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Taub im Job, trotzdem erfolgreich — 12 Tipps für Schwerhörige, ihre Kollegen, Chefs und Kunden

Auch im Berufsleben gilt natürlich die allgemeine Gebrauchsanweisung für Schwerhörige. Im Lauf der nächsten Wochen will ich aber noch einige speziellere Tipps mit Euch teilen, wie man als Schwerhöriger in hörender Umgebung besser klarkommt. Die stammen aus meiner gesammelten Erfahrung — und sind darum natürlich nicht 1:1 auf alle Berufe, Jobs und lokalen Gegebenheiten übertragbar. Wenn aber nicht genau dies machbar ist, dann ist vielleicht etwas ähnliches, ebenso hilfreiches machbar. Insofern sind sie eher als Anregung denn als Vorschrift zu verstehen.

Was sie gemeinsam haben ist, dass sie zwar etwas Aufwand erfordern: Man muss aktiv werden. Dann aber machen sie es Schwerhörigen, ihren Kollegen, Chefs und Kunden leichter — und können nebenbei auch die allgemeine Produktivität steigern.

Die ersten zwei werden grundsätzlicher Natur sein, der Rest bezieht sich auf bestimmte Aspekte und Szenarien. Ich werde Probleme ansprechen, die ich gehabt habe. Und Lösungen beschreiben, die ich gefunden habe.

1.  Lege ein Depot an

2.  Offen sein, es nicht alleine versuchen, Initiative ergreifen

3.  Selbstvermarktung und das erfolgreiche Bewerbungsgespräch

4.   Beeinflusse die Sitzordnungen

5.   Raum und Gegenstände in Teamsitzung, Besprechung und Präsentation

6.   Ergreife das Wort: Gesprächsführung in Teamsitzung und Besprechung

7.   Akustisch Überleben beim Geschäftsessen

8.   Auf Dienstreise

9.   Nicht verzweifeln bei Konferenzgesprächen

10. Wenn’s denn sein muss: Kundenkontakt per Telefon

11. Präsentationen vor Kunden und Auftraggebern

12.  Smalltalk und Netzwerken bei Abendessen, Empfängen und Konferenzen

Dabei verstehe ich mich nicht als der Weisheit letzter Schluss — ich freue mich, auch von Euch zu hören! Welche Probleme haben Schwerhörige im Job? Wie konntet ihr sie lösen oder auch nicht? Und wie gefallen Euch meine Vorschläge?

Gebrauchsanweisung für Schwerhörige – Fragen an Euch!

Damit ist die Gebrauchsanweisung für Schwerhörige erst einmal abgeschlossen. Bevor ich demnächst zu Tipps für den beruflichen Bereich weiterschreibe, würde mich interessieren — wie kommt sie an?

Habt Ihr’s schon ausprobiert? Was sind Eure Erfahrungen? Was findet Ihr sinnvoll? Was fehlt?

Freund F. etwa sandte mir gestern folgenden Dialog, der sich nebenbei mit seinem auf beiden Ohren hochgradig schwerhörigen (und schwäbischstämmigen) Steuerberater abspielte:

Er: \“Sie könne sisch gar net vorstelle, wie schlimm des mit de Hörgeräte isch.\“
Ich: \“Ja, ein Freund von mir muss auch Hörgeräte tragen und deshalb…\“
Er: \“Wie war desch?\“
Ich: \“Ein FREUND VON MIR…\“
Er: \“Wer?\“
Ich: \“Ein Kumpel von mir muss auch…\“
Er: \“Ah, ein Kumpel!\“

Regel Nummer 10 funktioniert also. […] Entschuldigung an alle Schwaben für die (wahrscheinlich nicht mal detailgetreue) Parodie.

Über weiteres Feedback und Kommentare, auch Kritik freue ich mich sehr! Wenn Ihr hier nicht schreiben möchtet, dann auch gerne per Email an die Adresse rechts in der Seitenleiste…

Von schwerhörig gebombt zum Mehrwert der Schwerhörigkeit: Ein Gespräch mit Bernd Rehling

Sommer 1974. Am frühen Nachmittag des 17. Juli explodiert ohne Vorwarnung eine Bombe im Tower of London. Der ist wie üblich mit Touristen überfüllt. Eine Frau stirbt — neun Schwerverletzte und über 30 leicht Verletzte, meist Kinder. Einige verloren Arme oder Beine. Der Bremer Realschullehrer Bernd Rehling, gerade dreißig Jahre alt, verlor fast sein ganzes Gehör.Foto: Bernd Rehling

Mit Hörgeräten versorgt lehrte er danach noch über 20 Jahre weiter. Und ist heute einer der profiliertesten Akteure in der deutschen Hörbehindertenszene: 1997 gründete er mit einer Gruppe Gleichgesinnter das Informationsportal Taubenschlag und bringt täglich die Presseschau deafread heraus.

Not quite like Beethoven spricht mit Bernd Rehling über die schwierige Zeit als Neu-Schwerhöriger und wie er sich als Lehrer an der Hörgeschädigtenschule selbst neu erfand. Über Segen und Gefahren des Internets für Schwerhörige — und über das Leben zwischen den Welten: weder gehörlos noch normalhörend. Nach dem Klick.

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