Der gleichgestellte Straßenräuber

Ich finde: Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit sind kein Grund, Jobs zu meiden, in denen es auf Kommunikation ankommt. Notfalls muss man sich halt ein paar Gedanken über Arbeitsassistenz machen — der Kleinunternehmer in dem Video macht’s vor.

Was man in Deutschland für Hilfen bekommt und wie man sie beantragt, steht in diesem und diesem Merkblatt der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen. Für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Selbständige. Nur was man aus all den Möglichkeiten macht, liegt immer noch an einem selber.

(Wie sieht’s eigentlich in Österreich aus? Über Hinweise würde ich mich freuen.)

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11 Antworten zu “Der gleichgestellte Straßenräuber

  1. 🙂 guten morgen! skuriiiil…

  2. Das Video finde ich jetzt nicht so gut umgesetzt – die Idee dahinter ist klasse, aber das hätte man viel witziger präsentieren können.

    Die Grundaussage stimmt aber, man sollte auf keinen Fall Angst davor haben, seinen Berufswunsch zu verwirklichen, weil man nicht oder nicht gut hört. Es geht alles irgendwie, entweder man kämpft sich alleine durch oder nimmt Hilfe in Anspruch. In meinem Beruf ist Kommunikation auch einer der Hauptfaktoren und alles klappt mit der richtigen Einstellung wunderbar.

  3. Pia Butzky

    Wer schon lange für den Traumberuf „Straßenräuber“ schwärmte, wird hier Hoffnung schöpfen. Aber schon bei der Spezialisierung „nächtlicher Einbrecher“ wäre eine Arbeitsassistenz sicher keine Hilfe, wenn man gar nicht weiß, was „leise machen“ überhaupt bedeutet. Anders „Erpresser am Telefon“: Hier kann die Arbeitsassistenz eine wertvolle Hilfe sein.

    (Ich will bei dem spassigen Video mal nicht moralisch werden, wo wir ja sowieso alle wissen, dass Behinderte in früheren Zeiten tatsächlich oft im kriminellen Milleu zu finden waren, weil ihnen andere Berufe verschlossen blieben und sie sich durchschlagen mussten. „Krüppel, Bettler, Besenbinder“. Bei zwangsweiser Heimunterbringung von behinderten Kindern wurde die soziale Stufe endgültig ganz nach unten verschoben.)

  4. Hm … na ja! Das Video ist sicherlich nicht bierernst gemeint, aber dennoch ein paar Anmerkungen dazu.

    Angst ist gewiss ein schlechter Ratgeber um einen kommunikativen Beruf zu ergreifen. Aber ich denke man sollte da auch keine Illusionen haben. Hörbehinderung ist in erster Linie eine kommunikative weniger eine körperliche Einschränkung. Arbeitsassistenz ist da eine gute Kompensation, aber kein vollwertiger Ersatz. Arbeitsassistenten sind weder Kommunikationssklaven noch können sie fachliche Probleme die durch Kommunikationsbarrieren womöglich noch versträkt werden lindern.
    Ein blinder Pilot könnte bestimmt auch mit Assistenz eine Maschine sicher landen. Das wäre eine bachtliche Leistung, die sich prima als Vorlage mißbrauchen lässt, dass andere Blinde es ihm gleichzutun.
    Früher oder später fragt sich jedoch jeder normal denkende Mensch, wieso 2 Personen die Arbeit von einer machen. Wer damit klar kommt bzw. so genial ist, dass seine Arbeitskraft auch mit Assistenz „wert“ genug ist, bitteschön!
    Zu Überwindung dieser Barrieren helfen jedoch weder Depressionen noch Illusionen!

  5. Guten Morgen, Smilla! Äh, naja, inzwischen eher schönen Tag noch! 🙂

    Nikana, ich könnte mir vorstellen, dass der Regisseur auch niemandem auf die Füße treten wollte und daher etwas zahm ist.

    Pia, wobei einige Einbrecher tatsächlich Assistenz gebrauchen könnten. Nach all den Malen, von denen ich in letzter Zeit gehört hab, wo man sie erwischt hat, weil sie ihre Mails gecheckt oder was bei facebook gemacht haben!

    Jens, da stimme ich Dir zu. Der Punkt bei der Arbeitsassistenz ist ja, dass es eine Assistenz, eine Unterstützung ist. Aus oben verlinktem Merkblatt: „Die schwerbehinderten Menschen müssen also selbst über die am Arbeitsplatz geforderten fachlichen Qualifikationen verfügen, die Arbeitsassistenz übernimmt nicht die Hauptinhalte der von den schwerbehinderten Menschen zu erbringenden Arbeitsleistung.“ Da muss man schon drauf achten, ich denke, das wird auch gemacht.

  6. Pia Butzky

    @ Jens: „Ein blinder Pilot könnte bestimmt auch mit Assistenz eine Maschine sicher landen.“

    Nein, kann er nicht. Die Arbeitsassistenz möchte ich sehen, die zu einem blinden Piloten ins Flugzeug steigt … oder den Fluglehrer, der sich neben einen Blinden ins Cockpit setzt.
    *lach* Was´n Quark.

  7. Hier in Österreich gibts das Bundessozialamt, das im Grunde die gleiche Aufgabe wie die Integrationsämter hat. Berufstätige Schwerhörige (wie ich) bekommen Zuschüsse zum Standard-Kassensatz von 900 Euro (alle 5 Jahre) pro Gerät beim Hörgerätekauf, damit gute Hardware gekauft werden kann, Arbeitgeber werden unterstützt, es gibt Förderungen, etc. Beim Hörgerätekauf regelt der Akustiker die Zuschussbewilligung mit dem Bundessozialamt. Voraussetzung ist ein Schwerbehindertenstatus ab 50%, wenn ich mich recht erinnere.
    Und btw, danke fürs Blog und die tollen Postings.

  8. Ah danke für die Info. Das heißt dann, wenn ich richtig sehe: die Situation ist ungefähr wie in Deutschland? Und bitte, gern geschehen.

  9. Ja, in der Tat, ist mit Deutschland vergleichbar, bzw. ziemlich genau so wie dort. Als ich noch in Deutschland gelebt und gearbeitet habe, wars im Grunde gleich. Neue Hörgeräte, Akustiker kümmert sich um Zuschüsse. Gefühlt sind die Zuschüsse hier in .at grosszügiger, aber das muss nicht stimmen, die letzten „deutschen“ Hörgeräte sind so ca. 12 Jahre her.

  10. @Pia Ja, kann er womöglich nicht. Es war ironisch gemeint. Ich wollte nur deutlich machen, dass Arbeitsassistenten eine tolle Sache sind, aber dennoch die eigenen Einschränkungen nicht übersehen werden sollten (ohne gleich depressiv zu werden).

  11. Pia Butzky

    @ Jens: Japp. Hab auch schon entsprechend gelacht. Allein die Vorstellung ist schon lustig …

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