Street audiography: Das Gelaber der Stadt

Ich liebe ja große Städte wo  auf engem, öffentlichen Raum viel passiert. Nur hinstellen, hinsetzen oder durchlaufen reicht, und so viel bietet sich mir dar. Optisch ist das ganz fein – wer street photography mag, weiß, was ich meine. Akustisch allerdings bekomme ich nur mit, was explizit für mich bestimmt ist. Und das ist von dem was um mich rum passiert natürlich ziemlich wenig.

Zum Beispiel verstehe ich das öffentliche Gelaber und Genöle von Besoffenen, Junkies und Verrückten nicht. Meine Freunde meinen, das müsse man nun wirklich nicht verstehen. Ich bin trotzdem fasziniert – und würde generell was dafür geben zu hören, was Leute so von sich geben: in der U-Bahn, auf der Straße, am Nebentisch. Was Schwereres hätte ich mir nicht vornehmen können. Denn Schwerhörige entwickeln zwar erstaunliche Fähigkeiten, ihr Gegenüber trotzdem zu verstehen. Aber zufällig mithören kann auch der Geschickteste nicht.

Die Rettung gibt’s wie immer im Internet. Aufgeschnapptes Gelaber aus New York, von-dort-aus-dem-Rest-der-Welt, Pittsburgh, Athen, London, Dublin, Manchester, Deutschland – und wer sucht, findet noch ein paar mehr. Nach eingehender Prüfung  kann ich vermelden: Jede Stadt hat wirklich ihren eigenen Charakter. Und: Vieles davon ist langweilig. New York und Berlin (wo bleibt die eigene Website?) sind eindeutig am interessantesten – Ich habe so gelacht! In Deutschland haben auch St. Gallen und Mülheim an der Ruhr ein paar wunderbare Einträge.

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15 Antworten zu “Street audiography: Das Gelaber der Stadt

  1. Manchesmal ist es wirklicht witzig mitzubekommen, was andere so reden. Aber ehrlich gesagt, bin ich froh nicht immer alles mitbekommen zu müssen oder zu verstehen. Da hat man von Haus aus weniger Sorgen im Leben 😉

  2. Versteh ich. Und in der Entspannung kann man auch besser den eigenen Gedanken nachhängen. Aber ich finde man entscheidet sowieso selbst, worüber man sich im Leben so Sorgen macht. Oder sollte das zumindest.

  3. sehr cool, dieses belauscht. aber ich hatte jetzt irgendwie echte audios erwartet, wo dann gesprächs-rahmen-müll drauf ist und man gespräche zufällig raushören kann… 😉

  4. Magst Du die Marktlücke füllen? 😉

  5. Regenbogen

    Tröste Dich.
    Ich schätz mal, in den meisten Städten ist das meiste, was man so versehentlich mitbelauscht, Handygesülze.
    Nach dem Motto: Ja. Ja, ich bin im Bus. Ja, bis später.

    (Offtopic; die Granate unter den bisher belauschten Handytelefonaten: Meine Mutter sitzt im Bus; neben sich am Fensterplatz ein Schulmädchen, und auf der anderen Seite des Ganges (also höchstens einen Meter entfernt) deren Freundin. Und die zwei unterhalten sich –
    per Handy. Mama und Papa werden begeistert sein, wenn sie die Rechnung für so nen Blödsinn kriegen.)

  6. Es mag Dir nichtig erscheinen. Aber selbst entscheiden zu können was interessant ist und was nicht, ist durchaus ein Privileg.

  7. Regenbogen

    Versteh ich schon und es erscheint mir auch nicht nichtig – es war ein kleiner Versuch, es nicht ganz so negativ zu sehen. (Bringt durchaus was für die persönliche Befindlichkeit, wenn man versucht, soweit möglich, den Dingen auch eine gute Seite abzugewinnen.)

  8. Also um die eigene Befindlichkeit aufzupäppeln, finde ich es nicht so einen guten Weg sich einzureden, dass die anderen Leute eh nur Blödsinn reden. Dafür finde ich mir dann doch lieber was anderes.

  9. Regenbogen

    Das war jetzt auch allgemein gemeint.
    Positive Seiten von etwas zu suchen ist eigentlich fast nie verkehrt.

    Aber ich will mich jetzt nicht streiten, da kann man halt unterschiedlicher Meinung sein. Und das ist ja dann auch okay.

  10. Regenbogen

    Mag übrigens auch sein, daß die Unterschiede hier tatsächlich aus dem Hörstatus herrühren.
    Du siehst für Dich Probleme, alles mitzubekommen, was so um Dich herum gesagt wird, und möchtest das gern haben.
    Ich kriege alles mit – und wünsche mir manchmal, diesen Schmonses nicht hören zu müssen.
    (Wobei ich -nur damit das nicht in den falschen Hals kommt- den Schmonses gern in Kauf nehme, solange ich dafür mein Gehör habe. Das würde ich dafür keinesfalls aufgeben wollen.)

  11. Regenbogen

    Sorry, – hier fehlt wirklich eine Edit-Funktion. 😉

    Ich krieg zur Zeit so ein bißchen das Gefühl, daß in meinen Postings mal wieder ein bißchen was mißverstanden wird.

    Ich möchte jetzt auch nicht alle Leute, die um mich rum sind und irgendwas sprechen, herabsetzen („labern alle nur Scheiß“) – natürlich trifft das nicht auf alle zu.

    Ich hab mir nur angewöhnt, wenn ich irgendwas unbedingt haben möchte und auch mehr oder weniger traurig bin, daß ich´s nicht habe, mich zu fragen:
    Was ist es eigentlich, das du vermißt?
    Und wenn du jetzt bekämst, was du gern möchtest – bekommst du dann wirklich das Ergebnis, nach dem du dich sehnst?
    (Konkret: Zuletzt gemacht, nachdem ich mal wieder darauf angepflaumt worden bin, ob denn nicht mal endlich ein Typ an meiner Seite auftaucht.
    Und dann mal geschaut, wie´s bei denen läuft, die liiert sind.
    Klar sind da auch tolle Beziehungen bei, aber was ich bei manchen so mitbekomme, wie die sich hintergehen, daß einer Bekannten der Kerl nach 11 Jahren sagt, er hätte sie nie geliebt, etc. pp….
    Das mag Dir vielleicht ein schlechter Weg scheinen, seine innere Ruhe, Ausgeglichenheit und Zufriedenheit wiederzufinden, aber wenn man sich das alles anschaut, ist man tatsächlich mit dem, was man hat, zufriedener als vorher.
    – Naja, vermutlich hinkt der Vergleich etwas…war nur ein Versuch einer Erklärung.)

  12. Ging’s nach mir, es gäbe sie hier, die Edit-Funktion.

    Ich denke nicht, dass ich Dich mißverstehe. Allenfalls habe ich mißverständlich kurz zwei Aspekte dessen aufgespießt, was Du gesagt hast.
    Nämlich zum einen die doch recht verbreitete Reaktion „Das musst Du gar nicht hören, Variante: Sei froh!“ Denn ganz unabhängig vom sachlichen Gehalt in irgendwelchen konkreten Fällen — damit nimmt man eine Position ein, in der man für den anderen entscheidet was wichtig ist und was nicht. Und zum anderen, dass die mir von Dir für mich vorgeschlagene, positive Sichtweise darauf beruht, das Gerede anderer Leute relativ pauschal abzuwerten. Und das ohne dass ich das selbst beurteilt hätte.

    Regenbogen, das berührt Deine ehrenwerte Absicht, mich aufzubauen, überhaupt nicht. Auf beides wollte ich lediglich hinweisen.

  13. CharlyBrown

    Regenbogen, „labern alle nur Scheiß“ hat mich an eine junge Kollegin erinnert.
    Sie sollte bei Besprechungen, Meetings etc alles wichtige für mich mitschreiben.
    Bei einer Abteilungsbesprechung redeten alle viel und meine Kollegin schrieb nichts.
    Ich tippte nachdrücklich auf ihren Schreibblock.
    Da schrieb sie genau den obigen Satz „labern alle nur Scheiß“.

    Wenn irgendwelche Leute Dein Singleleben „ansticheln“ ist es oft nur
    Neid von „Ehekrüppeln“ auf das freie Singleleben.

  14. Regenbogen

    @CharlyBrown:
    Eben.
    Und selbst wenn es welche sind, die selbst eine glückliche Beziehung führen – wer garantiert mir denn, daß ich die auch kriege?
    Nicht daß es hier so klingt, als sei ich männerfeindlich oder ne verbitterte alte Jungfer oder sowas.
    Männer (umgekehrt auch Frauen) sind was Wunderbares, wenn frau den Richtigen erwischt.
    Hat man allerdings den falschen Partner, weiß man erst mal das Single-Leben zu schätzen.
    (Ich hab ja nicht nur die schiefgehenden Beziehungen im Bekanntenkreis beobachtet, sondern auch mal Sozialhilfe im Frauenhaus bearbeitet….und konnte mir die ganzen gebrochenen Nasen etc. live und in Farbe anschauen.)

    @not quite:
    Ja, ich denke, dann verstehen wir uns.
    Ist halt vielleicht auch etwas schwierig mit dem Schriftlichen; da kommt es schneller zu Mißverständnissen als mündlich (meiner Erfahrung nach).
    „Du mußt gar nicht hören – sei froh!“ – würde ich als Hörende Dir nicht sagen. Das ist dann doch eher die Deafie-Variante. 😉 Ich sag ja, freiwillig würde ich mein Gehör niemals abgeben, nur weil ich ab und an auch mal Dinge oder Töne höre, die ich nicht mag (Lena Meyer-Landrut und so.
    :-D). Und das mit der „Bevormundung“ kann ich auch nachvollziehen, so isses ja nicht.
    Ich war auch mal ziemlich sauer auf meinen Trainer, als es um einen Ligaspieltag ging. Es war Schnee angesagt, was hieß, daß ich mein Auto nicht zur Verfügung stellen konnte (keine Winterreifen) und wir nur ein Auto hatten. Also mußte das Team in ein einziges anderes Auto rein und da zwei andere Frauen mit auf dem Feld stehen sollten, war dann für eine dritte kein Platz.
    Letzten Endes haben sie aber doch noch ein anderes Auto aufgetrieben, mir aber nicht Bescheid gesagt. Begründung des Trainers: Nach der Verletzungspause wärst Du ja doch nicht aufs Feld gekommen.
    Ich hätte aber gerne – wie das sonst eigentlich auch nicht unüblich war – erstens als Ersatzkraft und zweitens als „mentale Unterstützung“ (im Fußball nennt man das Fan gg) dabei sein wollen – und diese Entscheidung, ob ich nun mit wollte, obwohl ich voraussichtlich nicht aufs Feld kommen würde, hatte er mir einfach abgenommen. Hat er von mir auch ne Zigarre für gekriegt. 😉

  15. Pingback: Sinfonie der Stadtmitte — Warum auch Grönländer eine Vorliebe für Eis haben können | Not quite like Beethoven

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