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Hintergrund und Vordergrund

Man macht sich ja so seine Vorstellungen vom eigenen Leben. Ihr wißt schon, wer man sein möchte. Wo man hin will.  Wer einen begleiten soll. Und was dafür der richtige Soundtrack ist. Das ist alles schwierig genug und meist mit allerhand Anstrengung, Irrwegen und Enttäuschungen verbunden.

Aber so langsam fügt sich ein Bild. Oder manchmal auch ganz plötzlich. Auf einmal Dastehen und das Gefühl haben, ja. Das ist es! Es paßt doch, mein Leben.

Das ist der Moment, in dem man verletzlich wird. Weil man sich mit seinen Gefühlen an Menschen, Lebensumstände und vorgestellte Zukünfte bindet. Dann wird es Glückssache.

Womöglich steht man auf einmal da und ist der einzige, der noch in diesem Bild steht. Die Welt hat sich weitergedreht, alle anderen haben sich anderswohin orientiert. Selbst der Fotograf, der das alles so schön festhalten sollte, ist gegangen.

Ein Hoch auf diejenigen, die dann mutig genug sind zu sagen, ach, war ja ganz schön hier. Die einmal in den Spiegel gucken ob alles sitzt — und sich dann umdrehen und gehen. Man kann nicht alles planen, es kommt sowieso mal so und mal so. Also kann man genauso gut selbst ein paar Entscheidungen treffen. Es ist befreiend, zu agieren, nicht nur zu reagieren. Und mutig.  Weil man Vordergrund und Hintergrund im Leben ganz neu sortieren muss. Weil nicht klar ist, wohin es gehen und wie es werden wird. Weil wenn überhaupt irgendetwas sicher ist, dann nur die paar Dinge, von denen man Abschied nehmen muss. Die vielleicht sogar schon weg sind, nur die eigenen Gefühle haben’s noch nicht mitbekommen.

Ich zähle mich einfach auch mal zu denjenigen.

Das Harte für die Dame, das Zarte für den Herrn: Wie Schwerhörigkeit Geschlechter-Stereotypen durcheinander bringt

Wer mich anschaut, sieht nen Mann. Ganz klar. Breite Schultern, Boxernase, wilder Bartwuchs. Das verwirrt die Leute aber nur umso mehr, wenn ich mit Frauen zusammen bin.

Ich liebe Kaffee. Und hab ganz und gar nichts gegen Alkohol. Aber weil von beidem mein Tinnitus lauter wird und sich Kater auch mit Druck in den Ohren auswirken, trinke ich beides meist recht vorsichtig. Das führt in Bars und Restaurants oft zu skurrilen Situationen.

Outdoor Portrait of Man and Woman, Photo by Wisconsin Historical Society / flickr

Zuerst aufgefallen ist es mir in Andalusien — wo der Kaffee so stark ist, dass ich oft nicht mal Kaffee mit Milch (café con leche) sondern Milch mit Kaffee (leche manchada) bestellt habe. Merke: In Andalusien führte das, damals zumindest, nicht dazu, dass die gleiche Menge Kaffee mit mehr Milch aufgegossen wurde — die Gläser waren immer gleich groß. Außerdem bestellte ich wesentlich öfter Cola oder Wasser als Bier und Wein. Oder wenn, dann eher Bier und tinto de verano als Rotwein oder Härteres.

Meine Freundinnen waren schon immer nicht so zimperlich (und dafür liebe ich sie). Bei ihnen darf es oft ein doppelter Espresso, ein Bier oder manchmal auch ein Schnaps sein. Und wirklich jedesmal wenn café con leche und leche manchada oder Wasser und Bier gebracht wurden, wollte man das Stärkere natürlich vor mich hinstellen. Und war überrascht bis sogar ein wenig unwillig, wenn wir es anders haben wollten. Es paßt einfach nicht, auch in Deutschland nicht, dass der Kerl den Mädchendrink nimmt.

Super Man and Wonder Woman, Photo by San Diego Shooter / flickr

Ähnlich läufts wenn ich mit einer Frau unterwegs bin und Leute nach dem Weg fragen. Sie sprechen fast immer mich direkt an — und sind dann überrascht, wenn ihnen die danebenstehende Frau antwortet, weil ich die Frage nicht so schnell oder gar nicht verstehe. Anstatt dass sie einfach stumm bleibt. Und meistens schauen sie während ihnen geantwortet wird immer mal skeptisch zu mir rüber. Gleiches geschieht, wenn sie nach dem Weg fragt. Dann bekomme ich den Weg erklärt. Kaum jemand schafft es, einfach nur ihr zu antworten und nicht spätestens nach ein paar Sekunden mich anzusehen und ganz offensichtlich mit mir zu reden. Was lustig ist, weil ich ihnen natürlich auf typisch schwerhörig zuhöre.

Besonders skeptisch und durcheinander sehen die armen Leute dann aus, wenn das Ganze mit asiatischen oder schwarzen Begleiterinnen geschieht. So als würde es nicht in ihren Kopf gehen, dass diese sich herausnehmen, mit ihnen zu reden — obwohl sie mich angesprochen haben oder auch ich sie hätte ansprechen können. Und das passiert nicht nur auf dem Land und nicht nur bei Älteren.