Kubismus für die Ohren

„Ist das Kunst oder kann das weg?“ Ich mag diesen Spruch — und wegen mir kann das wirklich weg: Die Telefonkonferenz.

Heute hatte ich ein besonders schönes Exemplar vor mir. Als Kunstwerk, bei dem es nicht darum geht, zu verstehen, sondern nur irgendwelchen körperlosen Stimmen von dröhnend laut bis kaum wahrnehmbar, rhythmischen Rückkopplungen und abgefahrenen Halleffekten zu lauschen und sie in ihrer zeitlichen Abfolge auf sich wirken zu lassen, ginge es ja noch. Krass und unwirklich, diese Klänge! Klassische Moderne! Kubismus für die Ohren!

Aber als Gespräch, bei dem sich Menschen einander mitteilen wollen und das auch noch effizient? Bitte nicht.  Ist mir echt ein Rätsel wie Flotthörende das ohne zu mucken machen können. Bin zur Abwechslung mal froh, sagen zu können: „Leute, Ihr müsst Euch was anderes ausdenken. Das kann ich nicht, das funktioniert mit mir nicht.“ Ich finde, das kann weg.

13 Antworten zu “Kubismus für die Ohren

  1. Oh ja, das kann weg, vor allem, wenn dann noch alle internationalen Teilnehmer auf Englisch (mit verschiedenen Akzenten und Färbungen) sprechen, die Leitung ächzt und knackt und rauscht, und der hörbehinderte Teilnehmer dann auch noch Protokoll schreibt😉
    (ja, das ist zwar eine Kunst, aber, das kann wirklich weg – da bräuchten wir so eine Putzfrau, die das klar erkennt und ganz unbekümmert in den Eimer tut.)

  2. Hallo Herr Not quite like Beethoven🙂,
    auch ich finde es schlimm, bei Telefonkonferenzen oder auch Telefongesprächen nur mehr zu phantasieren, mich anzustrengen und letztendlich keine Chance zu haben, auch nur irgendetwas zu verstehen. So ging es mir heute auch schon, weil mein Resound Telefonclip zu wenig Energie hatte und meine Telefonpartnerin im Zug saß.
    Ich schließe mich dem an, dass „das“ nichts kann, weg kann und mit mir nicht funktioniert. Das befreit🙂.
    Liebe Grüße & einen schönen Tag
    Susanne

  3. Ich pflichte Ihnen voll und ganz bei! Zum Glück ist für mich das Zeitalter der Telefonkonferenzen vorbei. Aber früher musste ich jeden Tag welche leiten. Das ist eine äusserst merkwürdige kommunikative Situation: Stille. Man sollte einem der Teilnehmer das Wort geben… aber man kann keine Gesicher sehen und muss deshalb erraten, wer etwas zu sagen hat…

  4. Livia, oh ja, am besten noch Fremdsprachen mit wiederum anderssprachlichem Akzent. Lieb ich ganz besonders. Aber Protokoll? Zumindest wenn es so ist wie gestern ein Ding der Unmöglichkeit.

    Susanne, ansonsten hast Du gute Erfahrungen gemacht mit dem Resound Clip?

    frau frogg, ja, Stille in der Telefonkonferenz ist ziemlich gewöhnungsbedürftig. Man weiß halt einfach nicht, was die Leute sonst noch machen außer nichts sagen!😉

  5. Guten Abend🙂
    Ja ich bin mit dem Resound Clip sehr zufrieden. Aufgrund der 2,4 GHz Technologie und der damit verbundenen Stabilität ist er bedeutend zuverlässiger als z.B. der iCom von Phonak oder der uDirect von Unitron, die ich beide getestet habe. Wunder bewirkt auch der Resound-Telefonclip keine. So ist meine Stimme für andere beim Straßenlärm nicht zu hören.
    Liebe Grüße Susanne

  6. Klassische Telefonkonferenzen können weg.
    Ich plädiere für Skype+Webcam, zwecks absehen… hab ich zwar noch nicht probiert könnte aber funktionieren…

  7. Interessant, Susanne. Wer ich bei Gelegenheit mal ausprobieren.

    Eluchil, ja, Video ist hilfreich. Leider nicht immer durchsetzbar, und solange sich die Technik nicht auf breiter Front durchgesetzt hat (in den Unternehmen, meine ich)… Heute z.B. waren drei der Teilnehmer irgendwo im Zug auf dem Handy.

  8. Ich kenn mich ja mit Smart-, I-und sonstigen Phones nicht aus, kann man in die Teile nicht einfach auch ne Webcamfunktion einbauen? Die Bildschirme sind doch einigermaßen groß…

  9. Telefonkonferenzen kenne ich zum Glück nicht. Brauche ich nicht, kann echt weg. Ich skype auch nur mit jeweils 1 Person, das reicht. Sehr schön ist bei Skype, dass immer nur eine Person sprechen kann, sonst hört man sich nicht. Man kann nicht gleichzeitig sprechen. So müssen auch Flotthörende eine saubere Dialogform einhalten. Gute Sache, das.

  10. Eluchil, im Prinzip schon. Aber für Geschäftliches und Internationales ist es leider noch ein wenig komplizierter.

    Ich glaube, der springende Punkt ist: Nur Ton hat was. Sonst würden die Leute ja nicht Radio hören. Und man muss nicht so viel einrichten, dass es gut aussieht. Ist unkomplizierter. All das nimmt den, ich nenne es mal „Innovationsdruck“ weg.

    Pia, echt? Ist mir ja noch nie aufgefallen, dass das bei skype nicht geht! Gleich mal ausprobieren!

  11. Mal gerade was ganz anderes, weil Butzky nicht weiß, wohin damit, aber es ist eine verblüffende Sache, also hier:

    Im Januar spielte der Stargeiger Joshua Bell inkognito als Straßenmusiker in der U-Bahn-Station Washington DC einige Stücke von Bach, mitten im Berufsverkehr und in der vorbeilaufenden Menschenmenge. Er sammelte nur 32 Dollar und wurde nicht erkannt. (Der Eintrittspreis für seine Konzerte liegt bei ca.100 Dollar, er verkauft seine Konzertaufnahmen weltweit auf CD und DVD, allein schon seine Geige hat Millionenwert.)

    Die Aktion war Teil eines Experiments der Washington Post über Wahrnehmung, Empfinden, Geschmack: Unter welchen Bedingungen nehmen Menschen Schönheit wahr, erkennen sie Qualität? Bemerken sie das Talent in dem unerwarteten Zusammenhang? Die Antwort war: Nein. Es muss schon „Hohe Kunst“ außen dran stehen, sonst merkt es keiner. Wenn Alltagstress da ist, schaltet die Wahrnehmung auf Durchzug. Doll, oder? Auch die Guthörenden können nicht richtig hören.

    Schade ist nur, dass das ohrenlädierte Butzky so gar keine Chance hat, sowas auch mal zu testen. Selbst in einem teuren Konzert hört sich Geige wie kranke Katze an. Für mich ist quasi immer „U-Bahn“, egal wer da was spielt. Ich denke aber auch, dass sehr viele Personen einen guten Geiger grundsätzlich nicht erkennen würden. Es gibt eine recht kleine Elite, die sagt: „Der ist gut“, und dann hat er das Etikett, das die Mittelklasse braucht, um in die Konzerte zu gehen. Aber MERKEN würden sie nichts.

  12. Ach, ich lese gerade: War schon 2007, geistert aber jetzt gerade im Netz herum. Ist schon legendär und lange her … Na, es nützt doch, immer mal nach dem Datum zu schauen.

  13. Vielleicht sind ja auch nur Rockfans vorbeigelaufen🙂

    Im Ernst, das fällt mir auch immer wieder auf: Dass der Mensch im Alltag selbst Qualität erkennt ist eigentlich hochunwahrscheinlich. Der braucht immer HInweise, dies gucken, das hören. Und Zeit.

    Und Hören, Zuhören und, hm, ich nenne es mal: gekonnt Hören sind ja drei völlig verschiedene Sachen. Nur flotthören bringt da genausowenig wie schwer hören bedeutet, das man nicht zuhören könne.

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