Stille Kämpfer

Solchen Menschen fühle ich mich verbunden. Die gehen einfach und ruhig ihren Weg — und kommen dann auch wo an: Benjamin Piwko hört fast nichts und ist doch ein erfolgreicher Kampfsportler und Kampfsportlehrer geworden.
Vielleicht spricht das Video deswegen so zu mir, weil ich mich auch schon lange mit dem Kämpfen beschäftige und damit, wie man es lehrt.

Wenn Ihr mal geschockt sein wollt, dann schaut Euch den Sprechunterricht für schwerhörige bzw. taube Kinder bei ca 5’12“ an.

Übrigens: Warum Boxen für Schwerhörige absolut zu empfehlen ist.

26 Antworten zu “Stille Kämpfer

  1. Hi NqlB,
    schon interessant wie unterschiedlich man auf so einen Beitrag reagiert. Mich hat er eher traurig gemacht. Gut natürlich, dass B. nicht in den Rückzug gegangen ist, sondern sich fürs Kämpfen entschieden hat. Erfolgreich.
    Aber im ganzen Beitrag sind man keinen lächeln, alles kommt mir immer noch wie Kampf vor. 24 Stunden Lippenabsehen – immer nur Hörende um sich herum, die netteren „helfen“ – sind also eher nicht auf Augenhöhe und nehmen jemand anderen einfach mal so wie er ist. Warum kommunizieren Mutter, Fotografin, Freunde nicht mit ihm in LBG? Warum muß immer er sich anstrengen für sein Umfeld? Genau, das ist es, was ich bei diesem Beitrag empfinde : Leben ist Kampf, ist Anstrengung.
    Es werden keine Momente des leichtigkeit gezeigt, kein Spaß, keine ungezwungene Kommunikation, die über Gebärdensprachen möglich ist.
    Oder einfach mal Spaß am Leben ohne Reden? Gibts ja grad im Sport auch genug…
    Und irgendwie hinterläßt das bei mir so ein schales Gefühl, wenn ich mir vorstelle, wie die ZDF-Schauer jetzt denken: ach, ja, taub zu sein, ist schon echt schlimm. Man wird gehänselt, darf nicht mitspielen, kann sich nur schwer verständigen und muß kämpfen im Leben. Arme Leute!
    Das ist so unvollständig und wird dem Leben als Schwerhöriger auch nicht gerecht. Weißt Du, was ich meine?
    LG Minali

  2. @Minali: Bei der Szene mit der Fotografin verwenden die beiden aber Gebärden, also LBG?

    Auf mich macht Benjamin insgesamt einen sehr selbstbewussten Eindruck, was ich toll finde. Da er so selbstbewusst ist, empfinde ich als auch seine Kommunikation als ungezwungen. Auch habe ich Situationen mit Lächeln und Leichtigkeit gesehen. Aber vielleicht auch nur weil ich vorher Deinen Kommentar gelesen habe und beim Schauen des Videos bewusst darauf geachtet habe. Denn grundsätzlich verstehe ich, was Dich an dem Beitrag stört, es ist schon alles recht „trüb“ und „dumpf“ gehalten…

    Ich persönlich frage mich als selbst Betroffene (von Geburt an hochgradig schwerhörig) auch oft, wie die Sozialisation von Gehörlosen/Schwerhörigen optimal verläuft. Wird man in einem Umfeld mit „Gleichen“ automatisch selbstbewusster, entspannter und ausgelassener? Hinterlässt der andere Weg, nämlich die Integration eines einzelnen „Anderen“ in die Welt der „Normalen“, an der Charakterbildung deutliche Spuren? Bin ich ein generell zurückhaltender und unsicherer Mensch, weil mich das Aufwachsen als Behinderter in einer Welt der Normalen zu einem solchen gemacht hat, oder entspricht es meinem tatsächlichen Wesen? Sicher spielen dabei viele Faktoren eine Rolle und es muss nicht sinnvoll sein, dies auseinander zu dividieren. Trotzdem tauchen solche Gedanken hin und wieder auf..

  3. @Minali Also traurig wirkt der Beitrag auf mich nicht. Ich finde, dass Benjamins Weg und damit die Herausforderungen vieler Hörbehinderter recht realistisch dargestellt wird.
    Er ist weder tauber Zombie unter Hörenden noch ein Ghetto-Hörgeschädigter, sondern geht seinen Weg – mit der nötigen Portion Kampfgeist.
    Mir geht es da wie NQLB – das spricht mir aus der Seele, auch wenn ich mit Kampfsport nicht viel anfangen kann.

  4. @geojens
    ich glaube „Leben als Kampf“ empfinde ich einfach als keine besonders glückbringende Grundeinstellung. Das fokussiert so auf die Schwierigkeiten, die überwunden werden müssen. Ist ja immer eine Frage der Wahrnehmung bei jedem Menschen auf was man schaut – auf das was nicht läuft oder auf das was gut läuft. So gesehen habe ich wohl in dem Beitrag mehr darauf geachtet, was mir traurig und trübe vorkam (-;
    Deswegen fand ich es ja auch so interessant, das für NqlB und für Dich der Film so ganz anders wirkt.
    @teddybaer
    Ja, diese Gedanken sind mir auch nicht fremd. Was wäre aus mir geworden wenn ich unter anderen Bedingungen aufgewachsen wäre, was ist mein ureigenster Charakter, wer bin ich und was hat die Umwelt aus mir gemacht? Durch diesen Gedankenprozess geht wohl jeder mit dem individuellen Focus – bei uns villeicht mehr auf die Hörbehinderung bezogen, bei anderen mag es die Frage nach Talenten oder Interessen sein, die sich im Elternhaus entwickeln konnten oder nicht, Charaktereigenschaften die gefördert wurden oder unterdrückt wurden…
    Aber Du hast schon Recht: das kann man gar nicht auseinanderbröseln, dazu gbt es viiiel zuviele Einflüsse, zuviele Faktoren zu berücksichtigen – das geht gar nicht, So bleibt’s ein Gedankenspiel für einen netten Abend in der Badewanne (-;

  5. Minali, ich weiß was Du meinst und insbesondere wenn ich den Beitrag noch einmal daraufhin durchgucke — Du hast recht, da wird schon ein recht ernsthaftes und fast durchweg sich anstrengendes Bild gezeichnet. Er sagt zwar am Ende was von Loslassen, aber das geht ein bißchen unter.

    Mal von dem Beitrag ab, „Leben als ständiger Kampf“, das wäre mir auch ein bißchen zu duster und mühselig. Aber ich finde eigentlich überhaupt nicht, dass ein Kämpfer ein Pessimist sein muss. Zumindest erlebe ich das nicht.

    teddybär, sowas habe ich mich eine Weile auch gefragt, mittlerweile schon seit längerem nicht mehr. Aber hier im Blog ist das anders. Hier hab ich mal über einen Aspekt davon geschrieben, was ich denke, was Schwerhörigkeit mit einem macht. Aber auch das ist, denke ich, Charakterfrage. Es gibt ja auch Leute die Ihre Unsicherheit mit Initiative und Lautstärke kompensieren. Ach ja, und: vielleicht wendete die Schwerhörigkeit ja auch was zum Guten?

  6. Pia Butzky

    Der Unterricht der Kinder ist ja absolut der Horror. Kein Wunder, wenn Gehörlose die Lautsprache nicht lernen möchten, wenn sie so feindselig daher kommt. Abgesehen davon, dass sie nie wirklich hören, was sie sprechen, wird es von der drastischen Lehrmethode noch mehr verleidet. Ist das jetzt Vergangenheit oder immer noch so?? Hoffe doch nicht.

    Der Beitrag ist für mich schwer zu verstehen, zu viele Hintergrundgeräusche und eine zu dösige Sprecherin – oder ein Mann?- aus dem OFF. Sie lernen es eben einfach nicht, wie man das richtig macht, die Medien.😉

  7. Pia Butzky

    Noch mal eben dies:
    Es kommt mir so vor, als wenn „Schwerhörigkeit“ und „Kampf“ von den Machern des Beitrags stark kontrastiert wurde, denn man kann den Typen es auch ganz anders vorstellen. Er hat sich einfach als Sportler für diese Sache entschieden, weil er sie gern macht. Punkt.

    Ein schwerhöriges Kind kann sich ja auch in Literatur oder Fotografie „retten“ oder in Informatik oder Teilchenphysik oder Zahntechnik. (Ist aber langweiliger zu filmen.) Also irgendwas wird ein schwerhöriger Mensch schon für sich wählen, einfach so, weil es ihm/ihr schlichtweg Spaß macht und nicht wegen irgendwelcher Kinder auf dem Spielplatz.

    Denn: Einen guthörender Kampfsportler ohne Spielplatztraumata, wie erklärt man den? (Oder haben die alle einen Hau, echt jetzt?) Also mir kommt das immer zu simpel verpackt vor und zu sehr von außen erklärt. Es ist ganz gut, wenn mal auf den täglichen Sch… mit dem schlechten Hören hingewiesen wird, aber aus einem guten Sportler eine arme Socke zu machen – hat der das noch nötig?

    Aber ich habe echt nicht viel verstanden. Die mauscheln Klaviergeklimper in zu luschige Off-Sprache rein und lassen in O-Ton-Aufnahmen Hallengeräusche reinkrachen und was nicht noch alles an unnützem Zeug. Himmel! Tontechniker, Redakteure, macht doch mal ein Praktikum bei Hörbehinderten und lernt es endlich.

  8. @NqlB
    Denke ich, Kämpfer sind Pessimisten? Diese Frage hat mich jetzt eine ganze Zeit beschäftigt. Und – ja, ich verbinde Kampf tatasächlich mit „kämpfen gegen“. Und das bedeutet ja, man denkt da ist etwas, gegen das man sich wehren muß. Aber nach einem Tag Nachdenken kann ich auch den Gedanken zulassen, dass man ja auch „für etwas“ kämpfen kann. Viele schlaue, vorbildliche Leute haben es ja auch gemacht – den Kampf aufgenommen GEGEN ungerechte Verhältnisse, aber FÜR eine gute Sache. Stimmt, da ist beides drin.
    Und es ist schön zu merken, wenn das eigene, eingeschränkte Denken sich wieder etwas gelockert hat…ein Hoch den unterschiedlichen Perspektiven!

    @ Pia Butzky
    Stimmt ein „guthörender Kampfsportler ohne Spielplatztraumata,“ (schöne Formulierung ((-; haha!!) wäre wahrscheinlich zu langweilig für die Medien – das würde keiner gucken….

  9. Pia, die Tonspur ist schlecht, das stimmt. Aber Du hast auch die Untertitel gesehen, oder? Ansonsten, ja, ich denke auch, darauf kommt es an: Einfach irgendetwas finden/wählen, was man gern macht und das weitertreiben, darin gut werden. Große Quelle von Ruhe und Zufriedenheit.
    Und: Praktikum für Tonleute bei Hörbehinderten. Sehr gut, hihihi… Und gar nicht so dumm, eigentlich.

    Minali, freut mich, dass Du dich so freust.🙂 Das wird jetzt bißchen philosophisch, aber: Für mich ist ein Kämpfer nicht jemand, der ständig nur kämpft, sondern einer, der weiß, was Kampf bedeutet, weil er das erlebt hat oder sogar kann — und mit diesem Wissen durch die Welt geht. Nicht einmal suchen muss er den Kampf. Außer er entscheidet sich relativ bewußt dafür, für etwas zu kämpfen. Die zugehörige Lebens- oder Gemütseinstellung ist für mich etwas, für das ich das englische Wort „serenity“ passend finde. Heiterkeit, Gemütsruhe, aber auch Klarheit.

  10. Verstehe!

  11. Hab den Film hier mit Untertitel gesehen. Mir ging es teilweise ähnlich wie Minali: fand den Unterton „immer kämpfen, nicht aufgeben“ zu stark. Der Schock, von dem die Mutter erzählte, und die Schilderungen vom Spielplatz. Und dann noch die Bilder vom Sprechunterricht dazu. Und sehr wenige Bilder später vom Zusammensein mit Freunden (evtl. ebenfalls gehörlose/schwerhörige Freunde)
    Habe widersprüchliche Gefühle beim Schauen.
    Einerseits Bewunderung, weil ich genau sehe, da hat jemand gekämpft und schließlich genau sein Ding gefunden und zum Beruf gemacht. Trotz aller Widrigkeiten seinen Weg gehen, das ist eine tolle Geschichte.
    Andererseits ist es ein bisschen eine Story, die den behinderten Menschen auf einen Präsentierteller hebt: Seht her, der da ist taub und kann aber dies und jenes und ganz tolle Sachen. Das ist die Perspektive der Nicht-Behinderten im Vordergrund. Dennoch: Die interviewten Schüler haben jedenfalls deutlich gemacht, dass sie sich schnell auf ihren Lehrer eingestellt haben, und dass das Besondere, die Gehörlosigkeit des Lehrers, irgendwann in den Hintergrund rückt. Das fand ich gut.
    Nun ja, wie man auf einen Film reagiert, hat ja viel mit einem selbst zu tun.

  12. Ich finde es auch sehr sehr spannend und bereichernd, hier über soviele Lesarten oder besser Seharten zu lesen! Und stimmt, die Schüler sind einige der besten, in dem ganzen Stück, weil sie eigentlich die Voraussetzung des Films aufheben („da ist wer, der kann nicht hören und das ist voll krass“).

  13. Ich teile aehnliche Eindruecke wie Minali. Der Beitrag versucht eine gewisse Lebensrichtung als das Beste (oder unterschwellig als das Richtige) fuer eine taube Person zu praesentieren. Frueher heisst es und es wurde uns auch mancherorts eingepflanzt, wir sollten erst das Schicksal meistern, die Taubheit ueberwinden, bevor wir eine Anerkennung von den Hoerenden bekommen.

    Da er Meister in einer Kampfsport ist, wird sein Beruf benutzt als Metapher fuer eine Lebensrichtung und „Kampf“ als Leitthema fuer das Leben einer tauben Person, oder dass ohne zusaetzlichen Kampf (zusaetzlich wegen Taubheit) eine taube Person nicht erfolgreich sein wuerde. Der Erfolg solle nur gelingen, wenn sie sprechen und lippenlesen kann. Dadurch liefert der ZDF Beitrag eine gefaehrliche Taeuschung und foerdert den Audismus.

    Ich sehe mein Leben als taube Person anders als dargestellt im ZDF Beitrag von Benjamin Piwko. Ich sehe mein Leben nicht als Kampf, um mich in der hoerenden Welt zu behaupten, obwohl ich viel kaempfe fuer Barrierefreiheit, gesellschaftliche Akzeptanz von Taubsein und Gebaerdensprache und gegen den Oralismus (die Philosophie von der Dominanz des lautsprachlichen Monolingualismus).

    Der Beitrag repraesentiert Piwko als Opfer seiner audistischen Umwelt. Er scheint drin gefangen zu sein. Mir sind viele solche Individuen begegnet. Manche sind sehr bedauerlich. Manch andere konnten sich davon befreien, wie z.B. die Schauspielerin Marlee Matlin. Sie hat frueher oeffentlich nur sprechend aufgetreten (siehe ihre Dankrede fuer den Oscar-Preis im YouTube), wie ich auch damals tat. Jetzt nicht mehr. Sie benutzt ASL und einen Dolmetscher in allen oeffentlichen Auftreten. Ihr konnt viele Videos von ihr im YouTube sehen.

    In Kontrast zu Piwko ist Tobias Kramer, dem Breakdancer. Seine Interviews kann auch im YouTube gesehen werden. Er praesentiert sich als eine froehliche und selbstbewusste Persoenlichkeit. Von „Kampf“ ist dort nicht zu sehen, obwohl er kaempft.

    Interessant ausserdem ist der Gebrauch des Wortes „still“ in „stiller Kaempfer“. In einigen Laendern wird das Wort im 20.Jahrhundert haeufig als Ersatz zu ‚taub‘ verwendet (Silent World, sports silencieux, silent press, silent club of the deaf, silent messenger, silent boedskaper usw.).

    Hartmut

  14. Wie gesagt, ich teile die Ansicht, dass der Beitrag ziemlich ernst gehalten ist. (Ob das die Person BP angemessen widerspiegelt, vermag ich nicht zu beurteilen, aber das ist ja auch nicht die Frage.)
    Allerdings sehe ich ihn ziemlich deutlich als persönliches Portrait. D.h. ich sehe ihn nicht als Handlungsanweisung an andere, sondern finde, er läßt ziemlich deutlich die Möglichkeit, das was man sieht so zu beurteilen wie es hier in der Diskussion ja auch gemacht wird, nämlich mit „für mich nicht.“
    Und es ist halt ein Stück über einen Kampfsportlehrer und nicht über einen Breakdancer. Klar, dass im einen Fall Kampf eine größere Rolle spielt.

    Ich begrüße es, dass beide zu häufiger in den Medien vorkommenden schwerhörigen/gehörlosen/tauben Menschen gehören. Das zeigt deren Vielfalt.

  15. Ja, es ist ein Portraet. Piwko koenne falsch portraetiert worden sein, who knows. Was ich oben sagte, er wurde absichtlich so portaetiert, um eine bestimmte Gedankenrichtung zu bestaetigen oder eine gesellschaftliche Haltung zu verfestigen. Wenn so, er ist dann missbraucht worden.

    Stimme mit NqlB ueberein. In der Media muss die Taubheit und das Taubsein oefter beschaeftigt werden, um eine groessere Akzeptanz von uns in der Gesellschaft zu bekommen und dass Taubheit weniger tragisch angesehen wird. Gleichberechtigung und groessere Barrierefreiheit werden folgen, wie ich in den USA und anderen Laendern beobachte.

    Die taube Elite, die eher von der Media erfasst werden, muessen sehr in Acht nehmen, sich nicht fuer den audistischen Spann missbrauchen zu lassen. Z.B. Maike Stern war leider Opfer der audistischen Behandlung einer Reporter, als sie fuer DIE ZEIT wegen CI interviewt wurde. (Ich moechte mit dieser Bemerkung nicht missverstanden werden. Ich habe null gegen die Faehigkeit des Sprechens und des Hoerens in meiner Theorie von Wertrelativismus des Hoerens und Sprechens).

    Hartmut

  16. Maike Stern in der Zeit? Kenne ich gar nicht, glaube ich. Hast Du da vielleicht einen Link?

  17. Ja, es gab heftige Diskussionen in den Taubenschlag-, gl-cafe- und HCIG-Foren ueber den Artikel in DIE ZEIT ueber Maike Stein. Hast du nicht darueber gehoert?

    DIE ZEIT vom 12.August (Nr. 34) in der Rubrik „Leben“ mit der Überschrift „Die Erhörte“ von Sabine Rückert mit stark audistischen Zeilen, wie

    „Später durchzieht sie [das Cochlea] die Seele ein. Die Musik, Liebe gehen durchs Ohr. Auch die Gedanken. Vernunft kommt von vernehmen [durchs Ohr].

    „Taubheit wird verschwinden“

  18. Jetzt wo Du’s sagst, kommt’s mir vor als hätte ich das schonmal gelesen, aber vergessen. Jedenfalls schaue ich’s mir bei Gelegenheit nochmal an, danke für den genauen Hinweis.

  19. Danke für die LInks, die kannte ich in der Tat noch nicht. Der Text zeigt sehr gut die vielleicht weitverbreiteteste Perspektive auf Taubheit. Aber leider wirklich kein ausgeglichener Text. Wäre gut gewesen wenn man dem was gegenübergestellt hätte.

  20. Hallo Hartmut,
    ich habe gerade den Zeit-Artikel gelesen (Danke hewritesilent für den link!)
    Diese Zeilen, die Du auch zitiert hast, sind wirklich schlimm – man hat schon keine Lust mehr weiterzulesen nach so einer Einleitung. Menschen Seele, Liebeserfahrung und Vernunft abzusprechen…wow…das ist eine Denkweise, die sich vielleicht noch bei unseren Großeltern in den ganz dunklen Zeiten gefunden hat, aber in der „Zeit“ von heute? Da muß man schon staunen, was sich in den Köpfen so hält und sogar den Lektoren durchgeht…ich bin entsetzt!
    Der Rest des Artikels ist einer, der so, wie schon nqlb richtig sagt,“ die vielleicht weitverbreiteteste Perspektive auf Taubheit“ zeigt. Hier hätte ich mir auch einen Bericht über einen glücklichen, sozial eingebundenen, mit Herz und Seele in der Welt agierenden – also einen von vielen normalen gehörlosen – Menschen gewünscht. Dann hätten die Leser Gelegenheit gehabt, ihren Blick zu erweitern und nicht nur Klischees bestätigt zu bekommen. Vertane Chance – sehr schade!
    Haben denn Gehörlosenverbände damals auf den Artikel reagiert? Gab es eine Leserbriefschwemme, einen Gegenartikel oder so?
    Gruß Minali

  21. Ich glaube, das beste Gegenmittel gegen solche Artikel ist nicht einmal der Protest von Organisationen (obwohl man die natürlich auch braucht), sondern das sich selber an die Öffentlichkeit begeben. Klar, da muss man sich was ausdenken, wie die Julia oder ich oder einfach etwas anderes machen und nebenbei ganz selbstverständlich schwerhörig/ertaubt/gehörlos sein. Nicht ganz einfach, aber wir arbeiten daran… Und mit den digitalen Mitteln geht es jedenfalls deutlich leichter als früher ohne.

  22. hewritesilent

    @Minali: „Haben denn Gehörlosenverbände damals auf den Artikel reagiert?“ Meines Wissens haben die Verbände damals bisher nichts reagiert.

  23. No, die Praesident von DGB hat einen derben Protestbrief an DIE ZEIT geschickt. Im Taubenschlag-Forum zu dem Thema wird darueber auch besprochen. Sie wurde kritisiert.

  24. Danke für die Info Euch beiden!

  25. hewritesilent

    Hartmut, laut Homepage von Gehörlosen-Bund konnte ich Protestbrief nicht finden. Auch Archiv nichts.

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