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Sage mir wer Du bist: Was ist eigentlich das Gegenteil von schwerhörig?

Insofern ist das Bloggen wie das Leben, es bringt einen dazu, Dinge zu tun, die man niemals tun wollte.

Ziemlich am Anfang habe ich mich ja mal über den Begriff „hörgeschädigt“ mokiert. Ich seh schon, dass man nen Oberbegriff für alle möglichen Sorten von Nicht- und Andershören braucht. Aber diese Mischung aus scheinbarer Neutralität und Beleidigung fand ich doof, das wollte ich nicht sein. Den wollte ich nicht benutzen. Seither fand ich mich beim Schreiben öfter in der Situation wieder, dass er gut gepaßt hätte. Manchmal geradezu stur habe ich „hörbehindert“ geschrieben.

Wer schreiben will, muss halt benennen worüber er schreiben will, sonst geht’s nicht. Oder es geht schon, das aber schlecht.

Genauso geht’s mir gerade mit dem Gegenteil von schwerhörig. Was sind Leute, die nicht sind wie ich? Oft ist von „Hörenden“ die Rede, doch das geht mir zunehmend auf den Geist. Hören tu ich ja auch, nur anders. Hörende mag das Gegenteil von Gehörlose sein, aber nicht von Schwerhörige. Nicht-Schwerhörige? Zu sperrig. Also schreibe ich Normalhörende. Aber ehrlich gesagt, das ist auch bäh! Was ist normal, wo sind die Grenzen?

Es ist ja immer auch eine Identitätsfrage. Wie sieht man sich, wie will man sein? Und was sagt man über andere? Das Problem ist ja im Grunde das gleiche wie bei der Diskussion um Behinderung und ihr Gegenteil…

Hörgeschädigt – Bin ich der Einzige, der das doof findet?

Viele scheinen es für den neutralsten und zutreffendsten Begriff zu halten. Man suche nur mal bei Google. Aber ich mag ihn ganz und gar nicht! Mich „hörgeschädigt“ zu nennen, käme mir nicht in den Kopf. Allenfalls in amtlichen Zusammenhängen ankreuzen würde ich das. Ehrlich gesagt, bis gerade eben war der Begriff ausschließlich in meinem Passivwortschatz zu finden. In meiner Begriffsklärung bin ich ja auch nicht darauf gekommen, ihn zu verwenden. Foto: Rainer Sturm /PIXELIO

Bin ich damit alleine?

Bei mir ist es so: Ich finde „schwerhörig“ im Redefluß angenehmer. Und ich finde es sogar zutreffender. Denn bei „geschädigt“, frage ich mich unwillkürlich, wer denn den Schaden angerichtet hat. Aber so gern ich in schwachen Momenten auch wen zur Rechenschaft ziehen würde: Da gibt es leider niemand.

Außerdem habe ich keine Lust, als „Geschädigter“ durchs Leben zu gehen. Das kommt mir dann doch sehr eindimensional vor. Dass für mich Hören wirklich nicht leicht, sondern ganz im Gegenteil schwer ist — das finde ich sehr passend. Wenn mir durch meine Behinderung eins abhanden gekommen ist, dann eine gewisse Leichtigkeit und Luftigkeit im Leben. Und das ist gar nicht mal nur schlecht gemeint. Denn was ich auch ganz und gar nicht bin, ist eine oberflächliche Person. Und ein guter Freund ist steif und fest der Ansicht, wenn ich nicht so schwerhörig wäre, wäre ich sicher ein arroganter Arsch geworden.

Eure Meinung interessiert mich:
Welchen Begriff benutzt Ihr für Euch selbst? Welchen findet Ihr besser? Und warum? Irgendjemand für „hörgeschädigt“?

(Kollegin NickelPic hat hier vor einiger Zeit eine ähnliche Frage gestellt, nämlich welche Gebärden benutzt werden.)