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Antenne Beethoven: Sich unter Blicken wohl fühlen

Manche Leute brauchen dazu gar kein Hörgerät, sie gewöhnen sich nie daran, dass Blicke anderer Leute auf ihnen ruhen. Ich hatte damit eigentlich nie ein Problem, obwohl ich ein dickes Hörgerät trug, seit ich in die Schule kam. Auch wenn ich es nie geliebt habe und nie fand, dass es gut aussieht, kann ich sagen: Ich habe mich nie geschämt. Meine Hörgeräte gehörten einfach zu mir.

Doch jetzt mit elektrischem Ohr kann ich zum ersten Mal nachvollziehen, warum sich Leute kein Hörgerät anschaffen wollen. Oder es ihnen so peinlich ist, dass sie es zuweilen abnehmen, nur damit damit man es nicht sieht. (Wie sieht das eigentlich aus, so ein Cochlea Implantat? Bei funny old life gibt es hier ein paar gute CI-Bilder.)

Eigentlich lächerlich, stimmts? Aber ich merke deutlich, dass es mich nervös macht, wenn ich in der U-Bahn stehe oder an der Kasse — und jemand mustert meine linke Kopfseite. Ich merke, dass ich die Mützensaison genieße.

Ich weiß auch, dass es egal ist. Viele wundern sich eh nur, wie das mit dem Kopfhörer eigentlich funktioniert, wenn er doch nicht einmal ins Ohr geht. Wie der da überhaupt hält! Und ich spüre, dass diese Phase vorbeigehen wird. Dass es sogar ein interessanter Aufhänger sein kann um Leute kennenzulernen. Aber im Moment ist es mir peinlich, dazu zu stehen, was an mir dran ist. Es sieht einfach nicht cool aus. Ich habe Lust, einen Witz daraus zu machen, die Leute zu verarschen. Wenn ich merke, dass sie gucken, auffällig zur nichtvorhandenen Musik mitzurocken.

Am liebsten aber hätte ich eine kleine Antenne, die ich auf Knopfdruck ausfahren kann, wenn ich merke, dass jemand guckt. Ha!