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Hörlos in Helsinki

Wer sich eine Uhr ans Handgelenk bindet, kettet sich an die Zeit — und wer sich auf Hörtechnik verläßt, macht sich von seinem Batteriendealer abhängig. Das Flugzeug beschleunigte gerade zum Abheben, da durchzuckte es mich. Du hast ja gar nicht genug Batterien dabei! Vor mir lagen sieben Tage Finnland und Schweden. Mein mitgeschleppter Vorrat würde maximal die Hälfte reichen — danach würde das linke Ohr den elektrischen Geist aufgeben. Ich wäre hörlos in Helsinki.

Verflixt, ich habe sonst IMMER und SEIT JAHREN genug Batterien dabei. Hoffentlich gibt’s diese speziellen CI-Batterien, die ich brauche, in Helsinki einfach so im Geschäft! Ausgerechnet jetzt, wo das elektrische Ohr gerade erstmal richtig funktioniert! Und dabei soll man doch im Urlaub feiern, genießen und entspannen!
Nun ja, tröstete ich mich. Hast ja immer noch das rechte Ohr mit dem Hörgerät. Dafür hatte ich genug Batterien. Nur: einohrig und damit noch schlecht hören ist wirklich besch-eiden. Außerdem stand ein Besuch bei guten alten Freunden der Familie auf dem Programm. So lange nicht gesehen und dann die Gespräche nur halb mitzukriegen! Von der Anstrengung beim gemeinsamen Abendessen ganz zu schweigen.

Ging gerade nochmal gut. Ein Glück, dass es eben Helsinki und nicht Zelten auf dem platten Land war. In einem großen Elektrogeschäft konnte ich rechtzeitig Batterien auftreiben. Hörgerätebatterien zwar, von denen man mir sagte, sie hielten bei dem immensen Strombedarf der CIs nur ein paar Stunden — doch Überraschung: Bei mir halten die genauso lang wie spezielle Implantatbatterien.

Ansonsten: Helsinki gefiel mir gut. Viele schöne Häuser, viel Wasser, viel Felsen und viel Baum — und die jährlichen Abiturfeiern da sind wirklich nicht von schlechten Eltern. Ist ja auch kein Wunder wenn’s nur zwischen  halb zwölf und zwei dunkel ist…

Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #1: Lege ein Depot an

Out of batteries - Foto: Not quite like Beethoven, all rights reserved

Wer sich ne Uhr ans Handgelenk bindet, fesselt sich an die Zeit. Und wer sich Hörgerät oder CI zulegt, nun ja, an den Batteriedealer. Was Ihr hier seht, kann im Job das Antlitz der Katastrophe sein. Kein Wunder, denn ohne Batterien geht nix — oder jedenfalls kein Hörgerät. Sowas sollte man also dort nie sehen müssen. Bei mir zumindest geben die Dinger nämlich bevorzugt dann den Geist auf, wenn was ansteht, wo ich hören muss.

Zugegeben, dieser erste Tipp mag manchen banal erscheinen. Trotzdem kann ich nur raten: Sorge dafür, dass Dir niemals die Batterien ausgehen. Andere haben im Büro vielleicht Sakko und Krawatte im Schrank oder Kostüm und Absatzschuhe. Schwerhörige brauchen am Arbeitsplatz ein Batteriedepot! Egal ob Akkus oder Einmalbatterien. Alles andere ist unprofessionell.

Mir selbst ist das zum Glück nur einmal passiert. Ich habe meine Ersatzbatterien in der Jackentasche. An jenem Morgen im April war’s überraschend warm. Und ich spät dran. Also schnell zurück, Jacke getauscht — und schwuppdiwupp war’s geschehen. Kurz nach dem Mittagessen gab erst eine, dann die andere Batterie den Geist auf. Und bei der einzigen Batterie in meinem Schreibtisch war irgendwie der kleine Aufkleber abgegangen, sie hatte ihren Saft schon lange abgegeben. (Die meisten Hörgerätebatterien sind sogenannte Zink-Luft Batterien, die, sobald man einen kleinen Aufkleber abzieht, auch beim nur Herumliegen schon in einer Woche leer werden können.) Gerade noch mal gutgegangen: An dem Tag standen keine Präsentationen und keine wichtigen Treffen auf dem Programm. Nur die Mittagspause mit den Kollegen war etwas gewöhnungsbedürftig.

Wie sind da Eure Erfahrungen? Hat jemand eins dieser neuen Hörgeräte, die man über Nacht in die Aufladestation steckt, wie läufts damit? Und wie ist das bei CIs? Ich habe gehört, gängige Modelle verwenden Batterien im Dreierpack, was dann ca. drei Tage reicht. Oder einen Akku, der aber nur etwa zehn Stunden durchhält. Das wär ja ganz schön knapp, wenn’s mal ein langer Tag wird…

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