Radio-Tipp: hr iNFO über Ertaubung, mich und Hören mit elektrischem Ohr

Der Hessische Rundfunk hat sich mit mir unterhalten und dabei ist ein ganz interessantes Gespräch herausgekommen. (Auf hr iNFO Radio heute 15:05 und morgen 14:05h; mp3 hier.)

Nebenbemerkung: Ich bin ziemlich zufrieden mit dem Stück — genauso wie ich mich auch wahnsinnig über dieses ZDF-Stück hier freue. Leider gibt es senderseitig hier wie dort keine Barrierefreiheit (hier kein Sendemanuskript, dort keine Untertitel). Ich möchte aus diesem Anlass noch mal hervorheben, wie entgegenkommend die jeweiligen Redakteurinnen waren, wenn es um die Erstellung von Untertiteln bzw. Sendemanuskript ging, sie haben versucht, vieles in Bewegung zu setzen. Aber individuelles Engagement reicht halt nicht. Gescheitert sind sie dann an den Strukturen, in denen sie arbeiten. Wird höchste Zeit, das sich da was ändert, es müssten Wege gefunden werden, die Erstellung von Untertiteln, Manuskripten (oder auch Bildbeschreibungen) in die Prozesse einzubauen. Wie Christiane es ausdrückt, in ihren Kaffeesatzlesereien für 2014:

Bei einem Überschuss von 500 Millionen Euro an Rundfunkabgaben, ist es nicht zu verstehen, warum ARD und ZDF ihr Programm nicht endlich vollständig untertiteln. Mit dem Geld könnte man nicht nur untertiteln, sondern auch noch die Bildbeschreibungen für blinde Menschen massiv ausbauen. Zumindest sollten die Sender 2014 in der Lage sein mitzuteilen, bis wann sie die 100% Untertitel erreicht haben.

10 Antworten zu “Radio-Tipp: hr iNFO über Ertaubung, mich und Hören mit elektrischem Ohr

  1. Noch eines: Bist du wirklich zufrieden mit dem Titel „Wer’s hoert, hat mehr zu sagen“. Das ist audistisch, pur! Es suggeriert klar, die Umkehrung in vielen Koepfen, „Wer nichts hoert, hat nichts zu sagen!“ Das ist ja, wo das Prpblem liegt. Die Folge kann kommen, wir brauchten nichts zu hoeren, um nichts zu sagen zu koennen. Die Stille Minderheit muessen weiter schweigen!

    Hartmut

  2. Du fragst, ob ich den Claim vom hr info Radio gut finde, also die zentrale Message, wie sich dieser Sender positioniert? Gar nicht schlecht, ehrlich gesagt. Er teilt ja den Anspruch mit, dass Leute, die diesen Sender hören, mehr (Fundiertes) zu sagen haben (sollen, und das dann auch tun), als solche, die es nicht tun. (Wie’s dann um die Ergebnisse dieses Anspruchs steht, beurteile ich nicht.)
    Audistisch pur finde ich das nicht. Radio hört man eben (und natürlich, es wäre schön, wenn man es heutzutage auch immer mitlesen könnte). Vielleicht liegt ein Mißverständnis darin, dass Du dachtest, dies sei der Titel des Beitrags und das „es“ übersehen hast?

  3. Ganz klar, ich bin auch völlig dafür, dass endlich untertitelt wird, denn der Nutzschall (Sprache) geht oft im Geräuschschall (unterlegte Musiksequenzen) viel zu oft unter. Der Untertitel, wenn seltens vorhanden – hakt gewaltig, oder geht so schnell wieder weg, dass der Informationsfluss unvollständig zum Filmdialog ist und gleich null ist.
    Am besten wir formulieren hierfür gemeinsam eine Petition!🙂

  4. DANKE !! (bin „flotthörig“😉 … aber jetzt „sensibilisiert“ und besser informiert …)
    steph

  5. Ihrer im Interview geäußerten These, es handle sich bei Schwerhörigkeit um eine „Teilzeitbehinderung“, möchte ich doch teilweise widersprechen. Typischere Teilzeitbehinderungen sind etwa Gehbehinderungen, die man im
    Sitzen vielleicht vergessen kann. Die Ohren hingegen sind immer auf Empfang und so ist eine Hörbehinderung, jedenfalls wenn sie mit Störgeräuschen/Verzerrungen (vulgo Tinnitus) einhergeht, m.E. eine
    Rund-um-die-Uhr-Behinderung und daher alles andere als eine Teilzeitbehinderung.

  6. Das stimmt natürlich, Tinnitus ist nochmal etwas anderes. Und zwar sogar etwas besonders mieses, weniger von außen und „dafür“ mehr von innen zu hören….

  7. Eine Radiosendung, die nicht mal ein Transkript hat.. das ist traurig. Es sind eben nicht nur die flotthörigen, die da gern die Infos bekommen würden, sondern auch eben die, die nicht so flott hören. Bei den Unmengen an Geld die die Radiosender, Fernsehsender bekommen, sollte und müsste es möglich sein, Transkripte bzw. Untertitelung zu liefern. Da stellt sich dann die Frage, wofür man eigentlich die Gebühren bezahlt ? Die sind ja nicht gerade billig.

  8. Es tut sich ja etwas, nur leider immer noch zu langsam.

  9. Thomas M. Haase

    Grüß Gott Alexander!
    Wir haben uns gestern kennengelernt in Mannheim bei Deiner Buchlesung, „Taube Nuss“.
    Ich bin leidenschaftlicher Volksmusikant (Zither, Kontragitarre) und merke mit meinen 2 CI´s, -mit 6 Monaten links ertaubt und rechts Hochgradig durch Meningitis; seit 13 Monaten beidseitig implantiert- wie die Fülle der Musik mich bereichert. Töne, die ich nie gehört habe etc. z.B. Basston 2 sec. und jetzt 23 sec. hörbar.
    Die Zither hat 42 Saiten und jeden einzelnen Ton kann ich sofort wahrnehmen; vorallem wenn ich Ihn falsch anschlage, bei 6 gleich angeschlagenen Saiten.
    Die Ci´s sind keine elektrische Ohren. Wenn man so immer denkt, wie Du es in deinem hervoragendem Buch beschreibst, so klingt das, wie,, als ob die Brille nicht akzeptiert, sondern nur geduldet wird.
    Ich bin auch nicht einverstanden, das Du sagst, „man bleibt Schwerhörig“.
    Diese innere gedankliche Einstellung tut den betroffenen Menschen beeinflussen und die Gefahr besteht, das er zu schnell sich abwendet von weiteren hoffenden kämpferischen Schritten.
    Ich bekomme in meiner Runde -CI Träger- immer wieder solche Einstellungen mit. Doch wenn diese Einstellung -Schwerhörig- aus dem Kopf gebannt ist, so wird mir erzählt, das sich positive Blickpunkte auftun.
    Ich kenne Menschen, die durch einen Hörsturz, die mit den CI´s genau hören wie vorher.
    Es ist immer eine innere Auseinandersetzung von Erwartungen und Umgang mit Rückschlägen.
    In deinem Buch -habe fast alles gelesen in der Nacht- beschreibt sehr genau, was ich erlebt habe.

    Es ist gut, das es dieses Buch gibt. Werde es morgen meiner Runde wärmsten empfehlen.

  10. Hallo Thomas, vielen Dank für den Kommentar, freut mich sehr, dass Dir das Buch gefällt und natürlich vielen Dank auch für die Empfehlung! Zu der Sache mit den elektrischen Ohren und dem „man bleibt schwerhörig“: Ich würde bei den Begriffen bleiben, habe aber den Eindruck, dass wir was die Einstellung angeht, die Du forderst, und die Konnotation der Begriffe, genau die gleiche Meinung haben.

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