„Um Gottes Willen, eine Frage!“ Männer, Frauen — und Schwerhörige

Der Volksmund sagt, Optimisten stöhnen beim Sex jajaja und Pessimisten neineinein. Das klingt ja nun erst einmal gar zu schematisch, doch tatsächlich teilen sich die Menschen in zwei Klassen, wenn sie keinen Plan haben was gerade abgeht.

Ein gutes Beispiel dafür war eine nächtliche Begegnung mit Kitty Koma. Obwohl flotthörig (und auch sonst recht flott), geriet sie neulich in eine Situation, die Schwerhörigen nur allzu bekannt ist: Sie bekam im Lärm der Party nicht mit, was ich sie gefragt hatte, wohl aber, dass ich sie etwas gefragt hatte (Ist da nicht eben die Stimme hochgegangen? Oh Gott, eine Frage!). Wenn das geschieht, ist  innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Antwort verlangt.  Man steht auf dem Präsentierteller. Jedes Zögern wird gedeutet (Hört sie mir gar nicht zu?! Ist die schwer von Begriff?!)

Frau Koma entschied sich, dass die beste Antwort auf meine fragende Körperhaltung „Nein“ wäre. Das irritierte mich kräftig, schließlich hatte ich ihr nur den Organisator des Abends vorstellen wollen. Etwas wozu ich erwarten würde, dass normalerweise eher „ja“ gesagt wird.

Genau aus diesem Grund geben Schwerhörige in solchen Situationen gerne den guten Zuhörer oder nutzen das allseits gefürchtete „jaja“. Weil es das Gespräch am Laufen hält. Ein „nein“ dagegen unterbricht und irritiert. Das „Ja“ ist aber definitiv gefährlicher, weil man sich ja womöglich auf etwas einläßt. In diesem Fall eine Petitesse, im schlimmsten eine Verabredung als Umzugshelfer oder ein Date mit einer schrecklichen Person. Was Frau Koma auf die Idee brachte, das Neinsagen, könnte vielleicht ein Frauendings sein.

Und Ihr? Meint Ihr es ist mehr ein Frauen/Männer- oder ein Schwerhörigendings?

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32 Antworten zu “„Um Gottes Willen, eine Frage!“ Männer, Frauen — und Schwerhörige

  1. Hihi. Ich versuche es ja zu vermeiden, aber manchmal rutscht mir doch ein Ja oder Nein heraus, ohne dass ich die Frage verstanden hätte. Die Antwort mache ich meistens von Mimik und Körperhaltung des Gegenübers abhängig, wenn ich die mitkriege (also nicht von der Seite angesprochen werde). Wenn ich total gedankenverloren bin und überhaupt nicht nachdenke, antworte ich immer automatisch mit Ja. Was natürlich gewaltig schief gehen kann …

  2. Ich bin mir ziemlich sicher, dazu mal eine linguistische Untersuchung gelesen zu haben, aber ich kann sie partout nicht wiederfinden, leider.
    Es ging darin aber um „ja“ gegenüber non-verbalen Verhaltensmuster in Dialogen, möglicherweise auch bei Schwerhörigkeit, darüber bin ich mir aber nicht mehr so sicher. Ich suche weiter… 😉

  3. Nikana, vielleicht sollten wir mal die Top 3 der Dinge sammeln, in die wir unfreiwillig eingewilligt haben. Ich leg mal vor — 3: Noch mit in den Club gehen obwohl ich schon länger nach Hause und ins Bett gehen wollte. 2: Eine Ausstellung besuchen, die ich eigentlich ganz furchtbar langweilig finde. 1. Jemandem Geld versprechen obwohl ich selbst keins hatte.

    Janina, oh bitte, guck weiter, das würde mich sehr interessieren!

  4. Ich weiß nicht, ich kann mich nicht erinnern, jemals ins Blaue auf eine Frage geantwortet zu haben. Wenn ich was nicht verstehe, frage ich nach.

  5. Kitty Koma hört normal? Und versteht nix? Keine Gnade! Guthörende werden von mir in Grund und Boden gevorwurft, wenn es ihnen passiert, dass sie nix verstehen. Wozu hat man Ohren?

    Weil ich pausenlos so unter Stress und Anstrengung stehe, die eigene Fehlerquote beim Hören zu reduzieren, trifft es mich sehr, wenn jemand sagt: „Das habe ich doch gerade gesagt“. Vor allem dann, wenn er/ sie meine Hörsituation kennt, aber sich keine Mühe beim Reden gibt und ich die ganze Arbeit beim Hören habe.

    Aber wehe, es passiert mal umgekehrt, da rollen Köpfe! Da lasse ich die Rachsucht raus und strafe sie ab, die Falschversteher mit gesunden Ohren. Da werden mal kurz die Plätze gewechselt.

    Da gönne ich mir ein herzhaftes „Wieso hast du das nicht verstanden?“ und ein „Musst du eben besser zuhören!“ und schieße noch ein „Du kannst doch hören, warum tust du es nicht?“ hinterher. Da öffnen sich die Schleusen und der ganze aufgestaute Frust über das unentwegte Strammstehen beim Hören bricht hervor. Kein Pardon! Was tut das gut, mal die Nase im Gesicht des Gegenübers weiß werden zu sehen, weil es gesessen hat! Endlich machen sie auch mal diese Erfahrung, die Luxusohrenbesitzer.

    Butzky (lässt die Sau raus)

  6. @Pia: So muss das sein 😉

    Die Situation kenne ich aber auch zu genüge. Ich habe mich dadurch glücklicherweise (bis jetzt) aber eigentlich noch nie in irgendwelche blöden Situation wieder gefunden. Was ich aber gut drauf habe ist das nicken mit dem Kopf, auch wenn ich gerade nichts verstanden habe.

    Was mir nur in letzter Zeit verstärkt auffällt: Auch wenn die gegenüberliegende Person mir die Sachen zwanzigmal wiederholen würde (und in der Beziehung habe ich wirklich Glück, dass meine Kontaktpersonen so geduldig sind): Irgendwann habe ich die Schnauze voll, wenn ich etwas nicht verstanden habe und nicke dann einfach, weil ich möchte, dass das Gespräch weiter geht.

  7. @Frau Butzky:
    Na hoffentlich trifft die Sau aber dann auch nur die Leute, die sich wirklich keine Mühe geben. 😉

    Aber wird schon, denn die, die sich Mühe geben, werden ja nicht sagen „hab ich doch gerade gesagt“, die sind ja dann netter, woll?
    😉

    Kann ich aber verstehen, wie gefrustet Du bei so einer Gedankenlosigkeit sein mußt.

    In dem Sinne, paß auf, daß Dich nicht Greenpeace oder der Tierschutzverein erwischen und daß die Sau nicht genauso abgeschossen wird wie Bruno der Problembär. 😉 „lach“

  8. Jens, beneidenswert. Oder?

    Pia, hihihi, sehr schön! Das ist dann quasi Karneval! „Luxusohrenbesitzer“, klasse.

    Lars, „Schnauze voll“ -ohja. Das kenn ich. Wenn das wiederholt vorkommt und nicht nur einmal, denkt man sich irgendwann: Das ist es nicht wert, sich so aufzureiben.

  9. nitquakemake

    Schönes Wort „Luxusohrenbesitzer“. 🙂

    Ich kenne das auch allzu gut. Wenn ich neue Leute kennen lerne, weise ich häufig darauf hin, dass ich hörgeschädigt bin und ein deutliches Mundbild brauche.

    Meistens klappt es dann gut mit der Kommunikation. Dann gibt es aber welche, die reden ohne Punkt und Komma, reden wie ein Wasserfall. Das ist schon sehr ermüdend, da am Ball zu bleiben. Irgendwann kommt der Punkt wo man nicht mehr so aufnahmefähig ist und nickt oder bejaht es. Aber wehe dem, es kommt dann vom gegenüber..“ Wie Jaa?“

    Ich hatte auch die unangenehme Situation gehabt, während des Lauftraining (hatte da meist eh keine Hörgeräte an), einen Mitläufer, der aus meiner Sicht unangenehm und rücksichtlos war. Ich hatte gemerkt, dass seine Lippen bewegt haben und habe mich umgeguckt, ob hinter mir einer dazu gestossen um mit mir zu laufen, aber wir waren alleine.

    Da habe ich dem Mitläufer hingewiesen, dass ich nichts höre und in der Regel immer ohne HG laufe. Ich verstehe kaum ohne HG und während des Laufen ist Mundablesen eh schwierig. Ihn hat das nicht gestört und kurze Zeit fing er wieder an zu brabbeln. Ich habe nochmals drauf hingewiesen, dass ich ohne HG fast stocktaub bin. Dann war er mal für ein paar Minuten still und fing aber bald wieder damit an.

    Wenn er ja nur vor sich hinreden würde, wäre ja auch noch gegangen. Aber wenn er mich dann anschaut mit einem fragendem Gesicht, dann fühle ich mich ziemlich unter Druck gesetzt und beim Laufen sowieso.

    Ich bin dann mit der Ausrede, dass ich ein Steinchen im Schuh hatte und er solle ja nicht auf mich warten und ruhig weiterlaufen. Ich schließe mich dann der langsameren Laufgruppe hinter mir dann an. 😉 So habe ich den dann abgewimmelt.

    Ist das fies von mir? Oder verständlich?

  10. Sowohl als auch? 😉
    Nein, ernsthaft: Ich bin ja hörend, aber ich kann nachvollziehen, was Du da gemacht hast.
    Du hast ihn immerhin mehrfach drauf hingewiesen, daß Du ihn nicht hören und verstehen kannst. Und ich kann verstehen, daß das sehr unangenehm ist, an einem Gesichtsausdruck zu sehen, daß der jetzt eigentlich doch eine Antwort oder was auch immer von Dir erwartet, die Du ihm aber ja nicht geben kannst. Ja, glaub ich, das das enorm unter Druck setzt und daß Du Dich dann beim Laufen nicht mehr wohlgefühlt hast. Kann Dich verstehen.

  11. Ich würde sagen, dass „Ja“ eher ein Frauending ist als „nein“. Frauen tun sich oftmals schwerer, sich unbeliebt zu machen, als Männer.

  12. @nitquakemake (ulkiger Name):
    Ja, ich habe auch den Verdacht, dass Leute mit gutem Gehör erhebliche kognitive Sperren haben. Sie können oft den Informationsgehalt im Gehörten nicht auswerten und logische Schlüsse daraus ziehen. Zum Lachen ist immer, wenn jemand mir was ins Ohr flüstern will, nachdem ich gesagt habe, ich höre schlecht. Schmeiße mich jedesmal weg vor Lachen, wenn das jemand versucht. „Sind die doooof …“

    Es gibt schwerhörige Leute und es gibt dumme Leute.
    (Letztere können aber auch nichts dafür, die haben einfach eine Blockade beim Denken. Die brauchen einfach sehr lange, bis der Groschen fällt.)

    Verständlich ist auch, dass jemand mit Gehör nervös wird in Anwesenheit von anderen und ein Schweigen nicht aushält. Das Gequassel unter Hörenden ist ja dazu da, eine unangenehme Fremdheit zu überbrücken, Spannung abzubauen. Manche Leute ruhen nicht in sich selbst, sondern sind zu sehr nach außen ausgerichtet. Die brauchen ständig Signale von außen, weil sie die innere Gelassenheit nicht haben, die wir erleben, wenn wir ohne Gehör laufen. (Das ist ja schon fast Meditation, wenn man nicht gerade höllischen Tinnitus hat.)

    Was echt nervt beim tonlosen Laufen, sind die Radfahrer, die in maximal 2 cm Abstand von hinten um einen rumwuschen. Aber die höre ich auch mit CI nicht. Jedesmal ein Schreck! Und mit CI finde ich das Rhythmusgeräusch antörnend, das die eigenen Schritte auf Kiesboden machen. Da laufe ich immer schneller. 😉

  13. nitquakemake, ich finde das äußerst verständlich, wie Du’s gemacht hast. Wobei ich eigentlich schade finde, dass Du *ihm* aus dem Weg gehen musstest, also Deine Pläne wegen ihm ändern musstest. Ich hätte ihn vielleicht einfach ignoriert, wobei das ja leider auch keinen Spaß macht. Also wohl doch lieber so wie Du’s gemacht hast.

    Nessy, klingt auch plausibel. Leider. Und erinnert mich daran, dass ich ja auch schon öfter das Gefühl gehabt habe, dass „schwerhörige“ Verhaltensmuster „weiblichen“ Verhaltensmuster ähneln

    Pia, zu dem ins Ohr reden. Ich glaube, das hat was damit zu tun, das sie das einfach nicht mit Schwerhörigkeit zusammenbringen (ist ja auch um die Ecke gedacht: Er/sie hört nicht, also muss er mich sehen). Sie wissen es einfach nicht. Übrigens habe selbst ich schon Schwerhörigen ins Ohr gesprochen bzw. Sprechen wollen und das obwohl ich mich ja selbst schon darüber mokiert habe. Die Gewohnheit sitzt tief. 😉

  14. Jaaaa (gibs mir!).
    Ist meistens meine Antwort. Glaube ich jedenfalls. Manchmal versuche ich noch in Sekundenbruchteilen aus der Miene des gegenübers abzuleiten, was nun angebrachter wäre. Wenn gar nichts geht, kann man auch noch Zeit schinden mit „wie meinste das?“ Was allerdings auf die Frage mit dem Organisator auch nicht so gut gekommen wäre 😀

  15. Hehehe, naja, „vorstellen“ kann man ja auch so ulkig betonen, dass „wie meinste das?“ wieder passen würde. 😉 Übrigens auch eins meiner Zeitschindewerkzeuge. Hätte gern mal eine Statistik wie oft mein Bluff da auffällt.

  16. Wenn ich es recht bedenke, fahre ich mit „Wie meinste das?“ eigentlich meistens sogar recht gut. Oft passt es tatsächlich, und man kriegt ja nochmal ne zwiete Chance, genauer hinzugucken (oder zu hören, im Rahmen der Möglichkeiten ;))

  17. das ist auch meine erfahrung, aber wer weiß, vielleicht paßt es seltener als gedacht und gegenüber läßt’s einfach freundlicherweise durchgehen.. ;)))

  18. Ach Mist, das liegt natürlich auch im rahmen des Möglichen.
    Aber zumindest kommt man sich doch mit „Wie meinst du das“ einigermaßen eloquenter vor als mit „jaja“ oder „nein“ 😉

  19. Hm, ich (schwerhörig, HG) bin weiblich und eindeutig der „jaja“-Typ. Wahlweise auch „okay“. Dazu oft Lächeln + mit dem Kopf nicken. Diese Taktik wende ich vor allem dann an, um ein Gespräch am Laufen zu halten. Da kann nicht so viel schiefgehen. Manchmal hab ich mich mit der „jaja“-Taktik aber schon arg in die Nesseln gesetzt. Sehr peinlich war mir beispielsweise, als mein Onkel (der sehr undeutlich spricht) etwas erzählt hat und ich nur lächelnd „jaja“ gesagt hab. Kurz darauf hab ich verstanden, dass er von einer Freundin seiner kleinen Tochter erzählt hat, die vor kurzem im Kindesalter gestorben ist. Da war mein Gesichtsausdruck also schon mal komplett verkehrt. Autsch.

    Besonders schwierig wird es dann, wenn ich an Kontext und Tonfall erkenne, dass mein Gesprächspartner eine wichtige Frage stellt und ein falsches „ja“ oder ein falsches „nein“ zu großer Konfusion führen kann.
    Das ist auf der Liste meiner unangenehmsten Hörsituationen ganz oben… Klar kann man nachfragen, aber irgendwann nervt es mich halt auch.

    Bei einigen Leuten lasse ich übrigens das Nachfragen fast schon prinzipiell bleiben, weil sie so undeutlich reden und ich weiß, dass sie eh nichts sonderlich Wichtiges sagen, sondern einfach gern quatschen und sich mit einem gelegentlichen „jaja“ völlig zufriedengeben (so fies das jetzt auch klingt).

  20. Fies?
    Naja.
    Sowas gibt´s ja sogar für mich als Hörende….zum Teil höre ich den Leuten, wenn ich halt weiß, da kommt eh nur Mist, auch nicht zu, sondern sag nur gelegentlich „hm hm“….

  21. Das Lustige ist ja: Zum erfolgreichen Gebrauch von „Wie meinste das?“ (oder ähnlichen inhaltlichen Nachfragen wie „was?“) muss man schon wissen ob das Gesagte was Ernstes, eine wichtige Frage ist oder eine nichtwichtige. (Bei Tiviens Todesfall-Geschichte paßt das sicher nicht, aber doch besser als „jaja“.) Wenn man aber zu oft und bei nichtigen Dingen „wie meinste das?“ fragt, bringt das die Leute auf die Palme. Wissenschaftlich erwiesen: „Wenn Garfinkels Studenten auf der Straße oder in der Universität gefragt wurden, antworteten sie etwa: „Wie meinst du das, körperlich oder geistig oder wie?“Die Gegenfrage entlarvte das „Wie geht’s?“ als Begrüßungsfloskel und deren ertappte Benutzer reagierten sehr aggressiv.“

  22. Pingback: Sand im Getriebe des Alltags — Schwerhörigkeit als Krisenexperiment | Not quite like Beethoven

  23. Eine frühere Mitbewohnerin aus früheren „Gutes-Hören-Zeiten“ machte mich früher wahnsinnig mit ihrem ritualisierten „Mmh, interessant“. Das sagte sie immer. Immer! Egal wie oberflächlich oder tiefsinnig das Gespräch war. Bei jeder Gelegenheit: „Mmh, interessant“. Sie meinte das auch nicht spöttisch oder ironisch, es war bloss ihre Angewohnheit, sowas zu sagen.

    Das wäre eine gute Ausweichnummer für Schwerhörige, ist neutral, gibt nicht preis, ob man was verstanden hat – und macht die anderen kirre.

  24. „Du, der Onkel Albert ist gestorben.“ „Hm, interessant.“
    Hm. Macht die anderen kirre, ja, bestimmt. Paßt auch bei vielem, aber sicher auch wieder nicht bei allem.

    (Oder auch: „Boah, fandest Du das Seminar auch so sterbenslangweilig?“
    „Hm, interessant.“ 😉 KANN auch wieder zu kuriosen Situationen führen.)

    Ist wirklich schwierig für Euch, wenn Euer Gegenüber entweder ständig vergißt oder verdrängt, daß Ihr Hörprobleme habt – oder es ihm/ihr einfach egal ist…..

  25. HA, genauso eine Freundin habe ich auch. Nur, die macht das nonverbal mit so einem leichten Heben des Kopfes. Macht mich kirre!

    Ich glaube inzwischen, das eloquente Nichtverstehen ist ein Kunsthandwerk. In dem man Übung und ein Repertoire braucht und es zur Meisterschaft bringen kann.

  26. Es gibt bestimmte Fragetypen, die man mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit immer richtig beantworten kann. Bestes Beispiel dafür ist eine rhetorische Frage. Rhetorische Fragen habe eine andere Fragemelodie als normale Fragen Hier erfolgt oft gar keine Anhebung der Sprachmelodie; die Frage wird stattdessen wie eine Feststellung formuliert. Beispiel „Du glaubst doch nicht wirklich, dass der Typ Millionär ist“. Die Gestik und Mimik des „Fragenden“ ist hier in der Regel auch anders als bei Fragen, bei denen eine „richtige“ Antwort verlangt wird. Solche Fragen kann man getrost immer mit „natürlich nicht“ beantworten 😉

    Auch recht unproblematisch ist die Bestätigungsfrage – wenn der Sprecher ein kurzes Feedback haben will und davon ausgeht, dass man zustimmt. Auch die ist von der Gestik und Mimik her recht gut zu erkennen und die Frage kann fast immer ohne problematische Konsequenzen bejaht werden.

    Die Kunst der Gesprächsteilnahme ohne das Verstehen des Inhalts ist ein sehr spannendes Feld.

    Ach ja, und mein worst case: Ein 20 Minütiges Telefonat (früher ging das noch) mit meiner Freundin. Jedenfalls dachte ich, es ist die Freundin… hinterher stellte sich dann heraus, dass es die Mutter war. Wieviele falsche Antworten ich da gegeben habe will ich mir gar nicht vorstellen 😉

  27. 20 Minuten??!! Da sagt man ja so einiges…. 😉

    Ansonsten, mit der Kunst der Gesprächsteilnahme ohne das Verstehen des Inhalts, ist es, glaube ich, wie mit Katastrophen generell: Die Wahrscheinlichkeit, dass im „Normalbetrieb“ (=Alltag) etwas passiert ist (irgendwie auch: erschreckenderweise) sehr klein. Wenn dann aber etwas passiert dann ist der Schaden potentiell sehr hoch.

  28. Fragemelodie erkennen? Mit CI? Ähm, nicht so pralle. In Gesprächen muss ich meinerseits oft nachfragen: „War das jetzt eine Frage an mich?“ oder „Fragst du mich jetzt gerade was?“

    Immer noch schön und bei mir nach wie vor sehr beliebt: „Wie war das noch mal im Mittelteil?“ (Otto in „A Fish named Wanda“)

  29. Das kann ich für mich nicht bestätigen. Es stimmt zwar, dass mit dem CI Tonhöhen nicht so leicht zu unterscheiden sind wie für das normale Ohr, aber das Hochgehen bei Fragen geht bei mir.
    (Außer bei Fragen wo es nur wirklich nur minimal angedeutet ist, die gibt’s ja auch. Ich habe das gerade mit einem Hörspiel mal kurz geprüft und da sagte mir der flotthörige Kollege, er höre da auch nur beim genau nachhören was.)
    Wenn ich zum CI noch das Hörgerät hinzuschalte, geht’s völlig ohne Probleme. Aber ich bin ja sowieso ein Fan bimodalen Hörens.

    Ich bin ernsthaft am Überlegen ob ich hier nicht für alle Aussagen über CIs eine Art Disclaimer einfügen (bzw auch von anderen verlangen) sollte, der sagt, wie genau gehört wurde. Also CI-Modell, mono oder stereo, mit Hörgerät oder ohne, Resthörvermögen, Hörbiographie vor der OP etc. Ich will ja nicht, dass Leute, die sich informieren können unnötig gute oder schlechte Erwartungen kriegen. Aber das ist wohl sehr aufwändig.

  30. Ääh, wie war das noch mal im Mittelteil?
    (Mach dich mal locker, Pseudo-Beethoven. Nix mit Disclaimer oder so, am Ende muss man noch seine Hörtestwerte bei dir einreichen, wa? Soweit komms´ noch.)

  31. Was fühlst Du dich denn schon wieder so auf den Schlips getreten? Ich werde das nicht tun, aber sinnvoll wäre es schon zu wissen was (technisch und hörbiographisch) dahintersteht, wenn jemand sagt, mit CI Hören sei so. Und dann kommt ein anderer und sagt so.

  32. Pingback: Aus unserem Netzwerk: Juli – September 2011 » Blogpatenschaften

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