Warum man Chefs wie Schwerhörige behandeln sollte

Auszug aus einer E-Mail, die ich gerade erhielt:

Lieber Herr Not quite,

ich muss es Dir ganz schnell erzählen: Dein Blog hat mein Leben verändert!

Ich hatte doch erwähnt, dass ich Probleme mit meiner Oberchefin habe, weil jedes Gespräch mit ihr ein Desaster ist. Der Hinweis, dass Schwerhörigkeit mit Demenz leicht verwechselbar ist, hat mich dann auf Idee gebracht, dass das unser Problem sein könnte (und sie doch nicht dement ist).

Ich hatte heute ein längeres Meeting mit ihr, meinem Abteilungsleiter und zwei externen Dienstleistern und habe alles befolgt, was ich in Deinem Blog gelernt habe. Also habe ich die wichtigsten Punkte vorher schriftlich fixiert und an alle verteilt, eine bestimmte Sitzordnung festgelegt, bei der wir nah zusammensaßen und sie alle im Blick hatte, ich habe Sätze zusammenfassend wiederholt, wenn ich das Gefühl hatte, sie geht einfach so darüber hinweg.

Und siehe da: Ich habe in den vier Jahren mit dieser Frau noch nie ein so gelungenes Meeting erlebt! Dialoge hatten auf einmal Stringenz. Es war wie Magie!

Vielleicht habe ich nur einen glücklichen Tag erwischt. Vielleicht gelingen Meetings einfach besser, wenn man die Kommunikation stärker reguliert.
Vielleicht ist sie aber wirklich schwerhörig.

Ich werde das weiter beobachten. Einstweilen aber erfreue ich mich an dem Gedanken, eine bahnbrechende Entdeckung gemacht zu haben.

Viele Grüße

M., euphorisch und dankbar

Klar, Meetings gelingen einfach besser, wenn man sie vorbereitet und die Kommunikation reguliert. Aber: Hach, was für ein schönes Gefühl, solche E-Mails zu bekommen! Und mal ganz im Ernst, die Dunkelziffer unerkannter Schwerhöriger ist enorm hoch. Allein unter meinen Kollegen habe ich mindestens sieben ausgemacht, die noch „im Schrank“ leben, sich nicht geoutet haben und keine Hörgeräte tragen.

Und wie ist das bei Euch?

Nebenbei gesagt, die E-Mail oben ist ganz und gar nicht wie diese hier

3 Antworten zu “Warum man Chefs wie Schwerhörige behandeln sollte

  1. Gestern leitete besagte Chefin zum ersten Mal ein großes Meeting mit den Worten ein: „Ich habe Tinnitus und bin schwerhörig. Die Akustik in diesem Raum ist für mich sehr schwierig. Ich bitte um Verständnis, wenn ich nicht alles verstehen kann.“
    Ich war sehr stolz auf sie.

  2. Wie toll! Freue mich auch! Wie haben die Leute reagiert? Hoffe, gut?
    Wobei noch besser wäre es ja, sie würde die Situation noch ein bißchen aktiver gestalten, so wie sie es braucht. Sonst bekommt sie Verständnis, aber verstehen kann sie immer noch nicht mehr.

  3. Nunja, ganz so weit scheint sie eben noch nicht zu sein, als dass sie sich die Situation besser einrichten könnte. Mir kam es eher so vor, als wolle sie sich dafür entschuldigen, wenn sie manches nicht oder falsch versteht. Wieviel sie tatsächlich nicht hört, ist aber nicht einschätzbar – und das finde ich im täglichen Umgang sehr anstrengend. Deutlich ist nur, dass sie auf visualisierte Beiträge viel positiver und direkter reagiert.

    Leider war die einzige – wenig verständnisvolle – Reaktion auf ihre Ansage bei dem Meeting die einer Externen: Man solle doch ein Mikrofon anbieten, wenn ein Raum eine schlechte Akustik hat …

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