Wider die Unterschichtenfalle: Beim Projekt GINKO mitmachen

Behindert=arm. Das galt in der Vergangenheit nur allzu oft. Doch auch heute noch heißt es, dass Hörbehinderung sicher zu Status- und Einkommensverlust führt. Auch hier im Blog machen sich viele wegen dieser Gleichung Sorgen  (z.B. hier).

Sicher, es gibt bestimmt auch gutgestellte Hörbehinderte. Doch von denen hört man kaum was, es gibt keine Statistiken. Das Projekt GINKO will das (unter anderem) ändern. Ich wurde gebeten, das Projekt hier bekannt zu machen. Und da ich es für eine gute Sache halte, mache ich das gerne.

GINKO ist eine großangelegte Erhebung. Die Abkürzung steht für Gesetzeswirkungen bei der beruflichen Integration schwerhöriger, ertaubter und gehörloser Menschen durch Kommunikation und Organisation. Untersucht werden soll konkret, ob und inwiefern as Sozialgesetzbuch SGB IX Verbesserungen bewirkt. Das Projekt wird durchgeführt von der Forschungsstelle zur Rehabilitation von Menschen mit kommunikativer Behinderung (FST) e.V. an der Uni Halle-Wittenberg gemeinsam mit dem Deutschen Schwerhörigenbund und dem Deutschen Gehörlosenbund.

Ziele des Projektes sind:

  • Kommunikations- und Organisationsbarrieren am Arbeitsplatz
    zu identifizieren
  • zu zeigen, wo das Sozialrecht hilft und wo noch nicht
  • positive Beispiele aufzuzeigen
  • Arbeitgeber zu informieren, was schwerhörige, ertaubte und gehörlose Menschen leisten können, wenn Teilhabe ernst genommen wird.

Letztlich soll Druck auf die Politik ausgeübt werden. Aber dafür muss eben erst einmal ein möglichst genaues Bild der Lage gezeichnet werden. Und das geht nur wenn möglichst viele mitmachen.

Mehr Details hier. Und hier geht’s zur Umfrage: –>klick<–

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9 Antworten zu “Wider die Unterschichtenfalle: Beim Projekt GINKO mitmachen

  1. „Sicher, es gibt bestimmt auch gutgestellte Hörbehinderte. Doch von denen hört man kaum was, es gibt keine Statistiken.“

    In der Tat, das kann man auch an der GINKO-Umfrage deutlich erkennen (im Rückschluss). Liegt sicherlich auch daran, dass ‚man‘, wenn man Chancen bekommen hat (wie z.B. normales Abitur) sich weniger oder gar nicht mit Behinderten identifiziert. (Ich meine, irgendjemand hat das auch im Rahmen der GEZ-Gebüren-Debatte schon gebracht.) Das führt dann im konkreten Fall der GINKO-Umfrage dazu, dass man gar nicht als zur Zielgruppe gehörig identifizierbar ist, weil man keinem einschlägigen Verein angehört und auch sonst vieles nicht kennt/nicht weiß. (Ich dachte eigentlich, ich wüsste mittlerweile halbwegs über Unterstützungsangebote Bescheid, aber Pustekuchen …)

    Ich habe die Fragen beantwortet, es dauert nicht übermäßig lange und tut auch nicht weh 😉 Ich möchte die Studie ausdrücklich unterstützen, daher an alle die, die hier mitlesen: Vor allem, wenn Ihr den Fragebogen nicht bekommen habt, nicht einschlägigen Vereinen angehört oder ähnliches: Beteiligt Euch!
    In der Politik, in den Medien usw. wird immer wieder mit Zahlen argumentiert (leider, aber das wird sich so schnell nicht ändern). Und mehr Wissen hat auch noch nie geschadet 😉

    In diesem Sinne: allen einen schönen Sonntag!

  2. Du hast recht. Im Grunde wäre es für eine solche Studie wünschenswert, Werbung in möglichst reichweitenstarken Medien zu machen. Und nicht etwa „nur online“ oder „dort wo man Betroffene vermuten könnte“ (also z.B. hier).

    Dir auch schönen Sonntag. 🙂

  3. Mir geht es ähnlich wie Frauke: Im normalen Umfeld aufgewachsen, ausschließlich „normalhörender“ Freundeskreis und sonst keine großen Berührungspunkte mit der hörgeschädigten Welt (abgesehen von ein paar Blogs).
    Die Umfrage selber scheint mir dann auch wieder etwas auf die Personen zugeschnitten worden sein, die voll im entsprechenden Umfeld sind, da z.B. ein Gebärdensprachendolmetscher für mich witzlos wäre, da ich keine Gebärdensprache kann (einen VHS-Kurs mitgemacht, aber da ich sonst keinen kenne, der die Sprache „spricht“, war es das dann…). Trotzdem begrüße ich die Umfrage und es wäre schön, wenn auch noch andere Betroffene teilnehmen…

  4. Wie die Umfrage genauere Aufschlüsselungen der Arbeitssituation und des Berufsstatus ermitteln will, sehe ich leider nicht. Welche Hörhilfen man hat oder ob man die zusätzlichen Urlaubstage nutzt – alles recht allgemeine arbeitsrechtliche Dinge. Wüsste nicht, welcher Hörbehinderte die nicht kennt (die paar Ausnahmen bestätigen nur die Regel).

    Aber: Keine Frage zur Position in der Firma, keine Frage zu Aufstiegschancen, keine Frage zum Spannungsfeld Berufsziel und Behinderung. Keine Frage dazu, wieviel Kommunikationsanteil die ausgeübte Tätigkeit hat. Präziser: Wer im Beruf eh nie in Meetings sitzt, hat auch keine Probleme mit Verständigung. Wer nur daneben sitzen kann und kurze Handlungsanweisungen bekommt, ist noch lange nicht mittendrin und entscheidet mit.

    Hörbehinderung im Beruf ist viel komplexer:
    Wenn jemand als einfacher Lagerverwalter seine Hörhilfen und seine netten Kollegen hat, seine Arbeitsrechte kennt/nutzt, kann es trotzdem sein, dass er ohne Hörbehinderung eigentlich schon der Einkaufsleiter wäre oder im BWL-Studium säße, um danach den Betrieb zu übernehmen. Es ist noch lange nicht alles im Lot, es werden ja auch nur abhängige Beschäftigungen abgefragt.

  5. Ist ganz einfach. Du siehst es nicht, weil sie’s nicht tut. 🙂
    Und obwohl ich mir natürlich auch mehr Infos am besten gleich jetzt wünschen würde, muss man ja sehen, dass leider vieles nicht einfach abfragbar ist (ob man im gewünschten Beruf Fuß gefaßt hat z.B. oder Aufstiegschancen unter Berücksichtigung der Hörbehinderung. Oder Benachteiligungen).
    Allerdings gibt es ja eine Phase II, in der mit ausgewählten Personen Interviews geführt werden. Da kann man dann exemplarisch einige interessante Fälle genauer rekonstruieren. Die zu finden, auch dazu dient ja die Umfrage. Ich bin mal gespannt, wie sie die auswählen.

  6. Und dann sind da noch so komische Fragen zum Gesundheitszustand: Ob man Schmerzen hat bei jeder Bewegung … oder man man gut mit anderen Menschen auskommt … Mmh, wo wollen die denn hin? Sollndaswerdn?

  7. Hallo,
    ich schreibe als Mitglied des GINKO-Teams der FST.
    Zunächst vielen Dank für das Interesse an der Umfrage und die vielen Anregungen !

    Zu den bisherigen Fragen schon mal eine erste Rückmeldung:

    – Es gab es Vorschlag, „Werbung in reichweitenstarken Medien“ zu machen. Wir haben schon Flyer in verschiedenen Zeitschriften für Hörbehinderte eingelegt. Außerdem wollen wir noch im Internet auf verschiedenen Seiten auf die GINKO-Umfrage hinweisen. Wir sind aber auch immer offen für weitere Vorschläge !

    – Die Umfrage ist nicht auf Personen zugeschnitten, die voll im entsprechenden Umfeld sind, sondern soll die Bedürfnisse aller Menschen mit einer Hörbehinderung abdecken. Dabei haben natürlich nicht alle die selben Bedürfnisse. Dies wird gerade beim Gebärdensprach-Dolmetscher deutlich, für den nur derjenige Bedarf hat, der auch DGS oder LBG kann.

    – Dass alle Hörbehinderten Ihre Recht kennen, ist natürlich wünschenswert. Darüber, ob dies aber die Regel oder die Ausnahme ist, ist bisher nichts bekannt. Auch diese Frage können wir mit der Umfrage beanworten.

    – Genaue Fragen zum Beruf, zu Aufstiegschancen, zum Spannungsfeld zwischen Berufsziel und Behinderung und viele weitere interessante Fragen, konnten wir leider nicht in der Befragung stellen. Dazu wäre der Fragebogen zu detailliert und vor allem zu lang geworden. Wie schon geschrieben wurde, gibt es noch eine weitere 2. Phase, in der Interviews geführt werden. Ausgewählt werden die Personen so, dass wir hinterher ein möglichst umfassendes Bild haben, z.B. jemanden, der alle seine Rechte kennt und jemanden, der keines der Rechte kennt; jemanden, der auf der Regelschule war und jemanden, der auf einer Hörgeschädigten-Schule war. Das Verfahren, nach dem wir auswählen, heißt theoretical sampling.

    – Die Fragen zum Gesundheitszustand wurden genau so schon in vielen Umfragen (unter Menschen mit und ohne Hörbehinderung) weltweit gestellt. Daher können wir mit den Antworten die Ergebnisse aller Fragen besser einordnen.

    Vielen Dank an alle, die die Umfrage beantworten !

  8. Freut mich, dass Sie sich hier zu Wort melden.
    Ich denke, die Teilnehmerfindung ist tatsächlich ein großes Problem. Und zwar weil die Dunkelziffer für Hörbehinderte so hoch ist, aber gerade diese „Dunklen“ die besonders interessanten Personen sind (Umfrage zielt auch auf Leute, die nicht „voll im entsprechenden Umfeld sind“). Bei Leuten, die eh in den Verbänden sind, womöglich sogar noch aktiv, muss man ja annehmen, dass sie gut informiert sind und sich tendentiell auch eher zu helfen wissen. Ähnliches würde ich tendentiell für die Leser von einschlägigen Zeitschriften und Blogs vermuten.

    Sicher, es ist vermutlich eine finanzielle Frage, aber: Haben Sie mal erwogen, in unspezifischen Massenmedien zu werben (z.B. Bild, Spiegel, Welt, Zeit etc)? Und als Tip: Finanziell vernachlässigbar aber womöglich ertragreich könnten im Onlinebereich Google Ads auf schlau ausgedachte Suchwörter sein.

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