Elektrische Ohren, kleine Kinder und Gebärdensprache — Ein paar Notizen

Benedikt hat  hier kürzlich noch einmal die „Therapisierung“ der Taubheit bei gehörlosen Babys durch Cochlea Implantate problematisiert und mich gefragt, wie ich dazu stehe.  Wie versprochen hier kurz skizziert ein paar Gedanken. Allerdings ist dies auch nicht mehr als das, denn ich habe dazu nichts Allgemeinverbindliches zu sagen. Denn der Punkt ist doch, Babys können nicht für sich selber entscheiden und das heißt, die Eltern müssen es tun. Das ist ihre Freiheit und ihre Verantwortung. Die kann ihnen niemand abnehmen. Und das heißt, dass sich die Entscheidung, ob implantiert werden soll oder nicht, vor allem nach dem Umfeld und den Möglichkeiten richtet, die diese Eltern dem Kind bieten können.

Wichtig ist doch zu sehen, dass weder implantieren noch Gebärdensprache easy fixes sind, also Gleise, auf die man die Kinder setzt und auf denen dann alles andere wie am Schnürchen läuft. Beides sind in unserer Gesellschaft schwierige Wege — diese Kinder brauchen Forderung und Förderung von den Eltern und zwar gleich. Und viel. Und dauerhaft. Ob Vernachlässigung nun dadurch eintritt, dass mit den Kindern geredet wird, obwohl sie nicht hören können, oder dadurch, dass mit ihnen nicht gebärdet wird, weil die Eltern es nicht können, ist da geradezu egal.

Ich weiß zu wenig über den Fall, wenn beide Eltern taub, gebärdensprachkompetent und fest in der Gehörlosenwelt verwurzelt sind. Aber in allen anderen Fällen würde ich denken, dass Zweisprachigkeit (und das bedeutet CI und zweisprachige Förderung, also Gebärden- und Lautsprache, inkl. und besonders: Lesen und Schreiben) die einzige beste Möglichkeit sind, dem Kind einigermaßen Wahlfreiheit zu lassen und möglichst wenig Chancen zu verbauen. Nachtrag: Soweit ich sehe, und man darf mich durchaus davon überzeugen, dass ich nicht genug sehe. Wenn es z.B. eine einigermaßen große und vibrierende Tauben-/Gehörlosengemeinschaft oder entsprechende tolle Kindergärten und Schulen am Wohn- oder Arbeitsort der Eltern gibt, mag sich die Lage anders darstellen. Dann kann ich mir durchaus vorstellen, dass auch hörende Eltern Gebärdensprache lernen und ihr Kind darüber hinaus auch quasi an die andere Sprache und Kultur abgeben, so wie es deutsche Paare im Ausland tun (oder ausländische in Deutschland). Ob das dann aber heißen sollte, auf das CI zu verzichten, ich weiß es nicht so allgemein zu sagen. In jedem Fall muss man sich vermutlich auf die bekannten Probleme zweisprachiger Erziehung einstellen und die von Migrantenkindern (2. und 3. Generation) . Die wichtigste Baustelle, mit der wir uns beschäftigen sollten ist daher, glaube ich, gar nicht mal CI oder nicht, Gebärdensprache oder nicht. In der Einfachheit sind beide Alternativen falsch. Die wichtigste Baustelle ist Diversität  in Kindergarten, Schule, Ausbildung und Uni.

Was ich übrigens nicht verstehe ist die Empörung von Gehörlosenverbänden über Artikel wie vor kurzem „Cochlea-Implantate – eine ökonomische Analyse“ von Dr. Wolf-Dieter Baumgartner, der im Skriptum 8/2010 der Wiener Medizinischen Wochenschrift veröffentlicht wurde. Denn dieser Artikel ist doch nur mit viel Willen und allenfalls am Rande als Herabsetzung der Gebärdensprache zu deuten. Vielmehr ist er eine Bedrohung für alle diejenigen, die von der Möglichkeit eines CIs Gebrauch machen wollen, aber die Wirtschaftlichkeitskriterien nicht erfüllen. (Wären die beschriebenen Richtlinien geltend, ich hätte sie z.B. auch nicht erfüllt, mir wäre das CI verwehrt geblieben.) Diese Richtlinien würden eher dazu führen dass taub geborene und ohne CI älter gewordene Kinder auch taub bleiben. Oder sehe ich das alles falsch?

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32 Antworten zu “Elektrische Ohren, kleine Kinder und Gebärdensprache — Ein paar Notizen

  1. Immerhin steht der Mann dazu, daß Kinder, die zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr implantiert werden (wenn ich das jetzt vom Überfliegen richtig in Erinnerung behalten habe), nur zu 50 % auf der Regelschule mitkommen, und daß Kinder, die nach dem 4. Lebensjahr implantiert werden, das gar nicht schaffen.
    Zumindest die Allzweck-Wunderwaffe zu jeder Tages- und Nachtzeit würde ich daraus also nicht entnehmen (wenn ich da so an diesen Artikel denke, den, glaub ich, bengie verlinkt hat, wo man einer Dame ein CI aufschwatzen wollte, ohne daß auch nur annähernd eine Erfolgswahrscheinlichkeit gegeben war….).

    Schade fand ich auch, daß es da ertaubte Erwachsene gab, die Hilfe gesucht haben und sich von den Gehörlosenverbänden im Stich gelassen gefühlt haben.
    Einfach nur sagen „jetzt lern mal schön Gebärdensprache“ – wenn das wirklich so abgelaufen ist, ist das tatsächlich zu simpel. Da braucht man sich nicht zu wundern, daß solche Leute zum CI greifen – und demnach diesem danach auch sehr positiv gegenüberstehen. Und Mund-zu-Mund-Propaganda macht ne Menge aus.

  2. Ich habe oben im mittleren Teil noch einen erläuternden Nachtrag eingeschoben, bitte seht Euch den auch nochmal an. Ansonsten:

    Regenbogen, ja, die Daten der Studie finde ich auch interessant. Mich würde mal interessieren, wie die wissenschaftliche Gemeinschaft sie beurteilt. Ich weiß, dass einige Studien laufen, vielleicht frage ich mal nach, wenn ich Gelegenheit habe.

  3. @NQLB
    Wo hast du bloss gelernt, dich sprachlich so toll auszudrücken und zweitens auch noch so differenziert zu denken? Chapeau!

    Ein schwieriges Thema und ein Minenfeld. Grundsätzlich ist unsere Welt hörend. Darin wachsen alle auf, ob gehörlos, spätertaubt, schwerhörig oder eben hörend. Die Kommunikation läuft über die geschriebene und gesprochene Sprache der Hörenden. Für mich stellt sich die Frage nach CI ODER Gebärdensprache nicht, es sollte CI UND Gebärdensprache sein. Neben dem Lippenlesen, dem Sprachverstehen sollen Kinder mit einem CI auch die Gebärdensprache lernen können, auch deren Eltern. Das gleiche Angebot soll auch den Schwerhörigen, den Spätertaubten und den Hörenden offen stehen sofern sie das wollen. In gemischten Schulklassen (mit hörenden und Kinder mit CI / Hörgeräten) könnten alle die Gebärdensprache lernen.

    Mir geht es darum, die Gebärdensprache aus der reinen Gehörlosenecke herauszuholen und zu einem Allgemeingut zu machen denn von ihr profitieren alle. Denkt nur mal an eine laute Party und Ihr wollt einem Freund am anderen Ende des Raumes etwas zurufen.

    Ich selber kann nicht gebärden da ich in einem rein hörenden Umfeld aufgewachsen bin. Gerne möchte ich die Gebärdensprache erlernen, das geht aber nur, wenn mindestens eine Person im nahen Umfeld schon gebärden kann oder bereit ist, diese Sprache zu erlernen.

    Den Artikel von Dieter Baumgartner werde ich noch genau lesen. Auf den ersten Eindruck stösst mir das ökonomische Denken sauer auf, denn es geht doch darum, am Leben und an der Gesellschaft teilhaben zu können.

  4. stimme dir größtenteils zu.
    allerdings will ich nochmal kurz nachfragen, was du mit den „bekannten problemen der zweisprachigkeit“ meinst? in aller regel birgt zwei(t)sprachigkeit soweit ich weiß keine risikos, vor allem nicht für die majoritätssprache (was in diesem falls vermutlich die lautsprache wäre). die minoritätssprache bildet sich teilweise schwächer aus oder wird nur passiv beherrscht. allerdings ist das mMn kein wirkliches problem (in der form, dass eine zusätzliche (!), wenn auch nicht perfekt beherrscht sprache irgendwie schädlich wäre). und wenn man dem kind gelegenheiten gibt, in denen es die minoritätssprache sinnvoll verwenden kann/muss, wird sich auch diese höchstwahrscheinlich gut entwickeln.
    schwierig wird es eventuell für die eltern, die disziplin und durchaltevermögen beweisen müssen, wenn sie die minoritätssprache in der familie am leben halten wollen.
    ich bin kein experte für bilinguale erziehung hörgeschädigter kinder allerdings habe ich ci-implantierte kinder im grundschulalter kennengelernt, die in KEINER sprache auch nur ansatzweise eine (für sinnvolle äußerungen irgendeiner art) ausreichende kompetenzstufe erreicht hatten. und das möchte ich nicht noch mehr kindern wünschen, deswegen würde ich immer für dgs-förderung von anfang an plädieren. wenn sie später nicht mehr nötig erscheint, kann man ja immer noch damit aufhören. schaden tut sie ziemlich sicher nicht, da zweisprachigkeit kein kind überfordert und auch die entwicklung der majoritätssprache dadurch nicht negativ beeinflusst wird (eher im gegenteil).

  5. Den Artikel finde ich übrgiens mehr als merkwürdig: Wenn jemand Arbeit hat (ggf. auch gut bezahlt), dann soll er gekündigt werden um dann die Kriterien zu erfüllen, nach denen die Person für ein CI in Frage kommt. Bin ich da der einzige, der das – auch aus ökonomischer Sicht – nicht so ganz nachvollziehen kann? Wenn jemand erwerbstätig ist, zahlt er ja über die gesamte Erwerbstätigkeit auch in die Sozialversicherungen ein (ich nehme mal an, dass das System in Österreich prinzipiell ähnlich wie in Deutschland ist) und „liegt der Allgemeinheit somit nicht auf der Tasche“. Wenn er jetzt wegen der Gehörlosigkeit entlassen wird, empfängt er ja Transferleistungen, zahlt selber nichts ein und bekommt dann eh das CI… *starkamkopfkratz*

  6. CharlyBrown

    Ich fand den Artikel anfangs auch merkwürdig.
    Ein Mediziner sollte bei seinem Fach bleiben und Ökonomie, Kostenrechnung, Volkswirtschaftliche Analyse usw den gelernten Ökonomen, Volkswirten etc überlassen.
    Aber nachdem ich alles gelesen und nachgedacht habe, habe ich den
    Eindruck, der Prof. Baumgartner will nur darlegen wie es wäre,
    wenn in der Medizin rein ökonomisch gehandelt werden müsste.
    Angeblich ist das in England und USA so. Zitat aus dem Artikel:
    „gibt es Staaten, die solche ökonomischen Regeln über Medizin und Ethik stellen, z. B. Großbritannien. Im angloamerikanischen Raum steht das Wohl der Population über dem Wohl des Einzelnen. Im Gegensatz zu unseren Wertvorstellungen, die einen Zugang zu individuellem Glück, Freiheit und Selbstverwirklichung sieht. Das Individuum steht in Österreich über der Population.“
    Am Schluss kommt der Professor Baumgartner zu seinem persönlichen
    Fazit: Zitat
    „. Spitzenmedizin darf sich zur Kostenwahrheit bekennen. Entscheidungen, welche Gelder für welche Leistungen auch tatsächlich verwendet werden, bleiben schlussendlich aber immer gesellschaftliche und politische Entscheidungen. Es zeigt sich, dass unsere Entscheidungen nach wie vor medizinisch und ethisch geprägt sind. Dies muss aber nicht immer ökonomischen Überlegungen zuwiderlaufen.“
    Soweit ich verstanden habe, möchte der Professor Baumgartner
    nicht, das in der Medizin rein ökonomisches Denken einzieht.
    Eine Diskriminierung der Gehörlosen und Gebärdensprache sehe ich
    in dem Artikel nicht.

  7. Ich finde die Stellungnahme des ÖGLB auch irgendwie unpassend zum Orginaltext von Dr. Baumgartner.
    Ich war erst einmal geschockt, dass er es überhaupt wagt auf Grund von finanziellen Überlegungen über die Zukunft und das Leben von Menschen zu entscheiden. Aber ich stimme CharlyBrown zu, dass es mehr ein „was wäre wenn“ darstellt.

  8. Dominik, danke für die Blumen! Mein persönlicher Eindruck ist, dass Gebärdensprache gerade dabei ist, deutlich populärer zu werden und generell ein sehr gutes Image hat. Aber es muss sich halt zeigen, inwiefern diese „generelle Symphatie“ ernsthafte Folgen in der Gesellschaft hat. Ich bin gespannt.

    Jolanda, bin auch kein Experte für bilinguale Erziehung. Ich meinte vor allen Dingen, dass ich mal eine Studie gelesen hatte, die nahelegte, dass viele zweisprachig erzogene Kinder wirklich gute Sprachfähigkeiten erst später als einsprachig erzogene entwickeln. Details weiß ich leider nicht mehr, müsste ich nochmal suchen. Aber mir schien, dass wenn das stimmt, dass dann Studienergebnisse wie „diese Kinder können in frühen Jahren weniger als Altersgenossen“ nicht überraschen. Dass man dann aber eben etwas länger durchhalten müsste mit der Förderung bzw. Gelegenheit-zum-Sprachenutzen-Geben und später nochmal messen.
    Ich finde auch, es müsste viel stärker nachgeforscht und publik gemacht werden was genau die Gründe dafür waren, warum es mit Kindern wie denen, von denen Du Du berichtest, so gekommen ist wie es gekommen ist. Nur dann kann man ja sinnvolle Strategien entwickeln.

    Lars, Charly Brown und Eule, ich denke, an den konkreten Rechnungen kann man alles mögliche kritisieren. Mit der ökonomischen Denke in der Medizin und dem Preisschildchen an alles Dranmachen ist es so eine Sache. Das mal durchzukalkulieren, finde ich eigentlich gut, die Frage ist nur was für Folgerungen man daraus zieht. Man kann sich ja auch gerade auf dieser Grundlage dafür entscheiden, andere Kriterien und Werte zu bevorzugen (zB. „Hören ist so wichtig, jeder sollte die Chance haben“). Andererseits, der Kostendruck steigt ja mit der Alterung der Gesellschaft. Ich glaube, wir werden bald mehr von diesem Thema hören. Zuzahlungen für CI-OPs werden sicher irgendwann kommen.

  9. Doch doch, man darf schon mal rechnen, warum nicht? Ist ja interessant, wieviel an Geldmenge die Implantationen in Österreich „bewegt haben“ (auch der Dr. Baumgartner schreibt gut).

    Ist denn jetzt die ganze Implantiererei komplett unterm Summenstrich ein Minusgeschäft? Also, wenn man die „Erfolgsfälle“ und die „Misserfolgsfälle“ aufrechnet, kommt dann Minus oder Plus raus? Ich sehe die Rechnerei eher als Bestätigung für Frühimplantation und natürlich als fette Bestätigung des CI für Ertaubte. Gut!

    Der Artikel des Dr. Baumgartner ist bewertungsneutral, wirft aber interessante Fragestellungen auf. Das Ergebnis einer medizinischen Massnahme zeigt sich ja immer erst in der Zukunft, d.h. man kann auch mit statistischen Belegen nie ganz vorhersagen, welchen Profit die Massnahme für den Patienten tatsächlich langfristig in der Zukunft ergeben wird. Das allein schon begründet die Implantation bei Kindern als „Ausgangsituation“, aus der man was machen kann. Wer kann denn da im Einzelfall wirklich 100% vorhersagen: „Das nützt nix“?

    Großer Aufreger ist ja immer die ethische Frage, welcher Mensch eine teure medizinische Leistung verdient (im wahrsten Sinne des Wortes). Dass es schon so rüde in England zugeht, wusste ich nicht. Das kann aber auch bei uns soweit kommen. Übel.

    Es gibt aber noch einen Faktor bei der Rechnerei, der eine immense Rolle spielt: Die Entwicklung einer medizinisch-technischen Leistung ist immer ein angestrebter Fortschritt, der erstmal „der Menschheit“ zur Verfügung steht. Die Audio-Technik und der operative Eingriff haben also schon für sich betrachtet als Weiterentwicklung ihre Daseinsberechtigung. Wie wir auch wissen, ist eine möglichst große Verbrauchsgruppe für die Rationalisierung und für die Kostensenkung vorteilhaft. Wenn man nun die Zielgruppe für Implantationen nach Leistungsprognosen wieder streng einschränken würde („Du kriegst keines“), würde sich der Einzelpreis doch wieder erheblich erhöhen, sagt mir das bischen marktwirtschaftliche Erfahrung, das ich habe.

    Noch was ganz blödes (bin Laie):
    Die Geldmengen, „die dafür bewegt werden“, sind zu einem erheblichen Teil Gehälter für Personal in Medizin, Verwaltung, Therapie, Technik und Produktion. Die Rohstoffe, die dabei verbraucht werden, sind geringfügig. Das Geld schafft also vor allem Arbeitsplätze und kehrt in den regionalen Wirtschaftskreislauf zurück. Von wo es in Form von Kassenbeiträgen teils wieder zurückfließt. Es fließt. Es verschwindet nicht. Und wenn ein involvierter Mediziner oder Fachmensch meint, die Kosten sind zu hoch, kann er ja vorschlagen, sein Gehalt zu senken, dann sinken auch die Kosten für Implantationen.

    Butzky (die auf ihre alten Tage noch zur Roten wird, wer hätte das gedacht?)

  10. „Das kann auch bei uns soweit kommen“
    Nun, in anderem Zusammenhang war sowas ja schon mal gesagt worden –
    Stichwort Philipp Mißfelder, der bei alten Leuten von – was war´s noch gleich, künstlichen Hüften? – absehen wollte….

  11. „Ist denn jetzt die ganze Implantiererei komplett unterm Summenstrich ein Minusgeschäft? “ — Tja, das ist eben die Kunst (wahlweise auch die Politik) des Rechnens: Die Kosten der Implantation, sogar der Folgekosten, sind ja noch relativ leicht zu bestimmen. Aber es kommt darauf an gegen was man das alles setzt. Und da wird’s dann sowohl kompliziert als auch strittig.

  12. Hallo NqlB, vielen Dank für den Beitrag und dafür, dass du dafür Zeit genommen hast! 🙂 Ich finde es nur schade, dass sich aus deinem Beitrag eine „ökonomische“ Diskussion entwickelt hat. Mein Beitrag zu dieser Diskussion:

    Mir hat der Beitrag von Baumgartner nicht gefallen. Sein Artikel ist nicht bewertungsneutral. Viele negative Bemerkungen über die Gebärdensprache und den Österreichischen Gehörlosenbund werden bestimmt übergesehen, wenn man nicht kulturell taub ist. Beim Abschnitt mit dem Titel „Erwachsene Cochlea ImplantatträgerInnen“ hat er den Österreichischen Gehörlosenbund abgewertet. Mit seinem Artikel versucht er auch, den Eltern tauber Kinder bei ihren Entscheidungen pro oder contra CI unter Druck zu setzen. Er überseht auch das Problem, dass fast keine Lehrkraft an fast allen österreichischen (wie auch deutschen) Schulen die Österreichische (bzw. Deutsche) Gebärdensprache beherrscht. Dadurch entstehen Verständnisprobleme in Schulklassen, was es zum pädagogischen Aufwand geführt hat. Darunter leidet auch die Bildung. Daher kostet die Taubenschule unnötigerweise 10mal mehr als Regalschule. Die Minderwertigkeit der Taubenschulen und der hohe sonderpädagogische Kosten sind völlig unnötig. Ökonomisch gesehen ist es meiner Meinung nach sinnvoll, allen tauben Kinder gebärdensprachlich zu fördern und ihnen gleiche Bildungsangeboten zu anbieten.

    Zurück zum Thema: Du hast ganze „Problematik“, wenn ich ganze Diskussion so nennen darf, nur kurzfristig betrachtet. Ich mache mehr Gedanken darüber, wohin das Ganze führt. Die Entwicklung des CIs befindet sich noch im Frühstadium. Heute kann ein CI-Patient taub oder schwerhörig bleiben. Heute und in 10 nächsten Jahren kann die Gebärdensprache noch von Menschen mit CI hochstpersönlich gefördert und an anderen Menschen weitergegeben werden.

    In 50 Jahren oder früher werden wir eine perfekte CI-Technologie erleben, die genauso gut wie der normale Gehör funktioniert. Alle zukünftige CI-Patienten wären dann nicht mehr „hörgeschädigt“. Vielleicht können sie in der Zukunft mit dem CI tauchen und schwimmen. Die Taubenkultur und Taubengemeinschaft in Deutschland und in anderen entwickelten Ländern würden mit dieser Entwicklung vor dem Niedergang stehen. Genetische Therapie ist auch nicht wegzudenken.

    In meinen Augen können Taubenkultur und Taubengemeinschaft in nächsten 100 Jahren weiterhin existieren, wenn nur spätertaubte Menschen das CI bekommen, nicht taube Kinder. Wenn die Taubheit von tauben Kindern gesellschaftlich akzeptiert und nicht bekämpft wird.

    Ich würde mich tatsächlich freuen, wenn ich auf eure Solidarität mit meiner Kultur und Sprache zählen kann.

  13. Solidarität von mir insofern, als ich mich neutral stelle.
    Ich würde mich auf jeden Fall auf die Seite der Gehörlosen stellen, wenn da versucht wird, Druck in Richtung pro CI auszuüben, Nachteile des CI und Operationsrisiken zu verschweigen etc.

    Auf der anderen Seite – jetzt mal reingedacht in die von Dir genannte zukünftige Situation, daß es tatsächlich ein CI oder was auch immer gibt, das das vollständige Gehör in vollem Umfang „ersetzt“. Gut, bengie, Du kennst das nicht und hast daher auch keine Bedürfnisse in der Richtung. Das ist verständlich. Ebenso verständlich ist mir als Hörender aber, wenn hörende Eltern mit gehörlosem Kind, denen eine solche Möglichkeit geboten würde, die Chance wahrnehmen möchten. Jegliche Verbote einer solchen OP lehne ich von daher genauso ab.

    Was ich als positiv empfinden würde, wäre, wenn den Leuten, die mit neugeborenen tauben Kindern vor der Wahl stünden, beide Möglichkeiten nahegebracht würden, ohne Animositäten gegenüber der anderen Seite. Und dann halt die Wahlfreiheit lassen und respektieren.
    Da könnte sicherlich noch einiges getan werden; ich denke doch mal, zur Zeit haben in der Zeit nach der Geburt eines solchen Kindes überwiegend die HNOs Zugang zu den Eltern, die noch nie mit Gehörlosen zu tun hatten. Und daß die natürlich recht CI-freundlich sind….gut, das ist nichts Neues.

    NOCH ist es ja auch nicht so weit, daß das CI-Hören genauso ist wie das natürliche Hören. Zur Zeit kann man sicherlich auch darüber argumentieren und das den OP-Risiken gut gegenüberstellen.

  14. @ Benedikt: Kann das sein, dass du dir da ein unrealistisches Szenario ausdenkst? Was in ein paar Jahrzehnten sein wird, wissen wir alle nicht. Du spekulierst herum und denkst dir für dich gern Pessimistisches aus, aber für das CI siehst du eine rosige Zukunft! Danke! Das freut mich als CI-Trägerin natürlich. Aber das ist doch nur Phantasie.

    Und wenn in der fernen Zukunft mal ein gehörlos geborener Mensch mit einem vielleicht supertoll entwickelten CI hören wird und das vielleicht als angenehm empfindet, wird der ganz sicher nicht der Gebärdensprache hinterher trauern. So ist der Mensch: Wir haben als Gesellschaft ja auch nicht zugunsten der Postreiter das Automobil verboten, bloss damit den Postreitern ihre Lebensweise erhalten bleibt.
    Alles verändert sich.

    Zum Glück darf jede Familie selbst entscheiden, ob ihr Kind ein CI bekommt. Schlimm wäre, wenn (hörende?) Eltern ihr Kind nicht operieren lassen dürften, um irgendeinen „drohenden Untergang“ abzuwenden, mit dem sie nichts zu tun haben. Mal ehrlich, wäre das denn in Ordnung? Wärst du mit so einer Regelung wirklich glücklich?

  15. Viel interessanter und anregender ist das hier:
    http://www.fingershop.ch/index.php/de

    Den Verlag gibt es noch nicht so lange und das Programm wächst. Von Untergang keine Spur. Merke: Interesse wecken ist besser als Jammern.
    😉

  16. Apropos Ablehnung von Zwang oder Verboten…..
    würde doch Dir (bengie) als Buddhist sicher auch nicht passen, wenn ich dahergehen würde und sagen: Es darf jetzt kein Kind mehr ungetauft bleiben und alle müssen christlich erzogen werden, sonst geht die christliche Kultur unter. (Und glaub mir: Ich hänge daran genauso wie Du an der Gehörlosenkultur.)

    Zwang darf nicht sein, egal worum es geht (und nebenher gesagt, darf auch niemand für sowas für minderwertig gehalten werden).

    Der letzte Ratschlag von Frau Butzky ist übrigens sehr treffend. 😉

  17. Ich erzähle dir, liebe Pia, nun mal von aktueller Situation in Dänemark. Seit einigen Jahren wurden so gut wie alle taubgeborene Menschen implantiert. Seit vielen Jahren wurde kein taubes Kind bei allen Taubenschulen in Dänemark eingeschult. Fast alle Schulen müssen schließen. Diese Kinder werden die Gebärdensprache auch nicht erlernen. Wenn es bei einigen (oder vielen) schief läuft, haben diese misslungene Kinder so gut wie keine Chance, anderen Kinder mit gleichen Erfahrungen kennenzulernen. Die Dänische Gebärdensprache wurde heute nur an sehr wenigen tauben Kinder weitergegeben. Diese Kinder (tauber Eltern) gehen heute auch noch zur Schule in Schweden, wo in Schwedischer Gebärdensprache gesprochen wird.

    Das ist kein unrealistisches Horrorszenario, sondern eine Realität von heute. Was in nächsten Jahrzehnten in Deutschland passiert, kann ich mir schon ausmalen. Deutsche Gebärdensprachgemeinschaft kann ähnliche Entwicklung wie in Dänemark erleben. Zum Beispiel lebt der Fingershop vom gesellschaftlichen und individuellen Interesse an die Gebärdensprache und würde in Dänemark heute oder in wenigen Jahren seinen Geist aufgeben.

    Zum „CI-Verbot“, liebe Regenbogen:

    Man kann mit einem Kind doch nicht alles machen, was man sich wünscht. Viele Kinderrechte und Menschenrechte müssen berücksichtigt und eingehalten werden. Dass heute ein taubes Kind (in Dänemark oder hier in Deutschland) nichts von der Gebärdensprache erfährt, ist mit neuen Richtlinien der UN-Menschenrechten nicht vereinbar. Mit der Taubenkultur und der Gebärdensprache haben taube Kinder sehr gute Möglichkeit, eine hohe Lebensqualität zu erreichen. Entscheidend ist nur die Intelligenz. Vom Grad der Hörkompetenz wären sie nicht abhängig. Daß ihnen der Zugang zur Gebärdensprache und zur Taubenkultur weggenommen wurde, ist eine Menschenrechtverletzung. Zu Menschenrechten der tauben Menschen gehört nun mal die Förderung ihrer sprachlichen Identität. Und noch aus der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen:

    Artikel 30
    Teilhabe am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport

    4. Menschen mit Behinderungen haben gleichberechtigt mit anderen Anspruch auf Anerkennung und Unterstützung ihrer spezifischen kulturellen und sprachlichen Identität, einschließlich der Gebärdensprachen und der Gehörlosenkultur.

    Ich wünsche mir aber, dass die Förderung der kulturellen und sprachlichen Identität der tauben Menschen von allen „Parteien“ unterstützt wird. Auch von spätertaubten Menschen. Kann ich auf eure Unterstützung zählen? 😉

    Und liebe Pia, was sagst du zum Niedergang der christlichen Kultur? Würdest du gleiches sagen: Alles verändert sich. Oder empfindest du mehr Empathie?

  18. Fragst Du wirklich Pia wg. der christlichen Kultur – oder hast Du Dich vertippt und meintest mich?
    Was ich dazu sage:
    In meinen Augen ist das natürlich sehr schade, denn das Christentum (und ich spreche jetzt nicht unbedingt von der Amtskirche, da liegt wirklich einiges im argen, gerade in der katholischen, der ich ja angehöre) habe ich als etwas erfahren, das mir in meinem Leben mehr Halt, Trost und Geborgenheit gegeben hat als sonst irgendwas auf der Welt (vielleicht ähnlich wie Dir die Gehörlosen-
    gemeinschaft).
    Ich würde es auch anderen gönnen wollen, diese Erfahrung zu machen, ja.

    Wenn es aber in unseren Breiten (in der sogenannten Dritten Welt hat das Christentum ja nicht die Nachwuchssorgen wie hier) so kommt, daß die Menschen sagen: Das brauche ich nicht, und das will ich nicht, – wenn es dazu kommt, daß hier die Atheisten einerseits und die Muslime andererseits die Mehrheiten bekommen, dann muß ich das hinnehmen. Was ich mir dann erwarten würde, wäre, daß die verbleibenden wenigen Christen weiterhin ihr Leben nach ihrem Glauben ausrichten können und dürfen, ohne dafür Repressalien ausgesetzt zu sein.
    Um evtl. gegenzusteuern, gilt der Satz von Frau Butzky: Nicht jammern, Interesse wecken. Und wenn das nicht klappt, – nun gut, dann muß ich das akzeptieren.
    Das hat mit fehlender Empathie gar nichts zu tun. Empathie heißt ja Einfühlungsvermögen und ich denke, so in etwa kann ich mir vorstellen, wie Du das mit der „Bedrohung für die Gebärdensprachkultur“ empfindest.

    Dann noch was:
    An Pia gerichtet hast Du von den Kindern gesprochen, bei denen das mit dem CI mißlungen ist.
    Ich sehe schon auch noch einen Unterschied zwischen Deinem Zukunftsszenario, daß es ein „Super-CI“ gibt, das das komplette Gehör wiederherstellt (und dann auch eine entsprechend niedrigere „Fehlerquote“ hat) und dem derzeitigen Zustand mit den entsprechenden Risiken und Fehlschlägen.
    Zudem denke ich, wird es ja immer dabei bleiben, daß CI-Träger, sobald sie das CI ablegen, gehörlos bleiben. Insofern schadet die Gebärdensprache in jedem Fall nicht; macht auch für CI-Träger Sinn, sie zu lernen (womit sie dann auch erhalten bliebe).

    Nein, ALLES, was man sich wünscht, kann man mit einem Kind nicht machen, schon richtig.
    Ich würde das CI aber nicht generell unter die zu verbietenden Dinge fassen.
    Das reine Verlassen aufs CI halte ich für extrem riskant.
    Eltern, die zweigleisig fahren wollen (DGS und CI), finde ich durchaus unterstützenswert, ebenso wie Eltern, die ihr Kind dann nur gebärdensprachlich aufziehen wollen.
    Es muß dann aber natürlich die Möglichkeit geben, gut in die DGS und die Gehörlosengemeinschaft reinzukommen, damit die Verständigung gut klappt.
    Wenn ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt vor der Frage CI oder nicht bei einem Kind stünde, wären die Chancen vermutlich recht hoch, daß es NICHT implantiert würde – eben wegen der Risiken.
    Würde mir aber die Möglichkeit fehlen, die künftige Sprache des Kindes zu lernen und es selbst da reinzubringen, bliebe mir ja gar nichts anderes übrig als Implantat und lautsprachliche Erziehung.
    Aber das sind meine persönlichen Ansichten. Ich bin nicht so ein ausgeprägter Missionar, daß ich der Auffassung bin, alle anderen müßten die teilen.
    Deshalb auch absolut gegen ein Verbot. Ich kann auch CI-Träger verstehen,
    die mit ihrem CI glücklich sind und ihren Kindern das auch ermöglichen
    wollen, wenn sie nicht hörend geboren werden.

  19. Benedikt, freut mich, dass Du dich nochmal meldest!

    Um es kurz zu machen: Ich denke wie Du, dass die taube Kultur bzw. Gebärdensprachkultur mit der medizintechnischen Entwicklung nicht so bleiben wird, wie sie ist. Und wenn Du fragst, ob Du, als jemand, dem die taube Kultur am Herzen liegt, meine Unterstützung/Solidarität/Anerkennung hast, dann sage ich dazu klar: Ja. Wenn Du meinst „andere Lebensweisen“ oder „die Entscheidung von Eltern, ihre Kinder kulturell taub zu erziehen“ zu respektieren, stimme ich Dir zu. Menschliche Vielfalt ist was Schönes und Erhaltenswertes, ich wollte nicht in einer Gesellschaft leben, die keine kennt.

    Oder schlägst Du mehr und anderes vor? Arbeitsteilung und Zuständigkeitsteilung, jeder soll sich um Seinesgleichen kümmern und die jeweils anderen den Andern überlassen? Dann kann ich nicht zustimmen. Denn das Problem ist doch, dass die gehörlos/taub geborenen Kinder zu keinem und keiner Kultur „gehören“. Sie haben noch keine „Identität“. Man kann die Kinder nicht quasi im Gipfeltreffen unter sich aufteilen.
    Schon allein deswegen, weil vielleicht das Einzige, auf das sich alle einigen können, doch ist, dass möglichst schnell etwas getan werden muss. Die Kinder müssen so schnell wie möglich sprachlich gefördert werden. Das heißt: Wenn CI, dann möglichst schnell. Wenn Gebärdensprache, dann möglichst schnell. Die Kinder einfach einer Seite zuzuschlagen heißt, ihre Chancen zu mindern. Ich denke, das *sollte* man nicht machen. Und ich denke, das *kann* man auch gar nicht machen, die vielen Eltern werden das selber entscheiden wollen.

    Also, was kann man tun, wenn einem die taube Kultur am Herzen liegt? Ich denke, man kann sie tatsächlich nur den Eltern „zur Entscheidung vorlegen“. Die Entscheidung aber, die massenhafte, muss man akzeptieren.
    Ich bin sehr dafür, dass auch hörende Eltern von gehörlos bzw. taub geborenen Kindern möglichst schnell Kontakt zu kulturell tauben Menschen bekommen und von diesen aufgezeigt kriegen, wie ein kulturell tauber Lebensweg ihrer Kinder aussehen könnte. Und auch Beratung erhalten, wie man so etwas gut in die Wege leiten kann. Falls Du das so meinst, kann ich Deinem Vorschlag zustimmen.
    Ich kann ebenfalls zustimmen wenn Du sagst: Es ist doch gegenwärtig wahrscheinlich, dass hörende Eltern sowieso vom CI erfahren und in dieser Hinsicht einigermaßen gut beraten werden; wir müssen also unsere Anstrengungen darauf konzentrieren, dass sie auch über den kulturell tauben Lebensweg aufgeklärt werden und z.B. solche Beratungsstellen etablieren und fördern.

    Was man dazu noch tun kann: Die Entscheidung für die Taubenkultur möglichst attraktiv machen. Durch Beratung und durch allgemeines, selbstverständliches und unverkrampftes in der Öffentlichkeit Stehen. Durch gegen Benachteiligung und für Barrierefreiheit und bessere Schulen/Bildung Kämpfen. Durch einfach die (den Tauben genauso wie allen anderen zustehenden) Positionen in der Gesellschaft Einnehmen.

    Ich glaube wirklich, man sollte *für* diese Dinge kämpfen und nicht *gegen* CI und Co. Wenn Du das meintest, dann hast Du meine Solidarität, Anerkennung und (soweit mir das möglich ist) meine Unterstützung.

  20. „Man kann die Kinder nicht quasi im Gipfeltreffen unter sich aufteilen.“
    (Zitat NQLB)

    Das Klügste, was ich zu der ganzen Thematik jemals gelesen habe. Wohl wahr.

  21. @ Benedikt: Etwas verspätet nun doch noch was zum vermeintlichen Untergang der Gebärdensprache durch das CI.

    Kam gestern zufällig an einem Büroladen namens „Gebärdenservice“ in Berlins City vorbei, in dem Gebärdensprachlehrgänge in unterschiedlichen Formen angeboten werden. Es ist eines von jetzt sogar mehreren Anbietern dieser Art allein in Berlin, sagt mir ein Gebärdendolmetscher, der selbst seit mehreren Jahren selbstständig und gut ausgebucht ist. Der Bedarf wächst, „die Branche boomt“, könnte man fast sagen. Die Gebärdensprache ist ja noch recht frisch auf dem offiziellen Bildungsmarkt, sie wird noch laufend mit Lehrmaterial und Kursangeboten ausgestattet. Das kann man als einen Beginn ansehen – ganz gewiss nicht als Ende.

    „Wenn der Wind weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“. Und die Mauerbauer jammern, weil nicht alles so bleibt, wie es ist.

    Das CI ermöglicht eine bewusste Entscheidung, eine echte Wahl, wo bisher nur ein „Das ist eben so“ galt. Wer sich jetzt (für sich selbst oder für sein Kind) für Gebärden entscheidet, tut dies aus gründlicher Überlegung und echter Überzeugung. Angesichts des CI ist die Gebärdensprache im besten Sinne herausgefordert, ihre Vorteile und Möglichkeiten zu zeigen. Und was soll daran schlecht sein?
    Bau deine Windmühle, Benedikt. 😉

  22. Wow. Fantastisch formuliert. Kompliment, Frau Butzky. 😉

  23. Ich glaube ja, Benedikt ist bereits engagiert am Bauen, beim Gebärdenservice 🙂

  24. Im Ernst? Benedikt arbeitet dort? Wusste ich wirklich nicht. Ist ja lustig. 😉 Na, warum muss ich dann erst die Werbung für den Laden machen und nicht er? Aber OK, das nenne ich auch eine richtig gute Windmühle.

    (@ Regenbogen: Der tolle Spruch ist nicht von mir, deshalb die Zitatklammern. Passt aber gut, oder?)

  25. Benedikt,
    Wenn CI-TrägerInnen und Eltern von CI-Kindern in der Gebärdensprach-
    gemeinschaft nicht angefeindet und raus gemobbt werden, besteht eine
    gute Chance, das die Gebärdensprachkultur in Zukunft erhalten bleibt.
    in einigen Städten sind schon junge CI-TrägerInnen in den Gehörlosen-Sportvereinen.
    Bei der Weihnachtsfeier der Gehörlosen-Vereine in meiner Stadt waren
    hörende Eltern mit ganz jungen CI-Kindern dabei.
    Ich habe gesehen, wie die verschiedenen Kinder (ohne CI , mit CI, mit HG)
    fröhlich miteinander spielten.
    Das ist leider in manchen Städten ganz anders:
    Da werden CI-TrägerInnen angepöbelt und gemobbt, wenn sie es wagen
    mit CI in ein Clubheim der Gehörlosen zu kommen.
    Und Eltern von tauben Kindern werden beschimpft und schlimm beleidigt,
    wenn sie ihrem Kind ein CI implantieren lassen.

  26. @Pia:
    Das Zitat ist nicht von Dir, aber doch das Posting, das Du daraus gemacht hast.
    Und passend gewählt ist das Zitat auch. 😉

  27. Also für alle die sich zum Thema Spracherwerb bei Gehörlosen interessieren, wäre folgender Vortrag empfehlenswert http://www.gebaerden-sprache.ch/index.php?vortrag_in_gebaerdensprache
    Liebe Grüsse

  28. @ Benedikt „Zum Beispiel lebt der Fingershop vom gesellschaftlichen und individuellen Interesse an die Gebärdensprache und würde in Dänemark heute oder in wenigen Jahren seinen Geist aufgeben.“
    Schön wäre es, wenn der Verlag so leben könnte, wie du geschrieben hast. Auch hier in der Schweiz weht der Gebärdensprache ein kühler Wind entgegen. Wenn wir es mal schaffen, dass ein Artikel in einer Zeitung kommt, so wird dort auch oft Quellen zitiert, welche gegen die Gebärdensprache sind http://www.fingershop.ch/presse/baslerstab15sept2011.pdf Dieser Artikel zeigt auf, dass immer noch sehr viele Menschen an der „Macht“ sind, die sich explizit gegen die Gebärdensprache äussern.
    Aber wir versuchen selber, wie mit obigen Vortrag, mit Marktständen etc, die Stellung der Gebärdensprache zu verbessern. Das ist harte Knochenarbeit.

  29. Das ist aber eine interessante Zusammenstellung. Vielen Dank für den Hinweis!

  30. Der Artikel aus dem Baslerstab ist wirklich eine sehr unglückliche Paarung des journalistischen Bedürfnisses, bei Konflikten beide Seiten zu Wort kommen zu lassen, mit dem falschen Aufhänger. Hätten Sie mal besser nur über Euer Buch berichtet. Oder das ganze Thema anders/größer aufgezogen. So wie sie’s gemacht haben, entsteht ein komischer Eindruck.

  31. Eine Woche später sind bei der Mutterzeitung dann hauptsächlich die Gegner zu Wort gekommen….. Eben, ich denke, dass nicht nur in Dänemark viel Opposition gibt. Aber es braucht nur wenige, die wirklich aktiv sind, um etwas zu bewegen. Interessant ist ja, dass die Laien, wie ich es auch noch vor ein paar Jahren war, alle glauben, die Gebärdensprache ist die natürliche Sprache der Gehörlosen und dann sehr erschrecken, wenn sie vom Gegenteil erfahren. Der Artikel im Baslerstab hat ein paar gute Diskussionen gebracht 🙂

  32. Das ist ja gut! Meinst Du im Bekanntenkreis oder auch medial?

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