Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #7: Akustisches Überleben beim Geschäftsessen

Säuiges oder schwieriges Essen soll man ja eh sein lassen. Aber auch ohne Artischocken, Rippchen oder Makkaroni mit Tomatensoße sind Geschäftsessen für Schwerhörige schwer. Ein noch unformuliertes Naturgesetz bewirkt, dass wo man sich gern schnell über Mittag trifft, mit dem Team zu Abend ißt oder auch wo das Bankett nach dem Kongress stattfindet gar zu oft ganz furchtbare Akustik herrscht. Schließlich ist es ja der Inbegriff eines Restaurants, dass man dort nicht alleine ißt — am liebsten noch mit Musik im Hintergrund. Und all die Hintergrundgeräusche ersäufen die Sprache, um die es doch geht.

Die Lösung? Wie immer: Initiative ergreifen — und versuchen, Einfluss auf die Wahl von Restaurant und Tischreservierung zu nehmen. Aber was macht eigentlich gute Akustik aus? Wie soll man auswählen oder — wenn man es nicht selbst in der Hand hat — was soll man denen, die auswählen, sagen? Zumal, wenn obendrein für Schwerhörige laut und leise nicht das gleiche bedeutet wie für Normalhörige.

Um es kurz zu machen, es ist ganz einfach: Man muss nur dem kitschigen Italiener oder Griechen möglichst nahe kommen…

Ganz schlecht sind viele moderne Szenerestaurants. Denn gut sind

  • Teppiche (statt blankem Boden, am schlimmsten ist Stein)
  • niedrige Decke (keine Kathedralenatmosphäre)
  • verwinkelt (statt ein großer, rechteckiger Raum)
  • Grottenatmosphäre dank ausgiebigem Einsatz von Pappmache und Mörtel (bloß keine glatten Wände, lieber handgewebte Textilien an den Wänden)
  • und zu Alkoven abgetrennte Tische (wenn es das nicht gibt, dann ein Tisch in der Ecke oder zumindest an der Wand. Bloß nicht mitten im Raum!)

All das verhindert Halleffekte und dass der Lärm der anderen herüberschwappt. Außerdem sollte man sich als Schwerhöriger bemühen, eine Wand im Rücken zu haben und am besten noch eine dicht an der Seite. Wer einem Schwerhörigen von sich aus einen solchen Platz sucht oder anbietet, kann sich großer Dankbarkeit sicher sein. Bei mir zumindest kann’s dafür Küßchen geben.

Hilfreich auch, wenn man den Begleitern und Begleiterinnen die üblichen Regeln zum Reden mit Schwerhörigen nahe bringen kann:  Nicht alle gleichzeitig reden, nicht den Mund bedecken, deutlich sprechen etc.

Und wie gesagt, kein zu kompliziertes Essen bestellen. Das bleibt eh nur übrig.

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2 Antworten zu “Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #7: Akustisches Überleben beim Geschäftsessen

  1. Hast du denn absolute Lieblingsrestaurants in Sachen Top-Akustik? Die Top-10-Liste für Berlin oder so? 🙂

  2. Ich höre leider inzwischen so schlecht, da gibts keine Tops. Es gibt da ein paar Italiener und Chinesen mit Teppich und Alkoven, nicht so voll, aber das hat auch seine Gründe. Die würd ich nicht empfehlen. 😉 Und die meisten haben die Grotten-Ästhetik inzwischen sowieso abgeschafft…

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