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„Oooh, jaaa, Duu!“ — Warum Schwerhörige beim Sex vor bösen Überraschungen gefeit sind

Man denkt ja immer mal über Sex nach. Seit Madoves Kommentar hat mich folgendes Szenario beschäftigt: Verstehen tu ich gut, wenn man mir in die Augen sieht und laut und deutlich artikuliert. Außerhalb gewisser Spiele nicht unbedingt der Normalfall im Bett.  Leider bietet sich bei all den Flüstereien, Seufzern und vielleicht gurgelnden Lauten, die man da so hört, aber auch Nachfragen und Wiederholen lassen nicht unbedingt an.

Und jetzt kommt’s: Zumindest laut Filmen, Büchern und Zeitschriftenkolumnen rutscht einem ja, wenn man nicht aufpaßt, vor lauter Gehenlassen und Hingabe  schnell mal der Name der Wunschperson raus. Statt der, die gerade mit einem den Himmel stürmt. Ich meine, ich würde sowas ja NIE tun, aber egal…

Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass ich das nicht verstehen würde. Denn ich bin ja zur Ganzheitlichkeit verdammt — verstehe ja grundsätzlich kaum etwas akustisch und klaube mir, was gesagt wurde, aus allerlei Kontextinformationen zusammen.  Alles Überraschende, nicht zur Situation passende verstehe ich eher nicht. Darum haben Schwerhörige auch mit Witzen und Pointen so ihre Probleme. Wenn nicht klar ist, was gesagt werden könnte, im Kopf also eine Vorstellung möglicher Sätze herrscht, wird’s schwer. Darum hab ich ja auch schonmal gefürchtet, dass Schwerhörigkeit spießig macht.

Beim Sex den Namen eines Abwesenden zu sagen, ist so dermaßen out of context, ich würde nicht mal auf die Idee kommen, „wer?“ zu fragen. Ich würde einfach annehmen, dass ich gemeint bin oder mein Name gesagt wurde. Das alles läuft so automatisch, ich würde vielleicht nicht einmal merken, dass das was komisches gesagt wurde.

Aber vielleicht lebt man ignorant glücklicher?

Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #2: Offen sein, es nicht alleine versuchen, Initiative ergreifen

Ich glaube,  der folgenreichste Irrtum über Schwerhörigkeit/Taubheit ist, dass sie nur einen alleine betrifft. Hab ich früher selber mal gedacht, stimmt aber nicht. Hörbehinderung betrifft die Kommunikation. Und damit immer auch andere. Egal ob in der Familie, unter Freunden — oder im Job unter Normalhörenden.

Darum ist dies ein ganz, ganz grundsätzlicher Tipp: Von Anfang an offen sein, es nicht alleine versuchen und die Initiative ergreifen! Selbst habe ich mich damit lange sehr schwer getan. Zum Teil weil ich mir selbst, dem Chef und den Kollegen nicht eingestehen wollte, dass ich bei bestimmten Dingen (wo es um Kommunikation geht) möglicherweise Probleme habe. Und weil ich niemandem zur Last fallen und die Abläufe stören wollte. Ich dachte, da gibt’s nur Ärger, wenn ich das mache. Aber ich habe viel Lehrgeld bezahlt. Denn wenn es Probleme gibt, sind auch andere davon betroffen. Und wenn es schnell gehen muss, ist keine Zeit mehr.

Außerdem habe ich festgestellt: Es kommt viel souveräner rüber, einfach zu sagen: „Hier könnte es Probleme geben. Aber das macht nichts, denn so und so können wir sie meistern.“

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