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Vortragen und Schwitzen: Wie man als Schwerhöriger vor Publikum redet

Dienstreise. In einen kleinen westdeutschen Ort, in dem die Bedienung nach dem Abendessen im Hotel standardmäßig fragt, ob man nicht Eintrittskarten fürs Spielcasino haben möchte, das sei ja nur über den Fluss. Man gibt sich Mühe in diesem Hotel, es ist behaglich und etwas bedrückend zugleich — ein bißchen wie bei der Schwiegeroma.

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Ich soll einen Vortrag halten, an einer Akademie. Das mache ich inwzischen sehr routiniert. Und dabei hilft mir die Schwerhörigkeit sogar. Denn ich muss ja versuchen, die Anwesenden einzufangen — und während ich rede sehen, wie das Publikum drauf ist und wie es reagiert. Das zu erfassen, darin bin ich gut, auch dank der Schwerhörigkeit. Und so sind die meisten Menschen der Meinung, dass meine Vorträge ansprechend sind.

Aber während die meisten Menschen vor dem öffentlich Reden Lampenfieber kriegen, kriege ich es danach. Beim Antworten auf Fragen und Kommentare. Dann bricht mir der Schweiß aus. Und ich muss mir was einfallen lassen. Das mache ich auch…

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Schwerhörig Kuscheln

„Du gehst immer so auf Distanz, wenn wir kuscheln und knutschen. Bleib doch mal da!“ Das hab ich nun schon häufiger zu hören bekommen. Es ist aber auch verzwickt!

Eigentlich suche ich ja die Nähe. Das ist ja wohl gerade die Definition von Kuscheln und Knutschen wollen.  Und eigentlich braucht man dabei ja auch nicht zu reden. Aber manchmal bietet es sich doch an, es kommt halt vor. Hat ja auch was, so kuscheln, knutschen und nebenher ein bißchen reden. Und wenn ich dann gerade  — wie’s sich gehört und wie ich’s will — in der absoluten Nahdistanz bin, dann habe ich ein Problem:

Wenn ich an ihrem Hals den Duft meiner Liebsten suche oder mich am goldenen Flaum erfreue, der von ihrem Bauchnabel abwärts führt, bin ich in denkbar schlechter Position um was zu verstehen. Nicht nur spricht die Liebste von mir weg. Ich sehe sie nicht einmal sprechen — und da ich immer ein bißchen Lippenlesen zu Hilfe nehmen muss, verstehe ich auch nichts. Ich höre etwas, das wie ein Wort oder ein kleiner Zuruf klingt.

Selbstverständlich lasse ich dann nicht alles stehen und liegen, richte mich auf, bringe unsere Gesichter voreinander und bitte um Wiederholung. Aber ich recke doch den Hals: Was geht da vor? Versuche, ihr Gesicht in mein Blickfeld zu bringen. Halte ich sie in den Armen und wir wechseln ein paar Worte, dann könnte ein zufälliger Beobachter durchaus auf die Idee kommen, ich wollte weder loslassen noch wegsehen, mich aber  gleichzeitig von ihrem schlechten Atem fernhalten.

Klar, theoretisch versteht jede das Problem, wenn ich’s einmal sage. Aber praktisch… fast so schwer wie umarmt schlafen, ohne dass dabei ein Arm einschläft.

Wie das so generell ist mit der Schwerhörigkeit im Bett, und mit dem Flüstern dort, habe ich ja schon berichtet.