Leider muss ich oft grinsen, wenn Kollegen mich mies behandeln — was diese meist nur noch mehr reizt. Aber es ist doch so: Wenn Dich Kollegen mies behandeln, tun sie’s meist deswegen, weil sie Dich als Bedrohung empfinden.
Gut! Das heißt, wir spielen in der gleichen Liga. Keine falsche Schonung als „Behinderter“.
Kategorien: Leben & Arbeiten

Das Tolle an Kindern ist ja, dass man selber nochmal ein bißchen Kind sein kann. Zum Beispiel wenn man auf dem Weg zum See auf dem Beifahrersitz lungert und die gute Freundin hinten der Tochter Märchen vorliest. Hach, denkt man da, kauert sich zusammen und ein paar von den Gefühlen von damals klettern hoch, als einem selbst vorgelesen wurde.

Es ist das erste Mal, dass ich mich über Stau freue. Denn nun sind die Fahrgeräusche weg und ich muss mir vom Vordersitz aus nicht mehr den Kopf verdrehen um zu verstehen. Ich höre allerdings auch immer mehr Sätze, an die ich mich nun gar nicht erinnern kann — und merke, dass wir eine modernisierte Fassung zu hören bekommen, die aus dem Moewig Verlag von María de Calonje, Julian Jordan und Eva Lopez übrigens.
Ist schon klar, Märchen sind mitunter brutal. Aber ist es wirklich so schlimm, wenn das Königspaar die 13. Fee einfach nicht einlädt, weil nun mal nur zwölf goldene Teller da sind? Muss sie stattdessen unbedingt unerreichbar gewesen sein und die Einladung nicht erhalten haben? Muss unbedingt der Koch wegfallen und der Küchenjunge, dem er gerade eine wischt, obwohl diese beiden eines der schönsten Bilder beim Plötzlich-in-den-Schlaf-Fallen-und-100-Jahre-später-wieder-Aufwachen sind? Ganz zu schweigen davon, dass nebenbei einer mit Siebenmeilenstiefeln nach der guten Fee geschickt wird!
Und, liebe Modernisierer, alle Erklärungswut in Ehren — aber es gibt nun wirklich gar keinen Grund, ausgerechnet die Tauben zum Sündenbock zu machen:

Oder wie seht Ihr das?
Ich habe gerade die Hausmärchen der Gebrüder Grimm nochmal aus dem Regal geholt und mich in den Fassungen sofort festgelesen. Beim Herrn Gevatter, hab ich geschaudert, bei den sechs Schwänen gebangt. Jetzt kommt: Die zertanzten Schuhe….
Kategorien: Nichtgehörtes
Mit Tag(s) versehen: Taubheit, Märchen, Dornröschen, Kinderversion, Gebrüder Grimm
Das Hände- und Fingerschütteln hat beim Rappen Tradition, insofern paßt es ja: Die finnische Gruppe Signmark macht Hip Hop mit very sophisticated Fingerschütteln, mit Gebärdensprache. Das hört sich nicht nur gut an, das sieht auch gut aus.
Hier gibt’s einen spannenden Bericht des MDR über die Gruppe und den gehörlosen Frontmann Marko Vuoriheimo. Da sieht man mal wieder, was in einer kreativen Partnerschaft so alles möglich ist. Musiker Sein ohne Hören (oder mit fast nichts hören) — wie das geht finde ich ja immer wieder faszinierend. Und es muss ja nicht immer Evelyn Glennie sein.
Morgen abend (24.7.) treten Signmark in Berlin auf — und zwar im Glashaus bei Sencity, was man wohl als einen Frontalangriff auf die Sinne bezeichnen muss: Bei dieser Partyreihe gibt’s nicht nur Musik und Lichtinstallation, sondern auch noch „Aromajockeys“, die Gerüche mixen, der Boden ist ein „sensefloor“, so dass man die Musik besser spüren kann, Gebärdensprachtänzer und Massage. Ich finde, das klingt ziemlich wild. Leider kann ich nicht hin. Aber falls wer hingeht, würde mich freuen zu hören wie’s war!
[Auf signmark bin ich übrigens bei jule gestoßen.]
Kategorien: Nette Geschichten
Mit Tag(s) versehen: Gebärdensprache, Hip Hop, Signmark

Wir nahmen die Drinks wie sie kamen. Es war eine dieser noch nicht lang zurückliegenden Nächte, in denen zwar Gewitter vorhergesagt war, in der Realität die Hitze aber durch kein kühles Lüftchen gestört wurde. Ich genieße solche Nächte in der Stadt, die immer etwas von Ausnahmezustand haben. Diese hatten wir stilgerecht schon bei Sonnenuntergang mit einem Singapore Sling begrüßt.
Einige Stunden und Streifzüge später — aus dem Nichts explodierte direkt neben uns heftiger Streit. Laute Worte flogen hin und her, erst über ein Auto hinweg, dann hielt es zwei Helden nicht mehr an ihren Plätzen. Brüste wurden gereckt, Begleiterinnen zerrten an Armen und Hemden. Drama! Auf einmal blitzte ein Schraubenzieher auf, der Abtransport des einen Streithahnes durch einen Freund verhinderte Schlimmeres.
Meine Begleiter erwiesen sich als vollkommen unfähig, mir zu berichten, worum es da gegangen war. Sie hatten zwar verstanden, was gesagt wurde (sagten sie). Doch wollte ich genaueres wissen, sagten sie: „Die haben gar nichts gesagt.“ „Halt so Beleidigungen.“ Kreatives Fluchen und derbe Beleidigen finde ich spätestens seit Käpt’n Haddock spannend, und diesmal war die Eskalation wirklich auffällig. Doch auf mein Plädoyer für Barrierefreiheit und die Bitte, doch irgendeinen Satz, den sie gehört hatten zu wiederholen, kam nur hilfloses Achselzucken.
Da sieht man mal wieder, was für eine Leistung es eigentlich ist, genau zuzuhören. Und wie selten man das eigentlich macht. Nebenher: Was für eine Leistung Dolmetscher eigentlich vollbringen!
Klar, das mit dem Fluchen ist mein Privatvergnügen, ebenso wie die Sehnsucht, Aufgeschnapptes zu verstehen. Aber ich glaube, wenn ich hier Barrierefreiheit haben will, dann muss ich selbst zu den Schreihälsen hingehen. Ich werde sagen: „Hey!“ — und wenn dann jeder denkt, jetzt kommt das übliche „Beruhigt Euch!“ oder „Leiser!“, dann werde ich sagen: „Laßt Euch nicht stören. Schön laut weiter, aber bitte, etwas deutlicher, ja? Ich habe ein Recht darauf, es auch zu verstehen.“
Ist doch wahr: Wer sich schon als öffentliche Darbietung streitet, sollte auch jeden als Publikum akezptieren.
Kategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Es ist kurz nach sechs. Dieses knisternde Britzeln, was ist das bloß? Klingt eigentlich ganz schön. Erwartet hätte ich so früh am Morgen nur das anschwellende Brausen des Verkehrs und die eine oder andere Vogelstimme. Das Übliche halt.
Jetzt aber klingt es fast wie Regen — ein Prasseln, obwohl draußen die Sonne lacht. Dann sehe ich es: Der Herd! Die Milch! Es riecht verbrannt. Schon bildet sich Kruste. Waaahh!!
Bevor ich das elektrische Ohr hatte, hätte diese Geschichte sieben Sätze später begonnen. Das feine Britzeln und Prasseln hätte ich trotz Hörgeräten nicht gehört. Sie hätte aber genauso geendet. Ich notiere mir: Es kommt nicht darauf an, was Du hörst, sondern was Du daraus machst!
Kategorien: Schöne Töne
Ist das jetzt Ausgrenzung oder Gleichberechtigung? Forschung oder PR? Das australische Bionic Ear Institute startet gerade ein Projekt, in dem Musik speziell für Träger von Cochlea Implantaten komponiert wird. Hier ein Bericht der australischen Zeitung The Age.
Ausgangspunkt ist was wir gerade so schön in den Kommentaren diskutiert haben: Dass Leute mit elektrischen Ohren Musik ganz anders als ihre normalbiologisch hörenden Freunde wahrnehmen, die direkt daneben sitzen. Und dass viele Musik leider nicht genießen können. Die Komponisten sagen, es werde wahrscheinlich „unkonventionell“. Noch in diesem Jahr sollen die Stücke bei einem Konzert aufgeführt werden.
Ich bin gespannt — aber entzweigerissen. Einerseits denke ich: Die sollen lieber mal die CI-Systeme verbessern, ich will unbehindert Zugang zu jeder Musik. Nich so’n musikalischer Apartheid. Womöglich klingt es dann für normalbiologisch Hörende sogar ganz grauslich!
Oder sollte man es nur pragmatisch sehen? Dass spezielle Bevölkerungsgruppen spezielle Musik haben, ist ja nichts neues. „Schwarze Musik“ ist schon lange kein Schimpfwort mehr, und war schon davor eine Bereicherung. Aber müssten dann nicht CI-Träger selber die Musik komponieren? Nich so’n musikalischer Paternalismus?
Oder geht es letztlich doch nur um gute oder schlechte Musik und was man dafür hält?
Kategorien: Nette Geschichten
Mit Tag(s) versehen: CI, Cochlea Implantat, Musik, Musikhören
Andere haben sich am Wochenende die Sonne auf den Bauchnabel scheinen lassen, ich hab geschuftet. Dafür gehe ich heute an den See. Und hoffe, möglichst viele andere sind arbeiten.
Verfolgt Ihr eigentlich die Kommentare? Falls nicht, schaut mal hierher. Da ist übers Wochenende eine spannende Diskussion um die Frage entstanden, ob jemals zwei das Gleiche hören können. Ob wir letztlich alles unterschiedlich wahrnehmen. Und weshalb man trotzdem vergleichen kann. –>klick.
Kategorien: Misc
Sag mal, wie hörst Du eigentlich? Eine Frage, die man keinem normalen Menschen stellen würde. Sowas thematisiert man im Alltag einfach nicht. Ich höre sie ständig — aber ich höre ja auch nicht Alltag. Jedenfalls seit ich nicht mehr mit den Ohren von Mutter Natur höre, sondern mit der Technik, die die Söhne (aber soweit ich weiß keine Töchter) von Mutter Natur entwickelt haben.
Auch hier im Blog gibt’s ja immer mal wieder Verwirrung darüber, was ich höre — genauer: was ich behauptet habe, mit dem elektrischen Ohr zu hören. Zuletzt hier. Eigentlich, dachte ich daraufhin, müsste ich es wie die Fotografen machen. Fotos sind ja auch technisch erzeugte Wahrnehmungen. Und damit man sich besser drüber unterhalten kann, schreiben viele ja zu ihren Bildern gleich Kamera- und Objektivmodell sowie Belichtungseinstellungen bei der Aufnahme dazu.
Ich könnte es also so machen: Gehört mit CI500, map 16, AGC 2:1, Standardempfindlichkeit 50%, mcl 18,43, thr 0,14, Sättigung 700 (re) und Phonak Naida, sound recover off (li). Insgesamt zu jedem Höreindruck mehr Fußnoten als in einem Mobilfunkvertrag.
Dass jemals zwei das Gleiche hören, kann man unter den Bedingungen gleich vergessen.
Kategorien: Unerhörtes
Halb Deutschland guckt zu — aber eine sieht mehr als andere. Jules Twitter-Ableseservice @EinAugenschmaus, vor dem keiner der Zurufe, Seufzer und Flüche der Spieler und Trainer sicher ist, ist ein voller Erfolg.
Sie hat es in kürzester Zeit auf über 500 Follower gebracht und in die Zeitung. Heute abend ist ein TV-Team des SWR bei ihr. Und kompromißlos wie sie ist, hat sie gleich noch durchgesetzt, dass der Beitrag zumindest in der Mediathek Untertitel haben muss. Go, Jule!
Ich selbst habe bei der WM bisher eher Unerfreuliches abgelesen — zuletzt ein „Nein, wir lassen hier niemand mehr rein“ als ich den Fehler machte, mich zum Spielgucken in der 11-Freunde-Arena zu verabreden. Das wußte ich also schon 20m vor dem Einlass, doch was bringt das? Heute abend passiert mir das nicht. Es ist für alles gesorgt.
Bin eh mehr für Kneipengucking als für Public-Viewing, wenn ihr versteht, wie ich das meine.
Kategorien: Nette Geschichten
Mit Tag(s) versehen: Fußball, WM 2010
Bild: Adolf-Grimme-Institut / Jens Becker, all rights reserved
Smilla und ich geben Grimme Gothic. Aber Brangelina haben schließlich auch mal klein angefangen.
Kategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Vor die Wahl von zu heiß und zu kalt gestellt wähle ich zu heiß. Immer. Selbst wenn ich was zu tun habe und mir die Brühe läuft, ich mag tropische Schwüle. Und ich mag den Sound der Sommernacht.
Nachts in der Wohnung, alle Fenster auf — und ich habe das Gefühl, die ganze Stadt senkt sich akustisch auf mich nieder. Eine Tür klappt, irgendwo läuft ein Fernseher. Eine schöne Frau mit Absätzen läuft vorbei, jemand singt (ja singt) irgendwo. Sind wir hier in Berlin oder im Film? Von Ferne nähert sich ein Roller. Lautes Seufzen aus der Nachbarwohnung, beantwortet vom Hund der anderen Nachbarwohnung. Ein Mann schreit einen anderen an. Und schließlich kommt eine Gruppe Jugendliche vorbei, sammelt alle Geräusche ein und hinterläßt nur Stille. So scheint es mir jedenfalls.
So nah. All diese Geräusche, die ich sonst nicht hören würde. Wohl weil sonst nicht so viele Leute draußen sind oder ebenfalls ihr Fenster aufhaben. Und ich ein bißchen genauer auch wegen des elektrischen Ohrs. Schön.
Kategorien: Being 'Not quite like Beethoven'

…anders anziehen. Ich kann wirklich niemandem empfehlen, wenn das Gehirn sich in der Endphase eines aufreibenden Projektes wie ein ausgewrungener Waschlappen anfühlt, mit Klamotten Experimente zu machen. Aus Zeitdruck noch ohne Anprobieren. Und so, dass man dann bei der Preisverleihung, zu der man reist, nur dies im Koffer hat und sonst nix. Mögliches Resultat ist nämlich Zirkusdirektor aus der Provinz.
Zum Glück fand sich doch noch ein Plan B in dem Koffer. Dann zusammen mit Smilla, den Nostalgikern von retro-tv, Herrn Paulsen und der nicht zu vernachlässigenden Unterstützung von Freundin N. und Herrn D. zunächst die Tischgesellschaft des Abends gegründet, was schließlich — vielvielspäter und mit leicht veränderter Besetzung — noch in einen Belastungstext exquisiter Whiskys in Kölner Hausbesetzerkneipen mündete.
Das waren also spannende, extravagante und dazu unglaublich stressige zwei Monate. Jetzt ist der Kater vorbei und der Kopf etwas ausgelüftet, jetzt kann’s auch wieder in den Alltag zurückgehen. Na, erstmal in den Zug zurück nach Berlin…
Kategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Ereignisreicher Tag heute: Mal kein Fußballspiel. Dafür ein neuer Bundespräsident. Eine abgegebene Dissertation!!! Und Grimme Online Awards für ein paar Leute. Na mal sehen…
Kategorien: Being 'Not quite like Beethoven'

Über die Sache mit den angenehmen und weniger angenehmen Weisen des Weckens hab ich schon länger nachgedacht. Jetzt habe ich seit etwa acht Wochen Rütteln am Handgelenk probiert. Soll heißen: einen Armband-Vibrationswecker. Denn ich wurde gefragt, ob ich Lust hätte, den Sleep-Tracker zu testen. Ohne Geld und ohne Verpflichtung. Das fand ich anständig. Auf sogenannte Schlafphasen-Wecker war ich eh neugierig: Wecken genau in den Phasen, in denen ich eh fast wach bin? Erholter Aufwachen? Ich sagte zu.
Und stellte fest: Ich musste mich wirklich dran gewöhnen! Mir was anzuschnallen zum Schlafen fühlt sich einfach komisch an. Ich bin’s gewohnt, mich vorher auszuziehen – und schlafe lieber unbeschwert. Die Gewöhnung hat sicher zehn Tage gedauert.
Die Erkennung, wann ich fast wach bin, funktioniert aber richtig gut. Der Alarm kommt zuverlässig kurz nachdem ich mich umhergewälzt habe und gerade weiterschlafen wollte. Das ist wirklich erstaunlich angenehm!
Allerdings: Man muss dem Wecker auch eine Chance geben. Er weckt zwar, übernimmt aber — natürlich — keine Verantwortung fürs Wiedereinschlafen. Aufstehen muss man auch immer noch selber. Viel zu früh bleibt einfach viel zu früh. Und wenn der Schlafrhythmus aus den Fugen ist, hilft auch Schlafphasenwecken nicht. Dann hat’s sich was mit dem erholteren Aufwachen. (Wer Spaß daran hat, kann das Gerät aber gerade dazu nutzen, sich geregelteren Schlaf anzutrainieren.)
Freunde der Sleep-Taste (wenn ich nicht ganz dringend aufstehen muss, kann ich mich damit über Stunden hangeln!) haben auch nicht soviel davon. Ausmachen und Weiterschlafen-bis-es-sich-endlich-richtig-anfühlt zerstört den Effekt. Ganz Geübte können ihn so aber auch von Hand und ohne Sleeptracker nachbauen.
Für Schwerhörige, Taube und Gehörlose muss gesagt werden: Die Vibrationsfunktion, und nur die habe ich ja getestet, ist beim Sleeptracker vergleichsweise schwach — eher so ein leichtes Rubbeln. Technisch gesagt: Als vibrierte er mehr lateral denn gegen meinen Arm. Kein Vergleich zu meinem Preßlufthammer im Handtuch. Das kann man schonmal verschlafen.
Nachdem ich mich nun dran gewöhnt habe, mit Uhr ins Bett zu gehen, finde ich so schlafphasengewecktwerden ganz angenehm. Kann ich also empfehlen. Allerdings wäre mir der Sleeptracker zu teuer. Es dauert nämlich eine ganze Weile, bevor man merkt ob und wieviel es einem bringt. Das hängt sehr vom individuellen Schlaf- und Aufwachverhalten ab. Ich werde den Sleeptracker definitiv noch eine Weile weiternutzen und berichten wenn sich Neues ergibt. Zum Beispiel hatte ich seither noch keine Gäste in meinem Bett — bin gespannt, wie die darauf reagieren, wenn ich mich zum Schlafengehen erstmal an den Wecker binde.
Kategorien: Leben & Arbeiten
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Also, ich werde ja am liebsten am Bein geweckt. Da Schwerhörigkeit und Ertaubung es mit sich bringen, dass man aus der Entfernung nur mit grellem Licht geweckt werden kann, ist auch kein sanftes Rufen in die morgendliche Realität mehr möglich — es ist Anfassen angesagt. Und Rucken. Oder Schütteln. Ob nun durch Wecker oder Personen. Wurfgeschosse lassen wir mal außen vor.
Aus dem Schlaf gerissen werden, weil’s am Körper irgendwo heftig wackelt, ist extrem. Das ist gleich so dicht an mir dran, ich wache mit Kampf- oder Fluchtreflex auf. Darum ist’s mir deutlich lieber, am Bein geweckt zu werden als an der Schulter oder am Arm. Das ist gefühlt weit weg und die Störung kann notfalls weggetreten werden.
Dass diese Vorliebe indezent sein kann, lernte ich gerade an einer schlafenden Pendlerin im Zug. Sie war so ungünstig eingeschlafen, dass ich nicht an meinen Sitz kam. Im Minirock. Und erst kurz vor Abschluss fiel mir auf, dass es vielleicht doch nicht so gut kommt, eine fremde Frau am Bein zu begrapschen während sie schläft. Mit einem Lächeln begrüßte sie mich trotzdem nicht.
Soll mal einer verstehen…
Kategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
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Maschinen arbeiten bevorzugt bei schönem Wetter und am Wochenende. Oder wie soll ich es verstehen, dass ich ausgerechnet heute mal wieder ein Glückspilz sein soll?
Klingelte das Telefon, ging ich ran und hatte ein Tonband an der Strippe, das mir verkündete: Preisausschreiben gewonnen ohne je teilzunehmen! Also quasi doppelt Glück gehabt — nein eigentlich dreimal: Denn ich freue mich auch immer über die Gelegenheit, zwanglos mit dem elektrischen Ohr telefonieren zu üben. Ganz ohne den Gesprächspartner zu nerven, irritieren oder gar zu verprellen.
Die haben mit diesem Tonband wirklich alles richtig gemacht. Es ist die perfekte Übung! Von der langsamen Sprachgeschwindigkeit über die Deutlichkeit, bis hin zu dass die Aussage in fünf verschiedenen Formulierungen wiederholt wird und die WICHTIGEN Worte BETONT werden. Dass die Nummer, die ich anrufen soll mit endloser Geduld ebenfalls wiederholt wurde, brauche ich wohl nicht eigens zu erwähnen. Von dieser Aufnahme könnte sich so mancher menschliche Telefonierer ne Scheibe abschneiden!
Nur der Name der Firma, der war nicht zu verstehen. Zufall? Oder wurde der gar nicht gesagt?
Kategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen: CI, Cochlea Implantat, Telefonieren, Telefon, Abzocke, Gewinnspiel
Hat jemand ein iPhone 4 für mich zum Testen?
Schön isses ja sowieso. Aber dass die Sprachqualität so überragend sein soll hat mich neugierig gemacht:
The first time we took a call on the device we were walking down New York’s extremely noisy Fifth Avenue [...]. Even though sirens were wailing behind us and we were surrounded by chatty shoppers, it was easy to hear our party on the other end, and they could hear us perfectly (unless we were lied to). [engadget iPhone 4 review]
Die da verwendete Technik mit einem zweiten Mikrophon zur Geräuscheunterdrückung gibt’s ja schon länger. Aber bei anderen Modellen wie den HTCs und Motorolas hab ich noch niemand begeistert darüber reden hören. Die von Engadget sagen, man merke nochmal einen deutlichen Unterschied zum 3G. Weiß jemand genaueres?
Außerdem: Pia, meintest Du solche Mikrotechnik mit diesem Kommentar?
Kategorien: Nette Geschichten
Mit Tag(s) versehen: iPhone, Klangqualität, Mobiltelefon, Sprachqualität
Meine Blogkollegin Jule ist ein alter Ablesefuchs. Sie vergnügt sich schon lange damit, Leuten von den Lippen abzulesen, was diese nicht laut sagen wollen.
Seit gestern tut sie damit auch was für die Allgemeinheit und twittert live, über die Spiele bei der Fußball-WM. Wir hatten dadurch schon gestern beim Spiel Deutschland gegen Ghana eine äußerst unterhaltsame 2. Ebene im Hintergrund! Ich sag nur: Arne Friieeedrich!
Ich bin gespannt wie’s weitergeht. Ob sich die Mannschaften mit sowas wie dem alten Elephant-Juice-Trick auf die neue Bedrohung einstellen?
Kategorien: Spaß & Spiel
Mit Tag(s) versehen: Fußball, Lippenlesen, Mundablesen, WM 2010
Zuweilen komme ich mir vor wie jene unglückliche Frau, die mir gestern Nacht in der U-Bahn gegenübersaß. Neben ihr saß ihr Mann. Ich verfolgte ihr Gespräch — und hatte bald so genug davon, dass ich ihn hätte nehmen wollen und schütteln bis er heult.
Das mag Euch übertrieben erscheinen, aber ich fand es wirklich nicht zum Aushalten: Wann immer sie mit ihm sprach, wandte sie sich ihm zu. Nicht nur den Kopf, ihr gesamter Körper richtete sich zu ihm aus. Sie blickte ihn an. Sprach ihn an. Wann immer er sprach, tat er — gar nichts. Starrte geradeaus, aus dem Fenster oder einer Frau nach, gerade wie es ihm paßte. Und es war ganz offensichtlich für beide das Normalste von der Welt.
Warum läßt sie sich das bieten? — dachte ich. Interessiert er sich nicht mal für sie?
Aber ich bin ja vorbelastet. Ich wende mich allen zu, mit denen ich rede und blicke sie an. Ich muss das. Ich verstehe sonst nichts. Es ist etwas, das die anderen sehr an mir schätzen, was mich zu einem begehrten Zuhörer macht. Und ich bin darauf angewiesen, dass meine Gegenübers es mir gleich tun.
Neuerdings jedoch drehe ich ab und zu den Spieß um und drehe mich weg, wenn jemand mit mir spricht. Ich teste dann, ob ich mit dem elektrischen Ohr auch ohne Sicht Verstehen kann. Und übe es ein bißchen. Meine Abwendung bleibt nie ohne Reaktion: von milder Irritation bis zum Wutanfall war schon alles dabei. Wäre ich die Frau in der U-Bahn, ich würde mich sofort scheiden lassen!
Kategorien: Being 'Not quite like Beethoven'
Mit Tag(s) versehen: Sprechen, schwerhörig, Zuhören, CI, Cochlea Implantat, Körpersprache, Ansehen
Ich gehe einfach nicht gern mit meinen Problemen hausieren. Ich sage, was nötig ist, damit ich klarkomme. Also wie man mit mir reden muss und was alles sonst noch so in diesem Blog steht. Aber ich habe keinen Bock zu jammern. Darauf rumzureiten, was alles nicht geht. Wie anstrengend Hören oft für mich ist, so dass ich mehr Ruhe brauche als andere. Oder wieviel mehr Zeit ich brauche, weil ich bestimmte Dinge vorbereiten und nachbereiten muss. Das finde ich auch wichtig.
Denn ich achte lieber auf das Positive und rede lieber darüber. Außerdem will ich mir ja auch nicht in die Tasche lügen und alles mit der Schwerhörigkeit entschuldigen. Und es gibt leider genügend Leute, die mich nicht mehr für voll nehmen, wenn ich dauernd sage, dass ich andere Maßstäbe brauche, bestimmte Dinge nicht alleine hinbekomme oder nicht garantieren kann, dass sie klappen. Das kann auch ganz unbewußt geschehen: Schwupps, ist man bei denen im Kopf in einer anderen Schublade.
Leider aber kommt das Unthematisierte zurück und beißt mir in den Allerwertesten.
Ganz besonders natürlich im Lebenslauf. Denn das Ding wird erst rund durch die langsame Ertaubung, die Probleme, die sie mit sich bringt und die Lösungen, die ich dafür fand oder auch nicht. Wie sonst soll man die Knicke, lange Dauer und Lücken erklären? Aber man braucht sich gar nicht erst zu bewerben, es geschieht schon im Freundeskreis. Wenn ich nicht ständig dazu sage, wie schwer ich’s habe oder was nicht geht, dann vergessen die Leute es. Oder es war ihnen in irgendeiner neuen Weise nie so richtig klar. Und man steht halt mal wieder dumm, luschig oder irgendwie eigenartig da. Manchmal sogar vor sich selbst. Es ist zum Verrücktwerden. Egal wie man’s macht: Damned if you do, damned if you don’t — es ist eine Zwickmühle.
Kategorien: Unerhörtes
Mit Tag(s) versehen: Schwerhörigkeit, Behinderung, Lebenslauf, Selbstdarstellung
Erinnert Ihr Euch noch an den Audioten? Ohrenblicker Jens wurde gestern zum Telefoninterview gebeten und dachte sich: Kein Problem, ich finde mit dem Handy sicher eine stille Ecke. Denkste!
Die Odyssee, die er dabei erlebte, kenne ich genau. Aus meinen eigenen Versuchen, mobil zu telefonieren. Und zwar egal ob ich (ohne Headset) oder der andere am Handy ist: Überall ist Lärm. Stille Örtchen? Nirgends. Treppenhaus? Hallig. Und ständig kommt wer vorbei, poltert, redet, scharrt mit den Füßen.
Flotthörenden reicht das zum Telefonieren. Als Schwerhöriger habe ich dabei nichts (gar nichts!) zu lachen. Denn um überhaupt irgendwas zu verstehen, stelle ich die gleichen Ansprüche wie die sendefähige Tonaufnahme.
Kategorien: Nette Geschichten
Mit Tag(s) versehen: Schwerhörigkeit, schwerhörig, Telefonieren, Handy, Ohrenblicke