Not quite like Beethoven

BLOGWICHTELN 2009: Suchen – und Not quite like Beethoven finden

15. Dezember 2009 · 3 Kommentare

Ich wurde bewichtelt. Und bin entzückt! Es muss sich bei dem Wichtel um einen Abenteurer mit Leib und Seele handeln, jedenfalls standen selbst im Lonely Planet für Bangkok von 1963 nicht so viele Geheimtipps und schmierige Spelunken drin wie sie hier nichtsahnend suchenden Touristen auf meinem Blog empfohlen werden. Ich habe auch eine Vermutung, wer der Wichtel ist. Was mache ich nun mit diesem Wissen? Aber lest selbst, was er gewichtelt hat:

Hier wieder mal eine Reihe von Suchanfragen, deren Urheber Tante Google hierher schickte:

quiet like Beethoven
Sucht hier jemand Informationen über die stille Welt eines prominenten Schwerhörigen – die ja gar nicht so still ist – oder handelt es sich um einen bloßen Tippfehler? Beispielsweise des Blogwichtels, der sich hier einlesen wollte…

Beethoven in out
Was weiß denn ich, ob Beethoven grade in oder out ist – oder weist dieses Blog etwa darauf hin, dass der Autor sich intensiv mit sogenannter E-Musik beschäftige? Vielleicht kann ja Alex DeLarge weiterhelfen, der sich sowohl mit Beethoven als auch mit the old in-out intensiver befasst hat.

Sex mit Björn Borg Augenschmaus?
Tut mir sehr leid, liebe Leserin, oder auch lieber Leser, aber mir liegen keine Informationen darüber vor.

halb aufgerollte Lakritzschnecke asiatisch
Asiatisch as in süß-sauer? Oder wie darf ich das verstehen?

hörgeschädigt
Sorry, Du bist hier falsch

Tamagotchi aufbohren
Technische Diskussionen finden hier zwar durchaus statt, gelegentlich auch über Produkte asiatischer Herkunft; in aller Regel geht es dabei jedoch um etwas komplexere Gadgets bzw. deren Vor- und Nachteile.

Gehirn Rumgeschnippele
Findest Du Deine Wortwahl nicht ein wenig, wie soll ich sagen, flapsig? Respektlos?

hinterhältige Bischöfe tabu
Ich dachte ja immer, in der katholischen Kirche gäbe es keine Tabus. Bei deren hinterhältigen Vertretern erst recht nicht. Aber fundiert kann ich mich dazu nicht äußern.

„lebt man ignorant glücklicher?“
Mag sein. ich habe mir allerdings sagen lassen, dass viele Leute durchaus Freude am Lernen und am Wissen haben. Der Blogwichtel beispielsweise sagt, er freue sich, in meinem Blog eine ganze Menge gelernt zu haben.

Timing, Schwiegeroma standardmäßig einzufangen
Äh, wie meinen?

glitschigen Knutschens
De gustibus…, schon klar. Aber wieso im Genitiv?

künstliche Schildkrötenpanzer ausprobieren
Und was soll das bringen, wenn ich fragen darf? Ich meine, hier findet sich ja durchaus der eine oder andere Text zum Thema Liebe, Sex und Zärtlichkeit, aber das klingt mir doch sehr… kinky.

heruntergezogener Spitznamensfinder
Ich weiß nicht, was Du meinen könntest, aber zum Thema Spitznamen hätten wir ein sehr interessantes Video im Angebot.

furchterregende Herausforderung Toulouse
Was soll an Toulouse, für das mein Französischlehrer immer so geschwärmt hat, denn bitte furchterregend sein? Jetzt schau nicht so betreten, ist doch kein Betroffenheitsblog hier!

→ 3 KommentareKategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen:

Futur II

14. Dezember 2009 · Kommentar schreiben

Ich glaube, niemals in meinem Leben war ein einzelnes Wort so bedeutungsschwanger wie dieses kleine „nachher“.

Eine Freundin rief ohne Vorwarnung an. Und weil ich eigentlich einen Anruf meiner Eltern erwartete — die einzigen, mit denen ich noch telefoniere — ging ich ran. Ich (oder vielleicht besser: sie) hatte Glück: Irgendwie konnte ich aus der Kombination von Tonfall und etwas, das wie ein Name klang, erkennen wer dran war. Mit nur zweieinhalb Sekunden Denkpause, yay.

Sie fragte gleich, ob wir telefonieren könnten oder sie doch lieber eine Email schreiben solle. Aber ich dachte, wenn wir uns eh schon an der Strippe haben kann man’s auch mal versuchen. Schließlich wollte sie eigentlich nur Hallo sagen und sich mit mir verabreden. Weil jetzt gerade alles bißchen hektisch ist bei mir, verabredeten wir uns für nachher. Und als ich aufgelegt hatte, musste ich mich erst mal setzen.

Nachher ist natürlich nachdem mein elektrisches Ohr in Betrieb genommen worden sein wird. Ich liebe ja eigentlich Futur II, das nutzt man viel zu selten. Hier aber läuft es mir kalt den Rücken runter. Wenn ich mich für nachher verabrede oder Termine wie den Ausflug nach Helsinki nächstes Jahr in meinen Kalender eintrage, kriege ich eine kleine Panikattacke: Dann muss ich den Leuten ja anders unter die Augen treten

Ich bin sicher, für die meisten wird’s von außen nicht viel anders aussehen als vorher. Auch bisher war die Reaktion meiner Freunde und Bekannten auf gesichtete CIs eher: Das sah aus wie ein gutaussehender junger Mann. Oder wie ein Hörgerät. Oder: Ach echt, hab ich gar nicht gesehen. Wobei letzteres immer die Leute mit vielen Haaren waren.

Aber für mich fühlt es sich etwa so an als ob ich auf einmal in Orange als Baghwan-Jünger hingehen würde oder zur Frau operiert. Und wenn ich Helsinki im Kalender eintrage, denke ich: Mein Gott, dann wird das ja schon sechs Monate lang Alltag gewesen sein!

Das ist mal ein Futur II!

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen: , ,

Aber das Pflupsen ist toll

12. Dezember 2009 · 1 Kommentar

Nur als kleine Wasserstandsmeldung nach den vielen guten Tipps gestern: Hab’s heute nochmal auf friesisch probiert. Und dann — der mad scientist in mir ist durchgekommen — hab ich den Kandis sogar erst in den Kühlschrank und direkt kochendes Wasser in die Tasse fließen lassen. (Man beachte: fließen lassen, nicht geschüttet!) Das Ergebnis sehr ihr oben, man kann die Sprünge richtig sehen. Außerdem, auf besonderen Wunsch hin, noch etwas gediegene Optik. Nur gehört hab ich nix, jedenfalls nichts was nicht auch Tinnitus gewesen sein könnte. Direkt im Mund hab ich’s dann übrigens doch nicht gemacht, war mir zu heiß.

Aber man soll ja nicht auf die Defizite starren. Das Pflupsen der nichtfriesischen Methode (siehe gestern) ist toll. Wie Steine in den See schmeißen!

→ 1 KommentarKategorien: Misc · Schöne Töne
Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Schöne Töne #11 — Kandis trifft Tee

11. Dezember 2009 · 13 Kommentare

Es liegt ein Berg Arbeit auf meinem Tisch, darum schreibe ich hier gerade nicht so viel. Heute aber habe ich wieder aufregende Expeditionen in fremde Hörwelten unternommen, die nie ein Mensch zuvor an denen ich bisher immer vorbeigehört hab. Und zwar am heimischen Küchentisch.

Das Knacken und Knistern, fragte ich ungläubig, von Kandis wenn er in heißen Tee fällt? Ja, sagte die Freundin, von der ich gerade gar nicht weiß ob ich sie hier beim Namen nennen soll ;-) .  Ja, das sei ein ganz spezielles Geräusch. Wenn die Kandiskristalle vor Hitze bersten.  Ich konnte mich nicht erinnern, das je gehört zu haben. Die Freundin gab zwar zu bedenken, das sei dann vielleicht eher was fürs neue Hören mit CI. Aber ich wollte es trotzdem probieren. Für den Vorher-Nachher-Test.

Da ich keine Ahnung hatte, worauf ich mich einließ, bat ich um genauere Instruktionen. Ich dürfe, so die erfahrene Freundin, den Kandis nicht in die Tasse rumpeln lassen und schon gar nicht sofort mit dem Löffel umrühren. Am besten, riet sie, solle ich ihn ganz langsam reingleiten lassen. Wird gemacht! Ups, da ist mir ein Kristall reingefallen. Da ich ja sowas von ganz Ohr bin, gerade, fand ich das satte Pflupsen wunderschön!

Aber gut, darum ging es ja nicht. Also nochmal…

Hmmmmmm. Ich gucke und lausche. Dann gucke ich weg und halte stattdessen mein Ohr an den Tee. Gut, dass ich das nicht im Café mache. Aber ich höre nichts.

Also schnelle Rückfrage. Wenn der Tee ganz frisch und heiß ist, erfahre ich, sollte ich sehen wie der Zuckerkristall von innen Risse bekommt. Dazu könne ich mir dann ein kleines Geräusch vorstellen, ein bißchen wie das Knacken von trockenem Holz im Kamin.

So sieht das aus. Gehört habe ich leider nichts, also jedenfalls nicht aus dem Tee. Glaube ich zumindest, denn eingebildet habe ich mir alles mögliche. Und dann ist da ja auch noch der hoch pfeifende Tinnitus, der macht, dass ich kleine leise Geräusche nicht höre. Was ich ein bißchen höre und am Kandis schon immer gemocht hab, ist das Klingeln und Klickern beim Umrühren.

Das Knistern und Knacken probier ich dann mit dem elektrischen Ohr nochmal!

→ 13 KommentareKategorien: Schöne Töne
Mit Tag(s) versehen: , , , , ,

Hintergrund und Vordergrund

9. Dezember 2009 · 6 Kommentare

Man macht sich ja so seine Vorstellungen vom eigenen Leben. Ihr wißt schon, wer man sein möchte. Wo man hin will.  Wer einen begleiten soll. Und was dafür der richtige Soundtrack ist. Das ist alles schwierig genug und meist mit allerhand Anstrengung, Irrwegen und Enttäuschungen verbunden.

Aber so langsam fügt sich ein Bild. Oder manchmal auch ganz plötzlich. Auf einmal Dastehen und das Gefühl haben, ja. Das ist es! Es paßt doch, mein Leben.

Das ist der Moment, in dem man verletzlich wird. Weil man sich mit seinen Gefühlen an Menschen, Lebensumstände und vorgestellte Zukünfte bindet. Dann wird es Glückssache.

Womöglich steht man auf einmal da und ist der einzige, der noch in diesem Bild steht. Die Welt hat sich weitergedreht, alle anderen haben sich anderswohin orientiert. Selbst der Fotograf, der das alles so schön festhalten sollte, ist gegangen.

Ein Hoch auf diejenigen, die dann mutig genug sind zu sagen, ach, war ja ganz schön hier. Die einmal in den Spiegel gucken ob alles sitzt — und sich dann umdrehen und gehen. Man kann nicht alles planen, es kommt sowieso mal so und mal so. Also kann man genauso gut selbst ein paar Entscheidungen treffen. Es ist befreiend, zu agieren, nicht nur zu reagieren. Und mutig.  Weil man Vordergrund und Hintergrund im Leben ganz neu sortieren muss. Weil nicht klar ist, wohin es gehen und wie es werden wird. Weil wenn überhaupt irgendetwas sicher ist, dann nur die paar Dinge, von denen man Abschied nehmen muss. Die vielleicht sogar schon weg sind, nur die eigenen Gefühle haben’s noch nicht mitbekommen.

Ich zähle mich einfach auch mal zu denjenigen.

→ 6 KommentareKategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen: , ,

Was suchst Du? Das Montagsrätsel

7. Dezember 2009 · 8 Kommentare

Eure Kreativität ist gefragt! Darüber zu lachen, mit was für Suchanfragen die Leute auf einen Blog kommen ist verbreiteter Spaß. Ich mach’s ja auch. Hier und heute dagegen mal was Neues:

In der WordPress-Statistik werden nicht die kompletten Suchanfragen angezeigt, sondern nur bis zu so-und-soviel Zeichen. Da wird dann abgeschnitten. Und ich hab mich schon häufiger gefragt, wie’s wohl weitergeht…

Was meint Ihr, was könnte dieser Mensch gewollt und auf meinem Blog gefunden haben?

du bist behindert! ich kann nicht das t

Na?! Wem fällt das zutreffendste, lustigste und absurdeste ein? Bin ja mal gespannt, was Ihr denkt, was man hier so finden kann…

→ 8 KommentareKategorien: Spaß & Spiel

Wer hätte gedacht, dass der alte Mann so viel Blut in sich hatte

6. Dezember 2009 · 13 Kommentare

Ich jedenfalls nicht. Ich wußte natürlich, dass es nicht ganz einfach wird. Aber ich hätte nicht gedacht, dass mich das alles so fertig macht. Ich stecke im Nirgendwo, habe etwas getan, dass ich nicht rückgängig machen kann. Und was ich mir davon versprochen habe, liegt ungewiß in der Ferne.

Der Computer wohnt nun in seinem aus Schädelknochen gefrästen Bett, die Elektrode bohrt sich in mein Innenohr. Hinter dem Ohr seh ich aus wie eine gerissene Hose, die jemand wieder geflickt hat.

Und wer hätte gedacht, dass nach unten noch so viel Raum ist, beim Hören? Dass das Wenige, was ich hörte, doch so viel war? Ich jedenfalls nicht. Ich kann mir so heftig vor dem Ohr schnippen, dass es schon in den Fingern weh tut. Ankommen tut trotzdem nichts, aber auch gar nichts.  Ich föne mir die Haare und habe rechts ein doch recht lautes Brausen im Ohr. Links merke ich nicht mal, dass der Fön an ist. Ich schlage aus Versehen die Schranktür zu, so dass ich rechts etwas zusammenzucke. Links — nichts. Vor allem: Trotzdem tut es weh da, einfach von Eindringen der Schallwellen und weil noch irgendwie alles roh ist, vermute ich. Es ist furchterregend.

Man sagte mir: Geduld. Das komme häufiger vor, dass man auch nach ganz vorsichtiger OP erstmal nichts mehr hören könne, das dann aber weitgehend wiederkomme. Na hoffen wir’s. Irgendwie hab ich aber ein schlechtes Gefühl dabei. Es fühlt sich so weg an.

Ich will nach vorne sehen. Aber mir wankt der Boden unter den Füßen. Habe ich schon gesagt, dass ich heilfroh bin, noch ein anderes Ohr zu haben? Auf dem ich zwar sehr schlecht, aber wie ich gerade merke doch sehr viel höre? Ich glaube ohne würde ich jetzt stürzen.

→ 13 KommentareKategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Ich bin die Schlange an der Kasse

4. Dezember 2009 · 9 Kommentare

Schon komisch. Da laufe ich im Augenblick quasi einohrig herum, bis im Dezember mein neues elektrisches Ohr in Betrieb genommen wird. Mit nur einem Ohr verstehe ich so gut wie gar nichts. Aber trotzdem passiert mir sowas: Ich schnappe was auf in der Unterhaltung (von der ich sonst kaum was mitbekommen habe). Und die Leute fühlen sich ertappt.

Du verstehst aber auch immer das, was Du nicht hören sollst.

Jaja, klar. Immer. Ich glaube, das ist eher eine Art optischer Täuschung. Wie die Schlange an der Kasse, da erwischt man ja schließlich auch IMMER die, die am längsten dauert.

Früher habe ich damit kokettiert. Heute manchmal auch noch. Gemeint ist damit ja meist nichts Schlimmes, nur Dinge, die den Leuten im Nachhinein peinlich sind. Aber eigentlich ist das gar nicht mal so ungefährlich. Denn von da ist es — bei Leuten ohne Hörgerät — nicht weit bis zu: Der hört gar nicht schlecht, der tut nur so. (Und was das für böse Folgen haben kann, wurde hier zuletzt in den Kommentaren bei Schwerhörige in der Schule berichtet.)

→ 9 KommentareKategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen: , ,

Gestatten: Der neue Safer Sex

1. Dezember 2009 · 27 Kommentare

Ihr dürft nicht denken, so ein Innenohr-Implantat füge sich ins Leben wie ein neues T-Shirt. Nein! Es gilt, alle möglichen Vorkehrungen zu treffen und Herausforderungen anzunehmen, damit mein neues Leben einigermaßen am Schnürchen läuft.

Zum Beispiel fällt — wie ich gestern bei Jule vom Augenschmaus gelernt habe — der äußere Teil des CIs beim Sex extrem leicht ab. Was für sofortigen Tonausfall sorgt und entsprechend störend ist. Oder es baumelt am Kopf herum wie Loriots Nudel. Wunderbar, sehr sexy!

Pragmatisch wie ich bin, habe ich anstatt zu jammern sofort die bestmögliche Lösung für das Problem gefunden. Und nein, liebe Berlinessa, es ist nicht Sekundenkleber.

Ich nehme einfach ein Björn-Borg-Stirnband. Immer. Zu jedem Sex!

Das hat Vorteile. Wenn ich mein Stirnband aufsetze, weiß jede gleich, was die Stunde geschlagen hat. Dann geht’s zur SACHE!

Damit in der Hitze der Nacht alles klappt, liegt also ab sofort ein Stirnband auf meinem Nachttisch. Na, vielleicht noch eins in die Jackentasche, man weiß ja nie…

Sie hörte nur ein leises Schnappen hinter sich. Und dachte:  „Oh GOTT, schon wieder?!“

→ 27 KommentareKategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Ich bin dabei!

1. Dezember 2009 · 2 Kommentare

Beim Blogwichteln 2009. Einer der dort gelisteten Teilnehmer oder eine Teilnehmerin bekommt am 15. Dezember von mir unerkannt einen Eintrag ins Blog gewichtelt — dafür dass das alles gut und geheim läuft sorgen Toulouse (oben) als Schirmherrin und ihre freundliche Assistentin Frau Bhuti. Wer kann da schon nein sagen?

Freu mich schon!

Und auch Not quite like Beethoven kann sich auf einen überwichtelten Eintrag freuen. Mag für den- oder diejenige auf den ersten Blick vielleicht wie eine Herausforderung aussehen, ist aber gar nicht so schwer.

Denn ich sehe das hier nicht als Betroffenblog, in dem nur zu lesen steht wie es ist, ein Schwerhöriger zu sein. Auch wenn sich in letzter Zeit viel darum drehte. Mir geht’s hauptsächlich ums Hören — anders, schlecht, gar nicht oder auch gut — als Art und Weise, die Welt zu erleben, was man so hört und wie das schön, schlimm oder furchterregend komisch sein kann. Wie einen das mit anderen Menschen zusammenbringt oder von ihnen trennt. Ich freu mich aber gerade vor Weihnachten auch über Abwechslung; und wer nicht aus meinen Einträgen und Blogempfehlungen herauslesen kann, was ich für einer bin, findet dort irgendwo sicher zumindest einen Aufhänger für eigene Gedanken.

→ 2 KommentareKategorien: Misc
Mit Tag(s) versehen:

Kundenbindung bei Tokio Hotel

30. November 2009 · 8 Kommentare

Tokio Hotel, soll heißen: Bill und Ted Tom Kaulitz, sind schwerhörig. Alle beide. Irgendwie von Geburt an, aber auch durch die laute Musik.  [Quelle]

Lustig finde ich, dass sie dabei betonen: Es mag zwar durch die Musik schlechter geworden sein, auf keinen Fall aber durch das Gekreische der Fans. Im Gegenteil:  Bill findet das Gekreische der Fans „am geilsten“. Das nenne ich mal Kundenbindung.

Nachtrag: Ich sehe gerade, Judith vom Gehörlosblog hat das Thema auch aufgegriffen.

→ 8 KommentareKategorien: Nette Geschichten
Mit Tag(s) versehen: , ,

Was in mir drin ist

30. November 2009 · 4 Kommentare

Wer’s nicht findet, aber wissen will wo’s ist und hingeht, klicke auf das Bild. Ich muss sagen: Ich find das immer noch unheimlich!

→ 4 KommentareKategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen: , ,

Suchen – und bei „Not quite like Beethoven“ Finden

29. November 2009 · 2 Kommentare

Hihihi. Auch für sowas schickt einen Tante Google inzwischen hierher:

modebloggerin werden

Aber ist okay. Passiert ja nicht ohne Grund! Ich bin sicher aus meiner Geschichte kann man gut lernen wie’s geht: klick und klack.

→ 2 KommentareKategorien: Nette Geschichten
Mit Tag(s) versehen:

Punkrocksicher — Wie Hörgeräte meinen Musikgeschmack veränderten

28. November 2009 · 7 Kommentare

Ich hatte mal Hörgeräte, die waren punkrocksicher. Widex C18, es waren die besten Geräte die ich je hatte, vor allem weil sie eine super Störschallerkennung hatten. Ich verstand in lauten Restaurants besser als meine Eltern und ihre Freunde. Das ansonsten unerträglich laute Geplapper der anderen Menschen wurde auf ein sanftes Säuseln herabgedämpft. Das müsst Ihr euch mal vorstellen: Ich. Als Schwerhöriger. Verstand! BESSER! Solche Freude!!

Nur, sobald irgendwo Punkrock kam — ich rede hier von sowas wie The Exploited, Dead Kennedys, Slime — regelten die Geräte ihn automatisch runter. Drehte ich die Lautstärke hoch, regelten sie noch mehr runter. Selbst auf Konzerten war das so. Es war frustrierend!

Ich glaube damals begann ich, etwas melodischere Sachen zu hören. Zuerst Primus

… und irgendwann war ich dann eher bei so Sachen, wie Ihr sie (neben anderem) hier im Blog unter Schöne Töne findet.

(Und ein andermal gibt’s dann auch was über aktuelle Musik.)

→ 7 KommentareKategorien: Unhörbares
Mit Tag(s) versehen: , , , , ,

Operation erfolgreich, Patient fühlt sich 15 Jahre jünger!

27. November 2009 · 10 Kommentare

Ich komme mir vor wie in mitten der Pubertät: Gefühle im Aufruhr. Der eigene Körper fremd.  Ich brauche Finger, Spiegel und Kamera um ihn zu erkunden. Ich will wissen wie’s da untenrum hinterm Ohr so aussieht. Und wie’s sich anfühlt.

Ich halte mir die Kamera hinter den Kopf und drücke ab. Verdammt, schon wieder unscharf, überbelichtet, unterbelichtet! Ich verrenke mich vor dem Spiegel, einen kleinen Schminkspiegel in der Hand. Ah! Wulstig sieht sie aus, die Narbe hinter meinem Ohr, weich und empfindlich fühlt sie sich an. Die Finger gleiten vorsichtig an dem rosigen Fleisch entlang. Das soll ich sein? Fühlt sich an als fasse ich jemand anderes an.

Ich versuche, das Implantat zu ertasten. Schräg über meinem Ohr zucke ich zurück. Da knurpselt was. Hilfe!

Zweiter Versuch: Ich kann es spüren. Das muss es sein. So eine seltsam weichliche Stelle, mit einem kleinen härteren Hubbel in der Mitte. Das muss der Magnet sein. In meinem Kopf. Ich muss mich setzen.

Es heißt, ja Selbsterkundung sei der erste Schritt zu besserem Sex. Na, hoffen wir’s. Wenigstens weiß ich jetzt, dass es alles kein Traum war.

Nachtrag: Wer wissen will, was ein CI ist und es für mich bedeutet, klicke hier und auf diese drei Einträge.

→ 10 KommentareKategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen: ,

Netter Versuch, aber Dialog sieht anders aus! o2 und die Behinderten

26. November 2009 · 3 Kommentare

Die Situation? Ausgrenzung durch Unterlassung würde ich sagen. Denn zwar verbinden Handy und Internet Menschen in noch vor 15 Jahren unvorstellbarer Weise.  Aber wenn sie Ton- und Sprachausgabe nicht hören, Schrift und Bild nicht sehen oder die gängigen Eingabegeräte nicht bedienen können, dann können Behinderte Sprach- und Datendienste in festen und mobilen Netzen nicht nutzen. Und an der Gemeinschaft und Produktivität, die  die Anwendungen moderner Telekommunikation stiften, nicht teilhaben. Auch speziell auf bestimmte Einschränkungen zugeschnittene Tarife oder Möglichkeiten, Kundenbetreuung und Support zu erreichen, gibt es in Deutschland soweit ich sehe nicht. Was alles machbar wäre, habe ich an einem wirklich vorbildlichen Beispiel aus den USA beschrieben.

Darum will ich zuerst mal Telefónica o2 Germany loben — weil sich der viertgrößte Mobilfunknetzbetreiber Deutschlands des Themas annimmt!

O2 will den Dialog mit Behinderten (und dabei wie es scheint besonders mit Schwerhörigen und Gehörlosen) sowie an Behinderung Interessierten aufnehmen. Dafür haben O2 und UPJ, ein Verein, der Unternehmen bei gemeinnützigen Aktivitäten unterstützt, extra eine Online-Plattform eingerichtet. Dort kann jedermann Beiträge einstellen und die anderer kommentieren. So möchte O2 von Problemen erfahren, die Behinderte zu bewältigen haben damit Internet und Telefon nutzbar sind und diskutieren, welche Chancen sich für sie ergeben könnten. Ich finde das grundsätzlich gut und möchte meine Leser ermutigen: Schaut Euch das mal an! Ich habe mich dort vorgestern nach einigem Zögern auch beteiligt.

Wer mich kennt, weiß aber, dass ich hellhörig werde, wenn sich Behörden oder Unternehmen Dialog auf die Fahnen schreiben. Denn was passiert hier? O2 lässt eine Frage ins Netz schreiben („Brücke oder Graben: Welchen Einfluss hat die moderne Telekommunikation auf die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Behinderung?“) und wartet ab, was kommt. Währenddessen wird die Aktion schonmal als corporate responsibility verkauft.

„Diskutieren Sie mit!“ sagt O2. Aber von Diskussion ist zumindest nach einem Monat Laufzeit nicht viel zu sehen. Und das ist auch kein Wunder. Denn welchen Einfluss auf wen man sich durch die Beteiligung erhoffen darf, ist unklar. Da werden Erfahrungen und Überlegungen abgefragt, Betroffene und Interessierte setzen sich hin und schreiben. Sie antworten O2. O2 dagegen will es einfach nur wissen. Dialog und Diskussion meinen in diesem Fall Dialog und Diskussion ohne O2.

Am Ende des Diskussionszeitraums wird eine Zusammenfassung der Beiträge erstellt und zumeist auf Grundlage der Ergebnisse eine Veranstaltung mit weiteren Experten und Mulitiplikatoren zum jeweiligen Thema organisiert. Die Auswertung der Beiträge sowie der direkte Dialog im Rahmen der Veranstaltung eröffnen den Auftraggebern der Fragestellung die Möglichkeit, die Meinungen und Sichtweisen der Teilnehmer und Experten, in ihren internen Entscheidungsprozess zu entsprechenden Fragestellungen einzubeziehen. [...] Alle Teilnehmer erhalten nach dem Ende der Diskussion eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse sowie auch einen Hinweis darauf, wie der Fragesteller diese in seinen Entscheidungsprozess einbeziehen wird. [Quelle]

Das heißt: In den „Dialog“, den man anstoßen möchte, steigt man selbst nicht ein. Mehr noch, O2 fragt gar nicht, was O2 tun könnte, sondern was „Politik, Wissenschaft, Behindertenverbände und Unternehmen“ tun könnten und sollten. Damit ist jeder und niemand direkt angesprochen. Indem man sich beteilige könne man, wie es hier heißt, „Einfluss auf gesellschaftlich relevante Themen nehmen.“ Geht es vielleicht noch bißchen breiter und unbestimmter?  O2 macht sich systematisch frei von jeder direkten Antwortpflicht.

Ich finde es grundsätzlich gut, dass sich ein Unternehmen wie O2 offen, ja wißbegierig zeigt. So wie es bisher läuft, ist mir allerdings der Nutzen für das Unternehmen, sich wißbegierig und offen zu zeigen deutlicher als der für diejenigen, die dem Unternehmen ihre Zeit und Mühe schenken. Den Kunden und der Zielgruppe, um die es hier angeblich gehen soll.

Dialog mit Kunden sieht anders aus. Aber im Unterschied zum als Vodafail bekannt gewordenen Versuch eines Mitbewerbers sehe ich hier einigermaßen gute Möglichkeiten, das Ganze zum besseren zu wenden. Thema und Zielgruppe sind definierter, und vielleicht bietet gerade die Unklarheit dessen was dabei herauskommen soll, eine Chance.

Ein Konzern sucht — jedenfalls nach eigener Aussage — den Dialog. Tun wir was dafür! Geht mal rüber , bildet Euch Eure Meinung und beteiligt Euch. Kritisch. Ich würde mir nur wünschen, dass sich auch O2 an seinem eigenen Dialog beteiligt, damit dieser den Namen auch verdient. Und bin wie immer auch hier an Euren Meinungen und Kommentaren interessiert.

→ 3 KommentareKategorien: Leben & Arbeiten
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , ,

Tagesausflug: Es geht nur Münchhausen

23. November 2009 · 4 Kommentare

Ich mag sie. Lia R. und MannfRed lassen auf sexdrugsblognroll.com Stars und Sternchen die Luft raus, kehren was keiner sehen soll zuoberst und klopfen die Hypes ab. Von allen Seiten. Was übrigbleibt, wird mit hintergründigem Lächeln und Schleifchen auf Eure Bildschirme geliefert. Dazwischen immer wieder richtig schöne längere Stücke — kürzlich zum Beispiel über Schals, die deutsche Einheit oder den Sex-Appeal von Gitarristen auch wenn sie Schlagzeuger sind.

Nun freu ich mich sehr, dass die beiden mich für ihre neue Gastautoren-Reihe eingeladen haben, über „Druck“ zu schreiben. Ergebnis: Es geht nur Münchhausen. Bitte mal angucken gehen.

Am Wochenende gibt’s meinen und die anderen Beiträge übrigens als Podcast. Und stöbert ruhig ein bißchen rum bei den beiden Exilbayern.

→ 4 KommentareKategorien: Nette Geschichten
Mit Tag(s) versehen: , ,

I’m a Cyborg, but that’s OK

23. November 2009 · 14 Kommentare

Na, das ist ja mal genau der richtige Film für mich jetzt nach der OP. Der Computer in meinem Kopf, der bald mein linkes Ohr ersetzt, ist so groß wie eine halb aufgerollte Lakritzschnecke. Und teurer als ein Mini Cooper. Keine eingebauten Waffen, leider. Und auch kein direktes Interface zum Bloggen. Ist nach wie vor alles Handarbeit ;-)

Der Film ist gut, so eine Art Amélie in der Irrenanstalt, sehr asiatisch. Guckt den mal an. [trailer]

→ 14 KommentareKategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen: , , ,

Das süße Leben im Krankenhaus

22. November 2009 · 11 Kommentare

„Wer ist das?“, fragte er.
Mir fiel auf, dass ich wieder hören konnte. Schön für mich. Ich hatte noch ein leises Klingeln in den Ohren, aber das würde vorbeigehen. „Ich weiß es nicht.“
Richard sah mich an. „War das der … Killer?“

Ja, das ist schön für sie.  Hoffe, mir wird’s genauso gehen. Auf den Killer können wir aber gerne verzichten, im echten Leben.

Das ist aus Laurell K. Hamiltons Tanz der Toten. (dt. 2007). Versüßt mir grad die wachen Stunden. Immer noch alles eher Dämmerzustand. Keine Weltliteratur, aber für die hätte ich gerade gar nicht die Konzentration. Ich bin gerade DER Supertester, ob etwas spannend ist oder nicht! Tolle Figur, diese Anita Blake. Ich werde weiterlesen. Allerdings lieber auf Englisch, die Übersetzung hat mich nicht überzeugt. Und ich werde mit Band eins weitermachen: Guilty Pleasures.

→ 11 KommentareKategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Aufwachen — und weiterträumen?

21. November 2009 · 10 Kommentare

Beim Aufwachen aus der Narkose erstmal Englisch gesprochen. Die tippten mich an, und das schon ziemlich lange. Aber das paßte so gut zu dem Traum, den ich hatte. Ich kann mich zwar nicht erinnern, aber der muss in USA gespielt haben oder mit Leuten von dort. Die Ärzte haben ein wenig komisch geguckt — aber wahrscheinlich sind sie ganz anderes gewohnt von Leuten, die nach Rumgeschnippele direkt beim Gehirn wieder zu sich kommen.

Heute, am ersten Tag nach der OP tut mir zwar der Kopf etwas weh und da ist ein Verband. Aber es fällt mir schwer mir vorzustellen, dass ich nun tatsächlich einen kleinen Computer, ein CI im Kopf habe. Alles geschummelt? Ob es morgen noch da ist?

Nachtrag: Wer wissen will, was ein CI ist und es für mich bedeutet, klicke hier und hier.

→ 10 KommentareKategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen: , ,

Kant, nicht Keller. Oder?

19. November 2009 · 9 Kommentare

Nicht Sehen trennt von den Dingen. Nicht Hören von den Menschen

Ein Spruch, der in fast jedem Buch und Artikel über Schwerhörigkeit, Ertaubung und Gehörlosigkeit vorkommt und der meist Helen Keller zugeschrieben wird — einer Taubblinden, die es ja wissen muss.

Dabei scheint der Spruch ursprünglich von Kant zu sein, dem Philosophen, der sein Leben fast ausschließlich in Königsberg verbrachte, was seiner Philisophie oft von naseweisen Erstsemestern zum Vorwurf gemacht wird. Hahaha, der habe doch von der Welt nichts gesehen und dann so einen Anspruch!

Ist es nicht interessant, dass der allgemein zustimmungsfähige Spruch über Taubheit und Blindheit von jemand zu sein scheint, der selbst kein besonderes Problem mit hören und sehen hatte?

Der Mann muss wirklich außergewöhnliche Vorstellungsgabe gehabt haben. Gut, okay, wir reden hier über Kant, stimmt…. Allerdings habe ich nirgends eine Quellenangabe gefunden, hat irgendjemand eine?

→ 9 KommentareKategorien: Nette Geschichten
Mit Tag(s) versehen: , , , , ,