Niemanden bitten müssen

Es ist nur ein kleines Detail — so klein, dass viele es übersehen: Telefonieren geht. Mit jedem. Es ist aber öfters stressig, nämlich dann, wenn Unbekannte mit unbekannten Wünschen zu schnell oder nicht in den Hörer sprechen. Oder beides. Fast immer ist ja obendrein die Verbindungsqualität schlecht — viel, viel schlechter als Anfang der 1990er, als alle Welt schnurgebunden und am Festnetz telefonierte!

Aber ganz egal, selbst wenn es anstrengend ist: Nicht immer jemanden bitten müssen, sondern einfach zum Hörer zu greifen und selber und schnell was regeln zu können, wenn man z.B. von Behörden fehlerhafte Bescheide bekommt oder wissen will, ob die Eisbahn noch auf hat — das ist so erhebend! Unbezahlbar.

– Dieser Beitrag ist der vierte einer kleinen Reihe, in der ich Bilanz ziehe, nach anderthalb Jahren elektrisches Ohr. Teil 1: Einmal Blackout und zurück, Teil 2: Aus den Augen, noch im Sinn, Teil 3: Das Karussell

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21 Antworten zu “Niemanden bitten müssen

  1. Regenbogen

    Wenn das so ist, ruf einfach mich an.
    Ich hab mich bislang jedem schnurlosen Festnetztelefon strikt verweigert und gedenke das auch in Zukunft zu tun. 😉
    (Finde die schnurlosen auch ziemlich Mist und Handy läuft nur im Notfall und das meist auch nur für SMS…..)

  2. Ich bin zwar normal hörend, aber ums telefonieren hab ich mich immer gedrückt, wie es nur ging. Früher hab ich immer die Sätze gedanklich geübt, die ich sagen wollte, wie ich antworte, was ich zur Begrüßung sage. Das hat mich total blockiert. Inzwischen geht es zwar spontaner, aber gerne telefoniere ich trotzdem nicht. Insofern ist E-Mail ein Segen.

  3. Regenbogen, nur aufs Festnetz setzen reicht leider nicht. Seit fast alles in irgendeiner Form über digitale Netze oder VoIP läuft, klingt auch das schlechter.

    Felios, wird sicher auch nicht mein Lieblingskommunikationskanal. Aber ich finde es einfach gut eine zusätzliche Option zu haben. Für manche Dinge will man einfach die Stimme hören, mitkriegen wie die Leute auf irgendwas reagieren (ein Video von ihrem Gesicht wenn sie die Email lesen wäre vielleicht ein netter Ersatz 🙂 ) oder sofort Rückmeldung haben statt fünfmal Emails hin und her zu schicken.

  4. Pia Butzky

    Was ist mit Skype bzw. Videotelefon? Kennst du? Machst du? Hat irgendjemand Erfahrungen damit? Könnte theoretisch ja helfen, wenn man das Mundbild sieht, aber die Übertragung ist glaub ich etwas zeitversetzt. Ausserdem muss man vor dem Telefonat dann erstmal zum Spiegel oder sich Umziehen, wenn man gerade schlumpfig-verpennt durch die Wohnung puschelt.
    🙂

  5. Klar kenn ich Skype, facetime und Co. Sichtkontakt ist auf jeden Fall hilfreich, ist bei guter Verbindung auch nicht versetzt. Aber das ist ja noch nicht Standard — und wird es hoffentlich auch nie. Finde ansonsten nicht, dass immer Bildkontakt dabei sein muss. (Nachtrag: Wirklich hilfreich ist es aber im beruflichen, dass sich zumindest in manchen Branchen zunehmend Videokonferenzen ggü Telefonkonferenzen durchsetzen.)

  6. Ich kann das nur bestätigen. Telefonieren war eh schon immer eher ein Kampf, aber seitdem das Festnetz fast verschwunden ist und wir fast nur noch mit kabellosen Telefonen herumrenenn hat die Übertragungsqualität stark nachgelassen. Anfang Jahr stellte mein Arbeitgeber die „technisch veraltete“ Telefonanlage auf ein „hochmodernes“ VoiP-System um. Klasse! Jetzt verstehe ich am Telefon noch weniger (naja, mein Gehör lässt leider auch nach…) als vorher. Gerade heute musste ich ein internes Telefongespräch abbrechen, weil ich einfach nichts verstand. In Zukunft werde ich vermehrt direkt bei den Leuten vorbei gehen und das interne Chat-Programm nutzen.
    Bemerkung zu Skype: Eine Freundin die ein CI hat telefoniert praktisch nur noch über Skype. Ärzte vom Inselspital in Bern haben ihr auch gesagt, dass das Frequenzspektrum das Skype für die Sprachübertragung nutzt ideal sei für CI-TrägerInnen.

  7. Ganz meine Erfahrung! Zu Skype: Bei guter Datenübertragung werden bei Skype wohl mehr Frequenzen übertragen als beim normalen Telefon. Ich komme damit auch ziemlich gut zurecht. (Jedenfalls wenn mein *$&§§-Computer-Mikrofon funktioniert….)

  8. Was mir gestern mal wieder zum Thema Telefon aufgefallen ist: Wenn man Windows-Produkt benutzt, ist mal als nicht-telefonieren-könnender ziemlich aufgeschmissen, wenn eine telefonische Aktivierung der Produkt erforderlich ist (bei nach mehrfachen Plattencrash mit Backup-Einspielung der Fall).

    In meinem Fall heisst das dann: Die beste aller Ehefrauen bitten, sich ans Telefon zu klemmen und endlose Zahlenreihen zu notieren, die von einer Sprachmaschine ausgespuckt werden. Eigentlich eine Frechheit, dass es hier keine Alternativen gibt…

  9. P.S.: Alternativen für die Aktivierung, nicht für die Ehefrau… um etwaigen Nachfragen vorzubeugen 😉

  10. 🙂 Aber ehrlich, DAS ist mal ein krasser Fall von Barrieren für Schwerhörige!

  11. Es gibt weitere solche Fälle:
    In der Schweiz gelten seit dem 1.7. neue Regeln betreffend der Zuzahlung bei Hörgeräten durch die IV (=Invalidenversicherung, sic!) und der Selbstbeteilligung. Das ist ein Thema für sich. Mitte Juni wurden alle bei der IV gemeldeten Hörbehinderte darüber informiert. Die Zweigstelle in Zürich versandte diesen Brief OHNE eine E-Mail Adresse, fügte aber folgendes hinzu: Hörgeräte-Hotline 0848 (…) . Um eine E-Mail zu senden muss man auf deren Internetseite gehen und das Kontaktformular suchen und ausfüllen.

    Da stellen sich mir diese Fragen:
    Können Hörgeräte telefonieren? Gehen sie bei der IV davon aus, dass wenn man ein Hörgerät hat man auch telefonieren kann? Ganz im Sinne von „Hörgerät bekommen = Hört wieder gut, Problem gelöst“?

    Bei Fragen könnt Ihr mich gerne unter der Nummer 0041 XX XXX XXX XXX erreichen…

  12. Dieses Windows aktivieren-Dings ist doch ein alter Hut. Ein Beispiel ist der DSL-Anbieter Alice: Hotline oder vergiss es. Kommunikation auf anderen Wegen ist mit denen nicht möglich, jedenfalls nicht, wenn man etwas erreichen möchte. Meine Krankenkasse schreibt gerne unter jeden Brief „Haben Sie fragen? Rufen Sie uns an!“ – auch unter solche, worin sie die Überanahme von Hörgerätekosten ablehnen…

  13. „Lol“
    Ja, das sind die tollen Vordrucke.
    Haben wir bei uns auch; normalerweise passen wir die allerdings den jeweiligen Gegebenheiten an. 😀

  14. Ja, die Softwareaktualisierung hat mir schon des öfteren den Schweiß auf die Stirn getrieben. Aber auch Gefühle nahe an der „Mount-Everest-Besteigung“ verschafft. Ich dachte, das packe ich nicht – und habe es gepackt. Mit CI-Ohr! Sowas von klasse. Die automatischen Ansagen verstehe ich meistens gut („Wenn Sie noch dran sind, drücken Sie bitte die Eins. Wenn Sie schon aufgelegt haben, drücken Sie bitte die Zwei …“)

    Einmal musste ich komplizierte Computer-Sachen direkt mit dem Telefon-Support klären – *schwitz* – und habe sofort betont, dass ich schwerhörig bin, und man nicht lauter sondern in Zeitlupe mit mir sprechen möge. Da lernt man Menschen kennen: Mit manchen klappt das wie geschmiert. Mit manchen nicht so. Wenn es geklappt hat, ist es toll. Freue mich 3 Tage lang über sowas.

  15. Super! Ich auch. Ich habe ja kurz nachdem ich mein CI bekommen habe auch ganz gerne auf Kosten dieser Hotlines (den kostenlosen nur) und Werbeanrufen das Hören trainiert. Einerseits war da die Motivation, es zu schaffen, recht hoch, andererseits konnte man vom Gegenüber auch erwarten, dass es dem Kunden entgegenkommt.

  16. Aber auch gefährlich.
    Am Telefon schließt man schneller Verträge ab als man denkt.
    Brauchst nur einmal Ja zu sagen und die futscheln das dann so zusammen, daß es auf der Tonbandaufzeichnung so klingt, als hättest Du Deine Zustimmung zu diversen Verträgen gegeben…..

    Vorsicht vor Callcentern jeglicher Art!

  17. Ey Regenbogen, wo bleibt die Abenteuerlust? Mit Callcentern telefonieren ist das neue Klippenspringen. Motorradfahren ohne Helm! Surfen ohne Virenschutz! Lebe wild und gefährlich!

  18. …..und hinterher versuchen, die Sachen wieder loszuwerden, ist ja dann auch ´ne abenteuerliche Nachbereitung. 😉

  19. Pingback: Verkehrte Welt | Not quite like Beethoven

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  21. Pingback: Let’s get high on a CI! Oder auch zwei oder drei… | Not quite like Beethoven

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