The Last Deaf

Whoa! Yeah! Jason Bourne in gehörlos. Ein Verschwörungs-Thriller, in dem es um Taube, Gebärdensprache und CIs geht. Das will ich mir ansehen!

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43 Antworten zu “The Last Deaf

  1. woo den sollte ich mir auch angucken! 🙂

  2. Allein die Anwesenheit von Jenny Elvers-Elbertshagen dürfte mich aus dem Kino vergraulen. Traurig, dass sich nur Trashproduzenten mit nem B-Movie sowas trauen. Ich möchte das mit Matt Damon und Scarlett Johannson sehen, Regie bitte Martin Scorsese 😉

  3. Wer ist denn diese Jenny Elvers-Elbertzhagen? Die Blonde?

  4. Wer ist Reiner Mertz? Anscheinend kennen den alle, nur ich nicht. Was ist das für ein Film, was ist der Hintergrund der Filmentstehung? Ich habe jetzt gegoogelt nach Reiner Mertz und Bruchstücke gefunden. Künstler, gehörlos, malt Kitsch im Überformat, tummelt sich in diversen Medien. Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

    Was der Film soll, verstehe ich immer noch nicht. Der Trailer mit Flitz-Wumm-Schnitt und theatralischer Musik ist abgenudelt, bestätigt aber auch, dass einfach gestrickte Aktionfilme mit viel Klopperei und Gerenne schon immer allgemeinverständlich und sprachüberbrückend waren. Muss man ja nicht(s) verstehen. *grins*
    Wem´s Spaß macht …

  5. wp.me/p14lh5-MK
    Viel Spaß beim lesen! =D

  6. @hewritesilent: Ach so. Satire. OK.
    Dafür ist der Film vermutlich sogar sehr gut gemacht, richtig viel Aufwand. Aber für welches Publikum? Ich hätte schon gern mal gewusst, wer dieser Mertz nun tatsächlich ist und ob man ihn kennen sollte und warum. (Seine Malerei ist ja nicht so pralle.) Ist denn der Umstand, dass er gehörlos ist, ein ausreichender Grund, um sich für ihn zu interessieren? Ist er Filmemacher? Ein „bunter Hund“ mit vielen Ideen?

  7. Man muesse Rainer Mertz mehr Respekt zollen. Alle seine Filme sind extrem „low budget“. Er schreibt das Drehbuch, produziert, ist Regisseur und spielt selbst als Hauptdarsteller, alles in einer Person, obwohl er sehr wenig Bildung hat (sprachlich wenig als Kind hoerender Eltern, dazu schlechte Schulbildung in einer oralistisch orientierten Schule, kein Besuch von weiterfuehrenden Schulen).

    Seine Malerei mag kitschig aussehen in den Youtube Videos. Ich habe seine Gemaelden gesehen. Sie verdienen Beachtung. Das sind Werke von jemanden, der keine formale Kunstausbildung erhalten hat. SIe werden gekauft. Die Verwendung von prallen und kontrastierenden Farben mit scharfen Konturen ist ein Merkmal von DeVIA (Deaf View in Art) Malstil..Deutschen tauben Malern, wie vielen andern Kuenstlern in europaeischen Laendern ist DeVIA als Fachwort eines taubbezogenen Malstils unbekannt. Trotzdem malen sie unbewusst in diesem Stil. (Uebrigens, in Spanien des 16.Jahrhunderts hat Juan Navarrete, bekannt als El Mudo (= der Stumme), auch im DeVIA Manier gemalt und er ist als der Spanische Tizian und Begruender der Spanischen Renaissance Kunst bekannt. In Gegensatz zur Italienischen Renaissance Malerei ist der spanische von Farbkraeftigkeit und scharfen Kontrasten gekennzeichnet)

    Leider habe ich, weil in den USA lebend, kaum Zugang zu seinen Filmen, um sie zu begutachten und mit anderen von tauben Filmmachern produzierenden Filmen zu vergleichen. Mich interessiert stark, wie Mertz das Thema von CI als gesellschaftliches Mittel der Unterdrueckung des Taubseins im Film verarbeitet..

  8. @ Hartmut: „Mich interessiert stark, wie Mertz das Thema von CI als gesellschaftliches Mittel der Unterdrueckung des Taubseins im Film verarbeitet..“
    Ja, mich auch, deshalb fragte ich, wer Reiner Mertz ist. Also tatsächlich ein gehörloser Filmemacher, so so. Bin sehr gespannt, ob er originelle Erzählweisen bringt, die ich mir ja immer vom Film mit kreativen Ton- und Bildideen erhoffe – und ebenso oft vermisse.

    Zur Malerei muss man sich nicht streiten, da gibt es einfach andere Sehweisen und Ansprüche an Kunst. Für mich hat Taubsein keinen Einfluss auf Malerei, das halte ich eher für eine Ausrede. Es gibt ja auch unzählige Hörende, die banale Dekorationsmalerei machen und mögen. Aber wie schon gesagt: „Jedem Tierchen sein Pläsierchen.“

    Sogar der röhrende Hirsch ist ja in den letzten Jahren so reichlich rehabilitiert worden, dass er jetzt auch endlich wieder verschwinden darf. 🙂

    Wer gehörlos ist, dem steht die anspruchsvolle moderne Kunst mit allen ihren Strömungen völlig offen, das muss man nicht „unterrichtet“ bekommen, man braucht bloss hinzugucken. (Demnächst kommt noch jemand und erklärt, dass Gehörlose anders schwimmen oder essen oder sich die Schuhe anders putzen als Hörende. *lach* .. bin schon gespannt auf den nächsten Kommentar dazu … *nochmehrlach*)

  9. @Pia,
    so herablassend gegenueber tauben Menschen scheinst du dich abzugeben. Du moechtest das Taubsein so primitiv verstehen, dass es sich um „anders schwimmen oder essen, Schuhe anders putzen als Hoerende“ geht. Dazu gebrauchst du das Wort „Ausrede“ auch. Du scheinst dich darueber in deinem Kultur-Verstaendnis als Hoerende versteift zu sein.

    DeVIA als Erklaerung der Kunst von zeitgenoessischen, tauben Kuenstlern ist modern. Aber sie hat sich schon viel frueher in der spanischen Renaissance durch den tauben El Mudo manifestiert. Wie kanst du den Unterschied zwischen der italienischen Renaissance von Raphael, Tizian, und Michaelangelo und der spanischen von El Mudo erklaeren, der selbst in Italien von denen unterichtet war? DeVia beschreibt daher nicht den Stil der modernen Kunst allein. Ich wuerde sagen, es ist die Kunst des Auges, unabhaneging der Zeitstroemung. Daher ist DeVIA keine Ausrede. Sie so zu verniedlichen, zeigt schon von kultureller Hochmut, die nicht einsehen wollte, dass eine taube Auge aesthetisch anders sehen kann.

    Jetzt apropos Rainer Mertz. Daruebr gibt es ein URL. Du musst einfach danach surfen und ihn als eine Persoenlichkeit kennenlernen und seine Filme ansehen und vorurteilslos beurteilen. Was ich vorhin zu sagen versuchte, ist, dass seine Filme unahaengig von konventionellen Kriterien aus der hoerenden Kritikkultur begutachtet werden sollen.

  10. Ein schönes Beispiel für Gehörlose in TV&Film finde ich auch Sue Thomas, F.B.I.
    Mit gefällt die Serie, weil ihre Behinderung ganz selbstverständlich eingebaut wurde und nur in wenigen Folgen tatsächlich Mittelpunkt war, nicht so überzogen wie sonst „Besonderheiten“ in Serien hervorgehoben werden.

  11. Ich finde eure Debatte sehr interessant … Es ist ja durchaus üblich, Kunst immer auch im Zusammenhang mit den Lebensumständen und der körperlichen Verfasstheit des Künstlers zu betrachten. Ich finde es auch nachvollziehbar, dass ein Maler oder Filmemacher, der taub ist, mit seiner Arbeit zu anderen Ergebnissen kommt als einer, der hört.

    Aber: Macht jeder gehörlose Künstler auch automatisch „deaf art“? Und kann im Gegenteil ein hörender Künstler nicht auch „deaf art“ kreieren? Und ist Kunst nicht gerade das, was jenseits solcher Kategorien funktioniert (oder eben auch nicht)?

  12. Ja, auch aus meiner Sicht eine spannende Diskussion. Hinsichtlich Kunst- und Geschichte, Geschmack und Hintergründe will ich mich nicht aufhalten.

    Ich greife mehr den Punkt auf, ob Behinderung auch eine eigene Kunst-Richtung bzw. auch Kultur aufwerfen kann. Für die Gehörlosen-Welt kann ich das in jeden Fall bejahen, denn es gibt eine eigene Kultur bei gehörlosen Menschen, die sich anders ausdrückt als es für Hörende vorstellbar ist.

    Das hat zunächst nichts mit gewollter Abgrenzung zu tun, sondern mit der Art und Weise zu leben, mit der Visualität zu leben. Hier kommen ganz andere Einflüsse zustande, als Hörende es sich vorstellen können.

    Insofern finde ich hier mache Kommentare unpassend, weil unwissend und es ist nicht in Ordnung, hier fehlenden Respekt zu zeigen und das Thema in Lächerliche zu ziehen. Viele der gehörlosen Künstler sind gar nicht in der Lage, sich hier adäquat an der Diskussion zu beteiligen, weil ihnen die sprachliche Möglichkeiten dazu fehlen. Da bitte ich um mehr Verständnis und Respekt.

    Und zu Reiner Mertz selbst kann ich nur sagen: Er ist wirklich ein sehr aufgeschlossener und sympathischer Mensch, den man einfach mögen muss. Und der sich sehr intensiv und auch selbstlos für die Gemeinschaft der Gehörlosen einsetzt. Das kann man völlig unabhängig von seiner Kunst und seinen Fertigkeiten sagen. Er ist eine wichtige Form des Ausdruckes der Gehörlosen-Gemeinschaft und ein wichtiger Teil von ihr. Wir Gehörlose können stolz sein, dass es ihn gibt! Ihn und den Teil seiner Arbeiten kann man übrigens unter http://www.mertz-art.de/ bewundern.

  13. Also, mal ehrlich, Hartmut:
    Lass das Thema Kunst besser weg, denn das ist einfach nicht dein Gebiet. Glaube es mir einfach mal. Ich bin tatsächlich sehr überheblich *gelinde ausgedrückt* gegenüber ALLEN Leuten, die Kunstgewerbe nicht von Kunst unterscheiden können.

    Einfach mal locker bleiben, es ist nicht gleich „Diskrimierung von Gehörlosen“, wenn die Bilder eines Malers nur Kunstgewerbe sind. Aber es wird jetzt einfach sehr peinlich, aus falsch verstandenem Stolz auch noch die arme Kunstgeschichte zu beuteln.
    Muss doch nicht sein. 😉

    Ich bin auch nicht beleidigt, wenn mir jemand an den Kopf wirft, ich sei eine „grottenschlechte Köchin“. Stimmt, ich koche schlecht, bin da völlig untalentiert. Setzt mich das jetzt als Hörbehinderte herab? Werde ich als Hörbehinderte diskriminiert, wenn mich jemand als „schlechte Köchin“ bezeichnet? Ich meine: Nein. Meine tiefe Überzeugung ist, dass auch Gehörlose und Hörbehinderte relativieren können, innere Entspanntheit und Humor haben und andere Meinungen aushalten können, ohne darin Kränkungen zu suchen.

    Hoffentlich behauptet jetzt niemand das Gegenteil …

  14. @ralph: „Und der sich sehr intensiv und auch selbstlos für die Gemeinschaft der Gehörlosen einsetzt. Das kann man völlig unabhängig von seiner Kunst und seinen Fertigkeiten sagen.“

    Du sagst es. „Völlig unabhängig“ voneinander! Genau, das trifft den Punkt. Jeder Mensch kann einfach seine Interessen verfolgen und Dinge machen, ohne dass die Identität als Behinderter im Vordergrund stehen muss. Dann DARF ein Behinderter auch etwas vermasseln, ohne dass gleich die ganze Person in Frage gestellt ist. Das ist eine entspannte Sichtweise, die finde ich auch echt fair.

  15. @Pia: Es geht nicht alleine darum, „andere Meinungen aushalten (zu) können, ohne darin Kränkungen zu suchen“. Das ist nicht die Intention von Hartmut.

    Er (wie auch ich) erwarten schon etwas mehr Respekt für die Kultur gehörloser Menschen. Durch Deine Zeilen liest man schon die Abfälligkeit gegenüber einer möglich Kultur- und Kunstform gehörloser Menschen, die in Deinen Augen nur durch die Behinderung bedingt ist. Wenn es anders ist, so sage es und erkläre uns, was du anders meinst.

    Es mag sein, dass Du im Kunst(gewerbe) eine Expertin bist und Dich damit auskennst. Aber kennst Du wirklich alle Kunst-Arten? Kannst Du von Dir das behaupten? Und: Gibt es in Deinem Gebiet auch Hinweise auf die Kunst und Kultur gehörloser Menschen? Wahrscheinlich nicht. So also kannst Du die Kunst und Kultur gehörloser Menschen nicht beurteilen und werten.

    Es ist im Prinzip ähnlich wie bei Architekten und der Barrierefreiheit: So lange in diesem Studium nichts zur Barrierefreiheit ausgesagt und gelernt wird, werden Architekten das nicht anwenden (können). Bedeutet es nun, dass – weil im Studium nichts von der Barrierefreiheit unterrichtet wird – es keine Barrierefreiheit gibt? Ist nur gültig, was man bspw. im Studium vom Dozenten vorgesetzt bekommt? Und der berühmte Blick über den Tellerrand? Wir brauchen uns sicherlich nicht darüber unterhalten, dass (im Moment) es ein großes Manko ist, wenn immer wieder Gebäude erstellt werden und die Zugänglichkeit dazu „vergessen“, so dass bspw. Rollstuhlfahrer nicht in das Gebäude hinein kommen.

    Es ist tatsächlich schon so, dass gehörlose Menschen durch ihre Visualität andere Verhaltensmuster aufweisen, worüber hörende Menschen stolpern und sich wundern. Ich erlebe immer wieder in Vorträgen von mir, wie das Publikum erstaunt reagiert, wenn ich vom Leben gehörloser Menschen erzähle. Und ich halte es schon für wichtig, dass man das erkennt und auch anerkennt, denn sonst kann man gehörlose Menschen oft nicht verstehen.

    Wahrscheinlich wirst Du jetzt müde lächeln und denken, die (Gehörlosen) bilden sich da was Besonderes ein und wollen sich mit ihrer Abgrenzung zu Wesen besonderer Lebensart „erhöhen“. Und das führt dann dazu, dass sie nicht bereit sind, sich „anzupassen“ an übliche Gewohnheiten und Lebensweisen der „normalen“ Gesellschaft. So denken viele. Du stehst also nicht alleine da. Aber ist die Masse deshalb weise?

    Und was ist „Norm“? Wer bestimmt sie? Was bedeutet das für die Vielfalt und Diversität? Ich persönlich betrachte das Andersartige als eine Bereicherung im Leben, nicht als eine zu beseitigende „Störung“. Für mich ist die Kultur gehörloser Menschen ein besondere Bereicherung, weil sie meinen persönlichen Bedürfnissen als gehörloser Mensch sehr entgegen kommt. Und wenn ich oben drein noch dazu sage, es ist „Kunst“, muss Dich das stören?

  16. Oh, wie schade. Ein origineller Disput hat sich in eine Schlammschlacht ausgewachsen.

  17. @flor: Ja, leider, finde ich auch. 😦
    Aber was fandest du denn anfangs originell? Vielleicht kannst du ja helfen, aus der üblichen Streiterei rauszukommen? Mich hat der Filmtrailer darauf gebracht, Ideen für einen Film zu entwickeln, der ganz anders mit den Sinnen (Hören und Sehen) von Zuschauern umgeht und tatsächlich Sprache überbrücken kann, weil das Sprechen (Dialoge) nicht für das Handlungsverstehen eingesetzt wird. Der Film entwickelt sich anders als die üblichen Erzählweisen. Ist ein ziemlich spannendes Gebiet, aber momentan sammele ich noch die Ideen dazu. Das dauert …

  18. Hups, wieso Schlammschlacht? Wir streiten hier doch gar nicht …

  19. @Ralph Raule: Dann bin ich wohl etwas zart besaitet …

    @Pia:
    Originell fand ich:

    1) die Arbeiten von Reiner Mertz mit denen von „El Mudo“ zu vergleichen. Auch ohne besonders versiert in Kunst zu sein, finde ich es doch recht gewagt, hier Parallelen zu sehen. Aber warum nicht? Vielleicht gibt es tatsächlich Elemente, die die Kunst von gehörlosen Malern miteinander verbinden – selbst über 500 Jahre hinweg. Klingt spannend. Würde ich gern mehr drüber erfahren.

    2) die Malerei als kulturelle Technik schlechthin mit dem Binden von Schuhen und Schwimmen zu vergleichen. Auch dies ist auf den ersten Blick ein schiefer Vergleich. Dann ist mir aber eingefallen, dass es ja tatsächlich kulturelle Unterschiede im Schnürsenkel-einfädeln gibt. Als ehemalige Fachfrau im Schuhverkauf weiß ich, wovon ich spreche. Mit Schwimmen hingegen kenne ich mich nicht so aus. Aber auch da soll es ja unterschiedliche Stile geben.

    Hartmut und Pia vertreten unterschiedliche Standpunkte. Ich hätte es spannend gefunden, diese weiter zu verfolgen. Natürlich unter der Voraussetzung, dass man repektvoll miteinander und mit allen Kulturen umgeht. Anstatt einer Fortführung dieses Disputs wurde es aber persönlich. Es ging nicht mehr um Meinungen zu Sachverhalten, über die man sich streiten kann und soll, sondern um die Bewertung von Menschen. Das fand ich schade.

    Das heißt aber nicht, dass man sich bei der Diskussion nicht auch ein wenig polemisch und kämpferisch geben darf. Sonst würde das hier doch nur halb so viel Spaß machen.

  20. Hm! Ihr debattiert über HG-Künstler? Für mich sind alle oben erwähnte Personen keine richtige HG-Künstler! Aber wie ihr meint…

    Beethoven weilt nicht mehr unter uns! Ein Meister der leisen Töne – mit viel Gefühl für feine Ironie…

  21. Eine „Schlammschlacht“ war es natürlich nicht, weder inhaltlich noch im Ton. Und persönliche Angriffe gab es eben nicht, sondern eine pauschale Reizbarkeit (Kränkung), die ausgelöst wurde durch meine Meinung zu Reiner Mertz´ Bildern. Hartmut und Ralph fordern einen pauschalen Respekt und eine positive Meinung zu den Bildern von Reiner Mertz ein, denn Kritik zu den Bildern stellt in ihren Augen gleich die komplette Kultur der Gehörlosen in Frage.

    Deshalb streiten wir:
    Ich habe wie jedes Individuum das Recht, Malerei zu beurteilen, wie ich das möchte. Dieses Recht hat jeder Mensch und jede/r ernsthafte Maler/Malerin stellt sich der Kritik bei Ausstellungen. Gehörlose sind da keine Ausnahme. Dagegen verbinden Hartmut und Ralph Raule die Bilder von Reiner Mertz untrennbar mit Gehörlosenkultur, folglich bedeutet für sie eine Kritik an den Bildern auch eine Missachtung der Gehörlosenkultur. (Die abenteuerliche Verzerrung der Kunstgeschichte lassen wir mal ganz beiseite.) Solch eine fatale Verknüpfung kann aber nur ständige Kränkungen erzeugen, logisch.

    Womit wir wieder bei der originellen Anfangsfrage sind:

    Ist einfach alles was ein Gehörloser / eine Gehörlose macht, Teil von Gehörlosenkultur? Greift man also gleich die gesamte Kultur der Gehörlosen an, wenn man ein Detail kritisiert, auch wenn es gar nichts mit Hörfähigkeit zu tun hat? (z.B. Fähigkeit zu Malen, zu Schwimmen, Kochen, Schuhebinden etc.)

  22. Hintergrundinfos zum Thema Gehörlosenmalerei „deVIA“:
    (Internetrecherche)

    Eine überregionale Gruppe von malenden Gehörlosen präsentiert sich unter dem selbstgewählten Namen mit Bildmotiven, die das Gebärden oder die Identität als Gehörlose zum Thema haben. Es werden also konkrete Motive wie z.B. das Fingeralphabet, Handzeichen oder Ohren dargestellt. Das künstlerische Niveau reicht von Laienbildern mit diversen kopierten Malstilen bis zu handwerklich perfektionierten Einzelarbeiten. Die Bilder haben das Motivthema „Gehörlos“ gemeinsam, aber keine stilistisch künstlerische Richtung als neue Sehweise.

    Es ist keine Kunstrichtung.
    Zur Kunstqualität gehört nicht allein das Fokussieren eines Themas, sondern eine Malerei, die einen ganz eigenen Ausdruck entwickelt hat. Das ist bei den malenden Gehörlosen einfach nicht der Fall, sie kommen aus dem Laienniveau nicht heraus. Sie bilden ab, aber das reicht nicht aus, um als eigenständige Kunst eine Aussage zu schaffen oder zumindest malerisch unverwechselbar zu sein. Der Themenfokus „Gehörlosigkeit“ wird mit dem üblichen Blickwinkel von außen (Hände, Ohren, Körper) dargestellt, die Bilder lassen sich also den Malern nur aufgrund ihrer Behinderung zuordnen. Das ist erschreckend distanziert, denn auf diese Weise könnten auch hörende Maler die Gehörlosen von außen darstellen. Die Malergruppe selbst zieht aus der Vereinigung sicher eine gewisse Bestätigung, einen Zusammenhalt. Aber künstlerisch ist die Gruppe „deVIA“ ebenso relevant wie die handwerklich beeindruckenden Mund- und Fußmaler.

    Kunst ist ja selbst eine Sprache.
    Sie erwartet vom Künstler eine eigene individuelle Sichtweise und Aussagekraft. Deshalb steht sie jedem Menschen offen und löst ihn als Individuum aus seiner gesellschaftlichen Zuordnung. DAS ist die Freiheit der modernen Kunst.

  23. Nun zu den Bildern von Reiner Mertz:

    Sie zeigen knallbunte Airbrush-Motive (z.B. geschminkte Frauenaugen oder Tigeraugen, Lilien, Sonnenuntergang, silikonbusige Barbypuppenfrauen vor Sternenhimmel) die genauso auch auf Werbepostern, Badehandtüchern und Motorradtanks zu finden sind. Das Gegenteil von Kunst. Kaufhauskitsch. Bitte beachten: Thematisch befasst sich Reiner Mertz in seinen Bildern NICHT mit Gehörlosigkeit.

    Fazit:
    Reiner Mertz kann nach Herzenslust malen, was er will. Keine Frage. Aber ihn aufgrund seiner Gehörlosigkeit (!) zum ernsthaften, guten Maler zu erklären … also, das geht einfach nicht. Wer das macht, tut ihm und sich wirklich keinen Gefallen.

    Bitte mal den Ball flach halten.

  24. Oh jeh, es wird noch peinlicher:
    Reiner Mertz ist von Beruf Zahntechniker und malt hobbymässig ein bischen in seiner Freizeit. Nix da mit „Zeitgenössischer Maler“ und „Vertreter einer Kunstrichtung“, Hartmut.

    Und ihr kommt hier mit der dicken Kunstgeschichte und „Respekt vor der Kultur“. Meine Güte, soooooo viel heiße Luft. Oder wolltet ihr mich einfach ein bischen reinlegen? 😉
    Das ist euch echt gelungen. *lach*
    🙂

  25. Gut aufgepasst, Pia! 😉

  26. Ja, lach nur über mich, hewritesilent. 😉
    Hatte echt geglaubt, die Kommentare waren ernst gemeint. Gut geblufft. Ist also `ne freche Satire. OK, gefällt mir, ist witzig!

  27. Ui, schöne Diskussion habt Ihr hier gehabt, während ich weg war. Freut mich sehr!

    Was jetzt Kunst ist und was nicht, das ist ja quasi per Definition umstritten. Ich weiß auch nicht so recht ob man Kunst und Kunstgewerbe so klar abgrenzen kann. Mich würde aber ehrlich gesagt auch wundern, wenn eine kunsthistorische Untersuchung der Werke aller Künstler, bei denen man von Hörproblemen oder Taubheit weiß, ergäbe, dass die sich ausgerechnet durch optische Knalligkeit auszeichnet. Intuitiv würde ich eher vermuten, dass die besondere Visualität von Hörbehinderten und Tauben genauso zu besonders feiner und nuancierter optischer Darstellung führen kann. Und dann gibt es ja noch die zeitgenössischen und persönlichen Einflüsse. Bei Mertz jedenfalls musste ich sofort an Koons denken (was ja vielleicht vom Jahrgang her auch hinkäme). Reine Spekulation natürlich…

    Aber wer weiß. Vielleicht gibt es ja doch einen Zusammenhang zwischen Taubheit und optischer „Lautheit“. Das Schauspielern in Stummfilmen sieht im Vergleich zu Tonfilmen ja auch eher wie overacting aus… Was meint Ihr dazu?

    Ich bin jedenfalls gespannt auf den Film. Ist sicher ein B-Movie und in gängigen Thriller-Mustern gestrickt, aber trotzdem….

  28. Jetzt ist NQLB auch noch drauf reingefallen … 🙂
    Du kommst echt mit Jeff Koons? Ich schmeiß mich weg. Köstlich!
    Mehr davon!

  29. Ich bin halt eine Rampensau!

  30. Reiner Mertz ist prominent in der deutschen Gebärdensprachgemeinschaft. Es liegt wohl an seinen Bilder oder auch einfach an seiner Motivation, seine Bilder zu zeigen. Seine Bilder wurden auch bei Galerien und in vielen anderen Einrichtungen ausgestellt. Hier ist eine Auflistung seiner Ausstellungen zu finden. Stellst du das Kunstverständnis von einigen Galeristen und Galeristinnen infrage, liebe Pia?

    Sonst gefällt mir dein Schreiben zum Thema Kunst und Kunstgeschichte. Ich frage mich nur, ob innerhalb der Gebärdensprachgemeinschaft auch gelten muss, was Kunst eigentlich heißt. Die tauben Menschen wurden unterdrückt und haben keine vernünftige Bildung erhalten. So ein hohes Kunstniveau zu erreichen, können sie nicht so leicht. Sie werden auch nicht vernünftig über Kunst und Kunstgeschichte unterrichtet. Sich bei der weltweiten Kunstszene durchsetzen zu können, haben sie auch schwerer.

    Und hier ein Link zur Webseite von einem tollen tauben Künstler (!) Alexei Svetlov.

  31. Hey, den finde ich ziemlich gut. Danke für den Tipp!

  32. Interessant! Alexei Svetlov ist ein professioneller (!) Künstler mit verschiedenen Ausbildungsstufen. Er arbeitet beruflich auch im Bühnenbild- und Theaterbereich. Wie man unschwer sehen kann, ist er tatsächlich ein guter Maler, sowohl handwerklich ausgefeilt, als auch thematisch und kompositorisch. Und er bringt sehr viel Können und Arbeitszeit auf für seine Bilder.

    @bengie:
    Gibt es noch mehr ambitionierte Künstler wie Svetlov, die zufällig gehörlos sind? Sie werden ihre Gehörlosigkeit vermutlich nicht in den Vordergrund stellen, sondern wollen in erster Linie als Künstler wahrgenommen werden. Kennst du noch weitere Namen z.B. von professionellen Bildhauern, Fotografen, Malern, Konzeptkünstlern? Bin sehr interessiert, mehr kennen zu lernen.

    (Bitte jetzt der anspruchsvollen Kunst mehr Respekt entgegen bringen. Die lustige Satire mit dem Zahntechniker Mertz haben wir ja schon durch, siehe oben.)
    😉

  33. Douglas Tilden (1860 – 1935) war ein berühmter tauber Bildhauer in den USA. Viele Werken von ihm sind heute auf Straßen, auf Parken und in den Museen von San Francisco zu finden. Hier ein kurzer Artikel auf Englisch über ihn.

    Kennst du David Ludwig Bloch (Bilder und Nachruf) vielleicht bereits, Pia? Ein Bild von ihm beeindruckt mich besonders.

    Chuck Baird (1947 – 2012) hat die Bewegung zur DeVIA begründet. Vielleicht passt seine Arbeit nicht zu deinem Kunstverständnis. Jedoch sind seine Bilder sehenswert und faszinierend.

  34. @bengie: Wow, Danke!!
    Das sind sehr interessante Beispiele, an denen man Kunstsprache diskutieren kann. Bei Tilden (Männliche Körperdarstellung) und Bloch (KZ-Erlebnisse) sind die Arbeiten stark mit dem ganz eigenen Erleben verbunden, deshalb erfahren die Betrachter durch sie etwas Übergreifendes. Für das Kunsterfassen ist es nicht wichtig, ob die Künstler taub sind. Sie definieren sich über etwas, was für alle Menschen übergreifend erfassbar ist. So sind ja auch Frida Kahlos Bilder von ihren eigenen Schmerzen für andere Betrachter übergreifend verständlich (und weil sie vielschichtiger sind.)

    Bei Chuck Baird merke ich, was künstlerisch nicht funktioniert:
    Er malt gebärdende Hände, als ob Hände das alleinige Identitätsmerkmal für taube Menschen sind. Sind sie das? Gehören auch Dürers „Betende Hände“ dazu? Chuck Baird sortiert seine Motive sogar in altbekannte Kategorien ein, anstatt sich künstlerisch von diesen furchtbaren Schubladen zu lösen: http://www.chuckbairdart.com/christian–jewish-related.html

    Ich verstehe natürlich, dass Gebärdende diese Bilder tatsächlich „lesen“. Aber ist es spannender, als ein Bild für Hörende mit Buchstaben oder Mündern? (Jaja, ich weiß: Popart. Aber banal.) Ich verstehe, dass die Gebärdenbilder bei anderen Gehörlosen ein Zugehörigkeitsgefühl erzeugen, wie es auch ein Fussball- oder Wanderverein gehörloser Menschen erzeugen könnte. Kunst als Sprache ist was anderes.

    Über das Erleben und Empfinden erfahre ich in Arbeiten von Tilden und Bloch viel mehr, als bei Baird! Wenn sich Gehörlose nicht auf Händemalen beschränken würden, sondern alle bildnerischen Mittel hinzunehmen, um das (eigene) Erleben der Welt zu thematisieren, entsteht sicher faszinierende Kunst. Und davon würde ich gern mehr sehen.

  35. Pingback: Alexei Svetlov und Gitta Svtelov-Palecek « Silent Writer´s World

  36. Jetzt wird es wirklich interessant! Danke, Bengie!

  37. „Zeichen, Gebärde und Kunst“ heißt die nächste Ausstellung im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien (Berlin): Los geht’s am 9. November. Endet am 13. Januar 2013.

    KünstlerInnen: Bowery ASL PoetrySlam, Joseph Grigely, Dorothy Miles, Wolfgang Müller, Roman Signer, Barbara Stauss, The Flying Words Project, Die Tödliche Doris, Gunter Trube, Clayton Valli, Yoel Diaz Vazques, Ming Wong

    Ein Exposee zur Ausstellung gibt’s hier (man muss ein bisschen runterscrollen):
    http://www.kunstraumkreuzberg.de/start.html

    Darin zu lesen: „Die Kuratoren sind sich darüber bewusst, dass sie Teil der hörenden Mehrheit sind.“ Oha!

  38. Pia Butzky, beschränkt sich die Kunst nur auf das Erleben und Empfinden der Malerinnen und Maler? Nach deiner Definition haben viele Bilder von Andy Warhol also auch nichts mit der Kunst zu tun? Zur Kunst von Chuck Baird: Die Hände sind wichtigsten Teile für die Gebärdensprache. In vielen Bilder von ihm werden passenden Händezeichen mit zugeordneten Objekten vereinigt. Nicht irgendeine Handform wurde ausgewählt. Das ASL-Wort »Love« ist in diesem Bild zu sehen. Weitere Bilder zeigen ASL-Wörter für Farbe, USA (noch kunstsinniger als Jasper John’s Bild »Flag«, welches im New Yorker MoMA ausgestellt ist) und Krokodil. In diesem Bild wird der Gebärde für Jesus nachgezeichnet. In seinen Bilder ist die Gebärdensprache sichtbar. Warum ist keine künstlerische Auseinandersetzung mit eigener Sprache »erlaubt«?

    flor, vielen Dank für diese Hinweise! Da muss ich hingehen 😉

  39. @bengie: Siehe oben, alles schon ausführlich thematisiert. Wir sind nun in der spannenden Kunstdiskussion angekommen, freut mich sehr. Kunst ist ja sogar noch radikaler und abstrakter, also eine ganz eigene Sprache, die auch ohne konkrete Abbildungen auskommt (Klein, Mondrian, Pollock, u.v.a.m.). Es gibt in der Kunst eben keine Beschränkung, deshalb möchte ich ja gern die enge thematische (Motiv-)Beschränkung erweitern. Das hat nichts mit „erlaubt sein“ zu tun, sondern im Gegenteil mit einem Wunsch nach „raus aus der Nische“.

    Aber wir reden bzw. schreiben gerade aneinander vorbei. Zumindest haben wir hier das Tor geöffnet für die Suche nach ernstzunehmenden gehörlosen Künstlern, das ist sehr anregend! Danke für die Hinweise. Gern noch mehr … 😉

    “Zeichen, Gebärde und Kunst” im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien am 9. November ist im Kalender notiert. Passt ja gut, der Tipp von @flor.

  40. Komme gerade von der Ausstellungseröffnung im Bethanien. Absolutes Highlight war für mich die Live-Performance von Christine Sun Kim. Hier kann man sich mit ihrer Arbeit vertraut machen: http://christinesunkim.com/paper/selby-film-speaker-drawings/

  41. Jaa, war toll, nicht wahr? Ich war auch da. 🙂
    Die gehörlose Künstlerin Christine Sun Kim ist wirklich faszinierend + modern + intelligent. Auch das (untertitelte) Interview-Video mit ihr in der Ausstellung ist unbedingt zu empfehlen.

    Die Frau sollte man sich merken. Sie hat einen modernen, künstlerischen Ansatz, wie ich ihn suche: Nix da mit Separatismus und Rückzug, stattdessen eine kluge Analyse von Umwelt, menschlichem Verhalten, Technik, Kommunikation, Wahrnehmung. Mehr davon!!

    Was noch sehenswert ist im Kunstraum Bethanien:
    Abgeteilte Video-Räume, in denen schauspielartige oder theaterähnliche Umsetzungen von Gedichten, Texten, Rap gebärdet werden – also die Gebärde als ausdrucksstarke Körperinterpretation, wie sie von Bühnen- Schauspielern eingesetzt wird. Faszinierend. Ich wünsche mir noch mehr Kunst, die sich ganz aus der Nische raus bewegt und neue Ansätze für die ERWEITERUNG von Wahrnehmung und Kommunikation bietet. Also raus aus der simplen Übersetzungsschiene und rein in kreative, raffinierte Verbindungen von Sprachformen, Ausdruck, Wahrnehmung.

    Ich schaue auch gerade nach Arbeiten der anderen beteiligten Künstler in der Ausstellung. Freue mich schon auf weitere Kunst + Performance + Theater mit raffinierter Collage von Hören, Fühlen, Mimik, Körper, Gebärde, die vielgleisig verstanden werden kann.

  42. Ich bin neidisch. WIll auch hin. 😦

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