8 Tips zum Gut Schlafen mit Tinnitus

Tinnitus is a bitch! Tagsüber geht ja meist alles noch, man hat was zu tun, ist abgelenkt. Wenn auch manchmal zu abgelenkt um konzentriert zu sein, verdammt! Aber abends, wenn langsam alles ruhig wird und der Kopf aufs Kissen sinkt — dann macht der Ton im Kopf Party!

Was soll man da machen? Generell empfehle ich bei Tinnitus (als betroffener Laie! Und wenn sich keine organische Störung findet!), mal in seinem Leben aufräumen (Ziele hinterfragen und neu setzen, Tagesabläufe überprüfen, Stress abbauen, sich vielleicht mal psychologische Beratung oder Therapie gönnen), Entspannungstechniken lernen (Yoga, progressive Muskelentspannung, autogenes Training) und prüfen, ob ein Hörgerät angezeigt ist. Vielerorts läuft das unter Tinnitus Retraining Therapie.

Speziell zum Schlafen habe ich mit folgenden acht Kniffen gute Erfahrungen gemacht:

  1. Leise und ruhige Hintergrundgeräusche angenehmer Art sind besser als absolute Stille. Vor deren Hintergrund erscheinen die Geräusche im Kopf nur lauter. Leise Musik, ein Hörbuch oder ein Radio kann helfen. Aber nicht jeder kann dabei einschlafen. Muss man halt ausprobieren.
  2. Auch das gute alte Buch zum drüber Einschlafen funktioniert oft. Es geht ums gleiche wie im vorigen Punkt: Ablenkung vom Tinnitus.
  3. Früh aufstehen, Rausgehen, sich vom Licht wachmachen und den Tag über müde machen. Sport machen (aber nicht später als ca vier Stunden vor dem Schlafengehen).
  4. Das Gegenstück: Alle Lichter löschen beim Schlafen, die Vorhänge zuziehen, gegenbenenfalls gegen dunklere ersetzen.
  5. Kein Fernsehen oder Arbeiten/Spielen/Lesen am Computer vor dem Schlafengehen. Irgendwie sind diese Bildschirme immer heller als man denkt, meiner Erfahrung nach dauert es danach, bis ich einschlafen kann.
  6. Stattdessen: Eine Stunde vor der geplanten Einschlafzeit aktiv ruhigwerden, geistig herunterfahren. Durch einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft, ein Glas Wasser/Milch oder einfach nur aus dem offenen Fenster starren und ein bißchen ruhig atmen.
  7. Atmen ist sowieso gut. Ruhig. Gleichmäßig. Ein, aus, eeiinn, aauuss, ZZZZzzzzzzzzzzzzz…..!
  8. Progressive Muskelentspannung hat mir in schlimmen Phasen geholfen. Auch einfache Traumreisen (ich stelle mir vor ich bin an schönen Orten, etwa am Meer oder an einem Bach. Und sehe ganz genau vor mir, was ich da mache, wie es sich anfühlt und anhört). Dabei bin ich dann weggeschlummert. Entspannungstechniken haben den Vorteil dass man beschäftigt ist, während man sie macht, also vom Tinnitus abgelenkt ist und trotzdem dabei oder danach einschlafen kann.
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20 Antworten zu “8 Tips zum Gut Schlafen mit Tinnitus

  1. This is great. It’s useful to be reminded of things one ought to know, but forgets to practice (log off, muscle relaxation). Sleeping for me is like the frog-cricket scene in the Old Mill cartoon, between minutes 3 and 4: http://www.youtube.com/watch?v=UMwa3ZwTwyA

  2. Yes, I will try them tonight. The previous discussion made me think of the controversy regarding CIs for children. Personally I would never in a jillion years encourage a child to get one, but obviously many people decide otherwise.

  3. Oh, das werde ich meiner Kollegin ausdrucken.

  4. Sehr gute Tipps, ich probiere sie alle, leider habe ich letzter Zeit Probleme mit dem Schlaf…

  5. na wie gesagt, hope doch sehr it helps 😉

  6. Hey, you have a great blog here! I’m definitely going to bookmark you! Thank you for your info. And this is **Tinnitus** site/blog. It pretty much covers Tinnitus related stuff.

  7. Thanks, you are welcome. Are you maintaining that hub site?

  8. rainer vienna

    nette tips! funktioniert aber nur bei gewissen lautsstärken, ich habe einen so lauten, da hilft weder sport noch ablenkung auf dauer, ich nehme an dass durch den effekt des ewigen müde seins, der körper dermaßen mit streßhormonen geimpft wird so dass eine verminderte lebenserwartung als folge logisch wäre. mir hilft ein lauter fernseher oder lautes meeresrauschen am besten, da werde ich auf dauer taub, was mir lieber ist als den rest meines lebens mit 60% meiner lebensenergie herum zu vegetieren. in meinem fall, als betroffener mit organischer schädigung durch schall, hat mir eines am meisten und besten geholfen: den tinnitus zum freund zu machen und jede beschissene sekunde dieser gleisenden und piepsenden töne im kopf lieben zu lernen und ohne kompromis nur das darüber zu denken was einem gut tut. mind over body and mind over emotions.

  9. Als jemand, dessen T. lautstärketechnisch auch nicht so ganz ohne ist, denke ich, dass Du mit den Streßhormonen sicher recht hast. Um so wichtiger ist neben so kleinen Tips wie oben das große Ganze – ganz genau wie Du sagst, damit leben lernen. Und den positiven Lebensausblick bewahren. Was ich nicht so genau weiß ist, ob ich das „mind over emotions“ nennen würde. Vielleicht mehr so eine Re-Kalibrierung?
    Als ich Deinen Kommentar las, fiel mir übrigens dieser Spruch wieder ein, ich finde da steckt deutlich mehr drin als es auf den ersten Blick scheinen mag. Kein zwanghaftes positives Denken, sondern die Fähigkeit zur Heiterkeit.

  10. Ich sitze im gleichen Boot. Mach den Ton zu Deinem Freund, oder akzeptiere ihn. Dabei tritt dieser mit der Zeit in den Hintergrund. Dort im Hirn, wo alles abgelegt wird, was wir gewohnt sind und unbedeutend ist, wie Geräusche vorbei fahrender Autos, täglicher Lärm den wir gar nicht mehr bewusst warnehmen usw. Bei mir gab es Zeitspannen von Jahren, wo ich meinen Tinnitus nicht mehr wargenommen habe. Aber er kehrt leider immer wieder zurück. Schwierig ist es abzuschätzen, ob der Tinnitus lauter geworden ist oder eben wieder im Vordergrund gerückt ist. Bei mir ist es jedenfalls unterschiedlich. Seit über 30 Jahren. Meinen Tinnitus habe ich durch einen Knall – Ueberschall bekommen.

  11. Na, also zum „Freund“ mache ich mir dann doch lieber Dinge oder Menschen, die ich gern um mich habe und gern öfters um mich hätte. Aber abgesehen von dieser Wortklauberei stimme ich Dir völlig zu.

  12. Wenn die Tinnitus Retraining Therapie von den Krankenkassen übernommen würde, würden sie wahrscheinlich mehr Leute mitmachen…

  13. Wird sie das immer noch nicht? Bin nicht so ganz up to date.

  14. Als ich mit 7 Jahren gesagt habe, ich höre Töne in meinem Kopf, wurde mir gesagt, das bilde ich mir ein (na so ganz unrecht hatten sie ja damit nicht, schließlich gibt es diese Geräusche ja tatsächlich nur in meinem Kopf). Jahre später kam mal ein Fernsehbericht über Tinnitus, meine Eltern reagierten mit „ach die armen Menschen“, aber ich hatte endlich Gewissheit, dass ich nicht komplett freaky bin.
    Viele Strategien zur Gewöhnung und Verdrängung hatte ich mir bis dahin selber angeeignet. Da ich verschiedene Piepsgeräusche im Kopf hab und die durch Sport, Alkohol, Erkältung, laute Geräusche etc. ab und an Düsenjet-Lautstärke annehmen, fallen auch Therapien mit „Gegengeräuschen“ weg.
    Ich für mich selber empfinde beim Einschlafen jedes zusätzliche Geräusch als störend, besonders dann, wenn sowieso schon ein Wirbelsturm in meinem Kopf tobt. Am besten funktioniert immernoch Tipp 2 (Physikbücher sind da sehr zu empfehlen, befördern einen zuverlässig innerhalb kürzester Zeit ins Land der Träume).
    Manchmal hilft es auch, sich auf die Töne zu konzentrieren. Ich versuche dann herauszufinden, welche Töne ich gerade auf welcher Seite höre. Nach einer ausführlichen Analyse, kann ich dann entspannt einschlafen, besser als wenn ich krampfhaft versuche, das Orchester zu ignorieren.
    Meine Mutter versucht seit neuestem, mich zu einem Thai Chi-Kurs bei einem Guru zu überreden, der behauptet, Menschen von ihren eingebildeten Geräuschen (und in der Welt meiner Mutter auch gleich von deren Schwerhörigkeit) zu befreien. Aber genau wie bei Homöopathie, bin ich glaub ich einfach nicht zugänglich für sowas…

  15. Also das ist wirklich einer der miesesten Aspekte von Tinnitus und Hörproblemen: Das manche, gern auch eigentlich wohlmeinende Eltern, es nicht glauben (können). Früher war ich auch immer sehr wütend auf Leute, die überzeugt sind, man täte nicht genug und wenn man doch nur mal zu *dieser einen ganz besonderen Person* ginge, dann würde sich das schon einrenken.

    Mittlerweile habe ich gemerkt, dass das nur Hoffnung gepaart mit Hilflosigkeit ist. Und oft viel Liebe.
    Naja. Trotzdem nicht ganz leicht damit umzugehen…

  16. Schön zu lesen, dass man nicht nur selbst mit dieser Sache „geplagt“ ist. Bei mir wurde der „irreversible Tinnitus“ rechts vor ca. 3 Jahren vom HNO festgestellt. O-Ton damals war „Sie müssen sehen, dass Sie Ihr Leben „entstressen“. Leichter gesagt als getan mit permanenten privaten Baustellen und dann dem immer steigenden Anforderungen im Beruf.

    Großartige Therapie wurde nicht gemacht.
    Mein Doc hält Infusionen für Geldschneiderei der Ärzte (es ist ja auch nicht bewiesen, dass diese helfen), Ginkgo Präparate rangieren bei ihm in derselben Liga. Er hat mir Naturtöne zum schlafen empfohlen. Ging auch n halbes Jahr gut, dann konnte im Hintergrund „dudeln“ was wollte der Düsenjet im Ohr hat dann richtig „Gas gegeben“.

    Momentan macht sich „mein Freund“ auch im linken Ohr immer wieder unüberhörbar breit. Verschwindet aber nach kurzem, aber umso intensiverem Quietschen wieder (noch!).

    Bei mir helfen Entspannungstapes zum einschlafen gut. Klappt jetzt schon n Jahr ganz gut damit. Die Monotonie der Stimmen lassen mich richtig „runterfahren“ und dann einschlafen. Wobei mir völlig egal ist, was die Leute da „sabbeln.“ 🙂 Hauptsache es hilft.

    Und auch ich werde oft mit mitleidigen Blicken bedacht wenn ich mir wieder mal die Ohren zuhalte und die Augen zukneife weil ich kreischende Möwen darin habe.

    Ein Kollege meinte mal „Einbildung macht auch krank!“ Naja wer’s nicht hat kann’s nicht verstehen denk ich mir dann.

    Seltsamerweise hab ich (teilweise Wochen lang) Ruhe nach einer ausgedehnten Motorradtour in den Alpen. Seltsam insofern, da das Gehör dabei ja doch sehr belastet wird. Aber sei’s drum.

    In diesem Sinne,

    Tanja

  17. Ist dann wohl so, dass bei der Motorradtour das Wohlgefühl überwiegt. Mehr Motorradfahren als Therapie? : )

  18. Ist es unnormal wenn ich Ohrgeräusche schon im frühem Alter habe (12-15) ?

  19. Wenn Sie ständig da sind, auch wenn Du keinen Streß hast, dann schon. Dann solltest Du vielleicht mal zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt gehen.

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