Sag mir was Verbotenes — aber so, dass es alle hören!

Eine Station nur noch musste ich mit dem Bus fahren, aber leider hatte ich keine Fahrkarte.

„Einmal Kurzstrecke, bitte“, sagte ich darum nichtsahnend beim Einstieg zum Fahrer.

„Gaidiyo!“, oder so etwas Ähnliches hörte ich den Fahrer leise sagen. Er legte die Hand auf den Fahrkartendrucker neben seinem Sitz und blickte mir auffordernd in die Augen.

„Wie bitte, wie viel?“

Der Fahrer blickte nach hinten, wo uns ein halbes Dutzend Fahrgäste neugierig ansahen und warteten, dass endlich die Fahrt weiterging. „GaidiYO!“ antwortete er dann, nun etwas lauter, aber immer noch mit zusammengebissenen Lippen.

Nicht laut genug für mich. Ich sah ihn verständnislos an. Als Schwerhöriger bekommt man ja oft gesagt, es sei doch eigentlich alles ganz einfach. Man solle einfach Bescheidsagen, wenn man etwas nicht versteht. Ich hatte mir nicht nur diesen freundlichen Ratschlag meiner Mitmenschen zu eigen gemacht, ich hatte auch auf die harte Tour gelernt, wie peinlich es für mich enden konnte, wenn ich einfach annahm, richtig verstanden zu haben. Obendrein beobachteten uns ja die restlichen Fahrgäste. Vor denen wollte ich nicht schlecht aussehen.

„Entschuldigung, ich höre schlecht. Könnten Sie das noch einmal und etwas lauter sagen?“

Der Fahrer lief rot an. „Da will man mal nett sein… GEHEN SIE EINFACH DURCH, verdammt noch mal.“ Er sah nach hinten zu den anderen Fahrgästen. „Und Sie haben alle nichts gesehn, klar?!“

Betreten setzte ich mich auf den nächstgelegenen Platz. Meine Sitznachbarin musterte mich amüsiert, sagte aber nichts.

Und ich dachte, nur im Bett gibt es solche Momente.

13 Antworten zu “Sag mir was Verbotenes — aber so, dass es alle hören!

  1. 😉 (not to myself: unbedingt mal Sex mit einem Menschen, der schwer hört, haben.)😉

  2. Die find ich total gut, diese Einstellung! : )

  3. Eigenartige Busfahrer habt ihr.

  4. Hmm.. vielleicht wars Dialekt. Aber Dialekt ist für Schwerhörige oft schwierig, wegen dem Genuschel. Denn viele, die Dialekt sprechen, nuscheln sehr oft. So wie Du es schilderst, klingt es wie Dialektgenuschel. Oder war er Ausländer und hielt dich für jemanden, der genauso wie er ist ? In der Schweiz würde man so sagen : Gönd Sii dure. Ich würde das allerdings nicht so hören sondern so : Gön Sii ure, wenn ich mich nur auf das Gehör verlassen würde. Mit Ablesen wird es wieder genau das was ich vorher eben schrieb. Was passiert dann aber, wenn der Typ kein anständiges Mundbild hat ? Da kommen dann solche Dinge zustande..🙂 Mit Kaugummi verschlimmert es sich noch mehr😉 Und was GaidiYO heisst.. vielleicht das Äquivalent zum schweizerischen : Gönd Sii dure🙂

  5. Aaaaah, ich werde direkt mit rot.

  6. @timetohear Berliner Genuschel halt, denke ich. Gegen Schweizerisch aber so wie’s aussieht ein Klacks. : o

    @kaltmamsell Danke. : )

  7. Ich nehme mal an, daß der Busfahrer das einfach nicht so laut sagen wollte.
    Könnten sich nämlich Leute beschweren, daß SIE ja Fahrkarten bezahlt haben, und Du durftest einfach durchgehen.
    Außerdem, wenn jemand den Fahrer verpfeift, kriegt er Ärger.
    Da hat er verständlicherweise Angst vor. Andere Leute werden wegen läppischen Pfandbons gefeuert, warum dann nicht wegen eines entgangenen Tickets inklusive genehmigten Schwarzfahrens?
    Darum hat der Busfahrer ja auch gesagt: Und Sie haben nichts gesehen.
    War natürlich blöd für ihn, daß da ausgerechnet ein Schwerhöriger vor ihm stand.

  8. Haha, beim Lesen wusste ich sofort, dass es sich hier nur um Berlin handeln kann (da wohne ich auch)!
    Bin auf diesen Blog durch Zufall gestoßen und finde ihn richtig gut.🙂

  9. Lavendeline

    Manche Busfahrer bei uns nuscheln auch so extrem! Ich als CI-Trägerin war mal in einer ähnlichen Situation und war wirklich kurz vorm verzweifeln. Extrem peinlich…

  10. Aber auch lustig! Zumindest wenn es so wie bei mir endet. : )

  11. Pingback: Video: Wie ist es eigentlich, schwerhörig zu sein? | Not quite like Beethoven

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