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Sag mal, wo hast Du die letzten drei Jahre gewohnt?


[via fuckyeahsubtitles]

Ich liebe Filme. Und Serien. Aber ich bin kein Freund davon, das Internet mit Videos und Streams vollzustopfen. Ehrlich, ich bin mit Text ganz zufrieden. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass ich mit der Tonspur öfters Probleme habe.

Es hat damit zu tun, dass ich gerne Herr über meine eigene Zeit bin und die Dinge in meinem Rhythmus mache. Dass ich entscheide, wie wichtig ich etwas finde und wie viel Aufmerksamkeit ich ihm dementsprechend widmen möchte. Ein Text hat keine Eigenzeit, ich kann ihn in Windeseile überfliegen, vielleicht schnell die Zwischenüberschriften ansehen, Teile überspringen, das Ende lesen. Das mag ich.

Videos dagegen, und ihrer Geschwindigkeit, muss ich mich ausliefern. Sie dauern so lange wie sie dauern und mindestens den Anfang muss ich in ihrem Tempo und ihrer Dauer gucken. Nur das Fernsehprogramm ist noch schlimmer: Da findet das alles noch zu vorbestimmter Zeit statt. Nennt mich eigenwillig, aber — das mag ich oft nicht. Da muss ich schon sehr interessiert sein.

Warum ich das alles schreibe? Eigentlich ist es mir nur eingefallen weil ich überlegt habe, warum mir fuckyeahsubtitles so gefällt  — obwohl die Kombination Bild und eingeblendeter Text doch erstmal ästhetisch nicht so wahnsinnig prall ist. Übrigens, der Dialog oben wird noch besser: „Einige der Nachbarn waren ziemlich seltsam.“

Der Meister der Erwartungen in Augsburg

Nein, ich kann wirklich nicht behaupten, niemand hätte es mir gesagt: Am Cochlea Implantat entzünden sich die Erwartungen — Endlich wieder Hören und Verstehen! Und wer sich eins implantieren läßt, muss zum Meister der eigenen Erwartungen werden.

Schon bevor ich mich überhaupt auf das elektrische Ohr einließ wußte ich: Das Implantat ist keine Reparatur. Wie gut man damit in vivo, also bei schnellen, leisen oder undeutlichen Sprechern, über Entfernungen, mit Nebengeräuschen, am Telefon etc. hören und verstehen können wird, ist sehr individuell. Und damit nicht exakt vorhersagbar. Vor allem aber ist das alles nicht über Nacht zu erreichen. Viel Geduld und Spucke ist angesagt.

Dennoch war ich nach den überraschenden und schön-schaurigen Erlebnissen in letzter Zeit enttäuscht.  Augsburg hieß der Ort und es lag Schnee. Es waren nette Leute und interessante Gespräche. Das Essen war vorzüglich — oder habt Ihr schon einmal in Kirsch-Sushi mit Pistazien- und Schokoladensoße sowie dazu echte Maracuja gegessen?

Nur die Leute hinter der Rezeption im Hotel, am Infoschalter bei der Bahn, im Meeting um den großen Tisch herum, in der Gruppe in der Kneipe und im Auto, das mich gerade so um die große Karambolage auf der A8 herum bugsierte — die verstand ich nur sehr mühsam bis, leider leider, gar nicht. Ich werde weiter meine Erwartungen im Zaum halten, Geduld haben und weiterüben. Frustriert, wer ich? Ommm.