Auf dem Weg zum perfekten Werkstatt-Termin: Wie sollte die Anpassung eines elektrischen Ohres ablaufen?

Wer sich für ein elektrisches Ohr entscheidet, entscheidet sich für die Abhängigkeit von Experten und ihren Systemen. Das ist in etwas so, als schnalle man sich ein Auto an die Beine und kriege es nicht mehr ab. Das Ohr muss im ersten Jahr oft nachjustiert werden und später etwa einmal im Jahr zur Inspektion. Ich finde, es ist eine gute Idee, an der Gestaltung dieser Systeme mitzuwirken.

Der Hör-Treff, eine Selbsthilfegruppe besonders für Eltern hörgeschädigter Kinder, hat eine Website aufgesetzt, mit einer „Wunschliste“ bzw. Umfrage, wie die Anpass- und Inspektionstermine am besten gestaltet werden sollen. Damit sie möglichst effektiv und angenehm sind. Bisher nämlich hapert es an allen Ecken und Enden — es gibt genügend schlecht eingestellte elektrische Ohren, nicht so netten Umgang mit den Cochlea-Implantat-Trägern, Ingenieure, die mehr mit ihrem Computer als mit den CI-Trägern reden und entsprechend viele genervte CI-Träger.

Bisher am häufigsten bemängelt wurde, so sagten mir die Initiatoren, dass einem bei Inspektion und Nachjustierung nicht automatisch eine Dokumentation der aktuellen Einstellungen und Änderungen mitgegeben wird. Wie beim Arzt also, der einem auch seltenst Einblick in seine Akten und Notizen über einen gewährt.  Dabei sollte das selbstverständlich sein. Es gibt gute Gründe dafür, CI-Träger als Nutzer oder Kunden zu behandeln und nicht als Patienten (–>Menschenbilder — Was macht die Technik aus den Schwerhörigen?)

Das Formular kann man hier erreichen. Im übrigens sehr empfehlenswerten Forum der Gruppe gibt es einen Info-Artikel.

6 Antworten zu “Auf dem Weg zum perfekten Werkstatt-Termin: Wie sollte die Anpassung eines elektrischen Ohres ablaufen?

  1. Mein Hauptkritikpunkt ist derzeit hauptsächlich, dass man immer zur Klinik muss und die Einstellungen nicht in Wohnortnähe durchführen kann. Ich wohne jetzt „nur“ 2,5 Stunden per Zug von meiner Klinik entfernt (gerechnet von hier aus dem Haus bis Haltestelle direkt vor der Klinik), aber trotzdem ist das schon ziemlich extrem, wenn man für einen 30 Minuten Termin 5 Stunden Fahrtzeit hat und damit auch einen ganzen Urlaubstag verbraucht. Ich bin noch vergleichsweise gut dran, da andere durch die halbe Bundesrepublik fahren müssen und pro Strecke somit schon mindestens 5-6 Stunden Fahrtzeit haben. Aber das scheint auch in den Kliniken bekannt zu sein, da ich gelesen habe, dass meine Klinik jetzt anfängt „Remote“-Zentren zu bilden, bei denen man in eine näher gelegenes Zentrum geht und dort die Einstellung übers Internet von der Klinik aus erfolgt. Das für mich nächstgelegene Zentrum ist derzeit aber noch nicht wirklich näher als die Klinik selber…

    Zum Thema „Einstellung aufschreiben“: Das wurde bei mir gemacht (wäre in meinen Augen aber unnötig gewesen), allerdings war es beim letzten Mal so, dass die aufgeschriebenen und verabredeten Programmeinstellungen nicht aufgespielt wurden und ich dieses erst zu Hause gemerkt habe. Bis zum nächsten, regulären Termin muss ich dann halt mit den „falschen“ Programmen rumlaufen.

  2. Werkstattermin *Lachflash krieg*…. meine Rollenspielgruppe wird sich halbtotlachen…und mein Liebster erst…

    Da hab ich Glück in der Hauptstadt das CI-Zenrum nach 10 min Busfahrt zu erreichen…
    Mich nervte es eher dass der Techniker bestimmen wollte was zu laut ist bzw. mir was aufdrücken wollte…

  3. Na ist doch so🙂. Alle 100.000 gefahrene gehörte Worte zur Inspektion.
    Aber im Ernst, wie will denn ein Techniker, der keine Ahnung hat, was bei Dir ankommt, bestimmen, was zu laut ist?!

    Lars, in der ersten Zeit mit den häufigen Terminen ist das weit fahren äußerst nervig, finde ich auch. Aber wenn’s dann nur noch selten ist, kann’s für mich auch ein rein entspannter Tag werden. (Nicht bei 6-7h Fahrtzeig natürlich…)

  4. Den Fragebogen habe ich ausgefüllt. Im Butzky-Style, also recht ausführlich. Kurz halten ist nicht so meine Stärke, aber wer seine Wünsche klar konkretisieren kann, ist auch gut einzuschätzen und zu „händeln“. Behaupte ich jetzt mal.😉

    Es wird nie eine harmonische Übereinkunft geben können zwischen Audiotechniker und CI-Mensch, denn das sind zwei völlig verschiedene Wahrnehmungswelten. Ideal wären daher natürlich CI-Techniker, die selbst auch mit CI hören müssten, um zu begreifen, was sie da konkret tun. Ich weiß bei jeder Anpassung, das der normalhörende Techniker nicht den blassesten Schimmer davon hat, wie es tatsächlich ist, das Zeug zu hören, was er einstellt. Und ich weiß auch, dass nur ein Weniges nötig wäre, um den Klang klarer oder runder oder lauter zu bekommen, aber bis ich das dem Technik-Fuzzi erklärt habe, ist schon wieder Ostern. Also fordere ich für die Zukunft eine eigene Software für CI-Träger, mit der man innerhalb bestimmter Sicherheitspegel selbst viel mehr feinjustieren kann, als das mit dem kümmerlichen Knöpfchendrücken zur Zeit möglich ist.

    Aber erstmal: Schöne Weihnachten in die Runde!

  5. Gibt es denn irgendwo auf der Welt einen CI-Technicker, der auch selbst CI-Träger ist?

  6. Kümmerliches Knöpfchendrücken, das ists gute Wortwahl. Ich wäre da auch dafür, das ist ja schon bei Hörgeräten so und bei CIs dann noch viel mehr!

    Ootch, gute Frage. Werde mal versuchen, dazu was in Erfahrung zu bringen.

    Euch auch: Frohe Feiertage!

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