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Nicht nur für Journalisten: Wie spricht man richtig über Behinderung?

Natürlich präzise, neutral und nicht abwertend. Aber wie geht das eigentlich? Das National Center on Disability and Journalism einer US-Journalistenschule erklärt’s. Und davon hat auch der Deutsche was, finde ich. Sagt man z.B. „an den Rollstuhl gefesselt“? Nie! Sagt man auf Englisch „handicapped“? Nur im Zusammenhang mit Rechtsvorschriften, Orten oder Dingen, z.B. bei Behindertenparkplätzen! Ansonsten: disability.

Hier ein paar grundsätzliche Hinweise (Auszüge, meine Übersetzung):

Wenn Sie eine Person beschreiben, erwähnen Sie die Behinderung nicht — außer sie steht im sachlichen Zusammenhang mit der Geschichte. Ist dies der Fall, verwenden Sie Formulierungen, die zuerst die Person und erst in zweiter Linie die Behinderung hervorheben.

Vermeiden Sie Ausdrücke wie „leidet an“, denn dies beinhaltet eine Wertung. Nicht jede Person mit einer Behinderung „leidet daran“, „ist ihr Opfer“, „damit geschlagen“ oder sieht generell ihre Lebensqualität eingeschränkt. Vorzuziehen ist eine neutrale Ausdrucksweise, die die Behinderung klar benennt.

Als Beispiel wird genannt:  The writer, who has a disability anstelle the disabled writer. Das geht auf deutsch natürlich nicht wortwörtlich. Aber das Prinzip dürfte klar sein. Man sagt nicht einfach der behinderte Schriftsteller oder wirft grundlos ein, dass der Schriftsteller behindert ist. Genauso wie man es auch bei Merkmalen wie z.B. Hautfarbe, Migrationshintergrund oder sexuelle Orientierung machen sollte.

Man sagt allenfalls so etwas wie: Der Schriftsteller, der selbst querschnittsgelähmt ist — wenn man etwa über seinen einfühlsamen Roman oder die aufrüttelnde Reportage berichtet, wie Rollstuhlfahrern in Deutschland der Besuch im Theater und im Kino vergrault wird.

[via bionic ear]