womit ich widerum nicht klarkomme, ist das (seit diesem Bericht gehäufte) Verhalten einiger Kunden, die von vornherein, obwohl kein Anlass zu Beanstandungen besteht, die Akustiker gegeneinander zu testen.
    Ich weiß zum Beispiel, dass unsere direkte Konkurrenz vor Ort ein wirklich kompetenter und fairer Akustiker ist. Er hat marketingmäßig ne andere Zielgruppe, insofern können wir beide vor Ort gut damit leben. Trotzdem kam neulich ein Kunde von ihm zu mir und hat mir die hanebüchensten Sachen über ihn erzählt (auf die ich dann gar nicht eingegangen bin), um dann bei mir Kassengeräte zu testen. Am Ende der Testphase hat er sich dann rausgewunden mit einer fast schon „klassischen“ Taktik: er hat seine Testgeräte an einem Tag zurückgebracht, an dem ich nicht da war und mir dann über meine Kollegen was von ner „Zahngeschichte“ ausrichten lassen, von wegen er könne das jetzt grad nicht und so weiter. Dabei hatte ich ihm ausschließlich Kassengeräte angepasst und es hat gut geklappt! Es war alles fertig, er hätte nur noch unterschreiben und zur Kontrolle zum Arzt gehen müssen und es wären seine Geräte gewesen. Aus finanziellen Gründen hat er also sicher nicht abgebrochen. Ich muss vielmehr davon ausgehen, dass er von vornherein bei uns beiden parallel getestet hat und sich letztlich für die Konkurrenz entschieden hat. Damit kann ich ja noch leben.
    Aber ich lass mich nicht gern belügen – er war nämlich kurze Zeit später dort, wo ich ihn zufällig gesehen habe. Zu Deutsch: Er hat unser Angebot des kostenlosen Probetragens in vollem Bewusstsein ausgenutzt, d.h. er war sich vollkommen darüber im klaren, dass er mir Arbeit macht und ich für mehrere Stunden Beratungs- und Anpassleistung keinen Cent sehe. Und gegen diese „Kostenlos-Mentalität“ (derer ich mich nur ausgesetzt sehe, weil es über diverse Fernsehberichte geschafft wurde, ein gewisses Grundmisstrauen unserer Branche gegenüber aufzubauen) wehre ich mich.

  21. nitquakemake

    Hallo Benny,

    schön es aus deiner Sicht mal zu sehen. Dieses von Dir geschilderte Verhalten deines Kunden ist ja auch nicht korrekt. Ich weiß ja auch welchen Aufwand die Akustiker betreiben müssen um das passende Hörgerät für den Kunden zu finden.

    Ich wäre sehr gerne beim ersten Akustiker geblieben (war über 20 Jahre Stammgast dort), aber Sie wollte einfach kein Kostenvorschlag erstellen. Und es ist dann mein gutes Recht dann einen anderen Akustiker aufzusuchen. Beim ehemaligen Stammakustiker ist ja auch schon vorher telefonisch geklärt worden.(zum Testen und Anpassen kam es nicht mehr) Wollten Termin machen und baten im Voraus schon mal um Kostenvorschlag für die optimalen HG’s. Dann haben wir eine Abfuhr erhalten.

    Gibt man aber vorher keine Verordnung vom Arzt ab, wenn neue HG angepasst werden? Im Jahr 2009 gab ja auch eine Abbruchpauschale für Aufwendungen die der Akustiker gemacht hat. Ich war selber bei der KK und habe mich ja informiert, bevor ich zum 3ten Akustiker ging.

    Mir ging es auch nicht über den Preis, sondern um die optimale Versorgung von HG. Die Naida’s sind auch kein KK Modelle und ausschlaggebend war bei den Naida’s der Sound Recover.(hoffe richtig geschrieben??) Auf jeden Fall die Funktion einen Teil der hohen Töne wie Fahrradklingel und etc. wahrnehmen zu können. Das habe ich in der Testphase feststellen können. Dass das die KK Modelle nicht können habe ich hinterher feststellen können.

    Aber jede Schwerhörigkeit ist doch ein bißchen anders und es kommt auch auf die Qualität der Anpassung und aber auch auf die Person selbst an. Ich denke ein 90 jähriger wäre vielleicht mit dem Umfang des Könnens eines Naida V oder höher einfach überfordert. Für solche reichen vielleicht die KK Modelle.

    Was ich auch so vermisse ist die Preistransparenz, im Gegensatz zu den Brillen oder anderen Produkten, sind in den Schaufensterdekorationen keine Preise an den HG’s. Ich weiß erst zum Ende hin welche Kosten auf mich zu kommen. Ich bin Gott sei Dank in der Situation einen guten Job zu haben, dass ich über so etwas nicht viel Gedanken machen muss. Bei anderen sieht sehr häufig anders aus.

  22. Viele Kunden weigern sich in der Zwischenzeit, dem Akustiker die Verordnung zu überlassen. Manche bringen nur eine Kopie, manche geben sie erst ab, wenn die Versorgung erfolgreich verläuft o.ä. Da merkt man das Grundmisstrauen unserer Branche gegenüber.
    Die Abbruchpauschale gab es mal, wurde aber meines Wissens durch die Bank abgeschafft. Zumindest fällt mir keine Krankenkasse ein, die diese Pauschale noch bezahlen würde. Aber ich muss zu meiner Schande auch gestehen, dass ich nicht alle Verträge auswendig kann :o)

    Dass du einen Anspruch darauf hast, die genauen Kosten zu kennen, ist unbestreitbar. Insofern kann ich auch in keinster Weise nachvollziehen, dass dir ein Kostenvoranschlag verweigert wurde.

    Dass in den Schaufenstern keine konkreten Preise genannt werden, hat einen ganz einfachen Grund: viele Modelle gibt es in unterschiedlichen Varianten. Beispiel: die Phonak Naída gibt es nicht nur in zwei unterschiedlichen Stärken (SP und UP), d.h. unterschiedlichen Größen, sondern auch in vier verschiedenen Preisklassen (I, III, V und IX) – und die kosten alle unterschiedlich. Die Attrappen und Poster im Schaufenster bewerben ja nicht einzelne Modelle, sondern Hörgerätefamilien – da könnte man höchstens Preisbereiche angeben…
    Noch krasser läuft es bei den „schwächeren“ (damit meine ich: nicht so stark wie Naída) Geräten. Jede Gerätekategorie gibt es in sechs verschiedenen Bauformen – und jede dieser Bauformen findest du widerum in drei verschiedenen Preisklassen. Das ist alles andere als schaufenstergeeignet…
    Ich bin deswegen dazu übergegangen, lieber andere Produkte (Telefone, Kopfhörer, Reinigungszubehör) ins Schaufenster zu stellen, die man auch konkret mit Preisen auszeichnen kann.

  23. „Hörgerätefamilien“ — da kann ich mir richtig vorstellen wie diezusammen beim Abendessen sitzen… 😉 Benny, ich finde es toll, dass Du hier mitliest und mitschreibst. Wollte ich nochmal schnell sagen.

    Ich halte auch die Schwierigkeit beim Preisevergleichen für ein großes Problem.
    Da man ja zu dem Zeitpunkt, zu dem man weiß, welches Gerät man nun nimmt, bereits eine lange Vertrauensgeschichte zum Akustiker aufgebaut hat (optimalerweise jedenfalls), ist man schon gebunden. Oder zumindest fühle ich mich so.
    Ich habe mir dann beim letzten Kauf eines Oberklasse-Hörgeräts doch mal die Mühe gemacht (auch die emotionale Mühe) bei einem anderen Akustiker nach dem Preis des Gerätes zu fragen (Und man bedenke: Ich konnte nicht telefonieren, musste also hingehen). Der andere Akustiker war 200 Euro billiger. Also was tun? Ich wollte gern bei „meinem“ Akustiker bleiben, aber 200 sind schon ne ganze Ecke. Schließlich ist mir „mein“ Akustiker entgegengekommen, aber dazu musste ich bei dem anderen einen schriftlichen Kostenvoranschlag holen (nur den KV, keine Anpassung, aber auch das war nicht ganz einfach, weil ja von vornherein recht wahrscheinlich war, dass der nichts davon haben würde).

  24. Huch, für mich ist der Begriff „Hörgerätefamilien“ derart selbstverständlich geworden, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie eigenartig er mit einer gewissen Distanz dazu wirkt ^^
    Leuchtet aber ein, denk ich. z.B.: bei Oticon gibts das „Agil“ (gewissermaßen der Familienname) in ganz vielen verschiedenen Varianten (quasi Vornamen): HdO, HdO Power, HdO Ex S/M/P, HdO Mini Ex S/M/P… nicht zu vergessen alle IdO-Varianten (bei denen ich die Namen nicht auswendig kann) – und das ganze nochmal für die „Agil Pro“-Familie.
    Die haben alle unterschiedliche Preise – nicht gerechnet ein eventuelles Ohrpassstück, was nicht immer notwendig ist, aber natürlich auch etwas kostet. Und jetzt stellt euch mal vor, wir müssten das im Schaufenster so transparent machen, dass man es als Endverbraucher ohne weitere Erklärung (!) versteht. Dabei sind viele Unterschiede zwischen den verschiedenen Varianten noch nicht mal ohne weiteres am Gehäuse erkennbar (bzw. nur bei genauem Hinsehen oder beim Spicken auf die Typenbezeichnung).
    Da verzichte ich lieber auf Preise im Schaufenster und erkläre meinen Kunden, welche Variante überhaupt in Frage kommt (manche scheiden ja aufgrund des Hörverlusts, der kosmetischen Ansprüche oder eingeschränkter Motorik von vornherein aus) und nenne ihnen dann die Preise…

    Das mit dem Preisvergleich hatten wir glaube ich schon an anderer Stelle diskutiert. Ich habs auch schon erlebt, dass Kunden mit Geräten von der Konkurrenz zu mir in den Laden kamen, wollten dass ich die Einstellung auslese und ihnen dann dieselben Modelle mit der von der Konkurrenz erarbeiteten Einstellung verkaufe – natürlich mit enormem Rabatt, weil ich ja durch ihr „Entgegenkommen“ enorm Zeit und Aufwand gespart hätte. Wenn man auf so lästige Dinge wie Berufsehre und Selbstachtung verzichten kann, lässt sich damit natürlich das schnelle Geld machen. Ich habe natürlich abgelehnt, wie die meisten meiner Kollegen es sicher auch getan hätten. Leider wird das immer wieder versucht, manchmal sogar mit Erfolg. Kein schönes Gefühl, wenn man auf diese Weise betrogen wird.

    Für mich ist das Vertrauensverhältnis zu meinen Kunden ebenso wichtig wie dir eben auch. Da sind solche Aktionen natürlich Gift.

    Die Vorgehensweise mit einem unverbindlichen Kostenvoranschlag wie du es jetzt gemacht hast, ist natürlich vollkommen legitim. Auch sehr fair von dem anderen Akustiker, dass er sich die Mühe überhaupt gemacht hat, wo ja sicher recht schnell klar war, dass du bei ihm nichts kaufst.

  25. Klar leuchtet das ein. Und wie gesagt: Gut, dass Du hier ein bißchen von der anderen Seite aus schreibst.

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