Das Leben findet jetzt statt

I think the reason why I do not lose weight is that I am afraid. If I lose weight and still no man finds me attractive then I have nothing to blame.

Ich weiß nicht mehr genau, wo ich diesen Spruch gehört oder gelesen habe. Aber ich finde die Logik, die jemand hier an sich selbst entdeckt, sehr spannend. Und sehr weit verbreitet. Ich denke, es gibt genügend Schwerhörige, die so ähnlich über sich selbst denken: Wenn ich nur normal hören könnte, dann… Ab und zu gehöre ich auch dazu. Denn Gelegenheiten so etwas zu denken, gibt es ja genug.

Und darum möchte ich mal kurz die Gelegenheit nutzen, eine Notiz an mich selbst festzuhalten (und das heißt in diesem Blog ja: für alle): Memento mori!

Okay, das heißt eigentlich Bedenke, dass Du sterben wirst,  aber was damit gemeint ist, ist in diesem Fall dasselbe: Mach es Dir nicht bequem hinter Deiner Behinderung (oder Deinem Körperumfang, Deinen zu kleinen oder zu großen Brüsten, Deinem immer nur schiefen Lächeln und Deinem Haarausfall oder…). Hoffe nicht auf bessere Tage. Das Leben findet jetzt statt. Alles was Du jetzt tust oder läßt, wird Dein Leben gewesen sein.

PS: Auf Deutsch steht da oben: Ich glaube, der Grund warum ich nicht abnehme ist, dass ich Angst habe. Wenn ich abnehme und mich dann immer noch kein Mensch attraktiv findet, dann habe ich nichts mehr, dem ich die Schuld geben kann.

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7 Antworten zu “Das Leben findet jetzt statt

  1. (Nicht nur) dein PS ist wichtig und wahr. Da meine Oma gerade gestorben ist, kann ich dir auch beim Rest nur innigst beipflichten. Nur Mut. Nur …

  2. Gut ge/beschrieben, dem muss man nichts mehr hinzufügen.

  3. Oh, tina, mein Beileid! Ich sag mal — gleichfalls. Und hoffe, Restfamilie und Freunde sind bei Dir!

    Doch, fotozelle. Kommentare 🙂

  4. Der Spruch ist gut, man kann ihn prima zerpflücken. Die Grundangst: Niemand liebt mich, wie praktisch, dass ich etwas habe, worauf ich das schieben kann. Und das ich ändern könnte, so ich es wollte, also ein Hoffnungsschimmer, der immer da ist . (Da haperts jetzt auch mit dem Vergleich von Abnehmen und Schwerhörigkeit…) Die Ausrede: Abnehmen? Etwas tun? Wozu – bringt doch eh nichts. Sich (zu) stark über Andere definieren: Ich bin fett/schwerhörig/sonstwas, logisch, dass mich niemand schön findet/liebt usw.
    In Bezug auf Abnehmen finde ich den Spruch übrigens nicht gerade überzeugend – Leute, die gern dünner wären, wollen doch gerade dünner sein, weil sie denken, dass sie dann attraktiver sind. Na, und so weiter, ich hör jetzt mal auf.

    @Tina: Liebe Tina, auch von mir mein herzliches Beileid.

  5. Der Spruch erschöpft ganz sicher nicht alles was mit Übergwichtigkeit zusammen hängt. Aber ich finde ich es ausnehmend klarsichtig, wenn Leute erkennen, was es ihnen bringt, sich als Opfer, als unansehnlich, zu fett oder wegen der Behinderung ausgegrenzt zu definieren.

    Selbst wenn man was auch immer man sich da rausgepickt hat ändern könnte, wird darum nicht zwangsläufig alles besser. Insofern finde ich den Spruch gut, weil er darauf hinweist, dass unbefriedigende Lebensumstände nicht zu kurzsichtig betrachtet werden sollten. Meist steckt mehr und anderes dahinter als man mit einem Handgriff oder „Abnehmen“ ändern könnte. Also besser was an der Einstellung ändern mit der man dem Leben und den Leuten begegnet…

  6. Ich danke euch.

    Der Gedanke ist so entlarvend wie verzeihlich, find ich, sich selbst so etwas wie Welpenschutz zugestehen zu wollen.

    Natürlich wollen Menschen qua Diät attraktiver werden, aber es beschleicht viele – bewusst oder unbewusst – bestimmt auch: Was, wenn mich im (recht vordergründigen) „Idealzustand“, in „Bestform“ auch niemand liebt? (Deshalb ist der Satz in „Bridget Jones“ auch so rührend: “ Er liebt mich so, wie ich bin.“ Kann sie ja kaum fassen …) Unzulänglichkeiten, Behinderungen, neurotische Eckchen der Psyche – all das ist auch eine Schutzzone. Wenn man das weiß, ist das schon ein großer Schritt.

  7. Ja. In Bestform gewesen, alles gegeben — trotzdem nicht geliebt. Ziemlich weit verbreitete Angst, das.

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