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Hört sich an wie 3 Kilo zuviel — Wie Hörgeräte Tragen die Welt verändert

Ich bin ja wirklich ein Veteran, was Hörgeräte angeht — in den letzten fast 30 Jahren habe ich bei unterschiedlichen Graden von Schwerhörigkeit sechs verschiedene Modelle getragen. Und mit jedem war die Welt deutlich anders.

Grundsätzlich ist Hörgerätehören, wie soll ich sagen, zweidimensionaler. Auch mit zweien und auch wenn man Geräusche im Raum gut orten kann. Was ich meine ist, dass von dem was man hört Tiefe fehlt. Wie wenn man auf ein Foto der Welt sieht im Vergleich zu wenn man direkt mit den Augen in die Welt guckt. Und so ist es ja auch: Man hört nicht die Lautquellen selbst, sondern eine Lautquelle am Ohr versucht, die anderen so gut es geht darzustellen.

Fotos haben ja alle möglichen interessanten Effekte: Steht ein Mensch halb vor einem anderen, dann hat man in 3D trotzdem eine Ahnung, dass hinter dem ersten was dahinter ist. Dass es da weitergeht. Auf  einem Foto verdeckt der erste streng genommen nicht den zweiten, an der Stelle wo der erste ist, ist einfach nur der erste. Anderes Beispiel: Weil sie so flach wirken, sehen ohnehin schlanke Models zweidimensional noch aus als hätten sie 3 Kilo zu viel.

Schwerhörig und mit Hörgeräten verdecken sich Geräusche und Klänge gegenseitig in ganz anderem Ausmaß. Das leise Kratzen, Schaben und Schleifen was unsere Bewegungen und die der anderen begleitet, das Geschirrklappern und der Straßenlärm, aber auch die Stimme der Sängerin und die Gitarre, das Klavier und die Violine oder ein eigentlich leises Gespräch am Nebentisch: Sie unterliegen nicht den anderen Geräuschen, sie sind nicht auch da. Sie übertünchen sie. Oder sie vermischen sich, verlieren wie Farben ihr eigenes Leuchten und werden zu Brauntönen.

Sicher, die Elektronik ist immer besser geworden. Und je weniger schwerhörig man ist umso geringer der Effekt, weil man besser gezielt nur das was fehlt ersetzen kann. Aber dennoch muss ich auch mit hochgradiger Schwerhörigkeit und optimal eingestellten Geräten sagen: Wenn ich die Geräte herausnehme, kommt zwar deutlich weniger an bei mir.  Das was ankommt, klingt aber um Lichtjahre besser, mehrdimensionaler und auch mitreißender als die Welt mit Hörgeräten. Denn hören ist ja immer auch mit Gefühlen verbunden.

Wirklich zu doof, dass sich die Welt nicht selbst so verändert, dass sie sich für mich gut anhört — wie die Models, die hungern, nur damit sie auf Fotos gut aussehen.

Morgen berichte ich, warum mich ein Hörgerät, das ich die letzten 4 Wochen getestet habe, zum Weinen gebracht hat…