Hypnose für Schwerhörige

Wie ist das eigentlich, schwerhörig zu sein? Ab heute sage ich: Es ist wie auf der Brücke stehen und auf den Fluss hinunterstarren, wie sich die Wassermassen dahinwälzen, dabei hier und da wirbeln — irgendwo sind da Felsen im Wasser! Ganz dunkel, fast schwarz sieht das Wasser aus, wie es unter mir dahinfließt, fließt und fließt und den Blick gefangen hält.

Und ab und zu taucht irgendwas auf an der Oberfläche. Es wird mitgerissen und verschwindet gleich wieder. Zu kurz um es wirklich zu erkennen.

Das war es dann. Manchmal fällt mir erst ein paar Sekunden später auf, was es eigentlich war, das ich gesehen habe.

So ist das, schwerhörig zu sein. Oft jedenfalls. Zum Beispiel bei diesen Telefonkonferenzen, von denen man manche wirklich nur noch unter Kunst verbuchen kann.

11 Antworten zu “Hypnose für Schwerhörige

  1. Hm … das Bild ist mir eine Spur zu passiv. Irgendwo habe ich mal aufgeschnappt, dass schwerhörig sein wie ein falsch eingestellter Radiosender ist. Lauter drehen hilft nicht viel. Und das ganze Leben ist ein Quiz … und wir raten, raten, raten!😉

  2. >passiv

    Da zeigt sich die Herkunft dieses Einfalls aus der Telefonkonferenz.
    Aber mal im Ernst. Warum soll man ständig aktiv sein und seine Zeit und Energie mit ratenratenraten verschwenden, wenn man sich auch zurücklehnen und vom Fließen berieseln lassen kann?😉

  3. Klar, immer schön Kräfte einteilen.😉

  4. Bei diesem Titel habe ich zuerst an einige meiner Entspannungs-CDs gedacht, die ich vor einigen Jahren mal gekauft habe. Wenn man allerdings nicht alles versteht, wird es schwierig, sich damit zu entspannen. Trotz Induktionsschlinge usw.
    Interessant ist das Bild mit den Wassermassen und den Felsen schon, wenn auch für mich etwas düster. Mir hat mal ein Kalender von meinem Akustiker gut gefallen. Das waren künstlerisch gestaltete/verfremdete Motive ( hmh Fotos (?)), auf denen einige Flächen bunter hervortraten im vergleich zu dem blasseren Rest.

    Ich versuchs mal poetisch: Meine Schwerhörigkeit ist wie Watte, die den harten und schrillen Tönen des Alltags ihre Ecken und Kanten nimmt (ähnlich wie die Kurzsichtigkeit). Allerdings dämpft die Watte auch die Feinheiten in der Sprache meines Gegenübers – Laute, Silben, Betonung. Das schwere Hören kann ein weiches, sanftes Polster sein, auf dem ich mich ausruhen kann, aber auch eine Watte-Wand, gegen die ich mich manchmal mit Gewalt stemme.

    hmh, neh, klingt seltsam.

  5. Ich finde nicht, dass das seltsam klingt. Kann das sehr gut nachvollziehen mit der Watte, den fehlenden Ecken und Kanten. Das macht auch den Kopf freier, wenn er nicht so mit soviel scharfkantigen Sounds (wie zB auch Sprache) belästigt wird, und stattdessen nur mit ein bißchen Flausch. Na gut, Flausch klingt vielleicht zu angenehm.

  6. Es darf ja ruhig auch mal angenehm und flauschig klingen🙂 Schön, watteweicher Flausch, mitten im Plausch…
    Im Ernst, eine Heilpraktikerin hat mich mal darauf gebracht, dass Schwerhörigkeit eine Art Schutz sein kann. Das Gehör ist ein Sinnesorgan, das sich normalerweise nicht reflexartig vor Klängen schützen kann.

  7. Ja, so bei Bedarf zuschaltbare Schwerhörigkeit wäre schon was praktisches.
    Aber im Ernst, ich meine, sowas gibt es doch: Wenn ich mich recht erinnere, ist bei andauernder Lautheit ein Bereich im MIttelohr, wo der Schall weitergeleitet wird, gewissermaßen vorgespannt, so dass gedämpfter weitergeleitet wird.

  8. Meinst du mit dem Auftauchen und mitgerissen, Wörter die du irgendwie hörst aber nicht verstehst, dir aber erst im nachhinein einfällt was/und wie es zum Gesagten gepasst hätten?
    Meine Schwerhörigkeit hab ich mal so beschrieben, dass ich in einem Sinfonie Orchster-Konzert sitze und sich nach und nach einzelne Musiker verabschieden,. Beim fehlenden Triangel Mann fehlt ja vielleicht noch nix. Aber wenn Geiger, Flötist, Triangler und Harfe sich verabschieden, dann ist das Ganze nicht mehr rund, da nützt das lauter stellen nix.
    hach… zum Anfang meiner Ausbildung versuchte ich noch den Spagat zwischen, „so tun als ob“ bis zum totalen Abschalten. Heute ist es für mich die Kunst aushalten zu können. heisst bei mir konkret: Vertrauen darauf, dass alles was ich (wirklich!) wissen muss, zu mir gelangt. Mittlerweile gelingt mir das ganz gut, und ich strenge mich schon gar nicht mehr an mit den Ohren,:-) aber halt mit den Augen. Ich hab allerdings das Glück, dass ich die Menschen vor mir habe und die Dinge beobachten kann, und keine Telefonkonferenzen führen muss. Das stell ich mir so vor, als wär ich auf der Strasse neben Asphaltbohrer und Strassenmusiker…..

  9. Entschuldigung, ich hatte ein volles Wochenende und kam nicht zum Antworten!
    Ich meine dass ich im Fluss (in dem ich vor lauter Fließen nicht mal wirklich was erkenne, wie Schlieren) ab und zu etwas sehe. Ganz kurz. Manchmal erkenne/verstehe ich es sofort (z.B. „dieser Opdenhövel“), manchmal fällt mir erst Sekundenbruchteile oder Sekunden danach ein, was es war (ich denke: „Ach, Opdenhövel hat er gesagt“).
    Das Bild des Orchesters gefällt mir auch. Kann man sich auch schön, wenn auch bedrückend, vorstellen, wie so nach und nach ein Musiker nach dem anderen aufsteht und verschwindet….

  10. nqlb, „Opdenhövel“? muss man das verstehen? Exgüsee bin aus der Schweiz..🙂
    Genau, ein Musiker nach dem anderen steht auf und geht einfach. So wie es meine Töne taten, die gingen einfach und liessen das Stück unvollrundet, mit Löchern und Tälern.

  11. Nein, das muss man nicht verstehen, kam mir nur so in denk Kopf…

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