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Der Meister der Erwartungen in Augsburg

Nein, ich kann wirklich nicht behaupten, niemand hätte es mir gesagt: Am Cochlea Implantat entzünden sich die Erwartungen — Endlich wieder Hören und Verstehen! Und wer sich eins implantieren läßt, muss zum Meister der eigenen Erwartungen werden.

Schon bevor ich mich überhaupt auf das elektrische Ohr einließ wußte ich: Das Implantat ist keine Reparatur. Wie gut man damit in vivo, also bei schnellen, leisen oder undeutlichen Sprechern, über Entfernungen, mit Nebengeräuschen, am Telefon etc. hören und verstehen können wird, ist sehr individuell. Und damit nicht exakt vorhersagbar. Vor allem aber ist das alles nicht über Nacht zu erreichen. Viel Geduld und Spucke ist angesagt.

Dennoch war ich nach den überraschenden und schön-schaurigen Erlebnissen in letzter Zeit enttäuscht.  Augsburg hieß der Ort und es lag Schnee. Es waren nette Leute und interessante Gespräche. Das Essen war vorzüglich — oder habt Ihr schon einmal in Kirsch-Sushi mit Pistazien- und Schokoladensoße sowie dazu echte Maracuja gegessen?

Nur die Leute hinter der Rezeption im Hotel, am Infoschalter bei der Bahn, im Meeting um den großen Tisch herum, in der Gruppe in der Kneipe und im Auto, das mich gerade so um die große Karambolage auf der A8 herum bugsierte — die verstand ich nur sehr mühsam bis, leider leider, gar nicht. Ich werde weiter meine Erwartungen im Zaum halten, Geduld haben und weiterüben. Frustriert, wer ich? Ommm.

Den Klauen der Akustik entkommen

Nicht immer nur das Sofa plattsitzen. Mit Freundinnen oder Freundinnen einfach losziehen. Dahin gehen wo’s nett oder was los ist, das Essen gut, die Drinks gekühlt — oder wo es einfach interessant aussieht, um’s auszuprobieren. Eine Selbstverständlichkeit, oder?

Nein. Nicht als stark Schwerhöriger. Sofern auch geredet werden soll, geht es immer um die Akustik und die ist eine strenge Herrin. Zu voll? Geht nicht. Musik im Hintergrund? Gestorben. Hohe Decken, blanke Wände, Steinfußboden? Vergiß es. Das einzige Etablissement am Platze in dem sich kein Schwein aufhält, aus gutem Grund vielleicht? Das wäre was für uns!

Es ist wirklich ein Krampf. Wie man unter diesen Bedingungen wenigstens einigermaßen bei Geschäftsessen akustisch überlebt, habe ich hier beschrieben.

Jetzt aber tut sich was. Gestern war ich mit Freundin N. aus — und sie sagte hinterher: „Hat mich ein bißchen gewundert, dass Du dieses Restaurant gewählt hast. Die Musik war schon etwas nervig.“ Und wißt Ihr was? Ich hatte einfach eins vorgeschlagen, ganz ohne groß drüber nachzudenken wie die Akustik war. Mit CI und Hörgerät war es: Ziemlich anstrengend.

Das muss man aber andersrum lesen: Es war möglich. Es war möglich! Gut, es war recht leer, also nicht gar zu schwierig. Aber ich werde das jetzt öfter machen: frei wählen.

Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #7: Akustisches Überleben beim Geschäftsessen

Säuiges oder schwieriges Essen soll man ja eh sein lassen. Aber auch ohne Artischocken, Rippchen oder Makkaroni mit Tomatensoße sind Geschäftsessen für Schwerhörige schwer. Ein noch unformuliertes Naturgesetz bewirkt, dass wo man sich gern schnell über Mittag trifft, mit dem Team zu Abend ißt oder auch wo das Bankett nach dem Kongress stattfindet gar zu oft ganz furchtbare Akustik herrscht. Schließlich ist es ja der Inbegriff eines Restaurants, dass man dort nicht alleine ißt — am liebsten noch mit Musik im Hintergrund. Und all die Hintergrundgeräusche ersäufen die Sprache, um die es doch geht.

Die Lösung? Wie immer: Initiative ergreifen — und versuchen, Einfluss auf die Wahl von Restaurant und Tischreservierung zu nehmen. Aber was macht eigentlich gute Akustik aus? Wie soll man auswählen oder — wenn man es nicht selbst in der Hand hat — was soll man denen, die auswählen, sagen? Zumal, wenn obendrein für Schwerhörige laut und leise nicht das gleiche bedeutet wie für Normalhörige.

Um es kurz zu machen, es ist ganz einfach: Man muss nur dem kitschigen Italiener oder Griechen möglichst nahe kommen…

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