Beim Aufwachen aus der Narkose erstmal Englisch gesprochen. Die tippten mich an, und das schon ziemlich lange, aber irgendwie paßte das zu dem Traum den ich hatte. Ich kann mich zwar nicht erinnern, aber der muss in USA gespielt haben oder mit Leuten von dort. Die Ärzte haben ein wenig komisch geguckt, sind aber wahrscheinlich ganz anderes gewohnt von Leuten, die gerade zu sich kommen.
Heute, am ersten Tag nach der OP tut mir zwar der Kopf etwas weh und da ist ein Verband. Aber es fällt mir schwer mir vorzustellen, dass ich nun tatsächlich ein CI im Kopf habe. Alles geschummelt? Ob es morgen noch da ist?
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Nicht Sehen trennt von den Dingen. Nicht hören von den Menschen
Ein Spruch, der in fast jedem Buch und Artikel über Schwerhörigkeit, Ertaubung und Gehörlosigkeit vorkommt und der meist Helen Keller zugeschrieben wird — einer Taubblinden, die es ja wissen muss.
Dabei scheint der Spruch ursprünglich von Kant zu sein, dem Philosophen, der sein Leben fast ausschließlich in Königsberg verbrachte, was seiner Philisophie oft von naseweisen Erstsemestern zum Vorwurf gemacht wird. Hahaha, der habe doch von der Welt nichts gesehen und dann so einen Anspruch!
Ist es nicht interessant, dass der allgemein zustimmungsfähige Spruch über Taubheit und Blindheit von jemand zu sein scheint, der selbst kein besonderes Problem mit hören und sehen hatte?
Der Mann muss wirklich außergewöhnliche Vorstellungsgabe gehabt haben. Gut, okay, wir reden hier über Kant, stimmt…. Allerdings habe ich nirgends eine Quellenangabe gefunden, hat irgendjemand eine?
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Komisches Gefühl. Heute ist Dienstag. Mittwoch, Donnerstag. Und Freitag vormittag. Noch zweieinhalb Tage, in denen ich ein normaler, organischer Mensch bin.
Ab da höre ich dann auf dem linken Ohr erst einmal gar nichts, oder kaum was, bevor im Dezember my new cyborg life beginnt. Bevor ein Computer an meinem Kopf die Umgebung analysiert und aufgrund seiner Programme berechnet, welchen Strom das Gerät in meinem Kopf an die Nervenbahnen abgibt, die zum Gehirn führen.
Mein Hirn wird ein Weilchen brauchen um daraus seinen Sinn zu machen….
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Ich bin ein Glückskind. Oder zumindest muss ich das annehmen, wenn ich sowas hier lese:
Karin ist schwerhörig, eine von rund 500.000 Menschen, die in Österreich mit dieser Behinderung leben. Den Schulalltag hat die junge Frau gut gemeistert, an der Englischmatura sollte sie scheitern. Die Prüfer ließen sie durchfallen – weil Karin das Hörbeispiel nicht verstand. [Quelle]
Helene Jarmer, eine anfangs angefeindete, gehörlose Bundestagsabgeordnete in Österreich, sagt in dem Artikel, das sei kein Einzelfall. Schwerhörige könnten kaum die Matura, also in Deutschland das Abitur, bestehen. In einem Fall sei ein Schwerhöriger in Englisch wegen schlechter Aussprache durchgefallen worden. Das finde ich entsetzlich, macht mich aber auch nachdenklich.
Wenn ich mich an meine Schulzeit und Prüfungen zurückerinnere, dann haben mir meine Eltern immer gesagt, ich solle ganz früh mit den Lehrern reden — und ich hatte, bis auf wenige Ausnahmen, immer Glück.
Ich erinnere mich an Nacherzählungen in Deutsch und Englisch: Der Lehrer stellte sich direkt vor mich hin und sprach mich direkt an. Ein- oder zweimal durfte ich die nachzuerzählende Geschichte auch lesen, statt hören.
Ich erinnere mich an Hörverstehensübungen mit Filmen und Tonaufnahmen in den Fremdsprachen: Ich verstand schon immer nichts, was aus Lautsprechern kam. Die Aufgabe wurde bei mir nicht gewertet oder über den Daumen aufgerundet. Schließlich bekamen die Lehrer ja auch ansonsten auch einen Eindruck davon, wie hell oder wie doof ich im Kopf war und ob ich ein Gefühl für die Sprache entwickelte. Und ich erinnere mich an eine Spanischprüfung, bei der sich die Prüferin extra mit mir traf und mir die Hörbeispiele in ihrem Büro vorlas — was für mich besere Akustik und die Möglichkeit zum Lippenlesen bot.
Ich erinnere mich sogar an einen Physiklehrer der mir am Ende ganz pauschal eine Note besser gab als ich mir erarbeitet hatte, einfach weil er meinte, er müsse ja auch die mündliche Beteiligung werten und die ziehe meine Note über Gebühr herunter.
Klar, ich erinnere mich auch an Gegenbeispiele. Es gab den Französischlehrer, der steif und fest der Meinung war, dass ich mich verweigerte, ihn gar verspotten wollte. Da war an großzügiges Aufrunden nicht zu denken. Im Gegenteil, es war einiges an gutem Zureden seitens meiner Mutter und seiner Kollegen notwendig, damit er mich nicht durchfallen ließ. (Heute und nebenbei gesagt, er hatte auch Recht, der Französischlehrer.)
Wie die Lage quantitativ ist, kann ich nicht beurteilen. Ich habe nur meine eigene Erfahrung aus den 1980ern und 90ern in mehreren normalen Schulen einer mittleren Großstadt in Westdeutschland . Und sicher, es ist alles auch eine strukturelle Frage. Die institutionellen Förderungsmöglichkeiten für Schwerhörige und Gehörlose sind ohne Zweifel verbesserungswürdig. Aber wenn’s auf der zwischenmenschlichen Ebene, zwischen Lehrern und Schülern, nicht gut läuft, dann helfen auch Gesetze weniger. Klar kann man klagen, aber niemand sollte wertvolle Schul- und Lebenszeit verlieren, nur weil sie auf das Urteil in irgendeiner Sache warten.
Was sagt Ihr dazu? Hatte ich nur unglaubliches Glück?
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Zuletzt ging’s hier so persönlich und intensiv zu — weiß gar nicht wo ich den Faden wieder aufnehmen und weiterbloggen soll. Drum greif ich mal etwas auf, das mir schon länger im Kopf rumschwirrt: Die Hör-Geräte-Industrie. Denn bei aller Hilfe, die die Geräte zweifellos sind, existieren sie ja auch, damit jemand damit Geld verdienen kann. Und zwar, wie immer, möglichst viel Geld.
Das sieht man gut an einer Schlagzeile der letzten Woche, über die ich mir im folgenden ein paar schnelle Gedanken mache: Für umgerechnet rund 340 Millionen Euro wird Sonova, einer der weltweit größten Hörgeräte-Hersteller, Advanced Bionics (AB) kaufen — einen amerikanischen Hersteller von Cochlea Implantaten (CIs).
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Sonntag ist Ausflugstag. Ich bin zu Gast bei Mog — kommt doch auch vorbei! Hier könnt Ihr einen englischen Text von mir besuchen, in dem ich beschreibe, wie sich meine Ertaubung anfühlt.
Die Gastgeberin ist die Autorin des wunderbaren Blogs You hear some funny things when you are deaf, das vor kurzem als Mog Renewed neu gestartet ist. Und der Text ist in der Email-Unterhaltung mit ihr entstanden.
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Die Sache mit dem Cochlea Implantat läßt sich nun doch nicht in zwei Einträgen abhandeln (klick klack). Ich brauche drei
Also…
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So, heute das Gegenteil von gestern. Wahrscheinlich denkt ihr, jetzt ist er total verrückt geworden, der Not quite. Oder er hängt sein Fähnchen nach dem Wind. Es ist aber seit einiger Zeit so: Ich gehe abends ins Bett wie gestern beschrieben und wache heute auf wie, nun, wie ich gleich beschreiben werde. Mal denke ich Ja! oder Nein! und spätestens nach ein paar Tagen bekomme ich wieder Zweifel. Um klarer zu sehen, was ich nun in Sachen CI unternehmen werde, habe ich mir die Freiheit genommen und mal meine Gedanken und Gefühle nur aus der einen Perspektive aufgeschrieben. Ich bedanke mich herzlich für alle Kommentare zu dem Post von gestern! Die waren sehr hilfreich! Jetzt kommt die andere.
Irgendwo zwischen diesen beiden Texten finde ich mich, im Moment eher zerrissen. Leider kann ich mein echtes Leben ja nicht wie diese aufteilen und mal so mal so leben. Obwohl — eigentlich ist es glaube ich ganz gut, dass ich das nicht kann. Es gibt sicherlich Menschen, die es lächerlich finden, welche Probleme ich mir bereite. Aber so ist es nun mal.
Nach Warum ich kein Cochlea Implantat haben will nun Warum ich eins haben will…
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Es ist jetzt fünf Jahre her, dass erstmals ein Arzt zu mir sagte, ein Cochlea Implantat (CI) wäre doch was für mich. Damit könnte ich wieder um einiges besser hören. Ich war geschockt. Eigentlich war ich nur dort um herauszufinden, ob meine Schwerhörigkeit eine autoimmune Ursache hatte. Und dann so ein Themenwechsel! Doch ich sagte mir, ich sei erwachsen und sah mir Vorteile und Nachteile an. Schließlich habe ich das Angebot abgelehnt.
Seither werde ich immer wieder mal gefragt, warum ich das getan habe. Darum hier die Gründe, warum ich kein CI haben will…
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Da öffnet einem so einer die Türe — und weil man schlecht hört, weiß man nicht wer’s ist. Ist’s der Gastgeber, den man kennt und begrüßen sollte? Oder irgendjemand? Den anderen hat’s schon die Stimme verraten.
Ich hätte nicht gedacht, dass das so verunsichernd und aufreibend ist. Sind nur ein paar Sekunden, aber: Nicht zu wissen, wer das ist bedeutet, nicht zu wissen wie ich mich verhalten soll. Und alle anderen haben das Problem mal wieder nicht. Den Schalk da selber fragen hilft nix, durch die Maske und ohne Lippen. Außerdem — wer würde auf die Frage schon zugeben, dass er’s ist?!
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Man darf sich das Anprobieren und Tragen von Hörgeräten nicht wie das von Kleidern vorstellen. Jedenfalls wenn es keine leichte Schwerhörigkeit ist, sind damit so umwälzende Änderungen des, man kann’s nicht anders sagen, In-der-Welt-Seins verbunden wie sonst nur mit Drogen. Mit dem Höreindruck der Geräte, die ich gerade getestet hab, war ich 4 Wochen ständig unsicher und angestrengt. Und bei der Musik schließlich haben sie mich nur noch zum Heulen gebracht.
Das Besondere an Phonak Naida Hörgeräten ist, sie transponieren Frequenzen, die man nicht oder nur sehr schlecht hört, in Bereiche, in denen man noch etwas hört. Für viele bedeutet dass, das sie Töne hören, die sie schon lange nicht mehr gehört haben. Vogelzwitschern etwa.
Hören mit den Naidas war als hätte sich ein Nebel über die (akustische) Welt gelegt, aus dem Geräusche irrlichternd und gepreßt hervordrangen. Und das obwohl meine Augen sagten, dass alles wie immer war. Manches klang näher als ich vermutet hätte. Anderes, Nahes, hörte ich gar nicht — und erschrak wenn dann auf einmal jemand direkt neben mir stand und mich schon zweimal angesprochen hatte. Was ich sah paßte überhaupt nicht zu dem was ich hörte. Es hörte sich nicht einfach komisch an, meine ganze Welt war verschoben und verzerrt. Nur wenn ich die Augen schloss paßte es wieder.
Ich hätte die Geräte am liebsten ziemlich schnell wieder weggelegt, doch ich musste zumindest probieren ob ich mich eingewöhne. Aber so richtig wurde das Zähne Zusammenbeißen nicht belohnt. Es irrlichterte weniger, ich gewöhnte mich daran. Nur: Die Naidas mögen vielen deutlich besser als andere Geräte helfen, mir nicht. Wohl hörte ich mehr mittlere Frequenzen in Geräuschen und Stimmen. Aber das trug kaum zu besserem Verstehen oder schönerem Klang bei. Beileibe nicht. Ich denke, ich höre einfach zu schlecht als dass ich von der Technik groß profitieren würde. Zwischen gerade so hören und ZU LAUT ES SCHMERZT ist bei mir kaum Raum. Möglich auch, dass die Transposition sogar für schlechteres Verstehen im Störschall sorgte, weil im mittleren Frequenzbereich zu viele Information gedrängt waren.
Und schließlich, die Tränen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sich Musik mit der Transpositionsschaltung anhörte. Ich hörte — soweit ich das sagen kann — alles, denn ich prüfte es an Stücken, die ich sehr gut kenne. Ich hörte sogar hohe, das heißt dann mittlere, Frequenzen etwas besser. Aber was ich hörte war — tot.
Es riss nicht mit, es fehlte, was Musik zur Musik macht. Ich saß vor der Stereoanlage, strengte mich an und hörte: Geräusche. Keine Musik. Der Rhythmus war da, aber er trieb nicht. Die Melodie war da aber sie klang nicht. Und auch nach vier Wochen änderte sich das nur ein bißchen.
Ich habe ja viel über Cochlea Implantate gelesen – und dass die Implantierten Stücke, die sie schon vorher schon kannten wiedererkennen können, nicht aber neue erkennen. Und dass sie zwar Musik hören aber kaum genießen können. Das muss so ähnlich sein wie das, was ich mit den Naidas erlebt habe.
Noch eine Bemerkung: Dies alles liegt wahrlich nicht daran, dass die Naidas schlechte Geräte wären– im Gegenteil! Dies ist ein Bericht darüber, wie eigenartig, kraft- und gefühlezehrend Hörgerätetesten und -tragen sein kann.
Teil 2 von „Wie Hörgeräte tragen die Welt verändert“, hier ist Teil 1
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Ich bin ja wirklich ein Veteran, was Hörgeräte angeht — in den letzten fast 30 Jahren habe ich bei unterschiedlichen Graden von Schwerhörigkeit sechs verschiedene Modelle getragen. Und mit jedem war die Welt deutlich anders.
Grundsätzlich ist Hörgerätehören, wie soll ich sagen, zweidimensionaler. Auch mit zweien und auch wenn man Geräusche im Raum gut orten kann. Was ich meine ist, dass von dem was man hört Tiefe fehlt. Wie wenn man auf ein Foto der Welt sieht im Vergleich zu wenn man direkt mit den Augen in die Welt guckt. Und so ist es ja auch: Man hört nicht die Lautquellen selbst, sondern eine Lautquelle am Ohr versucht, die anderen so gut es geht darzustellen.
Fotos haben ja alle möglichen interessanten Effekte: Steht ein Mensch halb vor einem anderen, dann hat man in 3D trotzdem eine Ahnung, dass hinter dem ersten was dahinter ist. Dass es da weitergeht. Auf einem Foto verdeckt der erste streng genommen nicht den zweiten, an der Stelle wo der erste ist, ist einfach nur der erste. Anderes Beispiel: Weil sie so flach wirken, sehen ohnehin schlanke Models zweidimensional noch aus als hätten sie 3 Kilo zu viel.
Schwerhörig und mit Hörgeräten verdecken sich Geräusche und Klänge gegenseitig in ganz anderem Ausmaß. Das leise Kratzen, Schaben und Schleifen was unsere Bewegungen und die der anderen begleitet, das Geschirrklappern und der Straßenlärm, aber auch die Stimme der Sängerin und die Gitarre, das Klavier und die Violine oder ein eigentlich leises Gespräch am Nebentisch: Sie unterliegen nicht den anderen Geräuschen, sie sind nicht auch da. Sie übertünchen sie. Oder sie vermischen sich, verlieren wie Farben ihr eigenes Leuchten und werden zu Brauntönen.
Sicher, die Elektronik ist immer besser geworden. Und je weniger schwerhörig man ist umso geringer der Effekt, weil man besser gezielt nur das was fehlt ersetzen kann. Aber dennoch muss ich auch mit hochgradiger Schwerhörigkeit und optimal eingestellten Geräten sagen: Wenn ich die Geräte herausnehme, kommt zwar deutlich weniger an bei mir. Das was ankommt, klingt aber um Lichtjahre besser, mehrdimensionaler und auch mitreißender als die Welt mit Hörgeräten. Denn hören ist ja immer auch mit Gefühlen verbunden.
Wirklich zu doof, dass sich die Welt nicht selbst so verändert, dass sie sich für mich gut anhört — wie die Models, die hungern, nur damit sie auf Fotos gut aussehen.
Morgen berichte ich, warum mich ein Hörgerät, das ich die letzten 4 Wochen getestet habe, zum Weinen gebracht hat…
Kategorien: Leben & Arbeiten
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Der Wind, der Wind — man denkt gar nicht wo überall leichter Wind ist, den man normalerweise nicht bemerkt. Außer als Tontechniker bei der Aufnahme oder eben mit Hörgeräten. Im Grunde bräuchte man da jederzeit einen dicken, fluffigen Fell-Windschutz am Ohr. Ein Glück für die, bei denen der eh angewachsen ist. Pech für alle anderen.
Übrigens, wir reden hier von keinem leisen Flüstern. Sondern von einem markerschütternden Heulen. Auch bei modernsten Hörgeräten ist die Windautomatikerkennungsfunktion noch optimierbar. Wir reden von einem grausigen Geräusch.
Kategorien: Grausige Geräusche
Mit Tag(s) versehen: Fell, Hörgeräte, Wind, Windschutz

Heute kann ich aber mal dreifach stolz sein auf mich! Nicht nur haben wir gestern zu fünft acht Flaschen Wein den Garaus gemacht und trotzdem noch bei Wasser weitergespielt, nein, mein Team hat auch noch gewonnen. Und es war bei Tabu. Oje.
Früher fand ich das Spiel toll; immerhin macht es mir ja Spaß, mich auszudrücken. Mich reizt die Herausforderung, behindert zu kommunizieren. Und der Zeitdruck. Das muss mal gesagt werden: Ich war ziemlich gut. Tja, ein großer Wortschatz hilft, hehe.
Inzwischen bin ich zwar immer noch recht gut im Reden — aber das Reden der anderen geht an mir vorbei. Es fällt mir wahnsinnig schwer, Leute zu verstehen, die unter Zeitdruck hechelnd und unzusammenhängend reden. Auch wenn es 30cm vor meiner Nase stattfindet und keine Musik das Gespräch verdreckt. Man muss das ja schon fast Stammeln nennen, was man da bei Tabu so macht.
Außerdem ist es schon vorgekommen, dass ich beim Selberreden nicht mitbekommen hab, dass das gesuchte Wort schon gefunden, also gesagt wurde. Das stellt sich dann zwar im Nachhinein raus — den Punkt kriegt man trotzdem! Es ist aber so peinlich, dass ich das wirklich nicht oft machen möchte. Was ich bei Tabu auch immer noch kann, ist mit der Karte in der Hand zu prüfen, ob ein verbotenenes Wort gesagt wurde. Wenn ich weiß auf welchen Klang ich horche, klappt das. So verstehen Schwerhörige, darin bin ich geübt.
Ähnliche Probleme hab ich mit Spielen wie Scharaden oder Montagsmalern. Immer dort,wo ich etwas tun und gleichzeitig verstehen muss was andere sagen. Verstehen geht bei mir nur, wenn es die Hauptsache ist. Und richtig raten, ohne mitzubekommen was schon gesagt wurde, was schon mal nicht stimmt und wohin die Spur geht — ist auch nicht einfach. Bei diesen Spielen sitze ich früher oder später nur herum.
Übrigens, hörmäßig einfach weil zum Mitlesen und sehr lustig war neulich: Anno Domini. Da hat man Karten auf denen absurde Ereignisse stehen und man muss die in die richtige zeitliche Abfolge legen. Wir hatten so eine lustige Variante, wo’s nur um Massenmörder, Kannibalen, Giftmischerinnen, brutale Heerführer und hinterhältige Bischöfe ging…
Kategorien: Spaß & Spiel
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Kategorien: Schöne Töne
Mit Tag(s) versehen: Jean-Jacques Perrey
Insofern ist das Bloggen wie das Leben, es bringt einen dazu, Dinge zu tun, die man niemals tun wollte.
Ziemlich am Anfang habe ich mich ja mal über den Begriff „hörgeschädigt“ mokiert. Ich seh schon, dass man nen Oberbegriff für alle möglichen Sorten von Nicht- und Andershören braucht. Aber diese Mischung aus scheinbarer Neutralität und Beleidigung fand ich doof, das wollte ich nicht sein. Den wollte ich nicht benutzen. Seither fand ich mich beim Schreiben öfter in der Situation wieder, dass er gut gepaßt hätte. Manchmal geradezu stur habe ich „hörbehindert“ geschrieben.
Wer schreiben will, muss halt benennen worüber er schreiben will, sonst geht’s nicht. Oder es geht schon, das aber schlecht.
Genauso geht’s mir gerade mit dem Gegenteil von schwerhörig. Was sind Leute, die nicht sind wie ich? Oft ist von „Hörenden“ die Rede, doch das geht mir zunehmend auf den Geist. Hören tu ich ja auch, nur anders. Hörende mag das Gegenteil von Gehörlose sein, aber nicht von Schwerhörige. Nicht-Schwerhörige? Zu sperrig. Also schreibe ich Normalhörende. Aber ehrlich gesagt, das ist auch bäh! Was ist normal, wo sind die Grenzen?
Es ist ja immer auch eine Identitätsfrage. Wie sieht man sich, wie will man sein? Und was sagt man über andere? Das Problem ist ja im Grunde das gleiche wie bei der Diskussion um Behinderung und ihr Gegenteil…
Kategorien: Leben & Arbeiten
Mit Tag(s) versehen: hörbehindert, hörend, hörgeschädigt, normalhörend, schwerhörig
Gerade beim Heimkommen immer wieder dumpfes Pochen gehört. Könnte es das sein? Ich habe keine Ahnung. Dass man am Leben seiner Nachbarn teilhaben kann, ist für mich ähnlich exotisch die Lieblingsgerichte der Pygmäen oder diese Sache mit der Mücke.
Meine Freunde sind mal wieder der Ansicht, das sei auch in diesem speziellen Fall ein Segen — genauso wie bei den Alkoholikern, Junkies und Verrückten. Ich sehe das anders und stelle es mir, ehrlich gesagt, ziemlich aufregend vor zu hören wie’s meine Nachbarn so treiben. Oder zumindest eher belustigend als belästigend. Außerdem isses bestimmt lehrreich, wer weiß? Spornt es an oder macht es unglücklich, Vergleich zu haben?
Jedenfalls finde ich es ungerecht, dass in hellhörigen Wohnungen nur ich mich wie auf dem Präsentierteller fühlen muss!
Kategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen: Belästigung, Belustigung, Geräusche, Liebesgeräusche, Schwerhörigkeit, Sex
Die Wahrheit ist, egal ob Ihr Hörproblem behandelt wird oder nicht, Sie werden im Verlauf ihres Berufslebens wahrscheinlich Einkommen verlieren. Die Forschung zeigt allerdings, dass der Verlust bei Hörgeräteträgern nur halb so groß ist.
Marlene Prost: Helping Hard of Hearing Employees [via Jamie Berke]
Es fällt schwer, sich mit einer Gruppe zu identifizieren, zu der man nie gehören wollte und deren Mitglieder zugleich als weniger attraktiv oder weniger intelligent angesehen werden.
Susanne Bisgaard: Hören – Hörverlust – Hörgerät? [danke Frauke!]
Kategorien: Leben & Arbeiten
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