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Scharf müssen sie sein, die Lippen

Neulich bei Not quite like Beethoven zuhause: Ich am Küchentisch über dem Laptop brütend. Auftritt der Mitbewohnerin, braungebrannt, gutgelaunt und voller Mitteilungsbedürfnis. Zehn Tage Urlaub in Puerto Rico.Foto:  sisk4 / photocase.de

„Ooh, das war soo toll, das mußt Du hören!“

„Moment, warte — ich hol meine Brille.“

Da hat sie aber geguckt. Leider stimmt es. Zumindest um Englisch zu verstehen brauche ich tatsächlich Brille oder Kontaktlinsen. Bin zwar nur bißchen kurzsichtig, sagen wir: Die Welt ist sieht mir leicht impressionistisch aus. Auch schön. Aber für fremdsprachliches an den Lippen Hängen brauche ich absolut scharfe Sicht. Sonst reicht es einfach nicht ganz. Unglaublich, was das bißchen für einen Unterschied macht. Da merke ich auch, wie abhängig ich eigentlich vom Lippenlesen bin.

Waren dann übrigens wirklich nette Geschichten aus Puerto Rico. Will ich auch mal hin…

Stille Welt? Wie sich Schwerhörigkeit anhört

Das hängt natürlich von der Form der Schwerhörigkeit ab. Wenn ich meine erklären soll, dann sage ich meistens:

Ohne Hörgerät: Wie durch eine richtig dicke Wand. Sagen wir, eine Burgmauer. Still ist es dahinter trotzdem nicht, dafür sorgt ein konstant laut pfeifender Tinnitus auf beiden Ohren.

Mit Hörgerät: Wie eine Fremdsprache, die man kaum kann. Nur dass es nicht mit der Zeit besser wird. Weil ich fast ganz taub bin, verstehe ich nur und ab und zu mal ein paar Worte oder einen Satz. Ganz selten, also unter superoptimalen Bedingungen mehr. Manchmal nicht mal das. Und zwar sogar wenn der Sprecher direkt vor mir steht und mit mir spricht. Und zwar obwohl die Hörgeräte die Stimme extrem laut machen.

Gleichzeitig sind durch die Hörgeräte alle Nebengeräusche — eine Klimaanlage, Absatzschuhe, Straßenlärm, Gespräche am Nebentisch oder im gleichen Raum, Musik etc — unglaublich laut und übertonen alles, was ich hören und verstehen will.

Still ist sie also nicht gerade, meine Welt.

Übrigens: Hier kann man sich anhören, wie Schwerhörigkeit klingt (ohne Hörgerät). Leider nur für leichte und moderate Hochtonschwerhörigkeit (gefunden via kelimalia).

UPDATE: Hier gibt es ein Hörbeispiel für meine Schwerhörigkeit.

Ertaubung hört man — oder: Wieso können viele Schwerhörige nicht richtig sprechen?

Ganz einfach: Wer sich selbst nicht richtig hören kann, kann kaum sprechen lernen. Und wer’s mal konnte, kann’s erstaunlich schnell wieder verlernen — sobald die Kontrolle durch das Hören fehlt. Das merke ich manchmal selbst am eigenen Leib. Nicht nur bin ich absolut unfähig zu flüstern, und manchmal rede ich zu laut. Sondern, wenn ich nicht aufpasse, auch schnell mal nuschelig oder lallig. Glücklicherweise geht das oft als Berliner Akzent durch.

Wie irrsinnig schnell das Sprechen leidet, wenn das Gehör weg ist, zeigt das Beispiel des US Radiomoderators Rush Limbaugh (hier ein schönes Portrait). Der macht auf seiner ultrakonservativen Rush Limbaugh Show schon seit Jahren alles Liberale und Demokratische fertig — vor regelmäßig weit über zehn Millionen Zuhörern. Hier neben einem Portrait auch ein paar typische Zitate von ihm und über ihn.

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