Schwerhörige in der Schule: Eine Frage des Glücks?

desks_university -- Photo by teachingsagittarian / flickr, some rights reserved

Ich bin ein Glückskind. Oder zumindest muss ich das annehmen, wenn ich sowas hier lese:

Karin ist schwerhörig, eine von rund 500.000 Menschen, die in Österreich mit dieser Behinderung leben. Den Schulalltag hat die junge Frau gut gemeistert, an der Englischmatura sollte sie scheitern. Die Prüfer ließen sie durchfallen – weil Karin das Hörbeispiel nicht verstand. [Quelle]

Helene Jarmer, eine anfangs angefeindete, gehörlose Bundestagsabgeordnete in Österreich, sagt in dem Artikel, das sei kein Einzelfall. Schwerhörige könnten kaum die Matura, also in Deutschland das Abitur, bestehen. In einem Fall sei ein Schwerhöriger in Englisch wegen schlechter Aussprache durchgefallen worden. Das finde ich entsetzlich, macht mich aber auch nachdenklich.

Wenn ich mich an meine Schulzeit und Prüfungen zurückerinnere, dann haben mir meine Eltern immer gesagt, ich solle ganz früh mit den Lehrern reden — und ich hatte, bis auf wenige Ausnahmen, immer Glück.

Ich erinnere mich an Nacherzählungen in Deutsch und Englisch: Der Lehrer stellte sich direkt vor mich hin und sprach mich direkt an. Ein- oder zweimal durfte ich die nachzuerzählende Geschichte auch lesen, statt hören.

Ich erinnere mich an Hörverstehensübungen mit Filmen und Tonaufnahmen in den Fremdsprachen: Ich verstand schon immer nichts, was aus Lautsprechern kam. Die Aufgabe wurde bei mir nicht gewertet oder über den Daumen aufgerundet. Schließlich bekamen die Lehrer ja auch ansonsten auch einen Eindruck davon, wie hell oder wie doof ich im Kopf war und ob ich ein Gefühl für die Sprache entwickelte. Und ich erinnere mich an eine Spanischprüfung, bei der sich die Prüferin extra mit mir traf und mir die Hörbeispiele in ihrem Büro vorlas — was für mich besere Akustik und die Möglichkeit zum Lippenlesen bot.

Ich erinnere mich sogar an einen Physiklehrer der mir am Ende ganz pauschal eine Note besser gab als ich mir erarbeitet hatte, einfach weil er meinte, er müsse ja auch die mündliche Beteiligung werten und die ziehe meine Note über Gebühr herunter.

Klar, ich erinnere mich auch an Gegenbeispiele. Es gab den Französischlehrer, der steif und fest der Meinung war, dass ich mich verweigerte, ihn gar verspotten wollte. Da war an großzügiges Aufrunden nicht zu denken. Im Gegenteil, es war einiges an gutem Zureden seitens meiner Mutter und seiner Kollegen notwendig, damit er mich nicht durchfallen ließ.  (Heute und nebenbei gesagt, er hatte auch Recht, der Französischlehrer.)

Wie die Lage quantitativ ist, kann ich nicht beurteilen. Ich habe nur meine eigene Erfahrung aus den 1980ern und 90ern in mehreren normalen Schulen einer mittleren Großstadt in Westdeutschland . Und sicher, es ist alles auch eine strukturelle Frage. Die institutionellen Förderungsmöglichkeiten für Schwerhörige und Gehörlose sind ohne Zweifel verbesserungswürdig. Aber wenn’s auf der zwischenmenschlichen Ebene, zwischen Lehrern und Schülern, nicht gut läuft, dann helfen auch Gesetze weniger. Klar kann man klagen, aber niemand sollte wertvolle Schul- und Lebenszeit verlieren, nur weil sie auf das Urteil in irgendeiner Sache warten.

Was sagt Ihr dazu? Hatte ich nur unglaubliches Glück?

Advertisements

31 Antworten zu “Schwerhörige in der Schule: Eine Frage des Glücks?

  1. Bei mir hat sich die Schwerhörigkeit in der Schule eigtl. nicht groß negativ ausgewirkt, allerdings habe ich ebenfalls alle Lehrer auch immer sofort darauf aufmerksam gemacht, dass ich schwerhörig bin und Hörgeräte trage (auch wenn einige das dann wieder vergessen haben, da ich ziemlich gut zurecht kam).
    Bei dikitierten Texten (kam in der Oberstufe auch ab und an vor, wenn wir einen Satz oder ähnliches aufgeschrieben haben und unsere Lehrerin zu faul war, ihn an die Tafel zu schreiben) habe ich immer – soweit möglich – Sichtkontakt zum Lehrer gehalten und auch signalisiert, wenn ich etwas nicht verstanden habe (bzw. ich hab dann einfach beim Nachbarn abgeschrieben, wenn es nicht um Noten ging).
    Einziges Problem waren bei mir Sprachen, da ich nicht gerade das Sprachentalent bin und zum anderen auch noch ein paar miese Lehrer dazu kamen (meine erste Englischlehrerein hat das komplette Englischbuch dermaßen schnell durchgezogen, dass wir 6 Wochen vor Ende des Schuljahres mit dem Buch fertig waren; im ersten Jahr Englisch wirkt sich das fatal aus). Wurde am Ende aber auch besser und ich habe das Abi dann auch mit einer ziemlich guten Note abgeschlossen.

    So ein Szenario wie in Österreich kann ich mir aber in Deutschland auf Grund meiner Erfahrungen nicht vorstellen. Das ist ja schon eine Benachteiligung auf Basis einer Behinderung, welche ja – meines Wissens – gesetzlich verboten ist.

  2. Oh, ich glaube schon, dass Du viel Glück hattest, nqlb, und ich glaube auch, dass so ein Fall wie in Österreich auch bei uns möglich wäre. Ich hatte zum Glück die Möglichkeit mit nur zwei Fremdsprachen (Englisch und Latein) durchzukommen, bei Latein ist bekanntlich nichts mit mündlich und selbst wenn: es war unproblematisch.

    Ich erinnere mich aber sehr gut an meinen Englisch-Lehrer in der Oberstufe (der sehr viel auf sein regelmäßigen Aufzeichnungen und seine Gerechtigkeit hielt): Ich hatte mir ein Halbjahr sehr sehr viel Mühe gegeben um meine Note, insbesondere mündlich zu verbessern. Nach seinen Aufzeichnungen über meine Beteiligung hätte ich eine glatte zwei bekommen müssen, aufgrund meiner schlechten Aussprache (die er aber nie vorher bemängelt, verbessert o.ä. hat!) hat er mich mündlich auf eine vier abgewertet und noch dazu gesagt, dass sei großzügig … das ganze natürlich coram publico.

    (War in einer westdeutsche Großstadt, Mitte der 80er auf einem sogenannten modernen Gymnasium)

  3. Letztendlich steht und fällt es mit den Lehrern und die sind nunmal Glückssache und man kann sie sich nicht aussuchen. Ich hatte so gut wie nie Probleme mit meinen Mitschülern, immer nur mit den Lehrern, die ein Problem mit mir hatten. Schau Dir mal die Statistik an wie viele behinderte Menschen überhaupt Abitur machen. Du kannst Dich also glücklich schätzen, dass es so gelaufen ist wie es gelaufen ist. Aber es ist nicht nur alleine Glück. Es gehört auch immer Durchsetzungsvermögen dazu und Kompensationsfähigkeit duch den behinderten Schüler…

  4. Danke schonmal für die Eindrücke! Ich finde das wichtig.

    Ich weiß schon, dass viel zu wenig Behinderte Abi machen. Und für mich persönlich sehe ich es schon so, dass ich Glück hatte.
    Allerdings nicht nur was die Lehrer anbetrifft. Die sind zwar ein neuralgischer Punkt und wenn es eine ganze Schule voller Betonköpfe ist, geht natürlich gar nichts. Mit meinem Glück meine ich fast mehr die Unterstützung die ich von meinen Eltern erhielt. Die Sicherheit, dass ich im Recht sei wenn ich erklärte warum ich Sonderbehandlung brauchte, die Ermunterung, dazu zu stehen, auch um Noten zu diskutieren und es mir nicht bieten zu lassen wenn einer blöd daher kommt. Nicht aufzugeben, wenn einer mich zunächst abwerten wollte. (Das ist übrigens etwas dass mich oft auch bei meinen nichtbehinderten Freunden verwunderte: ihre Bereitschaft, offensichtlich ungerechtfertigte Noten kampflos zu akzeptieren!) Gelegentlich auch die „Arbeit“ meiner Eltern in der Sprechstunde einiger Lehrer. Dafür bin ich wirklich dankbar. Vor allem in der Grundschule, weil so konnte ich es dann später besser selbst.

  5. Hi
    ich hatte bisher auch viel „Glück“ also kam gut mit meinen Lehrer aus musste dann z.B. in meiner Realschule – Abschlussprüfung kein Hörverständnis über Kassette/Lautsprecher machen sondern nur schriftliche Prüfungschreiben…
    Bin nun momentan auf dem Weg zum Fachabi (zweite Fremdsprache tu ich mir nicht an 😉 ) jetzt mal abwarten wie das dann läuft…

  6. fragmentjunkie

    Wenn ich die Beispiele lese, dann überfällt mich Ekel. Ich finde so was derart dreist, unfair und sowas von naja…. welt- und lebensfremd ist da eigentlich noch viel zu nett.
    Ich kann mich aber auch an einen Mitschüler erinnern, den ich noch heute kenne. Er kann eigentlich relativ gut hören, hatte nur ein klein wenig schlechteres Gehör. Er scheiterte am Ende daran, dass es eine Lehrerin gab, die er in zwei Fächern hatte und die ihm nicht glaubte, dass er ihre Frage nicht hört. Sie hätte einfach etwas lauter fragen müssen. Sie sprach eigentlich viel zu leise, war aber nicht bereit (vielleicht auch nicht in der Lage) dies zu tun.
    Er hatte noch Glück, dass er auf einem dafür spezialisierten Gymnasium wechseln konnte, wo sein Problem bedacht wurde. Aber was heißt Glück in dem Zusammenhang?
    Er musste dafür auch ca. 100 km alleine wegziehen. Naja, er noch er relativ normales Gehör. Aber das schon reichte, um enorme Schwierigkeiten zu bekommen.
    Ich frage mich aber auch, wo die Eltern bleiben? Vielleicht denke ich da auch ein wenig zu träumerisch, weil ich noch keine Kinder habe und nicht weiß, wie viel Kraft mir noch bliebe. Aber aus der Sicht eines Elternteils würde ich auf die Barrikaden gehen; solche Lehrer müssten sich einiges anhören, wofür ich dann wahrscheinlich noch Bußgeld zahlen müsste.

  7. Ich kann da eigentlich nicht so viel aus eigener Erfahrung sagen, außer von der Berufsschule meiner ersten Ausbildung, in der ich längere Zeit noch Hörgeräte hatte. Platz in der ersten Reihe, das war alles was ich an „Vergünstigung“ bekam.

    Später auf der Gehörlosenschule beim Abi saß ich mit einer Spätschwerhörigen im Kurs, die zum Wechsel auf eine Schwerhörigenschule für den Realschulanschluss entweder vom Schulamt oder Regierungspräsidium gezwungen worden war und mehrmals erwähnte, dass man in ihrer Regelschulklasse keine Rücksicht geübt hätte. Das könnte, denke ich, aber die Macht der Gewohnheit gewesen sein, weil J. bis zur 8. Klasse keinen Hörschaden hatte.

    Danach traf ich eine Spätschwerhörige, die zwar für das Abitur auf einer Regelschule war, aber von Lehrern durch das Abitur fallen gelassen wurde, weil ihre akustischen Probleme ihr als kognitiv ausgelegt worden sind.

    Im BFW sind immer wieder Schwerhörige mit denen ich zum Teil gut bekannt war an so was wie listening comprehension gescheitert und mussten dann zum Teil auch die Ausbildungsgänge wechseln, weil die Sprache die nicht verstanden wurde bei der IHK – wurde gesagt – als elementar für die Prüfung gesehen wurde.

    Ich hatte das große Glück, dass ich von solchen Sachen sehr früh befreit wurde. Nicht um mir damit etwas zu erleichtern oder mir eine Barriere zu nehmen. In Englisch hieß es schnell „Niveau Native Speaker, die sitzt hier also nur dumm rum“, in Deutsch „Protokollieren kann sie nach Stichwort, mehr braucht sie nicht“.

    fragmentjunkie, du fragst nach den Eltern. Die Frage ist berechtigt. Ich will das nicht verallgemeinern, weil es gibt definitiv auch andere, aber ich habe früher unter anderem mit hörgeschädigten Jugendlichen gearbeitet und dabei etwas beobachtet, dass mir später beim Unterrichten von hörenden Kindern an einer Privatschule (dass eine hochgradig Hörgeschädigte hörende Kinder in einer Regelschule unterrichtet ist undenkbar) etwas aufgefallen: Ich nenne es das Komplettpaket-Syndrom. Hauptsymptom: Die Eltern glauben, sie geben das Kind bei der Schule ab und die macht schon. Die Verantwortung wird abgegeben, das was die Schule macht wird schon richtig sein.

    Liebe Grüße

  8. Ich sehe das nicht ganz so optimistisch wie meine Kommentatoren.

    Klar: In den unteren Stufen ist es noch einfach, kooperationsbereite Lehrer zu finden. Je mehr man sich aber hoch arbeitet, desto schwieriger wird es: Der pädagogische Ansatz verliert an Bedeutung, die Ellenbogenmentalität nimmt zu.

    In einem fast ausschließlich mündlich gehaltenen Seminar – bei dem ich schon anfangs merkte, dass ich da akustisch nicht mitkomme – weigerte sich beispielsweise der Professor, mir ein Manuskript zu geben. Auch die Bitte um Literatur-Empfehlungen zum Nachlernen war erfolglos. Genau mit den mündlich gegebenen Tipps hatte ich in der Prüfung dann meine Probleme.

    In Zeiten überfüllter FHs und Unis ist man ja auch froh, wenn die „Schwachen“ nach den ersten Semestern weg sind.

    Jetzt, im Beruf, kann ich nur noch im Kollegenkreis (meine „Homezone“) auf Unterstützung hoffen.

    Wenn es um was geht, wird in der Gesellschaft Behinderung häufig als Schwäche ausgelegt.

  9. fragmentjunkie und salomea, abgebe-eltern, die sich nicht kümmern gibts leider viele, das ist wahr. Das ist ja, wenn ich recht sehe, auch einer der Gründe warum in D Bildungschancen so stark schichtabhängig sind. Wobei ich jetzt nicht so genau weiß ob der Zusammenhang auch bei behinderten Kindern so eindeutig ist.

    michi, Behinderung wird als Schwäche angesehen, das stimmt leider. Auch dass es später schwieriger wird ist häufig so, das stimmt. Vor allem, wenn man schon in der schule nicht richtig gefördert wurde. Aus der eigenen Erfahrung an der überfüllten Massenuni kann ich aber auch sagen, dass auch zunächst (aus Zeitdruck, Überlastung?) abweisende Dozenten sehr aufgeschlossen reagiert haben, wenn ich sie erst einmal geknackt hatte. Mit Interesse signalisieren, beharrlich sein und eigene Vorarbeiten zeigen, so nach dem Motto: „also ich habe versucht mir literatur zum nachlesen zu suchen und dies und jenes gefunden, was halten sie davon, was empfehlen sie zusätzlich?“

    Allgemein, bei dem Artikel mit dem oben alles angefangen hat gibt es einen interessanten Kommentar von NewAtair, bitte mal anschauen. Es ist ja so, dass die wirklich wichtigen Sprachprüfungen eigentlich die TOEFL, Cambridge und wie sie alle heißen Zertifikate sind und es ist interessant zu sehen, dass diese standardmäßig für Hörbehinderte angepaßt werden!

  10. nqlb, ich glaube der Zusammenhang bei Kindern mit Behinderung ist nicht nur durchaus gegeben, sondern hängt auch dort stark von der sozialen Schicht ab. Ich musste mich mal Bildungsmäßig sehr damit beschäftigen und lese heute immer noch Abschlussarbeiten für Erzieher, Heilpädagogen etc. korrektur und in einer Sache kommen die alle zu dem gleichen Schluss (mir ist das nie so aufgefallen aus meinem persönlichen Umfeld): Es hängt vor allem von der sozialen Schicht/Stellung der Eltern ab wie die ihr Kind mit Behinderung akzeptieren. In den eher oberen Schichten wird Behinderung eher als Makel gesehen, der eleminiert werden muss, in den eher unteren wird sie eher als Teil vom Kind akzeptiert. (Ich hätte geglaubt, eher anders rum). Daraus ergibt sich laut diesem Fachmaterial auch, dass sich Eltern aus den unteren Regionen (womöglich nicht das „Prekariat“…) weit eher ihren Kindern mit Behinderung und deren Entwicklung annehmen, also auch mal eher in der Schule Möglichkeiten zur Unterrichtsteilhabe für ihr Kind durchboxen, als die in den oberen Schichten. Die sind eher dazu geneigt, aus den Augen aus dem Sinn, und dann ist das Kind halt in der Schule und hat klarzukommen und damit haben wir unser Möglichstes getan oder so.

    Wenn ich da jetzt gerade in diesem Moment drüber nachdenke fällt mir übrigens auch etwas auf meine hörgeschädigten Freunde bezogen auf: Diejenigen, die Eltern haben mit in der Geselllschaft angesehenen Berufen – im medizinischen Bereich, Architekten etc. -, sind die die am häufigsten erzählen, sie hatten aber gefälligst zu Hause zu sprechen, sie hätten gefälligst das Abitur zu versuchen gehabt, sie hätten bloß nicht zu Hause gebärden dürfen, bloß nicht mit einem hörgeschädigten Partner ankommen dürfen etc. So schafft man sich unter anderem seine die Hörenden hassende Elite. (Wobei da nicht nur diese Kompenenten drinstecken, aber das ist nicht das Thema). Diejenigen aus Elternhäusern mit „normalen“ Berufen erzählen, dass ihre Eltern vielleicht nicht gebärden können/konnten, sie aber auch nicht schlimm gestraft wurden wenn sie mit Freunden gebärdet haben, die durften sich ihre Berufe selbst aussuchen, ihren Kindern Namen geben, die ihnen gefallen, mit den Kindern kommunizieren wie sie wollen etc. Da sieht man es vielleicht auch schon.

  11. Das ist ja interessant! Das ist nämlich genau das was ich meinte mit „bin nicht sicher ob bei behinderten Kindern der Zusammenhang genauso ist“. Weil ich nämlich auch dachte, dass vielleicht bei den „oberen 10000“ Behinderung eher totgeschwiegen und Kind bzw Schule damit alleingelassen statt unterstützt wird. Dass vielleicht ein mittlerer bis unterer Hintergrund „die meiste Unterstützung“ bekommt.
    (Was natürlich NICHT heißen soll, dass Behinderte aus besseren Schichten nicht auch sonst mehr Möglichkeiten haben als andere, zB weil die Eltern ihren ungebildeten Söhnen und Töchtern trotzdem formalen Bildungsstand zu verschaffen oder kaufen wissen.)

  12. Ich (schwerhörig mit Hörgerät) bin momentan im vorletzten Jahr vor dem Abitur auf einem Regelgymnasium und habe zwei Fremdsprachen (Spanisch und Französisch). Ich mag Sprachen sehr gerne, bin da wohl auch nicht völlig unbegabt und schneide im schriftlichen Bereich auch sehr gut ab. Hörverstehensübungen gehen aber gar nicht. Entweder rate ich dann halbwegs richtig, oder die Lehrer geben großzügig Punkte für eigentlich nix, oder aber ich gleiche die Hörverstehensaufgaben durch den schriftlichen Teil aus, so bin ich bis jetzt recht gut durchgekommen. Den Teil einfach nicht zu bewerten wäre auch noch eine Option, allerdings wird das dann im Abiturzeugnis vermerkt.
    Ansonsten habe ich die Erfahrung gemacht, dass es viel bringt, mit den Lehrern zu sprechen. Das kommt natürlich sicher auf die Schule drauf an. Die Lehrer an meiner Schule sind völlig in Ordnung, zudem bin ich eine ziemlich gute Schülerin, deshalb haben mir bis jetzt auch alle sofort geglaubt. Mir war gar nicht so bewusst, dass es anscheinend etliche Lehrer gibt, die einem Lügnen unterstellen oder sich absolut unkooperativ zeigen – finde ich sehr heftig! Darüber kann ich nicht klagen, einige meiner Lehrer haben sich sogar sehr bemüht, Informationen zu sammeln, welche Möglichkeiten es für Schüler wie mich gibt.
    Als ich noch jünger war, hat meine Mutter mit den Lehrern geredet. Überhaupt waren meine Eltern immer bereit, mich zu unterstützen. Ich komme aus der „Akademiker-Bildungsschicht“, muss allerdings hinzufügen, dass mein Vater und mein Bruder ebenfalls eine leichte Schwerhörigkeit besitzen (sie hören aber besser als ich), es insofern gar kein Tabuthema sein kann.
    @Salomea: Interessante Studie, danke. Was ich getippt hätte: in der mittleren Schicht ist die Unterstützung am besten, in der Unterschicht eher schlecht (vielleicht habe ich da zu viele Vorurteile), in der Oberschicht wird es totgeschwiegen.
    @nqlb: Tausend Dank für den Hinweis auf NewAtairs Kommentar! Ich will unbedingt mal ein Sprachzertifikat machen, aber das Hörverstehen hat mich stark abgeschreckt. Sehr schön zu lesen, dass es da noch gewisse Möglichkeiten gibt.
    Und danke allgemein, dass du das Thema angesprochen hast. Ich muss mich ja jeden Tag damit auseinandersetzen und freue mich, von anderen Betroffenen oder auch Nicht-Betroffenen etwas dazu zu lesen.

  13. Bitte, Theresa, gern geschehen. Freut mich, dass Du hergefunden hast und’s hier angenehm findest 🙂 Danke für Deine Geschichte!

  14. Ich bin Vater einer mittelschwerhörigen 7jährigen Tochter. Sie geht in die 2. Klasse einer normalen Kleinstadt-Volksschule (natürlich mit Hörgeräten) und ist dort eine der besten Schülerinnen.
    Für uns stellt sich spätestens nächstes Jahr die Frage nach der weiterführenden Schule (ab 10 Jahre, Haupt oder Mittelschule)
    1. Regelschule in unserer Kleinstadt. Vorteil: leicht erreichbar, viele bekannte Kinder. Nachteil: Schwerhörigkeit mit allen Problemen, Theresa schrieb: „Hörverstehensübungen gehen aber gar nicht“, Fremdsprache vielleicht ein Problem (warum eigentlich? Sind die Hörgeräte nicht so gut, dass man alles versteht?)
    2. Schule für Schwerhörige. Vorteil: Auf Behinderung wird Rücksicht genommen, Pubertät fällt ev. leichter, weil Kind unter gleichartigen Kindern lernt. Nachteil: schlechter Ruf (unzufriedene Eltern in unserer Eltern-Selbsthilfegruppe), nivelliert wird auf Basis des schlechtesten Schülers, Zeugnis von einer Behindertenschule, nicht so leicht erreichbar, keine bekannten Kinder.
    Ich wäre dankbar für Meinungen von Betroffenen, welchen Weg wir einschlagen sollten bzw. über weitere Erfahrungen von Betroffenen, die eine Regelschule besucht haben.
    PS: Gibt es auch Erfahrungen, wie pubertierende Schulkollegen mit schwerhörig behindeten Schulkollen umgehen?

  15. Mein Senf zu den Fremdsprachen: Ich habe seit der 3. Klasse Hörgeräte getragen und habe vorher schon „normal“ die Lautsprache erlernt. Englisch- und Französischunterricht waren – was Sprachverstehen angeht – aber trotzdem eine Qual, was mit folgenden Punkten zusammenhängt:
    1) Hörgeräte können nicht alles kompensieren und Frequenzen, die nicht mehr wahrgenommen werden, können nicht wieder zurück gebracht werden. Da können auch Frequenzen bei sein, die für Spracherkennung und Unterscheidung einzelner Worte wichtig sind.
    2) Hörverstehen wird leider meistens mit Kassetten/CDs gemacht, so dass man keinen Sichtkontakt zum Mund des Sprechers hat. Ich behaupte mal, dass viele Schwerhörige sich neben dem akustischen Verstehen auch zum Teil auf das Lippenablesen verlassen, auch wenn sie es teilweise selber nicht merken (das geht dermaßen in die tägliche Routine über, dass das – zumindest bei mir – wirklich unbewusst passiert).
    3) Wenn Wörter nicht richtig verstanden werden, kann man sich meistens mit dem Kontext noch helfen. Schlaf und Schaf hören sich z.B. sehr ähnlich an, können aber durch den Kontext auseinander gehalten werden. Bei Fremdsprachen fehlen – zumindest mir – aber die „Aufhänger“ für den Kontext, gerade wenn dieser im Rahmen von Hörverstehensaufgaben total willkürlich ist.

    Was die Schulwahl angeht: Ich persönlich (hochgradig Schwerhörig) war auf einem normalen Gymnasium, auf das auch meine Freunde aus der Grundschule gegangen sind (die Frage nach einem Internat hat sich bei mir aber auch gar nicht gestellt). Ich hatte auch keine besondere Betreuung als Nachteilsausgleich, auf welche ich wahrscheinlich Anrecht gehabt hätte (hab ich aber erst vor kurzem erfahren). Die Schulzeit während der Klassen 5-10 war aber dank Mobbing bei mir nicht so der Hit, wobei ich nicht weiß wie groß der Anteil der Hörbehinderung als Grund für das Mobbing war. Ich war zusätzlich noch etwas dicker, hab Sport gehasst und war Klassenbester. Das hat da sicher auch alles eine Rolle gespielt.
    In der Oberstufe war das alles aber kein Problem mehr, weil die „Chaoten“ alle nicht mehr dabei waren und ich mir die Fächer nach belieben aussuchen durfte. Das Abi am Ende war auf jeden Fall richtig gut und ich war im oberen Bereich des Jahrgangs und das auf einem Gymnasium, welches als ziemlich anspruchsvoll galt.
    Ein Abi auf einem „normalen“ Gymnasium ist also in meinem Fall kein Problem gewesen und auch das derzeitige Informatikstudium (bin derzeit an der Diplomarbeit) ist machbar, wobei es etwas länger als normal gedauert hat (zum einen sind die Regelstudienzeiten dermaßen optimistisch angegeben, dass dies kaum einer schafft & zum anderen ist der Nachbereitungsaufwand etwas größer als bei „normalen“ Studenten -> weniger Prüfungen pro Semester).

  16. Hallo Raimund,

    was Hörgeräte und Fremdsprachen angeht, stimme ich Lars zu, es kommt auch sehr auf den Einzelfall an. Inwieweit die Hörgeräte Deiner Tochter den Hörverlust ausgleichen oder nicht kann Dir aber heutzutage der Hörgeräteaktustiker sagen oder sogar vorführen (meiner hat eine entsprechende Simulationssoftware – war zwar in meinem Fall enttäuschend, weil schlicht so gut wie nichts übrig blieb, aber vielleicht trotzdem interessant).

    Ich würde auch auf jeden Fall für die ’normale‘ Schule plädieren, auch wegend der von Dir beschriebenen Nivellierung auf der BehindertenSchule und der Tatsache, dass Deine Tocher gut ist. Ggf. gibt es heutzutage wirklich bessere Möglichkeiten des Nachteilausgleichs – und Du kannst ja an den Beiträgen sehen: Kommunikation mit den Lehrern ist alles (und wird vielleicht in der Kleinstadt auch nicht soo schwierig sein?).

    Wegen der Pubertät würde ich mir keine speziellen Gedanken wegen der Schwerhörigkeit machen: Pubertät ist so oder so grässlich, welchen Anteil daran eine Behinderung oder eine Schule oder ihre Kombi hat, kann man ohnehin nicht abschätzen, schonmal gar nicht im voraus.

    Ein Hinweis aus meiner mittlerweile sehr langen Erfahrung: Ganz wichtig sind die ‚richtigen‘ Hörgeräte, hier nicht sparen. (Bei Kindern zahlen m.W. die Kassen immer noch alles?)

  17. Ich wundere mich, dass der Begriff des „Nachteilsausgleichs“ so spät fällt.

    Hörgeschädigte haben ein Anrecht auf einen Ausgleich für ihre Hörbehinderung, so müssen zB Hörverständnistests in Arbeiten anders gewertet werden, bzw gar nicht.
    In mündlichen Prüfungen müssen die Fragen schriftlich vorgelegt werden, usw.

    Man hat also durchaus Rechte, auf die man pochen kann und ist nicht der Gunst der Lehrer ausgeliefert, im Sinne von „na, da hab ich ja Glück gehabt, dass der Lehrer Rücksicht nimmt“.
    Im Zweifelsfall spricht man als Eltern mit den Lehrern, nachhaken, reden, im Kontakt bleiben, mit Emails nerven. 🙂
    Das ganze Programm.

  18. Raimund, ich kann meinen Vorschreibern und -schreiberinnen nur zustimmen. Würde bei sonst guten Leistungen auch für die Regelschule plädieren, insbes. wenn die andere einen schlechten Ruf hat. Und dafür, mit Hänseleien oder gar Mobbing zu rechnen, aber nicht im Übermaß. Weil es die immer wieder und überall geben wird und auch unabhängig von der Behinderung. Schon wenn Deine Tochter gut ist, wird das als Grund ausreichen. 😉

    Danke an Heike noch für den Hinweis auf den in Deutschland im SGB IX vorgesehenen Nachteilsausgleich. (Weiß nicht wie’s in Österreich ist…) Man kann sich tatsächlich auf was berufen und notfalls klagen. Zu „meiner“ Zeit war das Problem, dass nicht definiert war, worin genau die Nachteile bestehen und wie sie auszugleichen sind. War also Verhandlungssache. Eine knappe google-suche ergab gerade aber ein paar Handreichungen und Ausformulierungen, einfach mal schwerhörig+schule+nachteilsausgleich suchen… Ein örtlicher (Hör-)Behindertenverband kann sicher auch gute Ratschläge geben.

  19. Heike, dass der Begriff „Nachteilsausgleich“ so spät fällt ist – wie nqlb schreibt – kein Wunder: Viele die sich hier beteiligten sind so ‚alt‘ ;-), dass es das für sie noch nicht gab oder – was nach meiner Einschätzung auch oft der Fall ist – viele auch jüngere Betroffene *wissen* einfach nichts von sowas (ich zugegeben für diesen Fall auch nicht). Insofern: Danke für Deinen Beitrag!

  20. Oh, bitte, gern geschehen! 🙂

    Ansprechpartner können auch die zum Kreis gehörenden Schulen für „Hören und Kommunikation“ sein. Die kennen sich mit dem Paragraphendschungel auch aus.

    Raimund, für dich wäre das auch interessant:
    Es gibt zB. die Möglichkeit eines Antrags auf GU, gemeinsamen Unterrichts. Das heißt, das Kind besucht eine Regelschule, wird aber von einer Lehrperson einer Schule für „Hören und Kommunikation“ unterstützt und auch stundenweise begleitet. Dies erleichtert dem Kind die Eingewöhnung.
    Sie spricht mit den Lehrern und macht auf die Probleme aufmerksam, die ein hörgeschädigtes Kind hat.
    Davon haben viele Lehrer einer Regelschule keine Ahnung, sind aber oft bereit, sich das erklären zu lassen. Dass das Kind zB. vorne sitzen muss, mit dem Rücken zum Fenster.. usw.
    Wenn die Eingewöhnungsphase beendet ist, kommt sie auch nach Hause, zB. zur Nachbereitung schwieriger Themen.

    Ich weiß aber nicht, ab welchem Grad der Hörbehinderung man Anspruch auf diese Hilfe hat.
    Deshalb: fragen, informieren.

  21. @Raimund:
    Nochmal zu den Sprachen, weil du da meinen Beitrag erwähnt hast:
    Die wichtigen Punkte hat eigentlich schon Lars genannt. Wenn der Lehrer vorne steht und spricht, kann ich auf seine Lippen schauen und außerdem weiß ich ja zumeist, in welchem Rahmenthema wir uns gerade bewegen. Wenn irgendwelche Wörter aus einem CD-Player dringen, ist das nicht so einfach. Manche CD-Player haben zudem eine eher schlechte Qualität und hören sich ziemlich dumpf an. Mal abgesehen von den Hörverstehensübungen sollte man vielleicht auch berücksichtigen, dass mündliche Prüfungen in der Schule auf dem Vormarsch sind (zumindest hier an den bayerischen Gymnasien): ich hatte schon mehere mündliche Schulaufgaben in Sprachfächern, das kann auch recht stressig sein. Aber Fremdsprachen müssen deswegen nicht unbedingt der pure Horror sein. Man macht auch noch sehr viel schriftlich, wenn man da stark ist, kann man viel ausgleichen. Ich habe vier Fremdsprachen gelernt und hatte in allen gute Noten.
    Allgemein zur Schule:
    Es kommt natürlich auf den Grad der Schwerhörigkeit deiner Tochter an (mein Gehör ist noch relativ moderat geschädigt), aber ich würde sagen, Regelschulen sind durchaus machbar. Ich war trotz meiner Schwerhörigkeit immer Jahrgangsbeste. Sozial integriert bin ich auch – klar, manchmal verstehe ich die Leute einfach nicht, das kann sehr unangenehm sein, aber ich fühle mich trotzdem akzeptiert. Da muss man aber auch Glück mit der Klasse haben. In der Grundschule wurde ich nur gemobbt. (Allerdings weniger wegen der Schwerhörigkeit, sondern wegen alles möglichem…)
    Auf jeden Fall erforderlich: Durchhaltevermögen, Konzentrationsfähigkeit (man muss ja immer sehr wachsam sein), keine zu niedrige Frustrationsschwelle, Disziplin (evt. muss viel nachgearbeitet werden) und viel Kommunikation mit den Lehrern.
    Danke @Heike, dass du hier nochmal Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs erwähnt hast. Ich habe mich bis jetzt wenig damitbefasst, weil ich auch so ganz gut durchgekommen bin… und hoffentlich auch noch durchkommen werde. 😉 Aber für etliche Betroffene ist das sicher interessant.

  22. not a blechohr yet

    @Raimund

    Ich muss sagen … rückblickend bin ich ausgesprochen unentschieden, ob ich das gut finde, Regelschulen besucht zu haben.

    pro: man lernt sehr früh sich in der hörenden Welt zurechtzufinden, entwickelt viele Tricks und Strategien intuitiv, legt sich ein dickes Fell zu. Man begreift die Grundlagen der Evolutionsbiologie automatisch und ohne viel Lernerei …

    Survival of the fittest.

    Man gerät gar nicht erst in Versuchung, sich in einem auf die Behinderung abgestimmten Schulsetting einzukuscheln wie auf einer Insel der Glückseligkeit und diese für alle Zukunft als „normal“ vorauszusetzen :-))

    contra: man hechelt immer! hinterher, ist ständig im Zustand der Reaktion verfangen. Die fortgesetzte erhöhte Anspannung der Aufmerksamkeit forciert einen womöglich erst Jahre später eintretenden Burn Out. Und man verbraucht überdies allein mit Verstehen müssen wertvolle mentale und physische Ressourcen, die besser beim Lernen selbst aufgehoben sind.

    Man kommt sich ständig vor wie ein Alien. Die Normalität des Nichtverstehens, des Nichthörens durch den regelmäßigen Kontakt mit „Leidensgenossen“ kann gar keinen Einzug halten in das Bewusstsein … sprich:

    die normative Messlatte auf psychologischer Ebene ist der fortlaufend erlebte Mangel im Vergleich zum Hörenden, das Manko der tagtäglich erlebten Unvollkommenheit prägt sich tief ein.

    Also, eine gesunde Mischung aus beidem, das wär’s vermutlich 🙂

  23. Hatte (lange nach Schulabschluss) auch mal so eine Phase wo ich überlegt hab, ob ich vielleicht auf der Schwerhörigenschule glücklicher geworden wäre. Niemand weiß es, ich hab ja nur ein Leben.

    Ganz so drastisch wie bei NABY war’s aber zumindest bei mir nicht: Survival of the Fittest würde ich es nicht nennen, auch nicht, dass ich immer hinterher hechelte. Und ich fühlte mich auch nie wie ein Alien. Insbesondere in der Grundschule, manchmal auch in der Mittelstufe war zwar alles mögliche bitter und furchtbar, es spielte aber immer mehr als nur die ürbigens mittelgradige Schwerhörigkeit hinein. Bei noch stärkerer SH oder eh nicht so guten Leistungen allerdings sieht die Gleichung sicher ungünstiger aus.

    Glaube aber auch, dass eine Mischung am besten wäre. Ich finde den Hinweis von Heike auf eine Unterstützungsperson sehr gut, sowas hätte mir sicher geholfen. Und man kann ja im privaten Bereich versuchen, Kontakt zu anderen jungen Betroffenen herzustellen. In Person oder per Internet. Und wenn das Kind dann lieber dort ist als unter Normalhörenden, dann kann man immer noch wechseln

  24. Ein Anrecht auf Nachteilsausgleich oder eine Verpflichtung der Schule, sich um iregendetwas Ähnliches selbstständig zu kümmern, gibt es in Österreich bis heute nicht. Die Schule darf in ihrem Wirkungskreis Maßnahmen ergreifen, muss aber nicht. Und manche Lehrer sind offenbar der Meinung, es wäre unfair den Mitschülern gegenüber.
    In der Maturaordnung steht zwar drinnen, dass – soweit dies möglich ist – eine barrierefreie Ablegung der Matura ermöglicht werden soll, das österreichische BIFIE verhindert dies aber mit Wissen und Duldung des Ministeriums: Man könnte ja den Hörverstehensteil der Englisch-Matura ähnlich wie bei den entsprechenden Prüfungen des British Council durch eine Lipreading-Version (ein Native Speaker spricht den Text und der Kanididat kann ihm auf den Mund schauen) ablegen. Dies würde durch das Ministerium genehmigt werden, das BIFIE verhindert es aber, weil es den zugehörigen Text prinzipiell nicht gedruckt weitergibt, sodass er auch nicht vorgelesen werden kann. Einzige Möglichkeit: Auf den Hörteil der Prüfung verzichten und einen entsprechenden Vermerk im Maturazeugnis erhalten. Und dabei schreibt das Ministerium: Hörbehinderung ist nicht gleich Hörbehinderung. …. Traurig, was das BIFIE daraus macht. Und traurig, wer in Österreich entscheidet. Wozu haben wir eigentlich ein Ministerium?

  25. Das frag ich mich gerade auch. Es könnte doch BIFIE bestimmt anweisen, oder, wenn man es darauf stößt?

  26. Das ist die Aussage des Unterrichtsministeriums zum Thema der Bereitstellung des Textes zum zentral vorgegebenen Hörverstehensteil, nachdem zuvor die Abhaltung als Lipreading-Version als möglich angegeben wurde: „Leider ist es nach Rücksprache mit dem BIFIE tatsächlich so, dass die Bereitstellung eines Tapescripts aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist.“ Die Schule könne aber im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten, die ohnehin weit gesteckt seien, eine Unterstützung anbieten. Wo da etwas weit gesteckt ist, wenn man das Hörverstehen von der CD (mit eingebauten Hintergrundgeräuschen) machen muss, weiß ich nicht. Und dabei hätte diese Art der Matura gar nichts gekostet (nicht einen Cent) – die Schule hätte es gratis organisiert.

  27. Da der Threat nach dem letzten Beitrag wiederbelebt wurde auch von mir eine Frage. Wie sind Erfahrungen mit Mitschülern und CI\HG? Würde mich neben den Erfahrungen mit Lehrern und Noten\Leistung sehr interessieren. Könnte mir vorstellen, dass man mit den deutlich zu sehenden CIs schnell ein Opfer von unausgeglichenen Mitschülern wird.

  28. Schwer zu sagen. Ich weiß nicht ob man generell sagen kann, dass das so kommt und dass man eher gehänselt wird. Vielleicht eher ein Faktor unter vielen, der bestimmt, an wem die unausgeglichenen Mitschüler ihren Frust ablassen?

    Aber vielleicht gibt’s ja hier wen, der besser Bescheid weiß als ich, vielleicht gerade drinsteckt in der Erfahrung?

  29. Tirol Mädchen

    Ein Wahnsinn ist es bei uns in Tirol. Durch die neue Zentralmatura müssen Hör(listening)- und Textverständnis zusammen positiv sein, um positiv abzuschließen. Da ich auf einem Ohr taub bin, habe ich große Probleme bei dem Hörverständnis. Das bedeutet, dass ich bei dem Textverständnis nur 1 oder 2 Punkte Abzug benötige um negativ zu sein. In wenigen Monaten steht meine Matura/ das Abitur an, bin gespannt wie dies ausgeht. Hatte wohl leider weniger Glück..

  30. Hast Du dich erkundigt, ob Du von der Listening befreit werden kannst? Ich weiß nicht, ob das geht, wenn man auf einem Ohr gut hört. Ich glaube aber, das das vor allem vom Gutachten des Ohrenarztes abhängt. Wahrscheinlich ist es besser, den Vermerk am Maturazeugnis zu haben, als gar kein Maturazeugnis zu bekommen. Auf alle Fälle viel Glück!

  31. Ich würde auch versuchen zu erreichen, dass Du von diesem einen Test befreit wirst oder eine Alternative machen kannst. Sollte möglich sein mit Verweis auf all die Ausnahmen, die anderswo praktiziert werden und auf die UN-Behindertenrechtskonvention (sowie ggf. nationales Recht, falls es da was gibt).
    Und wenn Du damit die erste in TIrol sein solltest!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s